Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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05 05.07

Eine unbequeme Wahrheit

Von circulus
Leben, Politik . 01:05 Uhr

… das ist der Titel des Filmes über den Klimawandel mit dem Hauptdarsteller Al Gore, seines Zeichens US-Vizepräsident neben Bill Clinton und Beinahepräsident statt George W. Bush. Vielleicht hat die/der eine oder andere schon davon gehört?? SEHEN müßt ihr ihn!!! Gestern abend war im Bett (Filmhaus) eine Vorführung, organisiert von den Stuttgarter Grünen. Leider mit erschreckend wenig Zuschauern. Ich habe angeregt, die Vorstellung zu wiederholen. Vierwöchentlich oder so. Bis ihn alle gesehen haben.

In den ersten 10 Minuten dachte ich noch ‘ohje, eine Wahlkampfsendung’ … aber das legt sich schnell. Es bleibt zwar typisch amerikanisch, aber es rüttelt auch wach, ja schreckt geradezu auf! Jedoch nicht ohne Hoffnung zu machen, dass wir (die Menschheit) die Krise bewältigen können. Und zwar nicht typisch amerikanisch mit einem atomaren Erstschlag gegen die Infrarotstrahlung - sondern indem jeder Einzelne seinen Teil beträgt und seine Regierungen dazu bringt (wählt), die richtigen, wichtigen Schritte zu veranlassen.

Ich finds zwar nicht optimal, das zu empfehlen (wegen des Transport-Wahnsinns quer durch Deutschland), aber bei Amazon kann die DVD bestellt werden. Wer andere Quellen kennt (lokaler Buchhandel) - bitte nennen!?

Inhalt? Im großen und ganzen werden Fakten aufgeführt, die nicht neu sind, wenn man schon vor 20 Jahren im Erdkundeunterricht aufgepaßt hat - oder eben die aktuelle Entwicklung verfolgt. Besonders brisant sind jedoch die jüngsten Erkenntnisse und Entwicklungen, wie schnell das Eis (der Polkappen) tatsächlich schmilzt - und die Berechnungen, dass der Meeresspiegel dadurch um die 6 Meter (!) steigen wird. Der Anstieg der CO2 Emissionen muss dringender aufgehalten werden, als bislang publik gemacht (oder verharmlost) wurde. Auch sehr spannend zu wissen ist, dass der globale Temperaturanstieg von ‘nur’ 2 Grad nicht vernachlässigbar gering, sondern beängstigend hoch ist - wenn man erfährt, dass die letzte Eiszeit ein Temperaturniveau von 5 Grad weniger aufwies. Das wird im Film sehr gut erklärt, wie das sein kann.

Genug der Zeilen zum Lesen, nehmt euch Zeit, den Film zu schauen!

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32 Kommentare zu Eine unbequeme Wahrheit

#1 flo . 05.05.07 . 08:43 Uhr

Der private Stromverbrauch von Al Gores privater Villa betrug im Jahr 2006 offenbar mehr als das 20-fache eines us-amerikanischen Durchschnittshaushaltes (221.000 kWh!).

Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob ihn das für seine Belehrungen prädestiniert. Und inwieweit das für die Glaubwürdigkeit seiner Motivation spricht…

#2 circulus . 05.05.07 . 11:27 Uhr

… ja und im Film sitzt er dauernd entweder im Auto oder im Flugzeug. Auch nicht gerade überzeugend. Ich bin kein Al Gore Fan und ich rufe ja auch nicht dazu auf, ihn zu wählen! Aber ich finde es gut und wichtig, dass jemand diese Themen in dieser informativen und plakativen Form über den Globus trägt. Diese Mission ist es wert, dafür unzählige Auto- und Flugreisen (plus eine Energie-Schleuder-Villa) in Kauf zu nehmen. Möglichst viele sollen den Film sehen und sich am besten ein eigenes Urteil bilden - und zwar vorrangig über unseren Planeten.

#3 Alex . 05.05.07 . 11:32 Uhr

Es gibt ja auch ganz populäre Schriftsteller, die Bücher verkaufen, in denen allerlei Fakten darüber aufklären, dass der Klimawandel garnicht stattfindet und von Umweltaktivisten nur zur generierung von Spendengeldern genutzt wird. Lustig auch, wie Prominente in dem Buch, für die Art und Weise ihres Klimaschutzes (siehe Flo) auf die Schippe genommen werden…

Kann ja jeder glauben, was er will, Argumente dafür und dagegen lassen sich genug finden…

#4 12 . 05.05.07 . 13:21 Uhr

“Thank you for smoking”, “we feed the world”, “super size me”, “9/11″, “bowling for columbine” –> alle Enthüllungs-Fingerzeig-Dokus spiel(t)en ordentlich Geld ein.
Ob es nun die Greenpeace-PR gegen Apple ist (kam ja auch hier im Stuttgart Blog an) oder irgend eine andere (böse böse) Industrie - die Macher verdienen in erster Linie ordentlich Penunzen mit ihren Filmen.

