Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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24 08.10

Düsseldorfer Playboy

Von Josh von Staudach
Kultur, Befindlichkeiten, Stuttgart 21 . 11:55 Uhr

Wärst du doch in Düsseldorf geblieben, schöner Playboy …

sang Dorthe 1968

Nun, der »schöne Playboy« Ingenhoven kam nach längerer Zeit doch mal wieder nach Stuttgart und ich hatte die Gelegenheit, persönlich dabei zu sein, bei der Pressekonferenz in der Jägerstraße.

Die präsentierten Änderungen an der Planung für den unterirdischen Hauptbahnhof standen unter dem Zeichen der »Optimierung«. Wenn aber alle wesentlichen Entwurfsbestandteile (Lichtaugen, Glaskuppeln) kleiner ausfallen als ursprünglich geplant, darf man getrost annehmen, dass dies zum Streichkonzert des Auftraggebers Bahn AG gehört. Nun könnte man ja froh sein, wenn dadurch das Projekt geringere Kosten verursachen würde, aber Nein: es wird stetig teurer, man bekommt nur weniger für’s Geld!

Ingenhoven besteht weiterhin unverdrossen darauf, dass sein Bahnhof ein »zero-energy«-Bauwerk sei. Er benannte das so in einem Interview auf der DVD »Last Call for Planet Earth«. Darauf habe ich ihn nach der Veranstaltung angesprochen: Er meint damit, dass der Bahnhof keine Energie braucht um zu funktionieren und beruft sich auf Normen zum Nullenergiegebäude. Außerdem sei neuerdings ja geplant, auf dem großen Dach des Bonatzbaus eine Solaranlage zu installieren. (Für was, fragt man sich, wo doch keine Energie verbraucht wird?) — Ich sage ihm, dass meiner Meinung nach die gesamte CO2-Bilanz betrachtet werden müsse, um ein Produkt (oder Bauwerk) als ökologisch sinnvoll zu erachten oder es gar »grün« zu nennen, daher käme auch mein Vorwurf des Greenwashing. Nach zweieinhalb ausweichenden Sätzen gibt er zu, wörtlich:

… gut, Stuttgart 21 hat keine positive CO2-Bilanz.

Was übersetzt heißt: Der Bau des Bahnhofs und der Tunnel verschlingt so viel Energie und setzt soviel CO2 frei, wie im späteren Betrieb niemals eingespart werden kann! Diesen Sachverhalt zu verschleiern oder gar nicht zu nennen, wird gemeinhin als Greenwashing bezeichnet – Punkt.

Schlimmer noch ist aber, dass Stadt, Land, Bund, Bahn und deren Werbeagenturen sich diesem Unsinn anschließen und wo sie nur können das S21 Projekt als »grün« bezeichnen. Was in diesem Fall nicht mehr als eine Worthülse ist.

Herr Ingenhoven darf gerne in Düsseldorf bleiben und von uns Gegnern unbehelligt seinem Alltagsleben nachgehen, ob als Playboy oder als Architekt sei ihm überlassen. Hier in Stuttgart braucht seinen Bahnhof kein Mensch. Vielen Dank.

===

Ergänzende Anekdoten aus der Pressekonferenz:

1. Ingenhoven wird gefragt, wie hoch denn nun die neuen Lichtaugen seien. Er blättert in seinen Unterlagen, findet aber nichts, bleibt zunächst ratlos. Drexler blättert auch und sagt: »4 Meter 30«. Ingenhoven bestätigt … Warum kennt ein Architekt, der sich auf die Präsentation der veränderten Pläne vorbereitet, nicht die Maße des wichtigsten Gestaltungselements seines Bauwerks?

2. Parallel dazu werden Illustrationen bzw. 3D-Renderings gezeigt, die über die schiere Größe und Klumpigkeit der Lichtaugen hinwegtäuschen sollen. Das Tricksen und Täuschen findet also kein Ende, von Beginn an wurde bei Modellen verharmlost und in Computeranimationen geschönt.

