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18 01.10

Ein wenig Bundesliga-Kriegsrhetorik oder Die unerträgliche Leichtigkeit des VfB-Fan-Seins

Von Nordrandbewohner
Sport . 19:55 Uhr

Ja ich bin neidisch, voller Missgunst schaue ich nach München und bin auf jeden Titel und jeden Sieg neidisch. Klar stimmt, Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten, haben wir aber nicht mindestens genauso hart gearbeitet wie in München? Wenn nicht sogar noch mehr als diese.

Mein Neid wurde also geboren aus dem Wissen um die Ungerechtigkeit des Fußballdaseins, wird genährt aus der tiefen inneren Überzeugung, dass am Tag des jüngsten Sportgerichts die gute Fußballfee in unseren 16er schwebt und uns die Erfüllung der großen Verheißung mitteilt: “Ihr werdet für euer treues Ausharren belohnt und die Liga zeigt nun ihr wahres Gesicht. Es wird nun offenbar, ihr seid die wahren Bayern und kommt alle in den Fußballhimmel.” Zugleich werden die Guten von den Bösen geteilt, die treuen Weiß-Roten stehen zu ihrer Rechten und die Abtrünnigen jeglicher anderer Farbe sind bis auf alle Spielzeiten dazu verdammt Schalker oder 60er zu sein.

Da niemand der ewigen Verdammnis der 2. Liga anheim fallen will, stehen wir also weiter mit unserem Brustring rum, auch wenn uns dieser gar manches Mal fast die Luft abschnürt. So auch vor zwei Jahren, als die gute Fee schon ein wenig ihren goldenen Schein aufblitzen ließ. Ich stand mit zigtausend anderen im GDS und kämpfte gegen die Schwerkraft an weil mir der Cottbuser Führungstreffer ganz plötzlich die Beine wegzog. Der Rest dieser Geschichte ist Geschichte, am Ende dachte ich bei mir ein befriedigendes “Jetzt sind wir die Bayern!”

Alles schien in bester Ordnung, auch in der darauf folgenden Saison schienen die “mir san mir” aus München zunächst entmachtet, die Karawane des Erfolges aber verharrte nicht am Neckar sondern zog doch wieder nach München, um wiederum eine Saison später in Wolfsburg anzugelangen. So hatten wir uns die Entmachtung der Bayern nicht vorgestellt. Was nützt uns München gestürzt zu haben (und zumindest das nehmen wir für uns in Anspruch), wenn wir die Meisterschale nur in der Vergangenheitsform eines Replikats verwenden können?

Ja ich bin neidisch, voller Missgunst schaue ich wieder nach München und bin auf jeden Punktgewinn und jeden Sieg neidisch. Aber jetzt muss ich gehen und meinen Brustring abstauben, denn man weiß ja nie wann die Fee in unseren 16er kommt und uns verkündet, dass uns ganz GROSSes bevorsteht.

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2 Kommentare zu Ein wenig Bundesliga-Kriegsrhetorik oder Die unerträgliche Leichtigkeit des VfB-Fan-Seins

#1 Weltenbummler . 21.01.10 . 10:39 Uhr

Interessanter Artikel!
Das VfB-Fan-Sein ist in diesen Tagen wirklich nicht ganz einfach, auch wenn es gefühlt wieder etwas besser wird.
Ich denke, man muss sich einmal die grundsätzliche Frage stellen, wie sportlich und wirtschaftlich gearbeitet worden ist in den letzten Jahren seit der Meisterschaft.
Mit der Meisterschaft hatte man - meiner eigenen bescheidenen Meinung nach - durchaus die sportlichen und finanziellen Mittel (heißt: Mannschaft und Gelder aus Champions League, TV-Rechte usw.), um in der Bundesliga dauerhaft vorne mitzuspielen. Aber: Die finanziellen Mittel wurden ausgesprochen diskussionswürdig eingesetzt. Ich will hier gar nicht die einzelnen Fehlkäufe aufzählen. Nur so viel: Es ist viel Geld verbrannt worden - und eine große Chance verpasst worden. Hätte man besser investiert, wäre man inzwischen eine echte Macht in der Bundesliga. So hat man die letzten Jahre verschenkt und muss sich wieder hinten anstellen. Schade!

#2 Foto Hippie . 30.06.10 . 20:04 Uhr

Ein schöner Artikel!
Du hast vollkommen recht, ehrlich gesagt hätte ich es euch gegönnt gegen die mia san mia Bayern einen Stich zu sehen, diese ganze Arroganz ist auf die Dauer dann doch recht ermüdend. Ich war auch schonmal bei euch im Stadion, wirklich schön, trotz der Tartanbahn ;-)

Grüße aus dem hohen Norden und alles Gute für die neue Saison.

Peace, Love and Harmony
Daniel

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