Von kesselblick
Essen und Trinken . 13:38 Uhr
Bedienung: “Und, war es recht?”
Kesselblick: “Nein, überhaupt nicht. Es war katastrophal…”
Bedienung: “Oh, woran hat es denn gelegen, am Service oder am Essen?”
Kesselblick: “An beidem. Ich möchte das lieber gleich mit der Chefin besprechen.”
Bedienung räumt ab und geht.
Chefin kommt lächelnd.
Chefin: “Und wie hat es Ihnen gefallen?”
Kesselblick (redet sich in Rage): “Überhaupt nicht, es war eine einzige Katastrophe. Die Vorspeise bestand aus zwei mageren Stücken Ziegenkäse quasi ohne alles. Der Hauptgang kam nicht gleichzeitig, sondern erst kam ein Gericht, dann nach 5 Minuten das zweite und nach weiteren 10 Minuten der Rest. Die Speisen waren völlig lieblos auf den Teller geklatscht, wie z.B. das Lammnüsschen, das auf einer dünnen braunen Soße schwamm dazu vier halbe Mini-Kartoffeln, ohne Beilage, ohne nix. Das ist völlig unakzeptabel.”
Chefin: “Oh, das tut mir leid. Sie haben vielleicht was anderes erwartet, aber wir sind doch nur eine Art Bistro.”
Kesselblick: “Aber die Preise sind ja wohl wie in der gehobenen Gastronomie. Was machen wir denn jetzt?”
Chefin (jetzt voll sauer): “Da Sie überhaupt nicht zufrieden sind, geht das gesamte Essen heute Abend aufs Haus. Vielleicht kann ich Ihren Tisch nochmal an Gäste vergeben, die wissen, was sie hier erwartet.”
Kesselblick: “Das ist sehr nett und großzügig und das Angebot nehmen wir gerne an.”
Fazit: Wir sind dann sofort gegangen, haben ca. 130 € gespart, aber der Abend war natürlich im Arsch. Wäre er aber sowieso gewesen und besser man ärgert sich über schlechtes Essen, das man nicht bezahlt hat…
#1 Frau Doktor . 18.08.06 . 13:48 Uhr
Respekt, Herr Kesselblick! Sowas traue ich mich ja immer nie und liege dann nachts wach und fantasiere Mord und Totschlag vor mich hin.
Geben Sie in sowas eventuell Kurse (im Bewschweren, nicht im Fantasieren!)? Ich wäre dabei.
#2 Liamara . 18.08.06 . 14:36 Uhr
Hmm, und wie hats geschmeckt? Eigentlich lese ich diese Beschwerde so wie “es sah scheiße aus und war viel zu teuer für viel zu wenig”… 130 Euro ist allerdings für ein “Bistro” ja wohl ein Scherz.
#3 kesselblick . 18.08.06 . 14:50 Uhr
Geschmacklich würde ich mal sagen “gehtso”. Wenn ich aber überlege, was ich für ein 14,80-€-Hauptgericht im Cube bekommen hätte … Da lagen nun wirklich Welten dazwischen.
Kurse geben, Frau Doktor, tja, ich möchte halt doch nicht der meistgehasste Gast in Stuttgart werden ;-)) Mich allerdings zu so einer Beschwerde durchzuringen, fällt auch mir schwer, aber mit jedem Mal wird es leichter.
#4 Wegschaffel . 18.08.06 . 16:11 Uhr
Well done. Sollte man öfters machen. Einfach mal die Wahrheit sagen! Haben Sie denn brav alles aufgegessen? Eigentlich sollte man solche Lieblos-Teller und Zehnminutenspäterbeilagen erst gar nicht annehmen, sondern gleich wieder zurück in die Küche werfen! Dann gibts in Sachen Bezahlung auch keine Diskussionen. Und - äh - wie waren denn Proseggo, Wein und Digestif? Die 130 Öre haben Sie in der 14,80-Kategorie ja wohl kaum aufgegessen. :-)
#5 kesselblick . 18.08.06 . 17:37 Uhr
2 x gr. Fl Wasser = 7,60
1 x gr. Apfelschorle = 4
1 x Fl Rotwein portugiesisch = 23
2 x lauwarmer Ziegenkäse = 17,60
2 x Beilagensalat = 10
1 x Salat mit Pfifferlingen = 9,80
2 x Lamm = 29,60
1 x Kaninchen = 14,80
macht 116,40, mit Trinkgeld 120, sorry, habe ich mich um nen Zehner verrechnet.
