Von Donna Lüttchen
Vermischtes . 00:11 Uhr
Es ist wieder einmal soweit. Vier Wochen sind ins Schwabenland gezogen. Vier Wochen, in denen ich an nichts Böses gedacht habe. Wie schön. Ich komme nach Hause- HEIM sagt man hier wohl- und muß feststellen, dass mich hier das Grauen in Form eines putzigen Holzschildchens bereits erwartet. Auf dem Schild, das da neben meiner Tür zu hängen wagt, hat ein eifriger Schwabe einen winzigen Besen gebastelt und in ordentlicher Schreibschrift “Kehrwoche” vermerkt. Meine gute Laune ist dahin. War wohl nichts mit lange schlafen am Samstag. Von wegen gemütlich über´n Markt schlendern. Nee, denn ich habe ja Kehrwoche.
Und die, so wurde ich gewarnt, muß unter allen Umständen am Samstag erledigt werden. Vormittags. Nicht vor sieben und möglichst nicht nach elf Uhr. Ein laminiertes Regelwerk neben den Briefkästen beseitigt alle Unklarheiten, die eventuell in Bezug auf das Putzverfahren in diesem Hause aufkeimen könnten. So steht zum Beispiel geschrieben, dass Fahrradkeller und Waschküche unbedingt naß zu wischen sind. Auch dürfe man auf keinen Fall versäumen, den -so steht es da ohne jeden Zweifel- Rinnsal zu fegen, wenn man den Gehweg gesäubert habe.
Rinnsal, so so. Nun, da meine Laune keine gute mehr ist, kann ich meine schlechte kultivieren. Aushalten muß ich sie sowieso. Ich füge mich drein und lege los. Samstags. Vormittags. Geschwind leere ich eine gute halbe Flasche umweltfreundliches, zitronig duftendes Reinigungsmittel in den Eimer meiner Vileda-Putzette (super, man schont den Rücken und bekommt keine Spülhände) und wusele unter großem Getöse im Hausflur umher. Wie ein Wirbelwind holterdipoltere ich durch Waschküche und Fahrradkeller. Immer darauf bedacht, den Wischmob nicht zu trocken zu wringen. Ich nehme die Regeln sehr ernst, im Grunde wörtlich. Die Erfahrung lehrte mich das. Es kam schon vor, dass das von mir gereinigte Treppenhaus Anlaß zur Beschwerde bot. Einfach weil ich noch nicht versiert war. Und der Flur nicht ausreichend nach Putzmittel roch. Und niemand auf der Treppe ausgerutscht war. Man glaubte mir schlicht nicht, dass ich die Kehrwoche erledigt hatte. Mein Credo lautet aus diesem Grunde sonnabends alle vier Wochen:I kehr`for you. Und nicht etwa, weil es sauber sein soll. Damit fahre ich bestens. Mein großer Moment ist gekommen, wenn ich den Nachbarn das Schild vor die Tür hänge. Was mir allerdings noch nicht gelungen ist, auch nach langen Jahren des Exils im Schwäbischen: herauszufinden, wie man ein Rinnsal fegt…
#1 PhilGrooves . 16.12.07 . 17:05 Uhr
Das Schild hat mich noch nie beeindruckt.
#2 Matze . 17.12.07 . 13:07 Uhr
Gebt einem eifrigen Schwaben aus eurem Hause 50€ mehr im Monat, und er fegt für euch jede Woche :)
#3 Flak-Fritz . 17.12.07 . 16:15 Uhr
Was habt Ihr immer nur gegen die Kehrwoche?
Gut, jetzt im Winter ist das bei diesen Temperaturen natürlich unangenehm, von wegen brrrr und al so’n Zeugs.
Hier muss jedoch endlich einmal eine Lanze für die schwäbische Kehrwoche gebrochen werden.
Zunächst hat Donna Lüttchen natürlich recht, wenn Sie richtig nass und streng nach Putzmittel riechend durch den Keller fegt, ja, so gehört sich das.
