Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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27 06.10

Graffities als kulturelle Bereicherung

Von Rote Socke
Vermischtes, Kultur, Politik, WM 2010 . 11:11 Uhr

In der Regel wird ja über Graffities ziemlich bemotzt. Und natürlich, ist Geschmackssache. Gerade bei “Schmiergraffities” kann ich das durchaus auch nachvollziehen. Leider sind die wenigsten Graffities künstlerische meisterleistungen. Insgesamt find ich aber, dass es das Stadtbild verschönern und eine kulturelle Bereicherung darstellt. Es prägt einfach das Stadtbild mit und macht es interessanter. Wieso meckert eigentlich kaum jemand über die vielen Werbetafeln? Ich find die sind fürs Stadtbild grauenhaft. Von überall her lächeld einem ein Herr Mustermann an und erzählt einem dass man unbedingt Produkt XY braucht. Da ist mir wirklich jedes Graffitie lieber.

Und ja, das gilt sogar für einfache Kürzel oder Slogans ohne jeden künstlerischen Anspruch. Gerade im Süden fällt mir das sehr positiv auf: Lauter Graffities die sich gegen Faschismus, Krieg und Unterdrückung richten. Trägt deutlich dazu bei dass ich mich dort recht wohl fühle. Und auch sehr schön zu sehen dass Graffities von Nazis, wenn die es wie vor kurzem mal versuchen welche zu hinterlassen, nach wenigen Tagen weg bzw. übersprayt sind.

Und es kann auch einfach ein bisschen Leben, Spontanität und Authenzität vermitteln. Beispielsweise wenn der Bus der Fußball-Nationalmannschaft, welcher zur Zeit auf dem Schlossplatz steht, auf einmal Hammer und Sichel trägt. Unabhängig wie man zu diesem spezifischen Graffitie steht, es macht den Bus find ich schlicht interessanter. Einfach weil der Bus jetzt nicht nur ein geplantes Ausendarstellungskonzept darstellt sondern zusätzlich eine individuelle Handschrift trägt, die Sehnsüchte eines Sprayers vermittelt.

Natürlich sollte man bei der Wahl des künstlerisch zu bearbeitenden Ortes abwägen ob das jetzt so angebracht ist oder nicht, das ist klar, aber dass kann letztendlich nur jeder Sprayer mit sich selbst ausmachen. Macht eben, find ich zumindest, einen großen Unterschied ob z.B. die Fassade eins Großkonzerns bearbeitet wird oder ob man die Gartenlaube der netten Oma von nebenan ungefragt umgestaltet. Oder auch ob man ein eh schon irgendwie individuelles Altbau-Gebäude oder irgendeinen Neubau-Betonklotz besprayt.

Nicht jedes Graffitie ist eine künstlerische Meisterleistung, nicht jeder Sprayer ist ein Banksy, aber wenn zumindest eine “Message” rübergebracht wird ist das meiner Meinung nach eher zweitrangig.

5 Kommentare zu Graffities als kulturelle Bereicherung

#1 Nordrandbewohner . 27.06.10 . 12:32 Uhr

aber wenn zumindest eine “Message” rübergebracht wird ist das ist meiner Meinung nach eher zweitrangig.

Dem kann ich mich inhaltlich voll und ganz und völlig ohne Ironie anschließen.

#2 Max_287 . 28.06.10 . 20:15 Uhr

Muss ich dir absolut zustimmen. Graffities können ein Stadtbild auch im positiven Sinne prägen und das ist in vielen Städten der Fall.
Ich war früher selber Stuttgarter und jetzt München.. In München wird aber viel mehr drüber gemosert.. wobei hier auch die “Gegen-Nazi-Sprayer” Armee deutlich kleiner ist.
Grafitties mit künstlerischem Anspruch gibt es hier leider nur sehr selten - wenn es welche sind, dann aber gleich echte Kunstwerke!
Viel zu schade zum wegmachen…..eigentlich….. :(

#3 nick . 03.07.10 . 15:40 Uhr

Graffities mit künstlerischem Anspruch finde ich durchaus wünschenswert und die sind mir tausendmal lieber als die erwähnten Werbeplakate. Hässliche Schmiererei ist Sachbeschädigung.

#4 Michael Fitzmayer . 07.07.10 . 16:26 Uhr

Hättest du eine andere Ansicht, wenn es sich bei dem Graffito um ein Hakenkreuz statt Hammer und Sichel handen würde?

#5 Rote Socke . 08.07.10 . 11:55 Uhr

@ Michael

Hättest du eine andere Ansicht, wenn es sich bei dem Graffito um ein Hakenkreuz statt Hammer und Sichel handen würde?

Natürlich, dass was ich über das Graffiti am Nationalbus geschrieben hab gilt natürlich auch dann wenn es ein anderes wäre, z.B. ein Hakenkreuz. Gefallen würde mir das Hakenkreuz-Graffiti aber deswegen natürlich trotzdem nicht, dann doch lieber ohne :)