Von Mythen in Tüten
Sport . 13:23 Uhr
Lieber VfB. Wenn schon die eigenen Fans (in grauer Vorzeit gab es die hier mal) deinen Klassenerhalt nicht feiern , so will ich das am heutigen Tage tun. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum Verbleib in Liga 1. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Spiel meiner Mannschaft in deinem schicken neuen Stadion. Schwarz-Gelbe Grüße vom Meister mit Herz.
#1 Djax . 09.05.11 . 13:50 Uhr
Wayne Fußball
#2 Mini . 09.05.11 . 20:09 Uhr
Cooler Beitrag und locker und flockig geschrieben.
#3 Stuttgart lebt . 10.05.11 . 12:07 Uhr
Ich kann mich dir nur anschließen, es freut mich das der VFB es geschafft hat. Ich hoffe die nächste Saison wird etwas erfolgreicher.
#4 nick . 10.05.11 . 15:40 Uhr
Vom VfB-Finanzchef steht heute in der Zeitung, dass er in der nächsten Saison die Spielergehälter “noch weiter” senken möchte. Das kann ja was werden.
#5 Frau Doktor . 10.05.11 . 16:14 Uhr
Ich leide noch unter der 1:8 Klatsche von Pauli. Mit dem Abstieg hatte ich mich schon abgefunden, aber das war schlimm.
@Nick: Überbezahlt sind einige der Herrschaften vom VfB ja deutlich. Soweit er keine Verträge neu verhandeln kann, muss der Finanzmensch verkaufen - und da dürfen wir mal gespannt sein. Wirklich nach vorne bringen würde die Sache natürlich der Rücktritt Herrn Hundts. Dafür wäre der Abstieg gut gewesen.
#6 Nordrandbewohner . 10.05.11 . 20:44 Uhr
@Frau Doktor
Wirklich nach vorne bringen würde die Sache natürlich der Rücktritt Herrn Hundts.
Hundt ist bis 2013 gewählt, aber keine Sorge, das überstehen wir auch noch. Und von meiner Seite an Pauli, Herzliches Beileid und auf ein baldiges Wiederkommen.
Grüße vom Nordrand
#7 Mythen in Tüten . 11.05.11 . 13:21 Uhr
@ Frau Doktor: Vor den Pauli-Fans ziehe ich meinen virtuellen Hut. Sensationell wie die trotz der 1:8 Klatsche und dem Abstieg hinter ihrer Mannschaft standen. Wer sich solcher Fans erfreuen kann “walked never alone” und kommt auch wieder zurück.
#8 Herr Linsinger . 11.05.11 . 19:22 Uhr
Glückwunsch auch von meiner Seite für die tollen Pauli Fans und viel Erfolg beim schnellen Wiederaufstieg! Die 1. Liga braucht euch!
#9 Frau Doktor . 12.05.11 . 10:19 Uhr
Danke für die guten Wünsche und die Anerkennung. Mal sehen, wie sich der neue Trainer Schubert, die Mannschaft und die Fans so eingrooven. Aber der macht schon den Eindruck, als wüsste er, dass er mit Pauli nicht so eine Neureichen-Mehr-wollen-als können-STrategie fahren kann. Und auf die Karriere von Stani bei Hoffenheim bin ich auch sehr gespannt. Das passt so aus dem Bauch raus für mich garnicht, aber wir werden sehen.
#10 Exilostfriese . 12.05.11 . 14:46 Uhr
Wir Bremer (erster Meisterbesieger) pflegen ja eine Fanfreundschaft mit den Paulianern und haben uns ganz besonders über den Derbysieg gegen den HSV gefreut. Es ist einfach das coolste Publikum, was man sich vorstellen kann. Humorvoll, teilweise derbe selbstironisch.
Leider war die Rückrunde dann doch zu schlecht.
und mir graut es ein wenig um die Zukunft nach dem Abschied von Stani. Das sieht schon eher bitter aus. Hoffe es kommt nicht so schlimm wie man befürchten muss. Da bimmeln die Höllenglocken.
Zum Thema VfB-Fans: Mal ne derbe Scheibe bei denen abschneiden.
ihr seid aber um einiges besser als die Frankfurter..
