Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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25 11.05

Einkaufsbummel

Von Gunvald
Vermischtes . 13:00 Uhr

Ach ja, der Weihnachtsmarkt. Immer nur Beine und Füße. Manchmal tritt mir einer auf die Pfote und das tut höllisch weh. Ich knurre dann kurz ganz böse. Ab und zu sagt mal einer: »Hoppla! Entschuldigung, ich habe dich gar nicht gesehen.« Die meisten gehen aber einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Immerhin riecht es hier ziemlich aufregend. Ich habe ja gar nicht mit wollen, aber Frauchen bestand auf meine Begleitung, damit ich heute noch mal raus komme. Und ich kann ich ihr so gut wie nichts abschlagen.

Dabei wäre ich heute nur all zu gern zuhause geblieben. Herrchen hat nämlich Urlaub und wir beide sind prima Kumpels. Er liebt Ballspielen. Das läuft meistens so ab, dass er meinen Ball durchs Haus wirft und ich ihn zurücktrage. Ganz außer sich vor Freude ist er dann und voll des Lobes. Nach ein paar Durchgängen wird das natürlich langweilig und ich beeile mich dann nicht mehr so. Herrchen bringt dann regelmäßig die Leckerlis ins Spiel und dann wird es richtig lustig. Ich lege mich ordentlich ins Zeug und bekomme jedes Mal zusätzlich zu seinen begeisterten Ausrufen etwas zu futtern. Sehr schön. Irgendwann bin ich dann einfach zu pappensatt, um zu laufen und dann hechele ich etwas erschöpft. Das ist der Startschuss für den geruhsameren Teil unseres Tages. Wir gehen dann ins Wohnzimmer, schalten den Fernseher an und machen es uns auf den Polstermöbeln gemütlich. Wenn Frauchen kommt, muss ich da allerdings wieder runter. Die kriegt die Krise, wenn sie meine Haare auf ihrem Lieblingssessel entdeckt.

Heute sind wenig andere Hunde unterwegs und meine Unterhaltung hält sich in Grenzen. Bah, was ist das nur für ein schreckliches Gejaule? Frauchen hält an und bittet mich höflich, Platz zu nehmen. Na, da will ich mal nicht so sein. Sie hat Frau Schmitz, unsere Nachbarin, erspäht und möchte ein kleines Schwätzchen halten. »Ist das nicht schön?« fragt sie Frau Schmitz. »Diese Lichterpracht und überall Weihnachtslieder! Ein herrlicher Weihnachtsmarkt.« Frau Schmitz nickt eifrig. Weihnachtslieder? Ich kriege gleich Kopfschmerzen von dem Lärm und jetzt tätschelt mir Frau Schmitz auch noch die Schnauze. Am liebsten würde ich sie in die Hand zwicken. Oh, ich habe den Rest von einem Hamburger erspäht. Mal sehen, ob meine Leine so weit reicht. Leise stehe ich auf und bahne mir unschuldig um mich blickend einen Weg in Richtung des Leckerbissens. Oooch, nur wieder die Reste vom labbrigen Brötchen, kein Fleisch. Mist. Es ruckt an der Leine, wir müssen weiter. Diese Leine!

Frauchen erledigt ein paar Einkäufe. Ein Schild hängt draußen vor dem Laden: »Wir müssen draußen bleiben« und das gilt mir. Frechheit! Ich bin also an einem Ring in der Hauswand angeknotet und mache ein erbärmliches Gesicht. »Oh, guck mal Mutti, ist der nicht niedlich?« sagt ein Kind zu seiner Mutter und zeigt mit dem Finger auf mich. »So einen möchte ich auch! Bitte, kriege ich auch so einen?« Das Kind hält mir seine Hand unter die Nase, bevor es mich streichelt und mir Kosenamen ins Ohr flüstert. »Du bist aber ein Braver!« sagt die Mutter zu mir, nachdem sie erleichtert festgestellt hat, das ich nicht die Absicht habe, ihrem kleinen Liebling ein Haar zu krümmen. Frauchen kommt aus dem Laden und ein stolzes Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie bemerkt, dass ich gelobt werde.

Ich liebe Kinder, besonders die kleinen, die noch nicht sprechen können. Sie sitzen in einer Karre und halten fast immer etwas Essbares in der Hand, dass ich mir im Vorbeigehen einfach stibitzen kann. Zuerst sind sie erschrocken und bis sie anfangen zu schreien, bin ich schon zu weit fort, um in Verdacht zu geraten. Ich mache das nicht oft, nur wenn mir langweilig wird. Frauchen hat mich Gott sei Dank noch nie dabei erwischt.

Wir verabschieden uns von der Frau und dem Kind, ich grinse die beiden zum Abschied geschmeidig an und wir gehen zur U-Bahn. Was ist denn mit Frauchen los? Das dauert doch sonst immer Stunden, wenn sie in der Stadt einkauft. »Wir machen uns jetzt etwas Feines zum Abendessen und schmücken dann unsere Wohnung weihnachtlich« sagt sie zu mir. Ich bin begeistert! Sie entschuldigen mich jetzt bitte, ich muss mich in der Küche nützlich machen. Klinge ich eigentlich irgendwie verfressen?

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4 Kommentare zu Einkaufsbummel

#1 Liamara . 25.11.05 . 13:45 Uhr

Grenzt ja an Sadismus, mit’m Hund über den Weihnachtsmarkt. Ich streichel dich jetzt aber nicht. Ich mag nur Katzen.

#2 Liamara . 25.11.05 . 13:45 Uhr

Äh… Tierquälerei, mein ich. Herrje. Muss am Freitag liegen.

#3 Gunvald . 25.11.05 . 16:43 Uhr

Na ja, ging schon. Bin ja nicht so lange unterwegs gewesen. Ach, immer diese Katzen …

#4 Liamara . 25.11.05 . 18:05 Uhr

Tja, Katzen müssen immerhin nicht übern Weihnachtsmarkt…

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