Ein Tipp für Filmschaffende: Produziert eine solche Doku über die Arbeitskonditionen bei Lidl oder über die unglaublich böse Energiebranche! Damit werdet ihr reich.

#5 Frau Doktor . 05.05.07 . 16:43 Uhr

@ 12.: In nur drei Kommentaren ist das Niveau der Timo-Hildebrandt-Threads erreicht. Herzlichen Glückwunsch!
Schade um die Anregung von Circulus. Die Energiebilanz von großen Versendern wie Amazon ist garnicht so schlecht. Um da zu schlagen müsste die DVD schon im Laden liegen, wenn man sie kaufen will. Bei dem Renner stehen die Chancen garnicht schlecht.

#6 circulus . 05.05.07 . 17:40 Uhr

Also - Alex, Flo, 12 - was dürfen wir da rauslesen? Dass es den Klimawandel gar nicht gibt, die Autoren nur lügen um Geld mit den Filmen zu machen? Und dass die Industrie so verantwortungsvoll ist? Ich verstehe: es fällt leichter, sich so ein Bild zu machen, als sich mit einer ‘unbequemen Wahrheit’ auseinanderzusetzen und womöglich selbst was zu tun.

Was erzählt ihr euren Enkeln? ‘Ich hab nicht gedacht, dass es so schlimm werden würde’?

Klar sollte man solche Dokus kritisch betrachten. Und es mag auch sein, dass nicht alle Autoren über alle Zweifel erhaben sind. Aber schließlich geht es um ein Thema, das die gesamte Menschheit auf diesem Planeten betrifft - wir haben eben (noch) keinen anderen. Wenn mit solchen Filmen Profit gemacht wird, was solls?!? Find ich immer noch besser, als wenn mit Fantasy-, Action- und Komödien- Blockbustern (noch viel mehr) Profit gemacht wird!

Heute in den Medien (z.B. STZ): der Klimagipfel ist sich (erstaunlich) einig, dass rasch gehandelt werden muss und die Fristen (relativ) knapp gesteckt werden. Sind die auch alle auf Profit mit ihrer Meinung aus?

#7 Herr S . 05.05.07 . 17:47 Uhr

Also - Alex, Flo, 12 - was dürfen wir da rauslesen?

Dass der Stammtisch eine unverwüstliche Einrichtung ist. Der auch den derbsten Klimawandel unbeschadet überstehen wird, fürchte ich.

#8 12 . 05.05.07 . 17:53 Uhr

Wie meinen, Frau Doktor? Ihr Posting ist nicht so ganz eindeutig.. Zum Inhalt der Filmstreifen habe ich ja gar nichts gesagt, auch Klimawandel und andere Problemstellungen nicht negiert. Ich schrieb über einen anderen Aspekt dieser Filme.

Aber da Sie sich auf einen anderen Beitrag beziehen, und dieser Sie wohl deutlich stärker erreicht hat: “Frau Dooooooktooooor, der Tiiiiiiiemo stand heute im Toooohooor!!!!einsELf”

#9 flo . 05.05.07 . 18:11 Uhr

Ich regte nur an, dass jeder sich selbst die Frage stellen möge, ob jemand, der das Problem ausweislich seiner Lebensweise selbst nichtmal ansatzweise verstanden zu haben scheint (oder dem es eigentlich - was wahrscheinlicher, aber auch nicht besser ist - meilenweit am Arsch vorbeigeht, solange der Pool beheizt und der Jet jederzeit startklar ist) ein geeigneter und glaubhafter Lehrmeister in diesen Fragen ist.

Den Niveaumangel dieser Anregung vermag ich - vielleicht mangels Promotion - indes nicht eindeutig erkennen. Ist aber auch nicht so wichtig, ich geh jetzt zum Stammtisch, zu den anderen Deppen :-)

#10 Herr S . 05.05.07 . 19:04 Uhr

Dann helfe ich Ihnen mal auf die Sprünge, mein lieber Flo: So ein Problem, verstehen Sie, so ein Problem, das ist zunächst einfach mal da. Oder eben nicht. Nur wenn es da ist, dann ist es ihm aber sowas von scheißegal, wer von ihm erzählt und was der, der von ihm erzählt, den lieben langen Tag lang so tut und was der für ein Auto fährt und für ein Flugzeug fliegt. Nicht das Geringste hat das Problem am Hut damit, das ist der Punkt. Nur Sie (und die beiden anderen) stellen eine Art ursächlichen Zusammenhang her, wo es bestenfalls die Gleichzeitigkeit zweier Umstände gibt, und damit nicht genug, machen Sie diesen nicht existierenden Zusammenhang auch noch zum alleinigen Stützgerüst Ihrer Argumentation. Und genau so funktioniert nun mal das Prinzip Stammtisch.