#11 Mythen in Tüten . 13.05.11 . 09:46 Uhr
#10: Ihr wart nicht die ersten, sondern die letzten Meisterbesieger. Der erste Meisterbesieger war Vizekusen. So viel Ordnung muss sein :-) Bin froh das Bremen ebenfalls in Liga 1 bleibt, sonst würde bei mir zu Hause der Haussegen aber dermaßen was von schief hängen. Schiefer ginge es nicht. Und zu Frankfurt: Eigentlich sind die Frankfurt-Fans ganz ok, aber die haben einen Hardcore-Spackenblock, der sie nicht mehr alle hat. Kann nur hoffen, dass die mir morgen nicht mein Meisterbier verderben.
#12 Frau Doktor . 13.05.11 . 11:16 Uhr
@Exilostfriese: Ich bleib’ erstmal optimistisch. Für das Runterkürzen des Kaders hab’ ich Verständnis: Jetzt auf Teufel kaum raus auf Wiederaufstieg in einem Rutsch zu setzen, das passt weder zu Pauli als Verein noch zur finanziellen Lage. Ich bin Pauli-Fan geworden, da spielten die in der Oberliga. Mich kann eigentlich nix mehr schrecken.
#13 Paul-geht-baden . 16.05.11 . 13:39 Uhr
Alles St.-Pauli-Fans? Der Kuschelfaktor ist natürlich gewaltig - wenn einem der Fußball, der gespielt wird, egal ist. Oder ist das der wahre Fußball, wenn die Spieler, weil ihr Talent für den Umgang mit dem Ball und ihr Spielverständnis - sagen wir: überschaubar sind, wenig mehr als Einsatz zu bieten haben (und das Spiel, wenn nicht der Zufall hilft, ein einziges Gewürge aus Fehlpässen und unnötigen Ballverlusten ist)? Als eine Art Camp-Erlebnis ist das ja mal ganz lustig, wenn man der hilflosen Bolzerei am Sonntagnachmittag bei einem Kreisligaspiel in der schönen Kulisse eines kleinen feinen Stadions eine Weile lang zusieht, aber in der Bundesliga? Sie, liebe Frau Doktor, sind ja nun sozusagen der lebende Beweis dafür, dass man St.-Pauli-Fan sein und (Achtung, Brückenschlag zum vorigen Thema hier im Blog) auf ein eigenes Auto verzichten kann, aber es liegt eigentlich auf der Hand, dass, solange es Fans von Vereinen wie St. Pauli gibt, kaum damit zu rechnen ist, dass der Traum von meinem Freund Nick in Erfüllung geht und die Leute sich mit einem fremden, leeren Auto zufrieden geben. Mit anderen Worten: Sie, verehrte Frau Doktor, müssen eine Ausnahme sein. Oder vielleicht ist (10 Jahre ohne eigenes Auto, 10 Jahre Fan von St. Pauli) Ihre Anhängerschaft für St. Pauli am Ende gar eine Art Kompensation dafür, dass Sie, wenn Sie in ein Auto steigen, sich nicht - wie wenn’s die eigene Karre ist - in eine mehr oder weniger emotional gepolsterte Höhle begeben, mit Spuren, die Sie im Laufe der Zeit darin hinterlassen haben: CDs, halbvolle Bonbontüten, Parkzettel, dem Pickerl von der Fahrt nach Österreich usw. usf.? (In der Süddeutschen habe ich am Samstag gelesen, dass zehn Prozent der Autofahrer ihr Fahrzeug mit religiösem Schnickschnack - Devotionalien - ausstatten, VW-Fahrer übrigens überproportional oft!) Immer nur mit Autos zu fahren, in denen es nichts Persönliches gibt, ist vielleicht auf die Dauer ebenso stressend wie wenn man immer nur in einer Ferienwohnung wohnen müsste (in der es mehr Persönliches, als in einen Koffer passt, nicht gibt). Mit anderen Worten: Irgendwie sympathisch, diese St.-Pauli-Fans, auf eine - wie sagt man heute so schön? -: unterkomplexe Art, etwa so sympathisch wie ein schön zugemülltes Auto. Fahren möchte ich darin (und damit sowieso nicht: ich fahre ja nie) aber lieber nicht, ebenso wenig wie ich mir ein Spiel von St. Pauli ansehen möchte.