Ich habe das Glück, dass wir nur den Hof kehren müssen, alle 6 Wochen und das ist doch sehr angenehm. Meine eigentliche Kehrtätigkeit dauert in etwa 5 Minuten, so ein Hof ist ja auch schnell gefegt, zumal ich durchaus das ein oder andere Blatt als Käferbiotop erkenne und deshalb respektvoll auch unbekehrt lasse. Der schöne Teil ist jedoch, wenn man sich auf den Besen stützend mit seinen Nachbarn ins Gespräch kommt, derzeit durchaus auch mit Thermoskanne, Pappbechern und Glühwein bewaffnet, und interessantes und kurioses aus der näheren Umgebung erfährt. Fakt ist, dass der Hof als gekehrt betrachtet wird, wenn der Kehrende sich mind. 30 min besenschwingend darin aufgehalten hat, auch wenn er 25 min davon glühweinseelig mit dem ganzen Haus über die Nachbarschaft abgelästert hat.
#4 der MfG . 17.12.07 . 17:32 Uhr
Ja stimmt - so eine blöde Kehrwoche. So ein sauberes Haus … wer will das schon - soll doch alles verdrecken. Und wenn die Miete teurer wird, weil ein Putzdienst engagiert wird - da würde ja niemand - wirklich niemand über hohe Preise klagen - ja ne is klar.
Vielleicht liegt es auch daran, dass manche Menschen sich zu höherem Berufen fühlen als die Gass zu kehren - sind wahrscheinlcih was besseres. ich weiß was es bedeutet Kehrwoche zu machen - dort wo ich wohne bin ich alle 8 Wochen dran - Treppenhaus herunterwischen und den Gehsteig, sowie ein bissle Innenhof kehren.
Zudem helfe ich meinen Eltern jede Woche bei ihrer Kehrwoche: 2 Mehrfamilienhäußer (Vorder- und Hinterhaus - 3 und 4 Stockwerke) runterkehren (Mein Dad wischt dann) + Gehweg, Einfahrt und Innenhof kehren. Klar kotzt es mich auch manchmal an - aber von meinen Eltern bekomm ich Geld dafür und dort wo ich wohne ist dafür die Miete günstiger.
Und als ob das die Schwaben für sich gepachtet haben - bei uns heißt es eben Kehrwoche bei den anderen Flurwoche.
Und ich kehr lieber meine Straße als dass ich durch Müllberge und über dreckige Wege laufen muss. In Berlin kehrt eben die Stadt die Wege.
Und ganz im ernst … wenn ich meine Kehrwoche wirklich mache und davor die vom Laub übersähte Einfahrt nun mit der von mir sauber gekehrten vergleiche, dann sehe ich wenigstens was ich geschafft habe - Ich habe etwas in Ordnung gebracht, etwas gereinigt. Das sehe ich nicht immer wenn ich von meinem Schreibtischjob aufstehe. Auch in der heutigen Zeit wo man überall an der Bewegung spart ist das doch auch mal eine Abwechslung - ja auch ich bewege mich sonst zu wenig.
#5 Ex-Saarländer . 17.12.07 . 18:52 Uhr
@ DER MFG: Die Kehrwoche ist und bleibt für Reingeschmeckte so skuril und unverständlich wie der Kannibalismus auf Papua-Neuguinea. Das Skurile dabei ist die Hartnäckigkeit mit der Schwaben an ihrer Art der Kehrwoche festhalten. Man könnte meinen, dass Stuttgart im Nu im Müll und Chaos versinken würde, sollten sich hier auch nur annähernd alternative Putzgewohnheiten einbürgern. Dabei ist das mitnichten in anderen Teilen Deutschlands der Fall.