Ja, das mit Zurückgehenlassen hat was für sich, ist aber sone Sache. Dann sitzt man da rum und weiß auch nicht weiter.
#6 Sabine Schneider . 18.08.06 . 18:10 Uhr
Ach, seien Sie nur froh, dass Sie nicht an den Herrn des Hauses geraten sind. Nachdem ich diese Erfahrung einmal gemacht habe, meide ich dieses Etablissement wie die Pest. Ganz abgesehen davon, dass das Essen den Preis wirklich nicht wert ist.
#7 K und S . 18.08.06 . 18:49 Uhr
Absolut richtige Reaktion beider Seiten. Die Nummer mit dem Bistro ist zwar ausgemachter Blödsinn, alleine in dieser speziellen Situation würde ich keine Worte auf die Goldwaage legen.
#8 Dentaku . 19.08.06 . 19:09 Uhr
Hmmm. Ich war im Augustenstüble eigentlich immer zufrieden. Vielleicht bin ich einfach zu anspruchslos.
#9 blanko . 19.08.06 . 19:44 Uhr
Hm. spannende Sache…
ich war bisher einmal dort und habe das “Bistro” eigentlich sehr positiv in Erinnerung. Ich wollte schon lange mal wieder dort hin, hat aber bisher nicht sollen sein… nun ja.
#10 Peter . 21.08.06 . 15:14 Uhr
Kommen Sie doch mal beim VSS (Verein Stuttgarter Spießer) vorbei. Mir machen uns immer einen großen Napf Kartoffelbrei - da weiß man, was man bekommt und dass es den Magen bis kurz vors Ebrechen füllt. Wo diese beiden Kriterien erfüllt sind, braucht man ja auch nicht mehr ins Restaurant gehen.
Beim Spachteln der Mauge machen wir unserer alltäglichen Unzufriedenheit gern Luft, indem wir uns über Gott und die Welt beschweren und Lapalien aufblähen.
Zwar sind wir, wenn wir den Heimweg antreten, noch genauso schrullig und verbittert wie vorher, aber wir haben wenigstens den Abend rumgebracht.
Aus der Hollywoodschaukel grüßend,
Peter
#11 Wegschaffel . 21.08.06 . 18:34 Uhr
Nix gegen einen ordentlichen Napf Kartoffelbrei mit lecker Soße! Auch gemeinschaftliches Bruddeln kann reinigend wirken. Ansonsten aber gibts als Alternative zum VSS glücklicherweise reichlich ordentlich geführte Restaurants in Stuttgart.
#12 Gratian . 22.08.06 . 02:29 Uhr
Luxusprobleme… in Stuttgart scheint wirklich nicht viel zu passieren. Alle im Urlaub? Zur Not könnt ich was aus Paris berichten.
#13 kesselblick . 22.08.06 . 10:20 Uhr
Nee, Herr Peter, die Einladung lehne ich dankend ab. Mit Spießern, die Kartoffelpampe für die Krönung kulinarischen Schaffens halten, möchte ich nichts zu tun haben. Ich habe lange genug unter schlechtem Essen und hochnäsiger Bedienung gelitten. Und passen Sie auf beim Schaukeln - das macht schnell gaga…
#14 Marcus . 22.08.06 . 11:40 Uhr
Schon recht mau. Erst schön lächeln, das schlecht aussehende, aber gar nicht schlecht schmeckende Essen mitnehmen, den bestimmt viel zu warmen Wein genießen und danach nen bisschen Aufplustern (möglichst laut, damit auch der letzte Tisch was davon hat), damit der Geldbeutel lacht. Naja, immerhin wieder was von einem Oberschwaben gelernt.
PS: nichts gegen das Beschweren und die Schwaben, vielmehr gegen die Art und Weise sowie den stolzen Ton!
#15 Peter . 23.08.06 . 10:06 Uhr
Ach Herr Kesselblick,
jetzt nehmen Sie sich doch nicht so wichtig. Meinen Sie ihr Auftritt hätte jemanden beeindruckt? Während Ihnen der “magere Ziegenkäse” einen hochroten Kopf beschert hat, reicht es für die Belegschaft im Augustenstüble maximal für ne Freak-Story auf der Weihnachtsfeier. “Weißt du noch: Der mit den Lammnüsschen? Hihihi.”