#11 Alex . 05.05.07 . 19:24 Uhr

Oh je, jetzt wird man schon in die Stammtisch-Ecke geschoben, wenn man die “Gegenseite” präsentiert und zitiert. Witzigerweise genau die Reaktionen, die auch in besagtem Buch nachzulesen sind…

Mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen, muss ja zum Flo, zum Stammtisch…

Ach was soll´s, ich fahre Bahn, meine sämtlichen elektr. Geräte hängen an Steckdosen mit Schalter, ich hab kürzlich nen neuen Tiefkühlschrank gekauft - den mit dem Ökosiegel und ich kaufe mein Obst und Gemüse (meistens) auf dem Markt…

Jo, aber ich muss jetzt wirklich los…

#12 flo . 05.05.07 . 19:42 Uhr

Herr S., wäre ich dieses Problem (gehen wir mal davon aus, ich existierte, schließlich war davon ja auch schon in der Bild-Zeitung zu lesen), dann wäre es mir ganz und gar nicht egal, wenn Herr Gore mit seiner bemerkenswerten Maßlosigkeit Bezug auf seinen Energieverbrauch ausgesprochen effizient und schmerzhaft dazu beiträgt, daß ich nicht geringer, sondern größer werde, so würde mich das sehr wohl interessieren.

Und den Umstand, daß - ausgerechnet! - er sich dann noch als berufen fühlt, Filme über mich zu drehen, empfände ich als ausgesprochen scheinheilig.

Das wäre meine Schlußfolgerung, die eines anderen mag davon abweichen.

Mehr habe ich nicht gesagt. Und jetzt muss ich wirklich los :-)

#13 circulus . 05.05.07 . 19:56 Uhr

Alex - sehr lobenswert, das mit Bahn, Ökosiegel und Markt, ehrlich. Mir ist auch einiges eingefallen, was ich in meinem Umfeld noch verbessern muss, um mein Scherflein beizutragen.

Aber: gibts denn überhaupt eine ‘Gegenseite’? Was genau wird denn eigentlich polarisiert? Der Mensch ist offenbar ein Herdentier und es sei ihm freigestellt, welcher Herde er sich anschließt. Jedoch: Wie Herr S richtig bemerkt, ist es dem Problem Klimawandel ziemlich wurscht, wer sich wie darüber äußert. Ich glaube, dass der Planet mächtiger ist, als die Menschheit. Er (der Planet) scheint die Schnauze voll zu haben und es gibt einige Anzeichen dafür, dass er die Menschheit als Parasit erachtet, den er lieber früher als später ‘abschütteln’ will. Dazu ein passendes Zitat aus Grönemeyers neuem Album:

Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?

Wenn wir die Erde so sehr ärgern, wehrt sie sich. Ich finde es auffällig, dass bei ‘Katastrophen’ wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Tsunamis und Tornados die Natur selbst vergleichsweise wenig Schaden nimmt. Wem also Al Gore & Co. nicht gefallen, kann auch nur auf die Sprache der Erde hören. Verstehen muss man sie halt wollen …

#14 Herr S . 05.05.07 . 19:57 Uhr

Okay, Alex, ich habe nochmal nachgelesen. Und nehme Sie (und nur Sie) ausdrücklich wieder raus aus dem Stammtischverdacht – sorry. Und verleihe Ihnen dazu noch fünf Bonuspunkte für ökologisch korrektes Verhalten.

Und was Sie anbelangt, lieber Flo, bin ich sehr beruhigt, dass Sie nicht das Problem sind. Ein Problem, das sich von solchen läppischen Randfragen aus der Fassung bringen lässt, könnte ich niemals als richtiges Problem anerkennen. Dass Al Gore scheinheilig ist, kann ja durchaus sein, aber was würde sich am Problem tatsächlich und nicht nur symbolisch ändern, wenn er sich einen Toyota kaufen würde und Steckerleisten?

So, und ich gehe jetzt ein bisschen Strom verprassen.