#6 PhilGrooves . 17.12.07 . 21:57 Uhr
Hausmeisterservice lautet das Zauberwort. :)
#7 Alex . 18.12.07 . 12:09 Uhr
Hier ist man doch grundsätzlich sehr auf Regeln und deren Einhaltung bedacht. Kürzlich erst hab ich gesehn, wie eine etwas betagtere SSB-Fahrscheinkontrollangestellte sich fast den Hals gebrochen hätte, beim Sprint vom einen in den anderen Waggon, um gegen 18:20 einen Fahrradfahrer aus der fast leeren Bahn zu schmeißen…
#8 Sue . 18.12.07 . 19:34 Uhr
Meine Güte, kaum schreibt eine mal einen flotten Text über die Kehrwoche, schon kommen die Stänkerer um die Ecke, wie toll die Kehrwoche doch ist.
Ja in anderen Städten ist es teilweise dreckiger, ja in anderen Städten macht das ein (teurer) Putzdienst oder in anderen Städten gibt es auch eine Kehrwoche, nur unter einem anderen Namen (Putzdienst…).
Leute könnt Ihr nicht mal ein bißchen über Euch selbst schmunzeln?
Und die Sache mit dem Rinnsal ist natürlich kompletter Quatsch.
Höchstwahrscheinlich hat jemand, der der schwäbischen und deutschen Sprache nicht mächtig war den “How to do a Kehrwoch’ - Text” geschrieben. Gemeint war sicherlich die Straßenrinne, auf gut schwäbisch D’ Kandel (die Straßenkandel).
Mit Grüßen von einer echten Schwäbin an Donna Lüttchen.
PS: Wo jede Woche Fahrradkeller und Waschküchen geschrubbt werden ist das Grauen ;-).
#9 Flak-Fritz . 20.12.07 . 11:24 Uhr
Hallo Sue,
reagierst du immer so heftig?
#11 Flak-Fritz . 20.12.07 . 15:57 Uhr
Hallo Alegs;
“schon kommen die Stänkerer um die Ecke” kann man auch netter Formulieren, eine gepflegte Dislussion solle zunächst ruhig angegangen werden.
#12 Flak-Fritz . 20.12.07 . 15:57 Uhr
Hallo Alegs;
“schon kommen die Stänkerer um die Ecke” kann man auch netter Formulieren, eine gepflegte Dislussion sollte zunächst ruhig angegangen werden.
#13 Ex-Saarländer . 20.12.07 . 18:14 Uhr
Was die schwäbische Kehrwoche doch für Emotionen auslösen kann, c’est incroyable. Um ein wenig Dampf aus der Sache zu nehmen, nehme ich mir für’s neue Jahr fest vor, Rinnsale nur noch mit der Zahnbürste zu reinigen und überlege mir, ob ich nicht ab und zu mal unsere Biotonne ausschäumen soll. Ich würde sicher ein paar Extra-Credits einheimsen, sollte ich die Dachkandeln dampfstrahlen oder den Heizölkeller desinfizieren. Zum Schluss biete ich unserem Blockwart an, sein Auto (Daimler natürlich!) zu putzen.
Nächstes Jahr werde ich der Hot-Shot in unserer Nachbarschaft - I kehr`for you!
#14 Flak-Fritz . 21.12.07 . 10:49 Uhr
Hallo Ex-Saarländer,
wenn Du noch mehr Dampf rauslässt und Dir auch noch Gedanken um die Reinigung der Hausfassade machst, wirst Du bestimmt auch zum Ex-Saarländer des Jahres (des Neuen natürlich) gekürt.
Warum sind eigentlich die Fronten so verhärtet, hier die Hardcore - Besenschwinger - dort die Besen-Hasser (Heinrich Kramer lässt grüßen)?
#15 Alex . 21.12.07 . 14:56 Uhr
Fritz, ich sag mal einfach nur Fritz, mehr bringt mein pazifistisches Herz grade nicht über sich zu schreiben. Es geht doch im Grunde garnicht so sehr ums Besenschwingen selbst sondern - wie der Ex-Saarländer schon treffend festgestellt hat um
die Hartnäckigkeit mit der Schwaben an ihrer Art der Kehrwoche festhalten.