Geschenkt.
#16 Wegschaffel . 23.08.06 . 13:20 Uhr
@Peter: Man weiss ja nicht, woher Sie Ihre oben geäusserten Kenntnisse haben. Sie haben sicher recht, dass viele Läden wenig professionell mit berechtigten Kundenbeschwerden umgehen. Der Markt regelt das aber in der Regel zuverlässig: Mit dieser Einstellung zum eigenen Tun gibt es meist nicht viele von Gästen finanzierte Weihnachtsfeiern, auf denen man über Gäste lästern kann.
Ich habe in einem früheren Leben auch mal in der Gastronomie gearbeitet. Mein damaliger Chef hätte jeden Angestellten zwei Stunden bei 180 Grad ins Rohr gesperrt, wenn er die Kritik eines Gastes nicht ernst genommen hätte. Der Laden brummt seit über 20 Jahren, vielleicht gibts da Zusammenhänge.
#17 Gastronomisch . 24.08.06 . 09:21 Uhr
… bin auch der Meinung, dass es wichtig ist jede Beschwerde ernst zu nehmen … bzw. nicht die Beschwerde an sich, sondern den Gast! Wir betreiben auch ein Restaurant und freuen uns darüber, wenn wir wirklich einmal Kritik bekommen, denn nur so können wir lernen. Allerdings gibt es so eine Spezies Gast, die jeden Teller ratzeputz leer isst und dann zum Schluß über das schlechte Essen herzieht. Also, ich esse nichts auf, was mir nicht schmeckt. Und im Zuge der Fairness, sollte man sofort dem Kellner resp. dem Chef sagen, wenn einem etwas nicht passt: Geschmack, zu wenig, zu kalt etc. Es ist nun mal so, nur wenn die “Gegenseite” weiß, was los ist, kann auch darauf reagiert werden. So ist es zumindest bei uns … wir versuchen immer sofort auf Dinge zu reagieren, die dem Gast nicht passen … und dann fliegt schon mal ein - laut Gast- zähes Rumpsteak in den Müllereimer, das am Nachbartisch in den Himmel gelobt wird. Aber wie zu Beginn schon gesagt, es ist einfach immer wichtig, seinen Gegenüber ernst zu nehmen und dann können auch beide Seiten mit einem guten Gefühl auseinander gehen.
#18 Zorro . 24.08.06 . 17:32 Uhr
Ich stelle mir gerade den Typus ‘Herr Kesselblick’ vor.
Begibt sich in ein ‘Bistro’, erwartet ein Gourmet-Mahl, isst ALLES auf, und beschwert sich anschließend, um nichts (das muß man sich mal vorstellen: NICHTS von 130,- €! Herrgott, das sind 260,- Deutsche Märker!!!), aber auch gar nichts zu bezahlen. Mein Vorschlag an Herrn K.: Bei google gibt es womöglich eine webseite, wo man solche Storys unter ‘Meine geilste Abzocke’ einstellen kann. Ich drücke die Daumen, vieleicht gibt es sogar einen Preis für ‘die Abzocke des Monats’, dann macht Herr K. sogar Gewinn. Wäre Ihm das nicht zu wünschen? Good luck und weiter so!
#19 Richard . 25.08.06 . 10:14 Uhr
Also mein lieber Herr Kesselblick,
nach mehreren Gängen und leer gegessenen Tellern am Ende herauszufinden, dass es eigentlich garnicht geschmeckt hat und alles ganz furchtbar war, das klingt nun wirklich nicht heldenhaft. Da sollten Sie hier nun keinen Applaus erwarten, schließlich haben Sie ja auch schon eine Flasche portugisieschen Roten umsonst bekommen - oder war der auch so schrecklich?
Diesen dort erhältlichen Fleischeintopf - wie hiess der noch gleich? - kann ich übrigens wärmstens empfehlen. Der ist günstig, lecker und so nahrhaft, dass man ihn sich auch zu zweit teilen kann - so spart man Geld, ohne die Zeche zu prellen.
