Am 01. März ist es soweit: Stuttgart wird zur Umweltzone. Sinn und Zweck ist, die Feinstaubbelastung zu senken. Weniger Autos – weniger Feinstaub: das ist die Gleichung, die die Politik den Bürgern vorrechnet. Das ARD-Magazin FAKT zeigte am vergangenen Montag (14.01.08), dass diese Gleichung offenbar voller Rechenfehler ist.
Am Mittwoch, 16.01.08, berichtete die STZ mal wieder über die Umweltzone. Ein Punkt war die Meinung der Bürger zur Umweltzone. Die STZ zitierte aus einer Studie des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart, durchgeführt im Frühjahr 2007. Demnach befürworten 65 Prozent der 409 Befragten Fahrverbote in Umweltzonen. Das Ergebnis zeigt: Fast zwei Drittel halten das Auto für einen großen Feinstaub-Übeltäter. Die Politik hat ihr Kampagnenziel offenbar erreicht: Wir glauben, was wir glauben sollen.
Das ARD-Magazin FAKT hat am 14.01.2008 hingegen berichtet, dass der Zusammenhang zwischen Feinstaubkonzentration und Autoverkehr keineswegs so eindeutig ist wie vielerorts behauptet wird. Im Beitrag wird auf eine Studie des Fraunhoferinstituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) in Dresden verwiesen. Die Wissenschaftler haben anhand von Messungen in den Jahren 2003 und 2004 in Leipzig gezeigt, dass nicht der Autoverkehr der Feinstaubgenerator ist, sondern – die Sonne.
Mehr Infos: Beitrag von FAKT “Feinstaubhysterie in Deutschland”
chrib
#1 Jokerine . 18.01.08 . 11:53 Uhr
“Während im Winter besonders Inversionswetterlagen die Feinstaubkonzentrationen in die Höhe treiben, ist es im Sommer vielfach die Sonne und nicht der Verkehr.”
Der erste Teil ist einfach zu erklären: Inversionswetterlagen bewirken, dass es keine Luftumwälzungen gibt. Die Luft mit dem Feinstaub kommt also vom Boden nicht weg. Feinstaub akumuliert. Der Feinstaub kann aber nur akummulieren, wenn er da ist. Wo kommt er her? Aus den Autos. Also verschlimmern Inversionswetterlagen die Feinstaubkonzentrationen, aber letztendlich produzieren immer noch die Autos den Feinstaub. Da wir nur an den Autos und nicht am Wetter angreifen können. Müssen wir so handeln.
Der zweite Teil ist schwieriger. Dazu müsste man erstmal den original Bericht des Frauenhofer Instituts lesen.
Noch eins, am ende des Beitrags heißt es: “Wir werden keine messbaren Emissionsminderungen dadurch bekommen.” Das ist schwachsinn! Autos produzieren Feinstaub. (Das streitet keiner ab.) Wenn Autos nicht fahren, dann produzieren sie keinen Feinstaub. Ergo geht die Emission runter. Was der Herr wohl sagen wollte ist, dass es keine Konzentrationsmiderung geben wird. Das wage ich zu bezweifeln, aber wäre eine korekte Aussage.
Zum Schluss noch anekdotische Beweise: Seit LKWs nicht mehr ungehindert durch die Stadt fahren dürfen, dauerte es zwei Wochen und nicht mehr zwei Tage bis sich, nach dem Fensterputz, das Staub-Gleichgewicht wieder eingestellt hat. Daraus schließe ich, Fahrverbote verringern Feinstaubproduktion.
#2 Wegschaffel . 18.01.08 . 13:42 Uhr
Wieder mal so ein Thema, zu dem “Fachleute” ihre Hypo- und Thesen loswerden können. Glaub dem einen oder dem anderen. Ich bin mir aus einem ganz anderen Grund sicher, dass sich der Feinstaub in Stuttgart durch das Fahrverbot nicht wesentlich beeindrucken lässt: Das Verbot gilt nur für die allerältesten Möhren und deren Anteil am Gesamtverkehr ist minimal. Viel Rauch um Nichts.
#3 Jokerine . 18.01.08 . 16:14 Uhr
@Wegschaffel: Das ist richtig.
Was mich nicht daran hindern wird mit gesundem Menschenverstand daran zugehen.
#4 Matze . 18.01.08 . 18:34 Uhr
Wie von Jokerine schon richtig beschrieben, wird der Feinstaub ja nich von der Sonne produziert. Also muss man irgendwo nen Anfang machen…
Schlimmer find ich langsam, das alle auf diesen “Pseude-Bio-Zug” aufspringen, und dadurch ihre Produkte zu höheren Preisen anbieten dürfen… Und in wenigen Jahren gibts wieder nen riesigen Medienrummel “Bio ist garnich so Bio”. Alle sind entsetzt und verstehen die wet nicht mehr, und eigentlich war es so offensichtlich, aber hey… wenn wir uns was tun können wir uns ja bald unser geklontes Organ aus dem Automaten ziehen. Welch schöne Welt uns noch erwartet :)
#5 Donna Lüttchen . 18.01.08 . 23:03 Uhr
Ach du liebes Lieschen! Wieder ein Thema, das ich bisher erfolgreich verdrängen konnte- Fahrverbot für Uraltschrottis. Nicht, dass ich persönlich betroffen wäre. Und Gott bewahre habe ich grundsätzlich nichts gegen Umweltaktivismus. Hier aber muß ich doch entschieden protestieren.
