Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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26 04.06

Grüß Gott, Ihre Toilettenfrau

Von liamara
Vermischtes . 21:04 Uhr

Ich hab ja keinen Orientierungssinn. Früher pflegte ich zu sagen: Bin ja schon froh, dass ich nach Hause finde. Es ist zwar nicht ganz sooo schlimm, aber ich verlauf mich sogar im Breuninger (manche werden sagen, das ist keine Kunst, weil das Leitsystem so schlecht ist, aber das soll jetzt mal nicht unser Thema sein).

Jedenfalls, hab mir heute mal diese neuen Königsbau-Passagen angesehen. Sieht ja erst mal ganz nett aus, wenn man reinkommt. Hatte so ein bißchen Centro-Flair, nur in kleiner, und die Freßmeile fehlte. Dafür gibt es ja reichlich Möbelgeschäfte der (hust) gehobenen Art. Na ja, wenn man auf Furnier für 5000 Euro steht, bitte sehr.

Auf alle Fälle musste ich dann mal. Und abgesehen von dem real existierenden Bedürfnis weiß ich einfach gerne, wo die Toiletten sind. Darin bin ich wirklich gut, um mal wieder auf den nicht vorhandenen Orientierungssinn zurück zu kommen: Wenn ich nix weiß, aber ich weiß, wo das Klo ist. Ich bin, wenn man so will, eine Damentoilettenkennerin. Wenn mal in der Stadt einer muß, ich weiß schon wo man am besten hingeht. Gern würd ich sagen: ich hab sie alle gesehen; aber erstens stimmt das nicht, und zweitens gibt es welche, da geh selbst ich nicht rein, und dazu gehören grundsätzlich Bahnhofstoiletten und diese beklemmenden runden Dinger, wo man erst das Geld reinwirft. Wenn man nun da nicht mehr rauskommt? Dann erstickt man vermutlich am Klomief des Vorgängers. Oder am eigenen. Schlimme Vorstellung.

Wie dem auch sei, in dem neuen, hübschen Einkaufscenter packt mich also das menschlichste aller menschlichen Bedürfnisse und ich folge der Beschilderung. Einen Gang und noch einen Gang - ein bißchen erinnert mich das an meine Träume, ich träume nämlich oft von langen, langen Gängen mit vielen, vielen Türen. In diesen Träumen werde ich meist verfolgt und muß dann aus dem Fenster springen und wegfliegen, aber das hat ja hier jetzt nichts zu suchen. Obwohl, Fenster gab es auch. Jedenfalls kommt jetzt der Hammer: die Damentoilette. Nur ViER und ich wiederhole es gerne, VIER Toiletten in diesem großen, auf edel getrimmten Komplex. Wieviel Etagen gibt es, drei oder vier? Und dann nur VIER Toiletten. Natürlich gab es eine Schlange. Und heute ist Mittwoch. Wenn man sich vorstellt, wie das am Eröffnungstag gewesen sein muß, da wird es einem doch schwindelig.

VIER Toiletten. Und hinter der Tür krabbelt die ganze Zeit ein Kerl rum, der erst noch die Fliesen verfugen muß, oder sonst irgendeine handwerkliche Tätigkeit, die man natürlich mitten im Damenklo während der Öffnungszeiten erledigen muß. Als ich dann mal dran war und wieder gehe, sehe ich die Türen zum Wickelraum und zur Behindertentoilette. Da hingen Schilder dran. Defekt. DEFEKT! Ich wette, die waren auch noch nicht ganz fertig. Und das war ehrlich gesagt nicht das einzige, was noch nicht ganz fertig war. Trotzdem nett, dass so viele Leute auf das einsame Tellerchen bei den Waschbecken Kleingeld geworfen hatten. Eine Klofrau gab es nämlich nicht. Vielleicht sitzt die sonst draußen, da wo die Arbeiter standen und irgendwas in klebrigen alten Eimern verrührten.

Also: da muß man wohl noch mal dran arbeiten. Luxusmöbel sind ja schön und gut, aber die Luxusdamen müssen genauso aufs Klo wie das gemeine Volk. Aber - VIER Toiletten? Nee. Vielleicht hätte ich mir als Entschädigung bißchen Kleingeld mitnehmen sollen. Kann ja morgen noch mal hingehen. Hoffentlich muß ich dann nicht.

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3 Kommentare zu Grüß Gott, Ihre Toilettenfrau

#1 Frau Doktor . 27.04.06 . 09:27 Uhr

Letzten Sonntag – da habe ich mir nämlich den neuen Konsumpalast angeschaut – letzten Sonntag also gab es eine freundliche Klofrau, die alles in Schuss gehalten hat. Und fertig gestellt musste eigentlich auch nichts werden, außer auf dem langen Gang zu den Toiletten. Was ich damit sagen will?

Dass die bei nur vier Damen-Toiletten und dem Benutzerinnendurchsatz jede Woche die Sanitärenan-lagen renovieren werden müssen. Ganz zu schweigen von der Fluktuation bei den Klofrauen: Panisch werdende Power-Shopperin, die mit der Platinum Card oder dem Chanel-Handy werfen, um aufs Töpfchen zu kommen, sind bestimmt nicht die angenehmsten Kundinnen. Und wenig “Klo-Geld” (wie heißt denn das bloß in diesem Fall) geben die nach meiner Beobachtung auch.

Oder:Es gibt da irgendwo mehr Klos. Die, die ich gefunden habe, waren nicht in diesem schnittigen Ovaldingsbums, sondern Rolltreppe hoch, an der Saturn-Front entlang, durch eine Glastür in den Verwaltungs- und Servicetrakt (vermute ich jetzt mal), nochmal durch eine Glastür, scharf links und dann ist Frau da, Mann übrigens auch. Aber irgendwo müssen noch welche sein, weil: Das ist Deutschland! Bei uns können Jungs nicht Kindergärtner werden, wenn es kein Männerklo im Kindergarten gibt. Mädchen wird die Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin verweigert, weil’s im Ausbildungsbetrieb kein extra Damenklo gibt, selbst wenn alle Betroffenen damit kein Problem haben. Und dann sollen im tollen neuen Königspassagen-Paradies nur vier Damenklos sein. Niemals! Wir müssen nur besser suchen!

Oder ist das jetzt Hartz IV für Toiletten? Fördern und Fordern? Wir sollen uns auch hier mehr selbst um unsere Angelegenheiten kümmern! Oder sehe ich das etwas überspitzt?

#2 liamara . 27.04.06 . 09:41 Uhr

Genau da, wo Sie schreiben, Frau Doktor, genau da sind die Toiletten. Klar, dass am Eröffnungstag eine Klofrau da war. Jetzt ist sie vermutlich entlassen worden. Egal, MEHR Klos gibts da nicht. Pech gehabt. Außer im Eiscafe. Aber ich sah gestern jemanden kurz mit dem Kellner reden, der schüttelte den Kopf, und man zog von dannen; möchte wetten, da hat jemand gefragt, ob das Eiscafe ein Klo hat. Sicher hats keins.

#3 Fliesen . 07.01.08 . 11:39 Uhr

Überall gibt es Klos. In Deutschland gibt es mehr als 150.000.000 Klos. Da sind pro Kopf (oder Popo) ungefähr 2 Klos. Da sollte es doch nicht so schwer sein, eines davon zu finden. Oder?

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