#1 circulus . 22.01.07 . 11:23 Uhr
Ja wie - und jetzt? Mehr Infos bitte :-)
#2 Jackie Stewart . 22.01.07 . 13:41 Uhr
Ja, woher? Kannte eigentlich nur (vom Hauptbahnhof aus gesehen) Görtz, Telekom, Mac Donalds. Aber was sonst noch in dem Gebäude war… Keine Ahnung!
#3 circulus . 22.01.07 . 13:59 Uhr
Der Ort des Abrisses ist mir schon bekannt. Ich dachte, Du wüßtest mehr zu den Fresken: sind die nun eine überraschende und kulturell äußerst wertvolle Entdeckung (von Dir)? Oder nur wertlose Schmierereien? Oder hab ich einfach nur verpaßt, die Presse dazu zu lesen ;-)
#4 Jackie Stewart . 22.01.07 . 15:20 Uhr
Ich bin zum Fotos schießen in der Stadt gewesen und die Dinger sind mir zufällig aufgefallen.. Somit kann ich leider keine sachdienlichen Hinweise zur Aufklärung geben :-)
#5 Frau Doktor . 22.01.07 . 15:29 Uhr
Kann man das Foto irgendwo noch etwas größer anschauen? Dann könnte ich meinen kunstgeschichtlichen Sachverstand mal wieder aktivieren und mal eine Einordnung wagen. Und daheim hätte ich auch einige schlaue Bücher zur Stuttgarter Stadtgeschichte – kriegt man vielleicht auch was raus.
#6 kesselblick . 22.01.07 . 16:42 Uhr
Ich fands auch zu klein.
Auf die Abhandlung “Schön einkaufen - Gebrauchsgrafische Freskenmalerei als Metapher der Konsumkultur im Stuttgart der zweiten Hälfte des 20. Jhds.” bin ich schon sehr gespannt…
#7 Alex . 22.01.07 . 17:01 Uhr
Immerhin hat es mich heute morgen daran erinnert, dass ich endlich beim Standesamt vorspreche um mich amtlich von meiner Kirche zu befreien.
Kurz vor Weihnachten hatte mich mal die alljährliche Lust-Attacke auf einen BigMac gepackt - da hab ich ziemlich doof aus der Wäsche geguckt, als der McD plötzlich weg war…
#8 Promisc . 22.01.07 . 18:20 Uhr
Könnte es sich dabei (im Bild rechts rechts des abzureißenden Gebäudes) um ehemalige (Neben-)Räumlichkeiten von St. Eberhard , erbaut meines Wissens 1807 handeln?
Dann stellt sich natürlich die Frage nach dem Denkmalsschutz, schon allein wegen der bewegten Geschichte der Katholiken in Stuttgart nach der Reformation…
#9 Jackie Stewart . 22.01.07 . 18:55 Uhr
#10 Mann² . 23.01.07 . 16:58 Uhr
@Promisc: das war jetzt auch mein erster verdacht. in diesem falle ist das wahrscheinlich tatsächlich schützenswert.
#11 Frau Doktor . 23.01.07 . 17:33 Uhr
Von 1807 ist das ganz sicher nicht, schützenswert wäre das Ganze IMHO doch gewesen. Das Gebäude, das da abgerissen wurde, stammt wahrscheinlich von 1955. Da wurde die St. Eberhards Kirche und die anliegenden Gebäude wieder aufgebaut – und zwar komplett neu. Die Kirche neo-klassizistisch, das anliegende Gebäude eher im Stil der Stuttgarter Schule der 20er und 30er (Bonatz, Schmitthenner), die selbst immer alte Bauformen aufgenommen haben. In diesem Fall mutet (besser: mutete) mich das Gebäude ziemlich frühromanisch-expressionistisch an genauso wie die Fresken / Mosaike, die man auf Jackie Stewarts Bild sieht. Das war (und ist) für religiöse Kunst im 20. Jahrhundert eine ziemlich beliebte Stilvorlage.
