Von nick
Stuttgart 21 . 13:10 Uhr
Unglaublich ist die Nachricht, die ich heute morgen im Radio hören musste. Zuerst hatte ich ja an einen schlechten Witz gedacht. Nach dem Abgang von Mehdorn wurde tatsächlich gestern angekündigt: Heute wird die Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 unterschrieben.
Wer übernimmt nun die Verantwortung für die Unterzeichnung von Seiten der Bahn? Der alte Bahnchef, dem das jetzt sowieso alles egal sein kann? Oder der vermutlich neue Bahnchef Rüdiger Grube, der das Projekt bestimmt in 24 Stunden geprüft hat? Anscheinend sollen wir das nicht wissen. Jedenfalls scheint Verantwortung nicht mehr der Leitbegriff unserer Zeit zu sein. Hätte man überhaupt erwarten können, dass nach dem Rücktritt von Mehdorn ein Manager kommt, der im Interesse des Volkes handelt, mit dessen Positionen man sich identifizieren kann, der nicht immer das Arschloch ist, über das die Bürger schimpfen? Jemand, der seine Arbeit mit Verantwortung erledigt und dessen wirkliches Ziel es ist, die Bahn weiterzuentwickeln? Anscheinend ist das in diesem Staat nicht mehr möglich. Das hat dieses Beispiel erneut gezeigt. Und das enttäuscht mich maßlos.
#1 Eugen . 02.04.09 . 15:07 Uhr
Mehdorn ist nicht der Eigentümer der Bahn. Er ist ein schlichter Angestellter - wie viele seiner Kritiker. Wenn er weg ist, übernimmt der nächste und unterschreibt im Namen der Bahn.
Das Problem der Kapitalgesellschaften ist, dass sie nicht von Unternehmern geführt werden, sondern von Angestellten. All das, was man Mehdorn vorwirft, kann man auch x-beliebigem Angestellten vorwerfen.
#2 Exilostfriese . 02.04.09 . 15:20 Uhr
Bahn-Vorstand Stefan Garber war es, steht auf spiegel-online.
#3 Frau Doktor . 02.04.09 . 17:21 Uhr
@Nick und Eugen: Ich interpretiere Eure Beiträge so, dass ihr Herrn Mehdorn für den Hauptverantwortlichen für S21 haltet. Noch-Bahnchef-Mehdorn hat das Planungs- und Imagedesaster aber nur geerbt. Richtig vorangetrieben wurde und wird es von unserer Landesregierung sowie Herrn Schuster.
Ein bisschen ominös wirkt es natürlich schon, dass im Trubel nach dem Abgang Mehdorns jetzt die Unterzeichnng stattfindet, aber ich vermute, da hat eher das unausweichliche Näherrücken der Kommunalwahl eine Rolle gespielt. Ich vermute, die SPD wollte die peinliche Hängepartie endlich vom Tisch haben, um die S21-Gegner zu demotivieren und das Thema aus dem Wahlkampf raus zu haben. In die neue Vereinbarung, in der der Bundesrechnungshof mehr Kontrollfunktionen erhält, ist die eventuelle Reißleine schon eingebaut: Wird das Budget zu deutlich überschritten und der Bundesrechnungshof hebt den Finger, dann ist der Bund zumindest auch ganz schnell aus der Nummer wieder draußen. Ein nächstes Schlupfloch ist dann die Benennung des neuen Bahnchefs: Wer es auch immer wird, kann unter dem Stichwort “strategische Neuorientierung der Bahn hin zu mehr Regionalverkehr” oder als Reaktion auf das massive Schrumpfen des Logistik-Bedarfs in den Osten der EU oder wegen depressionsbedingter Ebbe in der Kasse S21 ganz oder teilweise stoppen. Das hatten wir ja so um 2000 mit Herrn Ludewig schon mal.
#4 Herr Linsinger . 02.04.09 . 22:29 Uhr
Hab´s gestern schon gelesen und dachte sofort, das sei der Aprilscherz der StZ?! Leider nicht.
Gab´s denn dieses Jahr gar keinen?
Linse
#5 circulus . 03.04.09 . 23:04 Uhr
Meine neueste Verschwörungstheorie: Klar war das ein Aprilscherz!