3. Herr Dr. André Zeug, Vorstandsvorsitzender der DB Station & Service AG wird gefragt, wie es sich denn auswirken würde, wenn im Fildertunnel ein ICE Unfall ähnlich dem in Vaihingen/Enz geschehe. Herr Zeug stutzt, wendet sich an Drexler und fragt: »Fildertunnel?« — Drexler erklärt ihm, das sei die Verbindung zwischen Bahnhof und Flughafen. Dann antwortet Zeug so leise, dass es 90% der Anwesenden nicht verstehen konnten (ich leider auch nicht) … Warum kennt der Chef aller deutschen Bahnhöfe, der sich theoretisch auf die Pressekonferenz vorbereitet haben sollte, einen der wichtigsten Bestandteile der gesamten S21 Planung nicht?

Man muss Drexler einen gewissen Respekt zollen, dass er in solchen Sachfragen aus der Patsche helfen konnte. Ein gutes Licht auf das Expertentum der verantwortlichen Planer wirft das Ganze aber überhaupt nicht. Wieder einmal.

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44 Kommentare zu Düsseldorfer Playboy

#1 Bilbob . 24.08.10 . 19:58 Uhr

*gähn*

#2 Blubblub . 24.08.10 . 21:10 Uhr

Gähn,nö…..Supergähn….

#3 MC Buhl . 25.08.10 . 09:29 Uhr

Wie kann man da mit “gähn” kommentieren?? Wer gegen dieses “Projekt” ist, dem wird vorgeworfen zukunftsfeindlich zu sein, große Projekte seien hier nicht mehr zu realisieren wegen der “dagegen-sein”-eritis.
Aber selbst angesichts einer - mindestens für hiesige Verhältnisse - beispiellosen Opposition gegen das Projekt, dillettieren die Macher vor sich hin. Wenn die in der Art 15 Jahre lang “bestgeplant” haben…
Aber hey, es ist ja nur unsere Stadt: also gähn weiter.

#4 Plasier . 25.08.10 . 10:37 Uhr

*Gähn*

#5 Stuttgarter . 25.08.10 . 12:03 Uhr

Letztens kam ein sehr interessanter Bericht im Fernsehen über das Vorhaben S21 und wie von öffentlichen Stellen dementiert wird, dass ein Baustopp nicht mehr möglich sei, doch das glaube ich nicht! Die wichtigsten Mittel zum Protest sind die öffentlichen Kundgebungen und Protestmärsche. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Man darf sich keinesfalls in so einer Situation auf Anwälte verlassen. Denn die sind wirklich zum gähnen.

#6 Kurt Jaeger . 25.08.10 . 12:56 Uhr

Es waere spannend, rauszufinden, wer hinter den Leuten
steckt, die hier K21-Themen dissen 8-)

Ob sich die Pro-S21 eine Weblog-PR-Agentur geleistet hat 8-) ?

#7 Josh von Staudach . 25.08.10 . 13:17 Uhr

Naja, was wäre spannend daran, zu wissen welche Nasen so gleichgültig durchs Leben gehen? ;-)

— Noch höhere Feinstaubwerte: *gähn*
— Dreck, Gestank, Stau, Fahrplan-Chaos: *supergähn*
— Mineralwasser wird verunreinigt: *gääähn*
— Haus oder Wohnung bekommt Risse: *ratlosgähn*
— Bau wird mittendrin gestoppt, weil Probleme nicht zu bewältigen sind und kein Geld mehr da ist: *megagähn*

Es gibt zig Beispiele von Großprojekten, bei denen vor Risiken eindringlich gewarnt wurde, die dann allesamt eingetreten sind oder noch schlimmer. Engelbergtunnel? Atom-Endlager Asse II? Und immer noch gibts die Leute, die ihre Schultern zucken und ihre Scheuklappen schließen. Es gehört Mut dazu, über den Tellerrand hinauszuschauen — die »Gähner« sind dafür zu feige!

#8 nick . 25.08.10 . 14:18 Uhr

Ein Beitrag mit sachlichem Inhalt. Lasst euch nicht beirren von ein paar destruktiven Kommentaren - habt ihr euch schon mal überlegt, was die vielen Angestellten des “Kommunikationsbüros” den lieben langen Tag machen? Meinung in der Öffentlichkeit machen sie. Das ist nämlich ihr Auftrag.