Bezeichnend auch, dass hier die so viel beschworene Selbstironie mancher Schwaben (Ausnahme siehe hier z.B. Sue) aber auch kein bisschen zünden will.
#16 Flak-Fritz . 21.12.07 . 17:15 Uhr
Hallo Alex,
gerade als Pazifist müsste dein Herz mit dem Wort Fritz doch deutlich mehr Probleme haben, aber das klären wir ein andermal.
Die Selbstironie bei Sue habe ich tatsächlich nicht gefunden, gefunden habe ich Sie bei Donna Lüttchen, da kann man mal sehen, wie verscheiden wir doch alle sind.
In diesem Sinne wünsche ich ein Frohes Fest und wenn die nächste Kehrwoche (gründlich!)gemacht ist komme ich gerne auf ein Vesper vorbei
#17 Jan Theofel . 22.12.07 . 19:59 Uhr
Also ich gehöre auch nicht zu den Freunden der Kehrwoche. Dennoch musste (oder durfte) ich sie in meiner ersten eigenen Wohnung alle vier Wochen machen. Bei meinen zwei Umzügen seither war ein Hausmeisterservice - auch wenn der gezahlt werden muss - Voraussetzung. :-)
Der Hauptgrund ist dabei für mich, dass ich keine Verpflichtung haben will. Meine Wohnung putze ich wenn ich Zeit dafür habe und punktuell (ich sage nur Küche) auch öfters. Zum anderen bin ich durchaus mal unterwegs oder habe Termine, so dass mir im Winter das Schneeschippen machmal gar nicht möglich wäre. Denn das ist mit der Kehrwoche ja i.d.R. auch verbunden. Und wenn es dann jemanden auf die Nase legt…
#18 Donna Lüttchen . 23.12.07 . 17:38 Uhr
Nicht zu fassen, wie doch ein Thema wie die Kehrwoche die Gemüter aufheizt! Ich hatte meinen Spaß.. Wie man es dreht und wendet, manche Dinge werden sich nie ändern. In diesem Sinne: I WISCH you a Merry Christmas!
#19 MCBuhl . 25.12.07 . 11:43 Uhr
Das ist doch extrem bedenklich: der Ex-Saarländer möchte mit einer Zahnbürste unsere schwäbische Kandel “behandeln”. Womöglich noch mit einer gebrauchten?? Hilfe!!! Bakterien.
Das müßte doch eigentlich jeder wissen, daß alte Zahnbürsten NUR zum Putzen von Bädern zugelassen sind. Also in württembergisch Schwaben zumindest.
#20 Frank . 01.01.08 . 13:32 Uhr
Ich habe in einem Mehrfamilienhaus eine Wohnung vermietet. Der Mieter war auch immer wegen der Kehrwoche unzufrieden. Da es noch mehr so Kandidaten gab, hat sich die Eigentümergemeinschaft irgendwann drauf verständigt, putzen zu lassen. Als dies dann zur Erhöhung der Nebenkosten führte, war die Stimmung noch schlechter. Darum: Wie man´s macht, ist´s nicht recht.
#21 Reiskeks . 03.01.08 . 09:35 Uhr
Ich bin froh hier keine Kehrwoche machen zu müssen x_X Von früher allerdings weiß ich, dass es immer hilft die Kehrwoche dann zu machen, wenn garantiert jemand im Haus die Wschküche oder den Keller aufsucht. Zum Beispiel zur Feierabendzeit oder werktags vormittags, wenn Mama Müller Wäsche macht.
Sobald man dabei gesehen wird, wie man den Rücken krumm macht, im günstigsten Fall von der voll-schwäbischen Omi ganz unten im Haus, hat man meistens schon alle Gemüter auf seiner Seite. - auch wenns mal nicht blitzt. ,-)