#15 Alex . 05.05.07 . 20:35 Uhr

Ok, geschenkt ;-)

Aaaaber, wenn ich ehrlich bin mache ich das alles NUR, weil ich der Meinung bin, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen viel zu verschwenderich umgehen. Ich hab ja trotzdem noch einen Kleinwagen, den ich einmal die Woche für den Einkauf bewege und selten mal um meine Familie oder die meiner Freundin zu besuchen (jeweils 2*320km bzw. 2*150km) und da fehlen leider noch echte Alternativen zum Auto… Da wo ich herkomme (sehr ländlich) wird grade der Nahverkehr zusammengestrichen, ganze Buslinien werden abgeschafft - da geht grade einiges in die falsche Richtung - aber wie gesagt, für mich alles erstmal nur Energieverschwendung.

Was das Thema Klimawandel angeht, bin ich der Meinung, dass wir einfach noch nicht genug wissen, als dass man vernünftig handeln könnte. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wettervorhersage für nächsten Mittwoch richtig ist? 30% 40% - höchstens, und dann wissen wir, wie unser Klima in 50 Jahren aussieht? Ich meine NEIN. Und ich habe im Moment noch mehr Angst vor den Leuten, die heute sagen, sie wüssten, was zu tun ist, als vor dem Klimawandel selbst. Aber ich kann auch verstehen, wenn man was machen will, es ist ein sehr schwieriges Thema…

Nochmal, ich sehe die Energieverschwendung als das wesentlich größere Problem an als den Klimawandel und bin der Meinung, dass es das Thema ist, dass wir mit der größten Kraft angehen müssen - wenn in 30 Jahren kein Öl mehr da ist, haben wir andere Probleme als einen steigenden Meeresspiegel. Die gute Nachricht scheint aber zu sein, dass man mit der Lösung für das eine Problem auch das andere in den Griff bekommt. Man wird sehen…

Mein Geld verdiene ich übrigens bei einem Automobilzulieferer und die bekommen ihr Geld von einer Industrie, die einen großen Teil ihres Gewinns mit echten Energieverschwendern macht und nicht so wirkt, als hätten sie irgendwas verstanden!? Aber deswegen such ich mir jetzt keinen neuen Job, oder sollte ich das vielleicht - ach, für´s erste tausch ich mal alle Glühbirnen gegen Energiesparlampen aus (kürzlich geschehen…)

#16 circulus . 05.05.07 . 23:00 Uhr

Super, Alex! Jetzt kommt das Thema hier ja doch noch in Schwung :-) … Schau dir doch einfach den Film mal an - oder hast du schon? Jedenfalls wird er dir nicht wehtun. Denn die Kernaussage ist: CO2 reduzieren! Ob man das mit Ressourcen-Schonung macht, mit weniger Energie verbrauchen, mit alternativer Energiegewinnung, etc. ist letztlich egal. Das will ja auch der Klimagipfel. Nur bei den Nationen wird halt drum geschachert, an welchen Stellen wieviel zuerst reduziert werden kann. Legitim aber langweilig. Denn Sorge um die (weltweite) Wirtschaft und ihr Bruttosozialprodukt braucht man wohl nicht zu haben (das sagt nicht Al Gore, sondern der Klimagipfel). Es ist eine Umschichtung, ein anderer Einsatz von Technologie, nicht ein Verzicht auf Technologie.

Warum hat denn die deutsche Wirtschaft keine öko-effizienten Zugpferde? Die Autoindustrie muss sich von Toyota vorführen lassen, wie gut sich Hybridautos verkaufen lassen. Übrigens hatte Honda mit dem ‘Insight’ schon auf der IAA ‘99 ein solches Auto stehen. Tesla Motors in Californien verkauft einen Elektro Roadster mit 250 PS und 4 Sekunden von 0 auf 100 kmh. Warum baut nicht Porsche in Zuffenhausen schon längst ein vergleichbares Auto? Wo ist der Mut zu solchen Schritten?? Was wäre, wenn VW die Phaetons, Mercedes die Maybachs und Porsche die Cayennes von Anfang an (nur) als Hybridautos auf den Markt gebracht hätten??? Sie hätten weltweit die Ökotechnik in der Luxusklasse etabliert und sich ein Image geschaffen, mit dem sie den Wechsel vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antrieben bestimmen - und ihm nicht hinterher rennen.