Bez. Greenwashing - Beyond Petroleum. Wer erinnert sich?

#9 Stuttgarter . 25.08.10 . 20:28 Uhr

Danke für den guten Beitrag!

#10 Bilbob . 25.08.10 . 20:34 Uhr

Bei dem ganzen kontra S21 Geplänkel habe ich bisher eigentlich kaum überzeugende Gegenargumente gehört. Meistens waren es Vermutungen darüber, wie das Projekt im negativen Sinne ausgehen könnte. Ob es tatsächlich so kommt, das wird man erst am Ende wissen.

#11 Nordman . 25.08.10 . 20:53 Uhr

Bei dem ganzen kontra S21 Geplänkel habe ich bisher eigentlich kaum überzeugende Gegenargumente gehört

Milliarden zum Fenster rauswerfen, mindestens 10 Jahre Dreck und Lärm und daraus resultierene Beeinträchtigung der Lebensqualität in der Stadt, nicht zu kalkulierende geologische Risiken bei Bau und Betrieb sind für sie keine überzeugende Gegenargumente?

#12 Bilbob . 25.08.10 . 20:56 Uhr

Nein. Wie schlimm der Lärm und Dreck wirklich sein werden, kann jetzt noch niemand sagen. Genausowenig, wie schlimm der Bahnverkehr beeinträchtigt sein wird.
Und nicht zu kalkulierende Risiken… wenn man sich immer danach gerichtet hätte, dann würde die Straßenbahn jetzt immer noch auf der Königstraße fahren.

#13 Stuttgarterin . 25.08.10 . 21:33 Uhr

Doch. Wir wissen schon, dass es eine große Verschlechterung der Lebensqualität in Stuttgart Mitte geben wird.
Lärm: schauen Sie in das Planfeststellungsverfahren.
Dort steht, dass die Rammstöße “unzumutbar” sein werden. über Monate.
Das reicht mir dann schon als Beschreibung.
Und bei unserer schlechten Luftqualität verzichte ich auch gerne auf 1000-2000 Lastwagenfahrten täglich- der Aushub der Pyramide von Gizeh oder so….
Lieber vorsichtig pessimistisch als fahrlässig optimistisch!

#14 Nordman . 25.08.10 . 22:51 Uhr

Nein. Wie schlimm der Lärm und Dreck wirklich sein werden, kann jetzt noch niemand sagen

rund um die Uhr Aushub LKWs im 1,5 min Takt, ca. 250m von meiner Wohnung entfernt. Da brauch ich keinen der drei berühmten Affen um mir sicher zu sein das das mehr Dreck & Lärm bedeutet.

Genausowenig, wie schlimm der Bahnverkehr beeinträchtigt sein wird.

der S-Bahn Verkehr ist jetzt bereits beeinträchtigt und Sie wollen also allen Ernstes behaupten das der Umbau und die Verlegung der U-Bahn Stationen Staatsgalerie und Türlenstraße ohne Beeinträchtigungen vorbeigeht? Letztere unter der Heilbronner Strasse auf der dann die leeren Aushub LKWs zum ehem. Busbahnhof zurückkehren werden. Wie Blind, Taub & Stumm muß man eigentlich sein um das zu glauben. Oder wie gut wird man bezahlt um so was anderen Leuten vermitteln zu wollen?

NM

#15 nick . 25.08.10 . 22:53 Uhr

Und nicht zu kalkulierende Risiken… wenn man sich immer danach gerichtet hätte, dann würde die Straßenbahn jetzt immer noch auf der Königstraße fahren.

Ach was würde ich dafür geben. Dann könnte ich endlich die Stadt sehen, durch die ich fahre. Jetzt blicke ich auf schwarze Tunnelwände, nur weil stinkende Blechkisten wahnsinnige Flächen auf der Oberfläche beanspruchen…

#16 Bilbob . 25.08.10 . 22:53 Uhr

@STUTTGARTERIN
Sie können mir bestimmt einen Link zu der Textpassage geben, auf die Sie sich beziehen?