#14 Frau Doktor . 16.05.11 . 17:54 Uhr
Ich träume ja davon, mir ein Stattmobil-Individualisierungs-Set zusammenzustellen: Rückspiegel-Anhänger, Wackeldackel, eigene CD-Sammlung, assortierte Zettel (Sanifair-Bons, Parkscheine etc.) und einfach aufsteckbare, blinkende Türschwelle und natürlich Pauli-Aufkleber. Wenn ich dann mal wieder über 45 Minuten im Stau stehe, um an Sindelfingen vorbei zu kommen, denke ich mir aber: “Individualverkehr ist total überbewertet.”
Als Beschreibung der fußballerischen Fähigkeiten meines Lieblingsvereins ist ihre Analyse nicht ganz falsch, lieber PGB. Es ist so eine Art Underdog-Snobismus, den wir Pauli-Fans ganz gerne vor uns hertragen. Deswegen gibt es ja auch nicht wenige, die den Abstieg als Möglichkeit begrüßen, die ganzen Schön-Wetter-Fans aus der BL wieder los zu werden. Aus bescheidenen finanziellen und technischen Möglichkeiten das Beste zu machen - so kann man die Pauli-Strategie ja auch beschreiben - finde ich das sympathische an Pauli. Fan bin aber weniger wegen der fußballerischen Fähigkeiten der Mannschaft, sondern wegen des beherzten Auftreten der Pauli-Fans gegen die Fascho-Spacken von Cottbus geworden. Da die damals unter dem Kommando von Ex-Richter Gnadenlos stehende Hamburger Polizei sich nicht in der Lage sah, die von den Cottbus-Fans angegriffene Gruppe “nicht-arischer” Passanten auf der Reeperbahn zu beschützen, hatten das damals die Pauli-Fans übernommen. Mit schönem Erfolg. An diesem “You never walk alone.” ist bei vielen von den Hardcore-Fans echt was dran, auch wenn dann immer mal wieder jemand aus der Rolle fällt und Bierbecher auf die gegner oder den schiri schmeißt. Der Werfer hat dann aber auch nix mehr schönes im Stadion zu erleben.
#15 Paul-geht-baden . 16.05.11 . 19:56 Uhr
Zu Ihrem Traum vom Individualisierungs-Set kann ich Ihnen sagen, dass ich schon herumspekuliert habe, ob es für so etwas einen echten Bedarf gibt (und ob ich nicht Nebenerwerbsunternehmer werden und — sagen wir: ein praktisches Täschchen zum Transport der Utensilien zum und vom Stattauto auf den Markt werfen [und damit, wohlmöglich, Nebenerwerbsmillionär werden] soll). Die Geschichte von den Pauli- und den Cottbus-Fans: das wusste ich noch nicht, ist mir irgendwie entgangen. Das man da sein Herz verliert, kann ich gut verstehen. Läuft aber auch nur wieder auf das hinaus, was hier auch in anderen Kommentaren anklang: Man ist eigentlich St.-Pauli-Fan-Fan und bastelt sich die Begeisterung für die Fußball-Mannschaft dem Anschein nach irgendwie halbbewusst zurecht. Aber die Fanwelt war schon immer eine fremde Welt für mich. Mein Eindruck ist, dass bei Fans die Liebe zum Fußball seltsamerweise in den Hintergrund tritt - zugunsten von etwas Anderem, das am meisten mit sozialen Motiven zu tun zu haben scheint, auf jeden Fall aber sekundär motiviert ist, wenn man das so sagen kann. Ich kenne jemanden, der mit Dauerkarte zu jedem Heimspiel des VfB ins Stadion geht (mit familiärer Begleitung), aber wenn es im frei empfangbaren Fernsehen mal ein Spiel von Barca gibt, wie vor ein paar Wochen, dann grinst er verlegen, wenn man ihn danach fragt, und sagt: “Für internationalen Fußball interessiere ich mich nicht so.”