Oder die Energiekonzerne: warum prescht keiner von denen vor und stellt das ‘umweltfreundlichste’ Kraftwerk der Welt in die deutsche Pampa? Nein, zur Zeit läuft die Debatte über den Antrag aller deutschen Energiekonzerne, 40 (vierzig!) neue Kohlekraftwerke zu bauen, BEVOR die Verschärfung der Emissionsgesetze in Kraft tritt. Ja gehts noch??? Kann man die eigentlich nicht wegen ‘grobem Unfug’ einbuchten? Die Intention indess ist meiner Meinung nach klar: es ist eine Art Drohung nach dem Motto ‘laßt unsere AKWs am Netz, dann bauen wir keine Kohlekraftwerke’. Leute! Auch gegen sowas müssen wir uns irgendwie wehren. Am besten mit einem massenhaften Wechsel zu alternativen Strom-Anbietern wie Lichtblick oder Greenpeace.

Zu weit über den Tellerrand geschaut? Bitte, bleiben wir in Stuttgart. Stichworte Verkehr, Feinstaub, Tunnel. Für wen oder was sollen über 200 Millionen Euro in Tunneln verbuddelt werden, wenn (wie auch Alex annimmt) in 30 Jahren kein Sprit mehr da ist, um mit Autos durchzufahren? Wir steigen statt dessen schrittweise auf den Nahverkehr um? Pustekuchen. In derselben Zeitspanne wird der Nahverkehr zusammengestrichen, weil die Mittel für Stuttgart 21 verbraten wurden. Für was brauchen wir nochmal den neuen Bahnhof? Damit der Bahn-Fernverkehr an Stuttgart vorbeirauschen kann, auf der Magistrale zwischen Paris und Bratislava (eine Stadt mit 400 Tausend Einwohnern 60 km von Wien)! Hallo? *Kopfschüttel*

Eieiei - alles Themen für losgelöste seitenfüllende Beiträge? Und doch gehört alles noch dazu. Es dreht sich um Entscheidungen, die jetzt in diesem Jahr getroffen werden und Auswirkungen auf die nächste Generation haben. Auf unseren Lebenswandel, auf die CO2-Emissionen - und damit auf den Klimawandel.

Wir können wirklich viel tun! Viel mehr noch als selbst Energie zu sparen. Informieren, mitreden, wählen, Entscheidungen beeinflussen! … Um nochmal zur Überschrift zurückzukommen: es kann bei all dem einfach nicht schaden, den Al Gore Film anzuschauen …

#17 flo . 06.05.07 . 07:11 Uhr

Herr S., Menschen, die Mitmenschen “unter Verdacht nehmen”, sind Kennzeichen totalitärer Systeme. Ich hoffe sehr, wir sind nicht schon wieder soweit.

Vielleicht versuchen Sie daher, in Zukunft etwas auf Ihre Ausdrucksweise zu achten; anderenfalls habe ich nämlich keine Lust, weiter auf diesem Niveau mit Ihnen zu diskutieren.

Um zum Thema zurückzukommen: ich habe doch nie bestritten, daß der steigende Energieverbrauch weltweit ein Problem darstellt. Daß dem so ist, mußte mir aber nicht erst (und dann auch noch ausgerechnet, nur darum gings!) Herr Gore erklären. Darauf kann man nämlich mit ein wenig gesundem Menschenverstand ohne allzu große Anstrengungen selbst kommen. Ich hoffe, das gelingt auch anderen Menschen. Etwas anderes habe ich nie gesagt.

Vergleichbares, was das selbst Mitdenken anbelangt, gilt natürlich auch bezüglich dessen, was jeder einzelne dagegen tun kann. Das Problem zu erkennen reicht nämlich nicht aus. Und wenn Sie - Spaß muß sein - möchten, können wir beide gerne mal unsere jeweiligen Energiebilanzen miteinander vergleichen und, wenn Sie wollen, dabei um eine Flasche anständigen Lemberger aus Untertürkheim wetten, daß meine besser ausschaut als Ihre. Mein Stromverbrauch betrug im Jahr 2006 beispielsweise ca. 1.500 kWh (bei knapp 80 qm Wohnfläche), Tendenz sinkend. Wohnung in modernem Niedrigenergiemehrfamilienhaus in fußläufiger Entfernung zu Arbeitsstelle, zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und Stammtisch. Ein Auto gibt es auch, das ist aber ein Smart fortwo. Trotzdem meist ÖPNV-Nutzer, keine Mallorca-Urlaube. Nehmen Sie an? :-)

#18 Herr S . 06.05.07 . 10:28 Uhr

Wetten, mein lieber Flo, Wetten sind Kennzeichen, dass irgendwo in der Nähe der Engländer hockt. Ich hoffe sehr, wir sind nicht wieder soweit. Mal davon abgesehen, dass Sie eine solche Wette möglicherweise verlieren täten oder zumindest eine Pattsituation entstünde, erinnert sie mich ein wenig an den Schwanzvergleich aus Jugendzeiten, wenn Sie mir den erneuten Rückgriff auf eine energische Wortwahl nachsehen wollen. Weil meines Erachtens keinem geholfen ist, wenn wir alle unsere individuellen Bilanzen gegeneinander aufrechnen und am Ende womöglich noch diejenigen ausbuhen, die den Kleinsten bzw. in dem Fall Größten haben. So leid es mir tut, aber auch das ändert nichts am Problem, sofern es denn existiert.