Und wenn es tatsächlich so geschrieben steht frage ich mich, wieso nicht schon früher Einspruch erhoben wurde?
Und für wen werden die Rammstöße unzumutbar sein? Alles ziemlich wischiwaschi. Genau das, was man auch den Beführwortern bzw. ihren Pro-Argumenten vorwirft.

#17 Bilbob . 25.08.10 . 22:55 Uhr

der S-Bahn Verkehr ist jetzt bereits beeinträchtigt und Sie wollen also allen Ernstes behaupten das der Umbau und die Verlegung der U-Bahn Stationen Staatsgalerie und Türlenstraße ohne Beeinträchtigungen vorbeigeht? Letztere unter der Heilbronner Strasse auf der dann die leeren Aushub LKWs zum ehem. Busbahnhof zurückkehren werden. Wie Blind, Taub & Stumm muß man eigentlich sein um das zu glauben. Oder wie gut wird man bezahlt um so was anderen Leuten vermitteln zu wollen?

Wer Lesen kann ist klar im Vorteil. Ich habe nie behauptet, dass der Umbau ohne Beeinträchtigungen vorbeigeht :-P

#18 Bilbob . 25.08.10 . 22:59 Uhr

Ach was würde ich dafür geben. Dann könnte ich endlich die Stadt sehen, durch die ich fahre. Jetzt blicke ich auf schwarze Tunnelwände, nur weil stinkende Blechkisten wahnsinnige Flächen auf der Oberfläche beanspruchen…

Welche stinkenden Blechkisten? Falls sie Autos meinen: die fahren in der Regel seit ca. 1960 nicht mehr auf der Königstraße. Ich bin mir aber sicher, Sie haben auch daran etwas auszusetzen. Sie können sich ja gerne dafür einsetzen, dass die Stadtbahn wieder ausgegraben wird, und auch Autos wieder auf der Königstraße fahren dürfen. Der Vollständigkeit halber sollte dann allerdings auch der Hauptbahnhof wieder zum Schlossplatz verlegt werden.

#19 nick . 25.08.10 . 23:04 Uhr

Du bist ein kleiner Erbsenzähler, der sich nicht anders zu helfen weiß, als Erbsen zu zählen. Ich traue selbst dir zu, dass du genau verstehst, was ich meine, dich aber noch blöder stellst als du bist. Meinungsaustausch unmöglich, Diskussion beendet.

#20 Bilbob . 25.08.10 . 23:08 Uhr

Ich zähle nicht nur Erbsen. Hätten Sie meinen Text genau gelesen wäre Ihnen der von mir geschickt plazierte Hinweis auf die schon früher in Stuttgart durchgeführten, wahnwitzigen und mit unkalkulierbaren Risiken versehenen Umbaumaßnahmen aufgefallen.

#21 Nordman . 26.08.10 . 09:12 Uhr

Wer Lesen kann ist klar im Vorteil. Ich habe nie behauptet, dass der Umbau ohne Beeinträchtigungen vorbeigeht :-P

Nein sie wollen diese Beeinträchtigungen nur nicht wahrhaben, “weil nicht sein kann was nicht sein darf”. Sie reragieren auf sachliche Argument nur mit vermeintlicher Rethorik die in Wahrheit nur der Ausdruck Ihres mangelden Verständnisses ist. Man könnte dies auch als Beschränktheit bezeichnen.

NM

#22 Bilbob . 26.08.10 . 11:41 Uhr

Wo schrieb ich etwas davon, dass ich diese Beeinträchtigung nicht wahrhaben will? Sie sollten nichts in meine Texte hereininterpretieren, was nicht auch geschrieben steht.
Ich schrieb lediglich, dass die Stärke der Beeinträchtigungen noch nicht sichtbar ist und man nur mutmaßen kann. Ob es letztendlich so ist wird man erst dann sehen, wenn S21 umgesetzt wird. Kontra-”Argumente” auf Mutmaßungen aufzubauen könnte man auch als blindes “Dagegensein um jeden Preis” bezeichnen.

