Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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24 11.05

Für den kleinen Hunger zwischendurch

Von Herr S
Essen und Trinken . 09:01 Uhr

Jeder kennt sie, die Momente. Der Tag verlief wieder einmal höchst unzufriedenstellend, weder stilles Hadern noch ungehemmtes Maulen hilft einem weiter, bleibt nur noch, sich eine Pizza oder ein Schälchen Spaghetti kommen zu lassen, zubereitet von indischen Spitzenkräften, deren Servicebereitschaft keine Grenzen kennt. Jede Wette, dass genau dann – wenn überhaupt – maximal zwei, drei Kataloge geeigneter Lieferanten greifbar sind, weil Sie die restlichen 270, die im Lauf der letzten Woche eingetroffen sind, längst in die Senkrechtablage befördert haben. Die ausufernde Vielfalt des Gesamtangebots lässt sich so natürlich nicht annähernd ausschöpfen.

Da in unserer Stadt bekanntlich kein Mangel an findigen Köpfen herrscht, gibt es seit neuestem einen Anlaufpunkt, der dem Problem energisch entgegen tritt: den lokalen Internet-Pizzaservice. Sie müssen nur Ihr Stadtgebiet angeben, schon eröffnet sich eine stattliche Auswahl von Anbietern, die gewillt sind, Ihre Wünsche kurzfristig zu erfüllen. Suchen Sie sich einen aus, klicken Sie Ihre Speisefolge zusammen und schicken das Ganze ab, fertig.

Einziger Wermutstropfen dabei: die Querbeet-Bestellung bei mehreren Dienstleistern ist zwar möglich, muss aber einzeln erfolgen, zudem dürfte der Mindestbestellwert von 17,– € pro Anbieter Ihre Kombinierlust relativieren. Viel entscheidender sollte aber sein, dass Ihr Wunschzettel unmissverständlich und zweifelsfrei übermittelt wird: Wenn Ihnen der Sinn nach Schinken und Spargel steht, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Sie – im Gegensatz zur telefonischen Traditionsbestellung – tatsächlich Schinken und Spargel bekommen und nicht Thunfisch mit Spiegelei, weil Ihr Ansprechpartner wieder einmal vierzig statt vierzehn verstanden hat.

Falls Ihnen der Schalk im Nacken sitzt, sind Sie vielleicht versucht, im Mäntelchen vermeintlicher Anonymität Schabernack zu treiben mit dem Bestellwesen. Das mag von Fall zu Fall superlustig sein, der Missbrauch des Bestelldienstes kann freilich verfolgt werden, wie uns fette rote Lettern eindringlich klarmachen. Bestellen Sie also bitte nur, wenn Sie die Lieferung auch verzehren möchten, sonst landen Sie am Ende vielleicht in Teufels Küche, wo zur Strafe nur Thunfisch und Spiegeleier gereicht werden.

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13 Kommentare zu Für den kleinen Hunger zwischendurch

#1 Liamara . 24.11.05 . 09:14 Uhr

Gar nicht so schlecht, obwohl natürlich Adressen fehlen. Und ob die zwei, die bei “West” drinstehen, auch zu uns liefern, ist gelegentlich fraglich. Man kommt sich ja vor als läge man sonst wie abgeschieden, wenn nicht mal der gute Pizza Avanti bis zu uns hochfahren mag.

#2 Herr S . 24.11.05 . 10:49 Uhr

Nur Geduld, meine Liebe. Wenn ich es richtig sehe, wird das Ding von einem Einzelkämpfer aufgebaut, der die mitmachenden Pizzaboten handaquiriert. Ein mühseliges Geschäft, für das man einen langen Atem braucht. Die anderen werden schon dazustoßen, wenn sie erst mal Lunte gerochen haben, der Markt ist schließlich hart umkämpft.

#3 Herr Enderle . 24.11.05 . 19:54 Uhr

Verstehen Sie mich nicht falsch, aber für mich klingt das mafiös. Pappschachtelpizza ist Kulturschande genug. Und das alles jetzt noch neumodisch vernetzt? Nicht mit mir! Da spring ich doch lieber zwischendurch mal eben zum Metzger Ergenzinger und seinem schwäbischen Imbissangebot. In der Hauptstätter Straße 47, unweit der ebenso lebenswichtigen Institutionen La Concha, Brunnenwirt und Café Schmelzle am unteren Ende der Altstadt gibt es viel Schnitzel (bestens paniert) mit sehr viel Kartoffelsalat (schön schlonzig) für wenig Geld (4,70) und noch andere Schweinereien, die den Alltag in Stuttgart erträglich machen. Also bitte, bleiben Sie mir doch fort mit Pizzabringern und all dem anderen Zeug.