#20 Wegschaffel . 25.08.06 . 10:30 Uhr
@ Richard und andere mit gleichem Tenor: Grundsätzlich sollte man sofort reklamieren, sehe ich aus so. In der Praxis ist das - wenn man mal ein bisschen im eigenen Gedächtnis kramt - nicht so einfach. Das Desaster (wenns denn eines ist) entwickelt sich ja meist sukzessive mit den Gängen, dem Service, der sinkenden Laune und Toleranz. Die Katastrophe zeigt sich dann in vollem Umfang erst am Schluss. Und schliesslich war man ja zum Essen da, hat Hunger, gibt den einzelen Gängen noch eine Chance … am Ende bleibt dann trotz leerem Teller ein schlechtes Gefühl. Und bei Etablissements in der Preisklasse gehts schliesslich nicht nur um einen gefüllten Magen, sondern um ein Gesamterlebnis. Und wenn das nachvollziehbar nicht stimmt, muss der Wirt Konsequenzen ziehen.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir in der Gastronomie immer noch viel zu viel Schlamperei, Lieblosigkeit und Dilettantismus durchgehen lassen. Weil wir uns nicht trauen, fürchten als Nassauer dazustehen (s.o.) oder weil man sich als Gewohnheitstier halt an alles gewöhnt. Ich kenne keine Branche, in der das Band zwischen Totalausfall und Spitzenklasse so breit ist, wie in der Gastronomie.
#21 RATH . 22.08.07 . 16:23 Uhr
was mich überrascht, das Augustenstüble ist fast immer ausgebucht- und das liegt sicherlich nicht daran, dass man da nach dem Aufessen etwas nörgelt und dann alles geschenkt bekommt. Gäste haben fröhlich zu sein - und zum Glück sind es die meisten dort. Also auf so Miesepeter, die es dann auch noch jedem erzählen müssen, verzichtet man gerne als Mitgast.
#22 katajamo . 23.08.07 . 01:07 Uhr
also eigentlich ist das ja doch so: was der ganze Salat irgendwo kostet, entnimmt man der Speisekarte. Die hängt in aller Regel schon vor Eintritt zur Ansicht aus. Wenn das unangemessen erscheint, hat der Verbraucher die Möglichkeit, das Etablissement gar nicht mit seiner Anwesenheit zu beglücken. Wenn der ganze Käse nicht schmeckt und /oder in der falschen Reihenfolge aufgetischt wird, darf Gast sich schon zwischendurch äußern. Und wem das alles nicht behagt, der kann für 130 Euro locker ein paar Kochbücher kaufen, in der Markthalle alle Zutaten für ein delikates Mahl besorgen und selber sein exquisites Menue zu Hause zubereiten. Herrr K. zeigt nur, dass er noch nicht das hohe Level des souveränen Konsumenten und Gastrobesuchers erreicht hat. Im Moment scheint er sich noch auf der Ebene des Mecker-Kretins zu bewegen. Entschuldigung, aber wer trinkt 1 Fl. Rotwein portugiesisch zu 23 Euro? Das deutet auf reichlich Unkenntnis. Der Schwabe nimmt da doch 3 Viertele zu 4 Euro! Oder er kennt sich mit Wein aus. Oder beides. Herr K., verzeihen Sie, aber allein solche Äußerungen lassen doch ein wenig an Ihrem Urteilsvermögen gastronomischer Qualitäten zweifeln.
#23 Frericks . 05.02.08 . 17:23 Uhr
Mein Mann uch ich gehen regelmäßig ins Augustenstüble und fühlen uns wohl. Die Bedienung ist ausgesprochen freundlich, das Ambiente heimelig und das Menu mehr als akzeptabel. Gute solide Kost. Mir will die Kritik über das schlechte Essen nicht einleuchten.
Wer allerdings eine “gehobene” Eckkneipe mit einem Sternerestaurant vergleicht oder Molekularessen möchte, der ist vielleicht einfach nicht richtig im AUgustenstüble. Und wer mit echten raubeinigen Schwaben Mühe hat, der möge es sich auch überlegen.
#24 Keks . 11.02.08 . 19:04 Uhr
Top Essen, nur nicht so hingerichtet wie in einem Sternerestaurant, worauf es dem echten Genießer auch nicht ankommen sollte, sondern auf den Geschmack. Wer darauf nicht verzichten kann oder wem deshalb die objektive Beurteilung des Geschmacks und der Qualität schwer fällt, der ist im Augustenstüble einfach fehl am Platze. Und wenn man für 130€ gespeist und getrunken hat dann ist es schlichtweg eine Unverschämtheit, wenn man hinterher nicht wenigstens den Wein und die Getränke bezahlt, da diese ja nicht vom Koch hergestellt wurden und man die Preise unmissverständlich aus der Karte entnehmen konnte.