#23 Bilbob . 26.08.10 . 11:42 Uhr

Noch eine Frage hinterher: wo waren Sie die letzten 20 Jahre? Haben Sie auch schon vor 10 Jahren gegen S21 demonstriert?

#24 zmeu . 26.08.10 . 12:00 Uhr

@ Bilbob
Den Abschnitt über die Rammarbeiten finden Sie hier, etwa ab Seite 308:
PFA 1.1: Talquerung der Innenstadt mit Hauptbahnhof (2,2 MB)

#25 Josh von Staudach . 26.08.10 . 12:11 Uhr

Das sind wirklich interessante Fragen, die Sie da aufwerfen, BILBOB. Aber haben Sie schon bemerkt, dass die Pro-Argumente auch alles Mutmaßungen sind? Alles nur Prognosen und Behauptungen!

Insofern wird NORDMAN durchaus recht haben. Sie wollen nur die für Sie positiven Prognosen wahrhaben, die negativen (Risiken!) scheinen Sie nicht zu interessieren. Das gilt für 90% der Befürworter, die wie Sie in den immergleichen Rhetorikschleifen hängen geblieben sind.

Einziger Fakt in der ganzen Diskussion ist: Der Stuttgarter Hauptbahnhof funktioniert bestens, so wie er ist. Es gibt keine Not, irgendwas zu ändern. Statt dessen aber drumrum (in der Stadt, der Region, im ganzen Land) unzählige Mißstände, für deren Beseitigung die Millionen und Milliarden viel besser angelegt werden. Fragen Sie mal jemand, der sich damit auskennt.

===

Achso, zu Ihrer zweiten Frage, eine die typisch für Lohnschreiber ist und die nur gestellt wird, um die Gegner als unentschlossen oder uninformiert hinzustellen.

Gegenfrage: Warum wurden die letzten 20 Jahre wichtige Eckdaten des Projekts verschleiert oder zurückgehalten? Haben Sie vor 10 Jahren schon alles gewusst, was heute auf dem Tisch ist?

Es gab von Anfang an Proteste, Einwände, Gegenargumente. Je mehr Risiken bekannt wurden, desto stärker wurde der Protest. Und es liegt in der Natur der Sache, dass erst demonstriert wird, wenn es richtig ernst wird. Wieso vorher Kräfte vergeuden? Das ist bei allen Demos und Streiks so, schauen Sie sich um.

#26 Bilbob . 26.08.10 . 12:24 Uhr

Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Pro-Argumente ebenfalls nur Mutmaßungen sind. Nun stellt sich allerdings die Frage, weshalb Kontra-Mutmaßungen mehr Gewicht haben sollten als Pro-Mutmaßungen? Und wieso die S21 Gegner auf dem selben Niveau kämpfen, das sie den Beführwortern vorwerfen?
Sie schreiben, dass die Beführworter in den immer selben Rhetorikschleifen hängen geblieben wären. Ist es bei den Gegnern nicht auch so? Die negativen Mutmaßungen werden aufgebläht und wie Fakten dargestellt, die positiven Effekte des Umbaus werden komplett ausgeblendet.

#27 Bilbob . 26.08.10 . 12:28 Uhr

Gegenfrage: Warum wurden die letzten 20 Jahre wichtige Eckdaten des Projekts verschleiert oder zurückgehalten? Haben Sie vor 10 Jahren schon alles gewusst, was heute auf dem Tisch ist?

Nein. Weder wusste ich es vor 10 Jahren, noch weiß ich es heute. Und ich wage zu bezweifeln, dass überhaupt jemand aus der Bevölkerung wirklich alle Fakten und Eckdaten des Projektes insgesamt genau kennt.
Allerdings war von Anfang an klar, dass so ein Umbau vermutlich sehr viel Aufwand mitsich bringen wird, und dass dies sicherlich auch zu Beeinträchtigungen im Stadtleben und im Bahnverkehr führen wird. Die Gegenargumente, die heute vorgebracht werden, hätte man zum Großteil auch schon vor 10 Jahren vorbringen können. Nur hat es da eben noch niemanden interessiert.