#19 flo . 06.05.07 . 11:12 Uhr

Jetzt habe ich es auch kapiert. Es kommt also gar nicht auf den Einzelnen an, oder was dieser tun kann, solange er sich nur und ausschließlich den Film von Al Gore anschaut, so das Problem erkennt und danach größtmögliche Betroffenheit heuchelt (und jedem, der dies nicht oder nicht in dieser Form tut, vorwurfsvoll fortgeschrittene Infantilität und/oder Ignoranz unterstellt), bevor er dann dergestalt erleuchtet unbekümmert wieder zur Tagesordnung übergeht.

Die Diskussion hier langweilt mich mittlerweile ziemlich, weshalb ich mich ausklinke. Was mich aber trotzdem doch noch interessieren würde: ist in dem Film eigentlich der einzig wirklich effektive Ratschlag erteilt worden, nämlich der, einfach keine Kinder (=potenzielle Energieverbraucher) mehr in die Welt zu setzen? Vermutlich nicht, sowas macht man ja schließlich nicht… :-)

Naja, egal, ich geh jetzt raus, bei dem Wetter…

#20 srivijaya . 08.05.07 . 13:07 Uhr

Al Gore und die “Wahrheit”

Was für eine spannende Blog-Strecke!

Endlich schickt die USA einen Film in die Welt der uns zeigt, wo es lang geht. (War Al Gore eigentlich schon in China?)
Wir wissen seit Jahrzehnten!!, dass der Planet langsam aber sicher vor die Wand gefahren wird. Bücher, Berichte, Protokolle, Versammlungen von Club of Rome, Greenpeace, BUND, Nabu, Kyoto … halten uns das täglich vor Augen.
Bis “vorgestern” haben sich die Amerikaner rausgehalten und die Aufregung über die Klimaveränderung eher ins Lächerliche gezogen.

Und nun kommt er. Ein Energieprasser par exellence, packt einen Filmstreifen aus und bringt die Seelen in Aufruhr. Es ist egal, dass er selbst nichts dazu beiträgt um das Klima zu verändern, Hauptsache, seine Botschaft stimmt. Man kann m.E. die Information nicht ohne weiteres vom Informanten trennen.

Szenario 1: Helmut Kohl tritt vor das deutsche Volk und mahnt an, das deutsche Volk sei zu dick. Und jeder müsse nun darauf achten, dass die Krankenkassen nicht so belastet würden. Alle könnten wir dazu beitragen, dass das gemeinsame Geld den Bedürftigen und Kranken zukommt. Spricht’s, und setzt sich an den reich gedeckten Tisch.

Szenario 2: Herr Ackermann tritt vor das deutsche Volk und mahnt an, das deutsche Volk sei zu geldgierig. Und jeder müsse nun darauf achten, nicht den Nächsten zu vergessen. All die armen Waisen und Witwen und man solle doch mit 2.500 brutto im Monat zufrieden sein, damit für jeden etwas bliebe. Spricht’s und füllt sein Konto.

Szenario 3: Ein Manager erhöht seine Bezüge. Er entlässt Personal. Begründung: die Produkte sind sonst zu teuer, und diejenigen die gehen, erhalten denjenigen die bleiben den Arbeitsplatz. Spricht’s und wäscht seine Hände in Unschuld.

Szenario 4: Ein Politiker kommt mit seinem Flieger, fährt mit dicken Autos, verbraucht 200 000 kWh und mahnt an, ihr müsst etwas tun, damit unser blauer Planet nicht vor die Hunde geht. Spricht’s und verzichtet selbst auf nichts.

Warum erreicht (erst) dieser Film die Leute, obwohl dahinter eine komplett andere Lobby steckt? Wie haben sie den Streifen gemacht? Warum haben sie den Film gemacht? Für wen haben sie den Film gemacht? Wer hat ein Interesse daran, den Film mit soviel Geld zu sponsern? Amerika komplett geläutert und die USA bringt endlich die Wahrheit ans Licht, weil die übrige Welt nichts begriffen hat?