#4 Gunvald . 24.11.05 . 21:11 Uhr

Nichts für ungut, aber den Brunnenwirt halte ich für maßlos überschätzt und bestenfalls bei nächtlichen Fressgelüsten für eine geeignete Anlaufstelle.

#5 Herr S . 24.11.05 . 21:13 Uhr

Mein lieber Herr Enderle, mal ganz unter uns: Mit den Pizzabringern haben Sie natürlich recht, ich mag das Zeug auch nicht. Mir war nur wichtig, dass man mal darüber spricht, Sie wissen schon. Allerdings teile ich Ihre sonstigen Vorlieben nur bedingt: La Ccncha, nun ja, draußen vielleicht, drinnen finde ich es ein wenig zu nebulös. Und der Brunnenwirt ist ja wohl geradezu grotesk überschätzt (sagte Gunvald schon, welch wüste Überschneidung) die finale Zumutung, ich bitte Sie! Keine rechte Vorstellung habe ich hingegen vom Café Schmelzle, das kenne ich nur vom Vorübergehen. Wenn Sie aber meinen, dass es der Kartoffelsalat bringt, will ich dem Haus gerne mal meine Aufwartung machen – vielleicht bevor ich die Sache mit dem Met kläre. Oder nachdem, je nachdem.

#6 Liamara . 24.11.05 . 21:35 Uhr

Ähm was in aller Welt ist der Brunnenwirt und WAS kann man da mitten in der Nacht essen?

#7 Herr S . 24.11.05 . 21:43 Uhr

Ein Stehimbiss Ecke Hauptstätter-/Leonhardstraße (bei Letzterer bin ich mir nicht sicher ob die an der Stelle immer noch so heißt, jedenfalls da, wo es zu den leichtlebigen Damen geht). Zum Essen gibt es Currywurst, Schaschlik etc., nur angeblich ein Kult-Imbiss und auch »mitten in der Nacht« ist etwas weit gegriffen: um halb zwei herum ist Ende. Betrunken solltest Du aber mindestens sein.

#8 Liamara . 24.11.05 . 22:00 Uhr

Ach Gott, verschont mich mit Straßennamen. 4 Jahre wohn ich in Stuttgart; die Leute können mich nach Straßen fragen, die direkt neben meiner liegen, ich weiß von nix. Allerdings hatte ich auch noch nie um halb zwei Nachts Verlangen nach Currywurst. Ich glaube ich verzichte :)

#9 Herr Enderle . 24.11.05 . 23:37 Uhr

Ihr jungen Damen und Herren, besagter Brunnewirt mag ja heute maßlos übebewertet sein, wir Älteren verbinden mit diesem Ort jedoch die süßesten Erinnerungen an frühere Zeiten und ersten Streifzügen durch’s “Städtle” mit all seinen Verheißungen. Der jetzige Imbiss hatte übrigens schräg gegenüber einen Vorgänger in Form eines Kugelwohnwagens, aus dem heraus zwei alte Damen das Nachtvolk mit gegrillten Schweinebäuchen versorgte. Was aus den Grillerinnen geworden ist? Keine Ahnung. Der Schweinebauch lebt aber noch heute - allerdings zeitgemäß aufgemotzt, z.B. mit Schaschliksoße.

#10 SodaSister . 25.11.05 . 11:24 Uhr

Kult ist Kult - egal ob Alt oder Jung. Und wo sonst haben Banker, Dirnen und “hippes” Partyvolk so offensichtlich was gemeinsam? Es geht einfach nichts über eine Curry-Spezial (Currywurst mit Ketchup und Majo, abgesoffen in Schaschliksoße)… lecker, wenn auch maximal einmal im Quartal!

#11 Herr S . 25.11.05 . 11:34 Uhr

Und wo sonst haben Banker, Dirnen und “hippes” Partyvolk so offensichtlich was gemeinsam?

Überall dort, wo kollektive Trunkenheit und daraus resultierende Enthemmung herrscht. Und wenn es ans Sterben geht – dann rufen alle nach der Mutter. Sagt jedenfalls der Volksmund.

#12 marco-nine . 22.04.06 . 00:35 Uhr

Der “Brunnenwirt” ist für mich einfach, der “Klassiker”. Wenn man in Stuttgart ist , muß man Ihn einfach Besucht haben. Wer den “Brunnenwirt” in Stuttgart nicht kennt, der ist auch nicht in Stuttgart gewesen. Der ” Brunnenwirt” ist einfach ein muß!!!!!!!!!!!!!!!

#13 Herr S . 22.04.06 . 12:01 Uhr

Ich nehme an, Sie haben gerade eine Körri schbezial verzehrt, nicht? Anders kann ich mir Ihren erschütternden Zustand nicht erklären. Aber keine Sorge, das dauert nur ein paar Stunden, dann lässt es wieder nach.

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