#28 Bilbob . 26.08.10 . 12:31 Uhr

Und es liegt in der Natur der Sache, dass erst demonstriert wird, wenn es richtig ernst wird. Wieso vorher Kräfte vergeuden? Das ist bei allen Demos und Streiks so, schauen Sie sich um.

Es ist nicht bei allen Demos und Streiks so. Noch dazu ist es lächerlich erst zu demonstrieren, wenn praktisch alles entschieden ist, um sich dann darüber aufzuregen, dass man nicht gehört wird.

#29 Südstädtler . 26.08.10 . 12:33 Uhr

Das mit den Mutmaßungen pro und contra weiss man nicht sicher, dass einzige, was man weiss ist, dass vor mehreren Jahren alle Verträge unterschrieben wurden, damals alle Hurra geschriehen haben.
Jetzt sind plötzlich alle dagegen.
Die Flügel sind eh nicht mehr zu retten und das einzige, was die Gegner grad bewirken sind erhebliche Mehrkosten, was lustigerweise auch grad ihr Hauptargument ist…

Ich hab mal einen netten Polizisten am 30.7. bei einer der vielen Großdemos gefragt, was so circa eine Demo kostet (Absperren, Anfahrt…):

wahrscheinlich erheblich mehr als 400.000.- Euro…

Und das alle paar Tage, echt verwunderlich, dass das Projekt so teuer wird….

#30 Josh von Staudach . 26.08.10 . 12:38 Uhr

Nochmal: Der Bahnhof funktioniert, so wie er ist. Wenn wir das Projekt stoppen, fällt Stuttgart nicht in die Steinzeit zurück und es bleibt an den europäischen Fernverkehr angeschlossen.

Glauben Sie, der Wohlstand der Region hängt vom Bahnhof ab? Das gehört zur Angstmache der Macher. Der Wohlstand hängt hier vor allem an der Automobilindustrie. Setzen Sie sich doch dafür ein, dass deren gravierende Fehlplanungen nicht noch zu mehr Massenentlassungen führen werden!?

Die Befürworter geben Millionen für Ausstellungen und Werbekampagnen aus — und etliche plappern das nach.

Die Gegner setzen ihre Zeit, ihre Energie und ihre Stimme ein! Was ehrlicher und authentischer ist, kann man zur Zeit in der Stadt spüren — und es wird in der ganzen Republik wahrgenommen!

#31 Josh von Staudach . 26.08.10 . 12:43 Uhr

Ich mutmaße jetzt mal, dass wir es hier mit demselben Lohnschreiber wie bei den Zeitungskommentaren zu tun haben. Er macht dieselben Schreibfehler, z.B. das h in Befürworter. Damit erlaube ich mir, den »Dialog« zu beenden. Ungefähr so, wie ihn Onkel Grube nie begonnen hat.

Es ist alles gesagt.

Stuttgart 21 muss gestoppt werden!

Danach können wir wieder reden …

#32 Südstädtler . 26.08.10 . 12:58 Uhr

wow, ich weiss zwar nicht, was du/er/sie/es mit dem Kommentar meinst/meinst/bla, aber echt starke Argumente…

Es ist im übrigen auch alles Entschieden.

Stuttgart 21 soll gebaut werden!

Danach sind sowieso alle wieder begeistert …

#33 Bilbob . 26.08.10 . 13:27 Uhr

Glauben Sie, der Wohlstand der Region hängt vom Bahnhof ab?

Nein.

Die Befürworter geben Millionen für Ausstellungen und Werbekampagnen aus — und etliche plappern das nach.

Ach so, und bei den Gegnern ist das nicht der Fall? :-D
Wieviele Leute auf den Demos haben sich schon wirklich selbst informiert? Und damit meine ich nicht das Lesen von irgendwelchen Flyern mit Demoaufrufen, oder das Lesen von Kontra-S21-Propagandaseiten.

Was ehrlicher und authentischer ist, kann man zur Zeit in der Stadt spüren — und es wird in der ganzen Republik wahrgenommen!