#16 Frau Doktor . 17.05.11 . 08:49 Uhr
Viele Pauli-Fans, die auch noch Fußball-Fans sind - doch, doch, das gibt es - haben deswegen auch noch einen Zweit- und Dritt-Verein, manche sogar aus der Bundesliga. Oder gucken wie ich internationalen Fußball dann tatsächlich wegen des Fußballs. Mangels eigenen Fernsehers dann in der Sportsbar an der Ecke, ein ganz eigenes Erlebnis, vor allem wenn man wie ich kein spanisch versteht. Die wird von einer griechischstämmigen Familie betrieben, die völlig Lionel Messi verfallen ist und deswegen die Primera Division guckt – und wir dürfen alle mitgucken, ohne Verzehrzwang. Natürlich trinken wir aber ganz ordentlich mit, vor allen wenn’s spannend wird: Real - Barca vor zwei Wochen, Mann, Mann. Hinterher ist man total taub, weil der Super-Duper-Flatscreen-Fernseher brüllend laut gestellt ist, spanische Moderatoren sehr laut werden können und die Chefkommentatoren vor dem Fernseher natürlich den Fernseher überbrüllen müssen. Ach ja, nach Fritöse riecht man hinterher auch manchmal.
Wenn ich mir das so durchlese, klingt das auch wieder nach Ambiente gucken, aber Fußball auf so einem Riesenbildschirm ist einfach viel besser zum Anschauen und ohne Mitgucker, mit denen man die Genialität von Messi bewundern und die Ausfälle von Mourinho besprechen kann (Absicht? Hysterie? Wahnsinn? Ablenken von der eigenen gescheiterten Total-Catenaccio-Taktik?) macht Fußball eigentlich nur den halben Spaß. Kennen Sie übrigens die Herren und Damen: http://www.zonalmarking.net/ Da wird Fußball als Rasenschach ernstgenommen und ordentlich durchanalysiert. Hab’ ich viel Verständnis für Taktik bekommen. So was bekommt man ja von deutschen Kommentatoren garnicht (außer wenn Klopp und Mehmet Scholl kommentieren).
#17 Paul-geht-baden . 17.05.11 . 13:33 Uhr
Das hört sich gut, liebe Frau Doktor, aber zumindest bei wichtigen Spielen wäre das nichts für mich. BIn da - vielleicht bedauernswerterweise - wie Marcello Lippi, der allein sein will, wenn er Fußball im Fernsehen sieht (höchstens seine Frau darf mitsehen), weil er das Spiel so intensiv erlebt, dass alles Drumherum nur Ablenkung und Verwässerung wäre. Genauso geht’s mir: Wenn ich ein Spiel mit anderen sehe, habe ich gewöhnlich hinterher das Gefühl, das Spiel gar nicht richtig gesehen, nicht voll ausgekostet zu haben. Ich will mich nicht unterhalten, nicht hören, was andere meinen, weil ich voll da sein will, live dabei, wenn das Wunderbare passiert. Ich will dem Tor, dem genialen Pass, dem Foul, das zum Elfmeter oder Platzverweis führt, nicht erst bei der Wiederholung meine volle Aufmerksamkeit schenken, ich möchte es bzw. ihn nicht gezeigt gekommen, sondern selbst “entdecken”, während es passiert. (Und ein Spiel im Stadion zu sehen, was man sich immer so toll vorstellt, wegen der Atmosphäre usw., war jedesmal eine Riesenenttäuschung, weil es so gut wie keinen emotionalen Kontakt zum Spiel gab, zu dem, was die Spieler machten: alles viel zu weit weg, verzerrte Perspektiven usw. Kann mir aber vorstellen, dass man das lernen kann, sich ins Spiel hineinzuzoomen, wenn man jede Woche ins Stadion geht.) Es gibt allerdings eine bemerkenswerte Ausnahme: Als während der letzten WM Besuch aus Australien da war, habe ich mit denen zusammen die Spiele der deutschen Mannschaft gegen England und gegen Argentinien gesehen, und es war ein wunderbares Erlebnis, mit Aufspringen und Abklatschen und allem, was dazu gehört, die volle emotionale Ladung. Keine Ahnung, warum das funktioniert hat. Aber wenn die eigene Mannschaft den Gegner so zerlegt, wie in diesen beiden Spielen, ist das vielleicht auch kein Kunststück. -
Und danke für den Link zu zonalmarking. Sehe ich mir später mal an.
#18 Stuttgarter . 05.08.12 . 15:53 Uhr
Wir freuen uns riesig auf die nächste Saison. Dem VfB wünschen wir, dass er sich noch weiter steigern kann!