Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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07 10.07

I schaff beim Daimler!

Von Josh von Staudach
Vermischtes, Befindlichkeiten . 00:04 Uhr

… war schon damals in meiner Schulzeit eine respektable Aussage, wenn es darum ging, wo man in den Ferien das Taschengeld aufbessert. … So, nun sind sie also endlich als AG hochoffiziell da angekommen, wo sie seit Jahren im Volksmund waren. Der globale Doppelname wollte hierzulande keinem so recht zwischen den Zähnen durchkommen: ‘Doimlr-Kraislr’ klingt schon irgendwie holprig. … Da ich persönlich seit jeher mit den Stern-Modellen nicht sonderlich viel anfangen konnte, ist es mir auch relativ schnuppe, wie sie sich nennen und ob der ‘Benz’ (im Namen) jetzt noch gewürdigt wird oder nicht. Was mir aufstößt, ist die Werbung, die sie in letzter Zeit (für teuer Geld) protzig in bunten ganzseitigen Anzeigen kommunizieren. Der Reihe nach? Bitte:

Am Donnerstag, 04.10. fand eine außerordentliche Aktionärsversammlung in Berlin statt, auf der der neue Name und das zugehörige Logo präsentiert wurde. Da fällt zunächst auf, dass das Logo immer noch aus Buchstaben der Schrift ‘Corporate’ besteht, die Kurt Weidemann 1985 für den Konzern entworfen hat (was ich durchaus positiv finde). ‘DaimlerChrysler’ wurde enger (engstirniger?) gesetzt, als vormals ‘DaimlerBenz’. Das ‘Daimler’ kommt nun breiter daher, irgendwie großspuriger.

Die Umbenennung soll (laut STZ) ca. 70 Millionen Euro kosten. Ob darin wirklich alle Kosten enthalten sind? Tausende Beschriftungen müssen ummontiert, Briefpapiere, Visitenkarten und Prospekte neu gedruckt, Datenbanken umprogrammiert werden. Eine Lachnummer am Rande ist, dass Ford (!) 14 Millionen Euro bekommt, um den Namen nutzen zu dürfen - denn Jaguar gehört zu Ford und Jaguar nennt seine Edelmodelle, ja wie: ‘Daimler’!

Weiter. Bereits am 05.10. erscheinen in diversen Tageszeitungen ganzseitige Farbanzeigen, die nicht nur den neuen Namen verkünden, sondern ‘ganz normale Menschen’ zu Wort kommen lassen. Bei solchen Anzeigen kostet allein die Schaltung (also das Abdrucken) 40-100 Tausend Euro pro Seite je nach Auflage. Sei’s drum, der Inhalt ist es doch wert:

super Perspektiven„Ich wünsche mir, dass Daimler auch in Zukunft super Perspektiven für junge Leute bietet – und das weltweit.“ Julia Hennings, Studentin, 22 Jahre (… dann komm ich vielleicht mal aus diesem WLAN-Café raus)

spannende Jobs„Ich wünsche mir, dass Daimler uns Mitarbeitern auch weiterhin spannende Jobs und viele Chancen zur Weiterentwicklung bietet.“ Sebastian Wahle, Mitarbeiter, 33 Jahre (… und den schicken Ordner leg ich mir heut Nacht unters Kopfkissen)

Kernkompetenz„Ich wünsche Daimler gute Jahre – und mit der Konzentration auf die Kernkompetenz weiteres Wachstum.“ Michael Schröder, Aktionär, 50 Jahre (hört hört, die Globalisierungssprüche lauteten doch ganz anders … damit der Herr Schröder mal noch ein bißchen Plus macht mit den Papieren)

klasse Ideen„Ich wünsche mir von Daimler noch mehr so klasse Ideen wie den BlueTec®-Diesel oder den Bremsassistenten.“ Michael Hannemann, Kraftfahrer, 33 Jahre (wie er voller Sehnsucht seine Kappe anschaut … und wie hat der Michael wohl das ®-Zeichen ausgesprochen?)

Locker flockige Texte, sonnige aber etwas blasse blau-grüne Farbigkeit und besonders glaubwürdige Models. Ein Spitzen-Konzept! Vor allem hat man ja nix versprochen, denn der Konzern macht ja selbst keine Aussage - er läßt Max und Marion Mustermann sprechen. Und wenn deren Wünsche nicht in Erfüllung gehen, können die Vorstände immer noch gelassen mit den Schultern zucken und murmeln ‘Wir freuen uns auf die Zukunft’ (Slogan der Kampagne).

Es ist halt (wie immer) nur die Frage, wie man das Volk bzw. den Kunden für dumm verkauft. Ich jedenfalls freue mich schon auf die Kommentare …

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9 Kommentare zu I schaff beim Daimler!

