Von pongi
Vermischtes, Fundsachen, Stuttgart 21 . 17:30 Uhr
Wer in der letzten Zeit am Bahnhof vorbeigefahren oder durch den Schlossgarten geschlendert ist, der wird sich vielleicht schon über die versprengt stationierten LKW gewundert haben, die mit ein wenig Getöse den Boden durchlöchern. Wie nun aus sehr inoffiziellen Stellen verlautet wurde, handelt es sich nicht etwa um Bohrungen, die in irgendeiner Weise mit dem Bahnhofsumbau zu tun haben. Es würden nicht etwa Messschächte zur Kontrolle des Grundwasser getätigt, wie der ein oder andere Bürger vermutete.
Vielmehr hat sich die Stadt dazu entschlossen, der nahenden Energieverknappung damit zu begegnen, zahlreich vorhandenen Gasreserven, die unter Stuttgart lagern, endlich und nachdrücklich zu Leibe zu rücken. Unseriöse Wissenschaftler haben errechnet, dass etwa sechs Millionen Kubikmillimeter an reinstem Erdgas in unterirdischen Lagerstätten vorhanden und wirtschaftlich zu erschließen sind. Vermutet werden diese Gasreserven irgendwo zwischen Wagenburgtunnel, Unterem Schlossgarten und Katharinenhospital.
Hinter vorgehaltener Hand sprechen einige Städter sogar schon davon, den gesamten Bahnhof abzureissen, Stuttgart21 zu begraben und an selber Stelle eine hocheffektive GTL-Fabrik aufzubauen, damit das Gas möglichst schnell aus dem Kessel an den Kunden gebracht wird. Eine Pipeline scheint wegen Widerstand einiger Bewohner ausgeschlossen.
Auf dem Taschenrechner eines Beamten wurde ausgerechnet, dass der Verkauf des Erdgases der Stadt abzüglich aller Fördergelder rund 2984,23 EUR pro Monat einbringen würde und damit der drohende Haushaltskollaps noch aufzuhalten sei. In diesem Sinne kann sich die Stadt Stuttgart über den zu erwartenden Reichtum bzw. den nahenden ausgeglichenen Haushalt freuen. Na wenn das keine guten Neuigkeiten sind!





#1 der Flaneur . 03.02.09 . 18:07 Uhr
Wunnebar - wir sind der energieautarken Stadt Stuttgart einen Schritt näher.
Ob die Gasmenge wohl zur Energieversorgung des Stuttgart-21-Info-Pavillon reichen würde?
#2 circulus . 04.02.09 . 02:33 Uhr
Hey ich finds auch wunnebar! Als Technikfreak gefällt mir besonders der geradezu antiquierte Maschinenpark. Denn der ein oder andere Bagger hier dürfte reif fürs Technikmuseum (z.B. Sinsheim) sein …
Wenn die Gasmenge wider Erwarten nicht reichen sollte: ich bin bereit, täglich eine Schnitte Zwiebelkuchen zu essen und kräftig in den Pavillon zu furzen. Wer macht mit???
#3 der Flaneur . 04.02.09 . 08:12 Uhr
Circulus,
Du weist da auf verborgene, aber höchst interessante Energieressourcen hin …
#4 Exilostfriese . 04.02.09 . 11:39 Uhr
Sogar auf dem Schlossplatz stand so ein Teil eine zeitlang herum.
#5 Wegschaffel . 04.02.09 . 12:02 Uhr
Hey, P, kennen Sie etwa auch meinen Freund Tantalos?
#6 Mythen in Tüten . 04.02.09 . 12:49 Uhr
#2
Soll uns der blöde Russe doch den Gashahn abdrehen. Dann stecken wir uns eine Gasturbine in den Allerwertesten und laden damit schon mal unsere Handys, Navys, Blueberrys und Ipods auf. Das macht uns komplett unabhängig und frei. Viva la revolucion. Das wird ein Getöse in der Stadt, da kann dann auch der Fluglärm vom Flughafen nicht mithalten.
