Von von unten
Leben . 23:45 Uhr
Er nimmt die Regenhülle von seinen Akkordeon und schaut den Passagieren freundlich in die Augen und spielte von Zuffenhausen bis Kornwestheim. Der grimmige BWL-Student sieht einen kurzen Augenblick irritiert von seiner Financial Times auf und vertieft sich wieder. Als der Akkordeonspieler den Pappbecher vorzeigt, macht es mir Spaß umständlich in der Hosentasche herumzukramen, nur dass der Mann länger neben dem BWL-Student und den anderen Passieren stehen kann. Ich hasse die Kriegsrhetorik der Wirtschaftzeitungen. (”Microsoft greift Apple an”, “Exportweltmeister”)
Streusalzrückstände beginnen bereits Landkarten auf den S-Bahn-Boden zu zeichnen. Und immer noch laufen junge Frauen in dünnen Absatzschuhen durch die Stadt. Vielleicht haben sie es sogar leichter. Alle anderen müssen eher durch die Schneehaufen storchen.
Ich wünsche mir den Akkordeonspieler bei jeder S-Bahn-Fahrt und hoffe, dass ihm auch noch etwas Geld übrig bleibt, wenn er beim Schwarzfahren erwischt wird und das erhöhte Beförderungsentgelt bezahlen muss.
#1 Der MfG . 11.01.10 . 04:37 Uhr
Schön geschrieben!
___________
Anderes Thema: irgendwie wusste ich dass der letzte Beitrag über die Zeugen nicht lange hier drin verbleiben wird … LOL … hat sich hier überhaupt noch jemand die Mühe gemacht den Autor fertig zu machen sich an der Diskussion zu beteiligen, gab es überhaupt eine? … witzig wie schnelllebig unsere (digitale) Welt ist …
… schreibt man schnelllebig jetzt mit 3 “L”? Hab echt schon lange nicht mehr “schnelllebig” geschrieben. ^^
#2 oldman . 11.01.10 . 12:10 Uhr
Der merkwürdige Beitrag ist im Google Cache zwar noch zu finden, ging aber offensichtlich den Weg, den alle deplazierten, ausschweifenden Texte gehen sollten, bei denen der Autor Kommentare unterbindet.
#3 isnochys . 11.01.10 . 12:28 Uhr
Zurecht gelöscht, wer nichts zu diskutieren hat, soll ne html seite erstellen:))
Dabei wollte ich das als kommentar drunter setzen:
http://whatstheharm.net/jehovahswit...
#4 Nordrandbewohner . 12.01.10 . 06:53 Uhr
Nichts schöneres als die Kriegsrhetorik der Wirtschaftzeitungen, deren Leser ihre Umgebung nicht mit organisierter Geräuscherzeugung während der Fahrt von Zuffenhausen nach Kornwestheim konfrontieren. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, eine Minute Regenhülle abnehmen, eine Minute Pappbecher vorzeigen, eine Minute Regenhülle wieder überstreifen, so lange kann das Akkordeonspiel während der dreiminütigen Fahrzeit (laut VVS) nicht gedauert haben.
Ich respektiere die Daseinsberechtigung dieses Erzeugers organisierter Geräusche im Beisein von Mitmenschen, die nicht um die Erzeugung derselben gebeten haben. Ich froh darüber, dass auch er seinen Platz in unserer Mitte gefunden hat, noch froher bin ich aber darüber, dass dieser Platz nicht in meiner Bahn war.
Nein, ich bin weder BWL Student, lese keine Wirtschaftszeitung, noch trage ich dünne Absatzschuhe. Und zum Glück, ich fahre nicht von Zuffenhausen über den Nordrand hinaus nach Kornwestheim.
#5 Henning . 13.01.10 . 18:06 Uhr
Inwiefern ist “Exportweltmeister” eigentlich Kriegsrhetorik?
#6 Nordrandbewohner . 13.01.10 . 19:12 Uhr
@Henning: Weil es so schön ins Feindbild passt. Und insofern ist die Betitelung von “Exportweltmeister” als “Kriegsrhetorik” bereits wieder eine solche ;-)
#7 von unten . 16.01.10 . 00:28 Uhr
Wettkampf ist auch nur die Vorstufe von Krieg.
Zum Glück geht die Bundesliga wieder los. Dann kann man da wieder schönster Kriegsrhetorik lauschen. Das tut niemandem weh, außer Klinsi schreit über die Polen: “Denen müssen wir auf die Fresse geben! Heute sind sie fällig! Die hau’n wir weg!” (2006)
#8 Nordrandbewohner . 22.01.10 . 10:19 Uhr
Gestern hats mich erwischt! Zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart durfte ich um kurz nach 13.00 Uhr in der S-Bahn dem quäkenden Näseln eines Akkordeons lauschen. Anschließend zog eine missmutig dreinschauende Gestalt an einem freundlich lächelnden Fahrgast vorbei und murmelte etwas von “…Geld für Musik…” - Bösartig wie der freundliche dreinschauende Fahrgast nun einmal ist, hat er noch nicht einmal den Versuch unternommen in seiner Hosentasche nach Kleingeld zu kramen. Man man man… drei Minuten können verdammt lange sein.