Von chéggy
Kultur, Politik . 12:37 Uhr
Neulich, letzten Samstag in Stuttgart. Ein junger Mann überquert gegen neun Uhr abends den Schloßplatz. Dort findet gerade das Stadtfest statt, eine Veranstaltung, die eigentlich Leben und Frohsinn für Touristen in der Stadt bringen soll und ihnen das Gefühl vermittelt, sie würden jetzt endlich mal mit Einheimischen feiern. Dummerweise fällt das Fest dieses Jahr leicht ins Wasser. Der junge Mann kommt gerade drei Schritte weit, da kommen ihm zwei Gestalten entgegen, recken je einen Arm in den verregneten Himmel und brüllen “Sieg Heil!”
Es ist weiter nichts passiert und es dürfte auch sonst kaum jemand bemerkt haben. Die beiden Jungnazis waren auch noch nicht so angetrunken, dass sie auf die Idee gekommen wären ihrer politischen Meinung Nachdruck zu verleihen. Aber offenbar zieht dieses Fest derartige Gestalten an. Sie waren naemlich nicht die einzigen. Rund drei Stunden später hatte ich das ‘Glück’ eine Gruppe 30-Jähriger zu beobachten, die grölend durch die Unterführung am Charlottenplatz zog. Nicht weiter schlimm, werden Sie sagen, aber sie gröhlten “Wir brauchen ne U-Bahn nach Ausschwitz”.
Woran das liegt? Ich habe offengestanden nicht wirklich ne Ahnung. Vielleicht hat das gleichzeitig stattfindendene U&D Festival in Vaihingen die komplette Stuttgarter Antifa abberufen, oder aber es liegt am ‘Flair’ dieses Stadtfests, dass man sich in solcher Gesellschaft befindet. Aber so wirklich leuchtet mir beides nicht ein.
#1 derCobold . 16.08.06 . 13:17 Uhr
Ich war dieses Jahr nicht auf dem Stadtfest, aber die letzten Jahre hatte sowas nicht bemerkt.
#2 Frau Doktor . 16.08.06 . 13:58 Uhr
Samstag war Fußball: VfB gegen FC Nürnberg. Und da steigt der Anteil von jungen Männern, die ihren inneren Nazi mal Gassi gehen lassen müssen, ziemlich an. Was bei Fangesängen wie: “Es Es Es Es Es ist so weit” nicht gänzlich verwunderlich ist. Leider eignet sich das Design des VfB außerdem ganz großartig, um für neonazistische Zwecke umgestaltet zu werden.
Neonazistische Umtriebe in den Fanblocks werden von den Vereinen, dem DFB und den Medien in trauter Eintracht sehr heruntergespielt – ist schlecht fürs Geschäft. Deswegen ist das hier auch spekulativ, aber als ich noch aktiver Fan war (is’ aber recht lange her und war Eintracht Frankfurt)), waren Nazi-Sprüche im Stadion an der Tagesordnung, genauso wie Nazi-Flaggen. Und die sieht man ja ab und zu heute noch, wenn die Bildregie mal kurz schläft.
#3 Franklin . 16.08.06 . 15:21 Uhr
Ich denke Frau Doktor hat die richtige Analyse. Ich war am Freitagabend (und -nacht) sowie am Sonntagnachmittag auf dem Stadtfest und habe nichts dergleichen bemerkt.
#4 yolante von scheußlich . 17.08.06 . 08:25 Uhr
wen man bedenkt das republikaner
und npd im ländle schon immer eine hochburg hatten ( ich erinnere nur an das ergebnis der landtagswahlen 1968) dann sollte einen das nicht erstaunen. im besonderen konzentrieren sich bei solchen anläßen gerne genau jene kleinbürgerlich-proletarischen milieus in denen der braune sumpf unter naturschutz steht.
#5 Greedy . 18.08.06 . 10:14 Uhr
Im Text hört sichs so an als ob da “nur” die Antifa was gegen tun kann… Was ist mit den ganzen anderen engagierten Bürgern?!?
Gruß
Andy
#6 deine-Gesellschaft » Re: - Ziel: Provokation der Gesellschaft . 19.03.08 . 09:01 Uhr
[…] aber die linke Berichterstattung so durchliest, so fällt auf, das dort man sich eigentlich nie von solchen Untaten distanziert, sondern eben stattdessen die Schuld auf andere schiebt: “Die […]