Es gibt da nämlich ein kleines, häßliches Auto. Es ist laut, es stinkt zum Himmel, man hat keinen Platz zum Sitzen und soll es schneller als 80 fahren, röhrt es nur erschreckt auf. Kurz, dieses Vehikel ist eine Katastrophe auf vier Rädern.
Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass dieses- ja- Auto nun nicht mehr seinen täglich benötigten Ausflug haben soll!
Da nun alles zetern nicht nützlich ist, kann ich nur an seinen Besitzer appellieren, diese Umweltzone so schnell wie möglich zu verlassen- auch wenn dies mir das Herz bräche…Ich kann da Prioritäten setzen.
#6 Der Herr der Audi-Ringe . 09.03.08 . 22:40 Uhr
Und heute nehmen wir uns mal das Rotblättchen vor ?
Am 9. November 2007 hatte das Berliner Abgeordnetenhaus seine letzte Debatte zum Thema Umweltzone in Berlin und Feinstaubplakettenpflicht.Tausende Besitzer älterer Fahrzeuge hatten da schon viele Monate ahnungslos und gutgäubig ihre Parkvignetten gekauft. Sie sollten mehr als 1 Jahr lang gelten. Nunmehr sind sie trotz Entgeltzahlung von der Zufahrt zum Innenstadtbereich (S-bahninnenring- sog. Hundekopf) ausgeschlossen und um ihr Geld gebracht. Und ihr Auto ist auch nutzlos. Und das runde Rotblättchen auf der Scheibe zeigt den jetzt noch durchgekommenen Autobesitzern, wer als nächstes dran glauben muß ! Dort wird als nächstes zugeschlagen.Das ist die größte und frechste Enteignung ärmerer Leute,Youngtimerbesitzer oder kleiner Gewerbetreibender seit den letzten Jahrzehnten! Ich schlage vor, man möge wieder jene berüchtigte und sattsam bekannte Koppelung in einem Volksentscheid diesmal etwas abgewandelt vornehmen: Bist Du für einen gerechten Frieden und die Enteignung aller Umweltverschmutzer durch Feinstaub-Kfz und ältere C02-Fahrzeuge ?Das wäre dann wenigstens „ehrlicher” und man wüßte, daß man es nur mit Propaganda zu tun hat !
Mit augenzwinkernden Grüßen
Thoralf
#7 gurkenseppl . 09.03.08 . 22:43 Uhr
Neuwagenzone?
Die Linkspartei oder jetzt Die Linke in Berlin will doch eh nur eine Neuwagenzone. Dann kommt das Lob von der Industrie. Weil die doch auf Halden unverkaufter Neuwagen sitzt. Und die PDS kann zeigen, daß sie mitregieren kann. Fragt sich bloß für wen ?
#8 skodahardy . 09.03.08 . 22:53 Uhr
Und was macht Balduin der Sonntagsfahrer ?
Mein Opa ist 78 Jahre und fährt immer noch seinen Trabi, der so um die 45 000 km seit 89 runter hat. Sein Auto steht meistens in der Garage, aber hin und wieder möchte er doch mal fahren. Der schimpft vielleicht und ich muß ihm Recht geben.
Und das ist gar nicht so komisch wie im Louis de Funes - Film.
Die Politik bestraft diejenigen, die nur hin und wieder Auto fahren. Die Trabant - Steuer für die lächerlichen 26 PS ist auch schon astronomisch hoch. Und es gibt keinen KAT dafür. Ergo in Zukunft stehenlassen oder nur noch in den Außenbezirken rumkrepeln.
Soll er sich jetzt so ein lächerliches Versehrtenmobil mit 6 km/h -Zulassung kaufen, weil daß wie ein Motorrad behandelt wird. Ich glaube, die PDS (Die Linke)hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Die geht nur gegen Ältere und Arme vor.
#9 Michael . 26.03.08 . 07:10 Uhr
Die neuen Umweltzonen sind doch echt wieder die reine Willkür und Abzocke von der Politik. Es gibt Zonen, da darf man nicht reinfahren und direkt im Nachbarort darf man. Wo ist da die Logik?
#10 Flakfritz . 26.03.08 . 16:09 Uhr
@ Michael
Welche Logik? So was braucht man heutzutage nicht mehr, das haben wir schon lange abgeschafft.
1. Die UN hat in irgendeinem Bericht (nein, ich google jetzt nicht nach der Quelle, wers nicht glauben will darf das!) behauptet, dass die Umweltschutzmaßnahmen der Bundesregierung teuer und nutzlos sind.
2. Wer von der B10 kommend Höhe Porsche auf die L1143 abbiegt, braucht eine Plakette, wenn er in Weilimdorf beim Bäcker ein Brötchen holt, bzw. braucht keine, wenn sein Ziel die Autobahn ist, er also durch Weilimdorf durchfährt
3. alle außerdeutschen Staaten zwängen Ihren Autofahrern irgendwelche Plaketten auf. Wir können alles - auch Pickerl!