#1 isnochys . 07.10.07 . 04:23 Uhr

Das heißt bei mir in der Firma wieder Überstunden, die Emailadressen von “DC-AG” in “Daimler AG” umzubenennen
:))
Und meine Firma ist der ähh…Haupttelekommunikationspartner des bodenständigen Unternehmens;)

#2 b1g . 07.10.07 . 10:29 Uhr

Kleine Ergänzung zum Thema Namensrechte:

“1890 hatte Motorenpionier Gottlieb Daimler im schwäbischen Cannstatt zusammen mit zwei Kompagnons die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. Bereits nach drei Jahren verließ der Erfinder das Unternehmen jedoch für einige Jahre im Streit und engagierte sich zusammen mit dem britischen Industriellen Frederick R. Simms in England beim Daimler Motor Syndicate.

Während die deutsche Daimler-Gesellschaft 1926 mit dem Konkurrenten Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG fusionierte, bestand die britische Firma unter dem Namen Daimler Motor Company weiter, bis sie 1960 von Jaguar geschluckt wurde. Der britische Nobelauto-Hersteller baute jedoch weiterhin Limousinen mit dem Namen des Autopioniers.

1989 schließlich landeten die Daimler-Namensrechte bei Ford. Die Amerikaner hatten beschlossen, sich ein paar Luxusmarken zuzulegen, darunter Jaguar. Aus Daimler Benz AG wurde im Jahr 1998, nach der Fusion mit dem drittgrößten US-Autobauer, die DaimlerChrysler AG.”

Quelle: http://streitsache.blogspot.com/200...

Im Übrigen hat Daimler die Namensrechtsrechte nur für den Konzernnamen, nicht jedoch für Produkte bzw. als Marken. Und 14 Millionen sind für ein internationales Unternehmen gar nicht so viel, v.a. wenn man an den Namen “Cola-Cola” denkt. “Der Markenwert allein des Namens Coca-Cola beträgt inzwischen (2005) 56 Mrd. Euro.” (Quelle Wikipedia)

#3 Martin Hiegl . 07.10.07 . 11:29 Uhr

Sowas ist absolut normal für solche Firmen und nennt sich Markenpflege. Wenn die Dachmarke sich verändert hat, dann ist es enorm wichtig, das auch entsprechend zu kommunizieren. Es geht nicht um Versprechungen oder eigene Aussagen, es geht darum den neuen Namen passend zu präsentieren. Das gelingt mit diesen Anzeigen ganz gut.

#4 Martin Hiegl . 07.10.07 . 11:33 Uhr

Die Lachnummer mit Ford versteh ich auch nicht ganz … Daimler hat die Lizenz nach England rüber vergeben, wo der Namen dann immer weiter ging, bis er bei Jaguar landete - die 14 Millionen sind ein Klacks dafür.
Microsoft hat für Vista auch anderen Firmen die Markenrechte abgekauft - ist doch auch was völlig normales.

#5 U. . 08.10.07 . 15:41 Uhr

Die hätten sich Jaguar ganz einverleiben sollen. Dann haette man alle Rechte an dem Namen. Und da Jaguar auch Premium-Ansprüche hat, passt das garnicht so schlecht.

U.

#6 Ulrich Bartholmös . 17.10.07 . 09:09 Uhr

[…] zu hoffen, dass die “Wir freuen uns auf die Zukunft“-Kampagne des neuen Daimler nicht nur offline im Print, sondern auch im modernen Netz […]

#7 Sebastian Wahle . 18.10.07 . 14:34 Uhr

Der schicke Ordner steht übrigens wieder im Schrank (störte nach ein paar Tagen unterm Kopfkissen).

#8 circulus . 18.10.07 . 15:54 Uhr

Herr Wahle, Sie sinds selbst! Nun habe ich ja mittlerweile gelesen, dass die Kampagne mit echten Mitarbeitern und nicht mit Models fotografiert wurde. Überrascht mich in gewisser Weise positiv. Ein Stückchen Authentizität kehrt damit in die Werbung zurück. Wo ich aber noch skeptisch bin: steht wirklich dieser Ordner in Ihrem Schrank?! Sooo schnell können doch die Drucksachen nicht produziert worden sein. Der Ordner ist doch bestimmt ein Muster nur fürs Foto - oder?

#9 Daimler Blog: Einblicke in einen Konzern » Geschichten aus dem Daimler-Wohnheim . 25.01.08 . 09:50 Uhr

[…] 3.12. trat ich dann meine Stelle hier in der Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim an. Eigentlich gibt es zum Start eine monatliche Informationsveranstaltung […]

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