Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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14 03.10

Fetzen der unmittelbaren Vergangenheit

Von von unten
Leben . 22:11 Uhr

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. . . irgendwo im Internet schrieb einer mal “Pfandfinder”, was aber ein Schreibfehler war, weil er Pfadfinder meinte. Das Wort Pfandfinder trotzdem in den Wortschatz aufgenommen, ist treffender als Flaschensammler oder Pfandpirat . . .
. . . ein Mann mit Stiefeln betritt ein Cafe im Westen und irritiert: Der Oberkörper eindeutig männlich gekleidet, der Unterleib weiblich, Jeanshose in hohen Lederstiefeln. Ein paar Tage später einen anderen Mann ähnlich angezogen gesehen . . .
. . . das war auch an dem Sonntag als im Westen nur noch Paare mit Kinderwagen unterwegs waren. Als hätten alle anderen bei Todesstrafe Sperrstunde . . .
. . . und ich mich noch Tage später gefragt habe, warum ich so verunsichert war, nur weil ich zwei Männer mit Jeanshose in hohen Lederstiefeln gesehen habe . . .
. . . am Sonntag eine Woche vorher schneite es und am Feuersee konnte man durch den Schnee knartschen, weil die Großstadt still wurde und Schnee Geräusche ißt . . .
. . . das war auch zu der Zeit als ein Marius einen Blog las und einige schöne Minuten hatte . . . und es in einer WG zum Küchendienst gehörte, die Bilder an der Wand wieder gerade zu rücken, die von den Erschütterungen der vorbeifahrenden U-Bahn schief . . .
. . . und in der Elektrotechniker-WG ein alter Münzfernsprecher neben der Kloschüssel hängt und wenn man sich den Hörer ans Ohr hält, ist das Hörspiel vom “Sams” zu hören . . .
. . . darf der Komplimentierende oder Komplimentierte definieren, was das größtmögliche Kompliment ist?. . .
. . . einer Frau fällt die Zigarette aus der Hand, sie schaut kurz hin und geht dann weiter. Die Zigarette verglüht, Menschen gehen daran vorbei. Was ist eigentlich schädlicher? Der Straßendreck oder das Nikotin? Teer ist ja in beidem drin . . .
. . . zwei Amerikaner stehen in einem Inneneinrichtungskaufhaus vor einem Fußabtreter, auf dem “Veni vidi vici” steht. Sie wissen nicht was es bedeutet und sagen, es habe wahrscheinlich etwas mit world wide web zu tun. Wie viel digitale Verschmutzung musste das Gehirn erleiden, das auf so eine Idee kommt?. . .
. . . seit Monaten leuchtet der Kran in die Zimmer der umliegenden Häuser. Wenigstens haben sie den Weihnachtsbaum kalendergerecht zum neuen Jahr entfernt und schalten die Lichterketten täglich um 24 Uhr aus . . .
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5 Kommentare zu Fetzen der unmittelbaren Vergangenheit

#1 ein marius . 15.03.10 . 10:40 Uhr

. . . als Komplimentierender beanspruche ich hiermit die Deutungshoheit über mein Kompliment und erwarte, dass der Komplimentierte sich meinen Vorgaben entsprechend emotional beteiligt
. . . diese Lichterketten an den Kränen haben schon meinem Blick bei einer nächtlichen Heimfahrt gefährlich abschweifen lassen. Interessant finde ich auch den Kontrast zwischen der femininen Art, die Umwelt mit Lichterschmuck zu verschönern und dem Klischee von harten und einfachen Bauarbeitern, deren Maschinen nur Mittel zum Zweck sind und vor Öl, Dreck und Dieselgeruch strotzen. Ich wette dahinter verbirgt sich auch eine kleine Geschichte . . .

#2 Commentatore . 15.03.10 . 19:30 Uhr

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..
…ich mach mal ‘nen netten Kommentar:

“netter Kommentar”,

..
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die Punkte machens irgendwie philosophisch.

#3 Der Flaneur . 19.03.10 . 17:51 Uhr

… schön beobachtet!
… schön geschrieben!

#4 von unten . 19.03.10 . 22:12 Uhr

Seien Sie unbesorgt, lieber Marius, ich habe mich längst mit einem sanften Lächeln emotional beteiligt und schicke Ihnen ein “Bitte”, denn ein Kompliment ist nur eine andere Art Danke zu sagen, worauf man sich nicht bedanken kann. Bei allem Respekt: Es ist mir jedoch ein größeres Kompliment, dass Sie scheinbar die Beiträge fortführen - und Leerzeichen würdigen.

#5 ein marius . 22.03.10 . 12:05 Uhr

. . . Leerzeichen liegen mir schon immer ganz besonders am Herzen.
Zahlenmäßig sind sie den anderen Zeichen zwar klar überlegen, aber zu besonderem Ruhm hat das leider noch nicht geführt. Nur die aussterbende Berufsgattung der Schriftsetzer misst ihnen die Bedeutung zu, die sie verdienen, und hält sich eine “Spatien”-Zucht von dicken und dünne Exemplaren. Und für alle anderen gilt, dass nicht existiert, was man nicht sehen kann. Kein Wunder also, dass den Leerzeichen sogar der Ruf anhaftet, einfach nur Lückenbüßer zu sein und jede SMS unnötig zu verlängern!
Deshalb empfinde ich es nur als eine kleine Genugtuung, dass ihnen wenigstens auf der Tastatur noch die größte Taste gewidmet ist, auch wenn sie manchmal spaßeshalber “beliebige Taste” statt “Leertaste” genannt wird. Undwasmananihnenhatmerktmanerst,wennsieplötzlichfehlen. Aber trotz aller Bewunderung ihrer Verdienste beim Einsparen von Tinte und Toner mahne ich dazu, sie nur sparsam einzusetzen. So ist es mir ganz ehrlich ein Gräuel zu sehen, wie jemand ein verlorenes Leerzeichen vor ein Ausrufezeichen zwingt ! . . .

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