Auch wenn die 50er und die Stuttgarter Schule architekturhistorsich immernoch etwas unterbelichtet sind, wundert es mich doch sehr, das das Gebäude einfach abgerissen werden durfte. Zusammen mit der Dresdner Bank und der Domkirche war das eines der ganz wenigen zusammenhängenden Ensembles aus der Zeit des “Wiederaufbaus” aka Wirtschaftswunder. Und das wird jetzt einfach ruiniert. Ich will mir garnicht vorstellen, was da für ein scheissiger Glaspalast hinkommt. Think Galeria Sport P&C Karstadt oder wie der Schmutz noch so heißt.
#12 circulus . 23.01.07 . 19:52 Uhr
Kann nur den Kopf schütteln. Wer von der Baubehörde hat das zugelassen?! Ein raffgieriger Schuster-Alleingang? Oder ein überforderter Hahn? Wem gehörte das Gebäude bzw. das Grundstück - weißt du das auch Frau Doktor? Übrigens - großer Respekt vor soviel Fachwissen - danke für die Infos! (Oder hast du das aus Wikipedia?)
Es ist ja vieles Geschmackssache. Es soll ja Leute geben, die finden das Kunstmuseum hässlich - und es gibt welche, die finden das Mercedes-Museum schön. Verkehrte Welt. Dass aber der Reihe nach stuttgart-typische Bauten platt gemacht werden, scheint schon System zu haben.
Hast du nicht noch mehr solche Infos und Beispiele dazu, Frau Doktor? So Themen sind ja ganz nach meinem Geschmack. :-)
Als nächstes soll ja das Wirtschaftsministerium dran sein - zugunsten einem Luxus-Hotel! Das Rathaus-Blatt (StZ) schrieb abfällig darüber (hässlicher Kasten), das LIFT Stadtmagazin bezeichnete es immerhin als architektonisches Kleinod. Ich persönlich find es schon länger interessant - man muss es nur mal genau anschauen - nette Details, gute Proportionen.
Um das Thema noch weiter auszudehnen, verweise ich wieder auf Stuttgart 21 - in dem Zusammenhang sollen dem (natürlich denkmalgeschützten) Hauptbahnhof ca. 1/3 seiner Bausubstanz genommen werden: beide Seitenflügel werden abgerissen! Allein dagegen müßte geklagt werden - und zwar vom Baurechtsamt selbst gegen Stadt und Land. Nehme einer von uns mal ein Hämmerchen und klopfe an eine denkmalgeschützte Fassade - dann werden wir womöglich eingelocht. Diese irren Planer jedoch dürfen sich alles erlauben. Ein Skandal, der scheinheilig ‘gedeckelt’ wird.
Ich mach weiter mit Kopf schütteln …
#13 Frau Doktor . 24.01.07 . 09:50 Uhr
@12 Circulus:
Das stammt wirklich alles aus meinem Kopf, den ich mir schließlich jahrelang mit Kunstgeschichte (u.a.) angefüllt habe. Der Bahnhof stammt übrigens von Herrn Bonatz. Hier der Link zur Wikipedia. Da sind noch einige seiner stuttgarter und schwäbischen Bauwerke zu sehen. An der dargestellten Biografie müsste noch ein wenig gearbeitet werden, v.a. wegen seiner seltsamen Karriere im Dritten Reich.
Und das Wirtschaftsministerium soll auch hingemacht werden? MIt diesem großartigen 50er Jahre-Treppenhaus? Sonst noch was? Die hiesige Stadtplanung hat als Schutzpatron Bomber Harris ausgewählt oder was?
#14 circulus . 25.01.07 . 14:29 Uhr
@Frau Doktor: Toll, was alles in deinem Kopf ist ;-) … Dass der Bahnhof vom Bonatz ist, wußt ich schon. Aktuell frage ich grad beim Denkmalamt nach, wie sich das eigentlich mit dem Denkmalschutz des Hbf verhält (weil ihm doch für S21 die Flügel gestutzt werden) - bin mal gespannt, was die antworten.