Es ist vor allem eins: nervtötend. Was da ein paar Tausend Demonstranten für ein Getöse machen… und dabei immer noch meinen, die meisten Stuttgarter würden ihre Meinung teilen. Da fragt man sich doch, warum es immer noch so wenig Demonstranten sind? Selbst wenn es (hochgegriffen) mal 10.000 sein sollten - was ist das schon im Vergleich zur Einwohnerzahl Stuttgarts.

#34 nick . 26.08.10 . 13:28 Uhr

Ich schrieb lediglich, dass die Stärke der Beeinträchtigungen noch nicht sichtbar ist und man nur mutmaßen kann. Ob es letztendlich so ist wird man erst dann sehen, wenn S21 umgesetzt wird.

Ach tatsächlich? Nun, ob morgen die Sonne aufgeht, kann man auch erst morgen sehen, nicht wahr.

Was ich jedenfalls schon heute sehen kann ist, dass ich auf meine S-Bahn vom HbF zur Schwabstraße manchmal länger als 30 Minuten warten muss, mitten in der Hauptverkehrszeit. Aber darauf können wir uns wohl eh einstellen. Aus Ulm, Paris und Bratislava werden 30 Minuten gespart, während ich auf meine Anschlusszüge in die Stadt/Region immer länger warten muss, weil für den Nahverkehr kein Geld da ist. Aber wer braucht den schon, der Bürger der Zukunft wohnt schließlich im Europaviertel…

#35 Bilbob . 26.08.10 . 13:30 Uhr

Er macht dieselben Schreibfehler, z.B. das h in Befürworter. Damit erlaube ich mir, den »Dialog« zu beenden. Ungefähr so, wie ihn Onkel Grube nie begonnen hat.

Wer ohne Fehler ist werfe den ersten Stein.
Wie mir scheint gehen ihnen die “Argumente” aus, wenn Sie die Diskussion jetzt schon auf die Ebene von Rechtschreibfehlern herunterbrechen müssen.

#36 Bilbob . 26.08.10 . 13:32 Uhr

… während ich auf meine Anschlusszüge in die Stadt/Region immer länger warten muss, weil für den Nahverkehr kein Geld da ist.

Und Sie beziehen sich genau worauf? Wie hängen die S-Bahn Verspätungen mit dem angeblich fehlenden Geld für den Nahverkehr und S21 zusammen?

#37 nick . 26.08.10 . 13:40 Uhr

Überhaupt nicht, es sind zwei unterschiedliche Ursachen für vermeidbare Missstände im Nahverkehr. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich gar keine Lust mehr habe, mit jemandem fachlich zu diskutieren, der immer noch bestreitet, dass 70 % der Stuttgarter das Projekt ablehnen und aus einer falschen Zahl von Demonstranten auf die Meinung in der Bevölkerung schließt. Das ist sehr destruktiv und hat einen Wahrheitsgehalt von 0 Prozent. Und ich werde nicht zum wiederholten mal sachlich mit repräsentativen Meinungsumfragen und Zeitungsberichten dagegen argumentieren.

Ich respektiere jeden, der eine andere Meinung zu S21 hat als ich. Nur kämpfe ich nicht immer gegen die selben provokativen und destruktiven Blödheiten an.

#38 Bilbob . 26.08.10 . 13:45 Uhr

Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich gar keine Lust mehr habe, mit jemandem fachlich zu diskutieren, der immer noch bestreitet, dass 70 % der Stuttgarter das Projekt ablehnen und aus einer falschen Zahl von Demonstranten auf die Meinung in der Bevölkerung schließt.

Ja nun, das mag ja sein, aber was hat das mit dieser Diskussion zu tun?

#39 nick . 26.08.10 . 13:48 Uhr

Es hilft nichts, wenn du dich blöder stellst als du bist.

#40 Josh von Staudach . 26.08.10 . 14:23 Uhr

Es ist keine Diskussion. Es ist ein Manöver der Lohnschreiber, um vom eigentlichen Inhalt des Blog-Beitrags abzulenken. Nämlich dass eine Menge Dilettanten und Pfuscher an der Planung von S21 beteiligt sind. Das machen die immer so, das ist ihr Job.