Noch mal zur Klarstellung: Das Thema ist wichtig. Keine Frage.

Aber 1. kennen wir die Tatsachen seit Jahrzehnten.
2. Die Vertreter des Films stehen nicht hinter den Aussagen des Films.
3. Der extrem plötzliche und radikale Umschwung aus USA macht mich stutzig.
4. Die Reaktionen hier im Blog auf den Film haben mich erschreckt: Es ist völlig egal was Al Gore macht oder tut. Sein Film hat “erweckt” und der Film muss so lange laufen, bis ihn jeder gesehen hat, damit ganz viele “erweckt” werden. Und Al Gore hat mit dem Film gar nichts zu tun. Deshalb kann er auch machen, was er will. Die Botschaft ist wichtig. Und wer die Wichtigkeit der Botschaft nicht begreift, ist nur ein (dummer) Stammtischbruder.

Ich werde mir die DVD “Eine unbequeme Wahrheit” sicher kaufen. Nicht um Energiesparlampen zu verwenden (die ich längst habe), sondern um heraus zu finden, wie dieser Film gemacht ist. Und um vor allem heraus zu finden, wie ich auf den Film reagiere. Und warum ich wie auf den Film reagiere. Haben sie Tricks benutzt die auf mich wirken? Wenn ja, kann ich sie erkennen? Vielleicht begreife ich dann unser Drittes Reich besser. Kann ja sein.

Denn um zu wissen, dass unser Planet vor die Hunde geht wenn wir so weiter machen, dazu brauchten wir diesen Film nicht! Warum also ist er da? Und warum hat er diese Wirkung?

Wenn man uns beibringt, Geschehen, Taten, Ereignisse, Verantwortlichkeiten getrennt wahrzunehmen statt alles in Beziehung zum Gesamten zu setzen, so nötigt man uns einen intellektuellen Schwindel auf.

Unser Planet lehrt uns: Es gibt ein Nebeneinander, eine Gleichzeitigkeit und ein Zusammenwirken.

#21 Alex . 08.05.07 . 16:01 Uhr

Sehr schöner Kommentar! Allerdings glaube ich der Film ist nicht für Zuschauer gemacht, die schon kapiert haben, dass was nicht stimmt - gucken muss ich ihn aber auch erst noch…

#22 Frau Doktor . 08.05.07 . 16:47 Uhr

@Srivijaya:
So plötzlich ist der Umschwung garnicht. Das macht nur die perspektivische Verengung der deutschen Medien auf die Bush-Regierung. In der US.amerikanischen Öffentlichkeit wird sich schon eine ganze Weile mit Inbrunst um das Thema geprügelt. Ein wichtiger medialer Vorbote war sicher “The day after tomorrow”, aber so richtig in den USamerikanischen Köpfen was gerückt hat Hurricane Katrina und was er/sie in New Orleans angerichtet hat. Danach ist die Glaubwürdigkeit der regierungsseitigen Aussagen zum Thema Klima, Umwelt etc. extrem gefallen und die Bahn war für die stärker auf Fakten basierten Argumente frei. Den letzten Schreck haben dann alle bei den Benzinpreisen bekommen. Seitdem scheint wohl ein anderer Wind zu wehen.

#23 Herr S . 08.05.07 . 17:03 Uhr

@Srivijaya:
Würde der fette Kohl das Durchschnittsgewicht seiner Ex-Untertanen bejammern, wäre das sicher lächerlich. Dem Durchschnittsgewicht der Ex-Untertanen ist das aber insofern egal, als es sich weder ändert, wenn Kohl es bejammert noch wenn er schweigt. Und dasselbe gilt nun mal auch für die anderen Nachrichtenüberbringer. Mein Stammtischvergleich bezog sich auf die flugs zuammengebastelten Kausalketten, nicht auf die Wichtigkeit bzw. Unwichtigkeit einer Botschaft. Den Zusammenhang zwischen Individualverhalten und dem Gesamtzustand habe ich übrigens an keiner Stelle bestritten, vielleicht hätte ich doch besser ein paar Absätze einziehen sollen.

#24 srivijaya . 08.05.07 . 20:47 Uhr

@ Frau Doktor
Danke für die An-Merkung.

#25 Tobi . 30.05.07 . 22:07 Uhr

Ich habe sehr viele Freunde, die NICHT an eine mögliche Klimakatastrophe glauben. Mit Argumenten wie

Die Temperaturerhöhung hängt nicht von CO2 ab.
CO2 ist die Folge von der Temperaturerhöhung
Die Temperaturerhöhung liegt im Muster der letzten 100.000 Jahre

Daher meine Frage:
Wo kann ich also die Quellen finden, auf denen der Film basiert ist? Ohne die habe ich keine Chance meine Freunde zu überzeugen.