Zum Wirtschaftsministerium hab ich einen neuen Beitrag angelegt.
#15 M.Stankewitz . 26.01.07 . 15:17 Uhr
Im Architekturstadtplan Stuttgart (2005)ist der Domkirchenanbau St. Eberhard Königstraße 7 in der Rubrik Neues Stuttgart 1990-2010 unter Ziffer 62 aufgeführt mit Bauzeit bis 2008 :Architekt Anton Ummenhofer.
Hier kann man sich über das Projekt informieren.
Der Königin-Olgabau angrenzend an die Bolzstrase wurde danach 1950-51 gebaut.
#16 Roland Späth . 17.02.08 . 15:38 Uhr
Das hat sicher System und Denkmalschutz steht in BW hinter den Interessen der um den MAchterhalt bangenden POlitik des BW Regimes. Dies kann man anhand der unweit dieser Abrisstelle befindlichen Königsbaupassagen nachvollziehen. Das Land als Besitzer des Königsbaus verkaufte kurzerhand die hintere “Brandschutzmauer” an den “Investor”, das neue Gebäude wurde schwarz um 2 Stockwerke über der ortsüblichen Bebauungsgrenze hochgezogen und überragt den Königsbau weithin sichtbar. DIe jetzt sichtbare Bebauung hätte niemals eine Mehrheit im Gemeinderat gefunden, weshalb von vorn herein dieser Weg gewöhlt wurde. Auch der aktuelle “BRanchenmix” hätte niemals die Zustimmung des Gemeinderates zu einem angedachten Bauwerk gefunden, so dass man den Gemeinderat mit “Einmaligkeit, weltstädtischem Niveau,gehobene EInkaufskultur, etc,.” über den Tisch gezogen hat. Jeder halbwegs sehende Bürger wusste, dass das vorgestellte Konzept niemals tragfähig gewesen wäre. Calwer Strasse und Häussler Center ( ehemaliges Radio Barth Gelände) sprechen deutliche Sprachen und gehobener Einkaufskultur Hohn. Tatsache ist, man wollte es so. Schuster hat sich mit der Galerie der Stadt STuttgart ein Denkmal setzen wollen, das Land BW hat den Königsbau in eine Stiftung eingebracht und kann nun mit der Verwaltung, die an die Allianz Center Management abgegeben wurde, alles verwirklichen lassen, was einer Behörde verwehrt bleibt. Insbesondere wird es im Laufe der Zeit eine Anpassung der “moderaten” Ladenmieten im Königsbau an das Niveau der Allianz Immobilien geben, was die letzten verbliebenen traditionellen Betriebe mit Ablauf ihrer Verträge hinauskatapultieren wird. Im Fazit wird es zur vollendeten Umstrukturierung der Ladenflächen kommen,interessant sind für solche Innenstadtlagen nur Betriebe mit Nutzflächen weit über 200qm,anvisiert sind ab 400qm. Bei einer mittelbaren Forderung von 140.-€ je qm kommen damit nur wenige Filialisten zum Zuge. EIne weitere Verarmung des innerstädtischen Angebots ist die Folge. Ferner, und das ist entscheidend, sind dies entsprechenden Betreiber handlebar, da sie wohl dem Spektrum der Regierungspartei nahestehen und in Zusammenarbeit mit den städt. Gremien und Ausschüssen für eine “Anpassung” der Innenstadt sorgen werden.
Dazu wurde ja auch das Referat mit Bürgermeisterstelle für Recht und Ordnung geschaffen, das u.a. dafür sorgt, dass Ladendiebe nicht mehr angezeigt werden, sondern durch “sexurity Unternehmen” zivilrechtlich bearbeitet werden, um die Kriminalstatistik aufzupolieren. Schuster hat nicht umsonst bereits im letzten Wahlk”r”ampf mit der Lüge: -Kriminalität um 20 % gesenkt- seinen Bürgermeisterposten verteidigt.
Das hat System!!!!!