Ingenhoven hat zugegeben, dass Stuttgart 21 keine positive CO2-Bilanz hat. Er plappert aber weiter von »wenig Materialeinsatz« für die von Frei Otto entworfenen Beton-Kelche, daher sei das Bauwerk irgendwas wie ökologisch oder nachhaltig. Nur dumm, dass sein unterirdischer Bahnhof ohne den gigantomanischen Energie- und Materialeinsatz des Tunnelbaus nicht funktioniert, da kann er an Lichtaugen und Glaskuppeln noch so viel sparen … Im Vergleich dazu ist der bestehende Bonatzbau, zweitpünktlichster Bahnhof Deutschlands, ein wahres Öko-Prachtstück!

Wer jetzt von 20 Hektar neuen Grünflächen reden will, dem sei gesagt, dass die längst hätten geschaffen werden können, wenn die Bahn und die Post ihre nicht mehr benötigten Anlagen im Betriebsbahnhof am Rosensteinpark zurückgebaut hätten. Aber nein, sie lassen den Schrott so lange rumstehen und verrotten, bis der Steuerzahler ihnen einen Neubau ermöglicht?

Nicht mit uns!

#41 Bilbob . 26.08.10 . 14:48 Uhr

Vielleicht sollten Sie einsehen dass es Leute gibt, die S21 gut finden, auch ohne Lohn dafür zu beziehen. Ich vermute, das passt nicht gut in ihr Wunsch-Weltbild, aber es ist tatsächlich so.

#42 Südstädtler . 26.08.10 . 17:02 Uhr

Das stimmt, die Leute gibt es wirklich, ich kenn ne Menge davon.
Die haben alle nix mit dem Projekt zu tun, sind aber trotzdem dafür…
Davon gibts auch ne ganz schöne Menge.

Von dem schizophrenie-Trip, immer von UNS zu reden, oder als würde man für ganz Stuttgart reden, sollte man auch mal runterkommen….

#43 Troy McClure . 27.08.10 . 00:02 Uhr

Ich finde es schade, dass auch hier wieder mit so harten Bandagen auf die Stuttgart21 Befuerworter eingegangen wird - immerhin will hier jemand anscheinend tatsaechlich diskutieren… Einen Versuch ist es doch wert.

Also, wenn an einer Diskussion Interesse besteht, dann waere es mir sehr recht, wenn doch einmal die Argumente widerlegt wuerden, die Herr Hermann als Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags (aber auch als Gruener, um hier mal gleich die Karten auf den Tisch zu legen) im Handelsblatt-Kommentar schreibt. Insbesondere interessieren mich folgende:

-> Engpass des Durchgangsbahnhofs mit 8 Gleisen vorhersehbar (am Beispiel Nadelohr Koeln mit 12 Gleisen)
-> Tatsache Quellgestein als Problem, das auch die Betriebskosten des Engelberg-Tunnels hochtreibt
-> Tatsache Steigung des Albanstiegs hoeher als bisher, obwohl in der Ausschreibung der Neubaustrecke ein geringerer Anstieg geforder ist - Fakt: keine Gueterzuege der notwendigen Klasse im Einsatz
-> Fakt Vorenthalt des Wirtschaftlichkeitsgutachten im Verkehrsausschuss des Bundestages als Betriebsgeheimnis

Quelle: http://www.handelsblatt.com/meinung...

Bisher war es leider so, dass die Stuttgart 21 Befuerworter auf solche Details nicht eingehen. Aber vielleicht gibts ja hier das fuer mich ueberzeugende Pro-S21-Argument? Her damit! Solange wird demonstriert.

Besten Dank und viele Gruesse,
Troy McClure

P.S.: Danke fuer den interessanten Bericht!

#44 copywriter . 29.08.10 . 00:31 Uhr

Bisher war es leider so, dass die Stuttgart 21 Befuerworter auf solche Details nicht eingehen. Aber vielleicht gibts ja hier das fuer mich ueberzeugende Pro-S21-Argument?

Tja, da kommt wohl nichts. Vielleicht müssen die passenden Textbausteine erst vorgeschrieben und freigegeben werden?

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