#26 Paul-geht-baden . 31.05.07 . 02:13 Uhr

Die Frage, lieber Tobi - wenn Du mir die vertrauliche Anrede verzeihst -, ist doch, warum Du an die Klimakatastrophe glaubst, obwohl Du so gar keine Argumente zu haben scheinst. Könnte es sein, dass Du einfach gerne dran glauben möchtest, weil Du eine Art Apokalyptiker bist? Gegen Freunde anzustinken, die locker die letzten 100.000 Jahre überblicken, ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Die Temperaturerhöhung ist vielleicht einfach eine Folge davon, dass zu viele Leute - besonders in Stuttgart und Umgebung - zu viel zu Fuß unterwegs sind und durch die Reibung mit der Luft, die sie erzeugen, dafür verantwortlich sind, dass die Gletscher abschmelzen und die Niederlande demnächst ein Unterwasser-Königreich sind. Wenn wir alle mehr Auto fahren und weniger furzen würden, könnten wir das Problem in Null-Komma-Nichts in den Griff bekommen, aber dazu musst Du die Leute erst mal kriegen, Mann! Also Tobi, frag nicht nach den Quellen, das ist sowieso fundamentalistisch, sondern wie das alles enden wird und ob Deine Freunde noch alle Knöppe am Fernseher haben (wie Arno Schmidt mal sagte) bzw. auf der Fernbedienung.

#27 Alex . 31.05.07 . 07:27 Uhr

Das Buch “Welt in Angst” von Michael Crichton setzt sich, wie der Film von Al Gore, sehr kritisch mit dem Thema auseinander und enthält ein sehr ausführliches Quellenverzeichnis!

#28 Klimawandel at Kerstin und Alex . 29.06.07 . 18:52 Uhr

[…] ich ein C02-Einfluss-Verleugner bin, kann man sich die Reaktion ja schon denken. Ähnliches gab es dort schonmal. Und damit ich in Zukunft nur noch hierauf verlinken muss, folgt jetzt eine kleine […]

#29 Wegschaffel . 12.10.07 . 11:15 Uhr

Das gabs auch noch nicht, dass man für einen Film den Friedensnobelpreis bekommt …

#30 Alex . 12.10.07 . 13:35 Uhr

Man muss sich mal ernsthaft vor Augen halten, wo dieser umstrittene Film eingereiht wird - der Oscar war doch eigentlich Würdigung genug…

#31 circulus . 12.10.07 . 22:22 Uhr

Also ich kann dem Spiegel-Artikel nicht entnehmen, dass der Film umstritten ist … wenn man ihn denn bis zu Ende liest:

Burtons Urteil steht deshalb in keinerlei Widerspruch zu den bisherigen Urteilen über den Film. Denn der enthält laut Burton neben den neun Fehlern vier Haupthypothesen - “und jede einzelne ist sehr gut abgesichert durch die Forschungsergebnisse, die in respektierten Fachblättern veröffentlicht wurden und mit den jüngsten Schlussfolgerungen des IPCC übereinstimmen”. Er betonte ausdrücklich, dass er mit dem inhaltlichen Kern von Gores Film voll übereinstimme - nämlich “dass der Klimawandel hauptsächlich auf den Ausstoß von Kohlendioxid, Methan und Stickoxid durch den Menschen zurückzuführen ist”.

Wie wärs ergänzend mit diesem Spiegel-Artikel vom 10.10.? Al Gore ist so gesehen in manchen Aussagen noch moderat geblieben …

Zudem halte ich es mit einem Zitat aus den Nachrichten von heute abend: ‘Die Friedens-Nobelpreis-Verleihung ist ein politisches Signal …’

#32 Alex . 13.10.07 . 11:05 Uhr

Umstritten hin oder her, es geht doch (mir jedenfalls) hauptsächlich darum, dass der Film nicht die einzige, allumfassende Wahrheit ist, als die er immer hingestellt wird. Wer weiß denn, “dass der Klimawandel hauptsächlich auf den Ausstoß von Kohlendioxid, Methan und Stickoxid durch den Menschen zurückzuführen ist” und nicht, dass vielleicht der Kohlendioxid-Anteil dem Temperaturanstieg folgt?

Ich meine wir haben konkretere Probleme, die sich nicht so oder so auslegen lassen, Energie- und Resourcen-Verschwendung z.B… Aber was will man machen,

Neben seriösen Kritikern existieren auch immer emotionale Aktivisten.#

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