#7 garsuas . 04.02.09 . 19:35 Uhr
zu MYTHEN IN TÜTEN: nicht der “blöde Russe”, sondern der “blöde Ukrainer” wie Sie zu sagen pflegen Herr Mythen, haben uns den Gashahn abgedreht. Man sollte immer der Sache auf den Grund gehen, bevor man seine eigene Unsympathie in eine Aussage miteinflechtet, und immer pauschal gleich die Russen beschuldigt. Es ist nämlich überhaupt nicht in russischen Interessen den Gashahn abzudrehen, wo es doch ein der Hauptexportprodukte Russlands ist. Das wäre ungefähr so als würden wir freiwillig aufhören unsere Autos zu exportieren. Die Ukraine ist jetzt ein selbständiges Land, weigert sich aber die europäischen Preise zu bezahlen, wo doch Russland für die Transitgebühr schon aufkommt. Die europäischen Kontrolleure waren vor Ort und haben bestätigt, dass von russischer Seite die Gaslieferung stattfindet, wird jedoch durch die Ukraine nicht weitergeleitet. In jedem Land läuft Propaganda. In Russland patriotisch-national, in Amerika eigentlich ähnlicher Art, aber hierzulande hasst man am liebsten, und die Russen sind da ganz oben in der Liste. Ich bin ein Russlanddeutscher, und wir haben in Russland viel Schlimmes erlebt. In der Schule in Sowjetunion war ich auch ein Nazi, weil ein Deutscher, klar was sonst. Nichtsdestoweniger hatte ich auch russische Freunde, und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen den Menschen und der Regierung im jeweiligen Land gibt. Mich schmerzt einfach wenn die Menschen egal ob Deutsche, Ukrainer, Russen, Amerikaner einfach gänzlich als blöd oder sonstwie bezeichnet werden. In jeder Kultur und jeder Mentalität gibt es Vor- und Nachteile. Man sollte immer zuerst den Balken in seinem eigenen Auge entfernen… Mit freundlichen Grüßen an alle MENSCHEN :)
#8 Konrad . 05.02.09 . 18:18 Uhr
Erstaunlich, wie viele Leute sich doch wie die Geier auf das erstbeste Gerücht stürzen.
Meines Wissens nach handelt es sich um Maßnahmen zur Absenkung des Grundwasserspiegels.
Drei Mal dürft ihr raten, weshalb wohl das liebe Grundwasser gesenkt werden muss…
#9 Exilostfriese . 06.02.09 . 11:12 Uhr
Ich dachte mir, dass das zu offensichtlich ist und jeder sofort merkt. So zusagen sowas wie eine Satire.
Da will man doch den Spaß nicht verderben.
#10 HelmHeld . 18.02.09 . 18:12 Uhr
Und heute schreibt doch glatt der Stadtanzeiger, der in den Briefkasten gestopft wurde:
[…] “Bei einer derart lauen Informationspolitik verwundert es nicht, dass Spekulationen bunte Blüten treiben. Im »Stuttgart Blog« beispielsweise kursieren Gerüchte, dass mit den Bohrungen bislang ungenutzte Gasreserven angezapft würden, um die Energieversorgung der Stadt zu gewährleisten.
So weit kann es eben kommen […]
…heute der Stadtanzeiger , morgen die ganze Weeelt!
#11 pongi . 18.02.09 . 20:44 Uhr
@helmheld
Das ist der Knaller! Bin gespannt, wann die ersten Dementis eintreffen oder wir hier verklagt werden….
#12 HelmHeld . 18.02.09 . 23:39 Uhr
Warum “wir”? :D
Aber die Frage ist ja, ob wir hier unterwandert werden? Ob bald Artikel in diesem Briefkastenheftchen über nicht freigegebene Schlittschuh-Flächen, Flashmobs und flaneursche Bilderserien erscheinen werden?
#13 pongi . 19.02.09 . 09:22 Uhr
@helmheld
Kurze Aufklärung: ich wurde von einem Redakteur des Stuttgarter-Stadtanzeigers gefragt, ob ich Bildmaterial für einen Artikel, den er gerade schriebe, zur Verfügung zu stellen. Er war im Zuge seiner Recherche auch auf diesen Blog gestossen.
Da ich aus beruflicher Sicht (bin halt Fotograf) nur Bildmaterial gegen Honorar rausgebe, entschied sich die Redaktion anscheinend GEGEN eine Nutzung meiner Bilder.
Dass nun stattdessen der sehr ernst gemeinte Teil des Blogs Einzug in die Kolumne hält, finde ich schon irgendwie amüsant. Ich wette sogar einen Fünfer, dass der ein oder andere Leser des StuStaAnzgrs das für bare Münze nimmt…..
Für mich ist das ein sehr kleiner aber dennoch nicht zu verachtender Hinweis darauf, dass die Blogs u.U. einen weiteren Bogen spannen können als nur blogintern. Copy & Paste sozusagen wobei es sich in unserem Fall ja eindeutig um eine Zitation handelt.
Also ich finde es sehr lustig.