Stuttgart, was is das denn? Was würde ich mir zeigen, wenn ich mich selbst besuchen würde? Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass es in Stuttgart viel zu sehen gibt und wenig zu zeigen. Das ist ganz komisch hier. Stuttgart ist das größte Dorf der Welt. Nichts ist Stadt, nichts Land. Das Substantiv, das Stuttgart am besten beschreibt, ist Stagnation.
Irgendwie kenne ich Berlin oder Köln, wo ich bis jetzt jeweils höchstens einen Monat verbracht habe, weitaus besser als die Stadt, in der ich schon seit Immer wohne. Stuttgart ist ganz unbegreiflich. Spannend, dass ich, bevor ich mich für weitere neun Monate an diese Stadt gefesselt habe, immer hierbleiben wollte. Heute will ich sowas von weg. Hier leben, nein danke. Je besser ich die Stadt kennenlerne, desto stärker wird dieser Drang.
Wahrscheinlich würde ich mir aber dann doch die Leute hier zeigen, das Wetter und die Bäume, das Licht, die guten Bars. Aber dann müsste ich mir auch einreden, dass alles gar nicht so schlimm ist. Möchte ich das? Darüber muss ich nachdenken.
#1 Herr S . 06.12.05 . 22:34 Uhr
Köln, okay, meinetwegen. Auch wenn der penetrante Frohsinn hart an der Grenze verläuft. Aber Berlin? Der Megahype schlechthin, auf den sich unisono alle, aber schon wirklich alle einigen können? Wann bitte, war jemals wirklich prima, was alle miteinander prima fanden?
Subtiler Charme ist es, nicht Stagnation. Den zu ergründen, darin liegt der Reiz. Was womöglich nie gelingen wird, aber wenigstens wuchs man an der Aufgabe.
#2 jo . 06.12.05 . 23:06 Uhr
“alle finden das toll, also finde ich das scheisse.” konnte ich irgendwie immer verstehen, diese einstellung. mich ihr anschließen kann ich nicht. als verfechter der absoluten freiheit lasse ich nicht gerne meinungsdruck auf mich ausüben. wenn alle berlin super finden, darf ich das doch wohl auch. selbstverständlich will ich nicht “alle” sein, aber dieses krampfhafte anders-sein-wollen hat noch nie zu etwas geführt. das ganze mal etwas locker nehmen und sich um alle miteinander kein bisschen scheren schon eher.
#3 Liamara . 06.12.05 . 23:33 Uhr
Nee, ehrlich. Nix gegen Berlin, aber da zu shoppen ist tausendmal schlimmer als in Stuttgart. Um in Berlin von einem Stadtteil in den nächsten zu kommen braucht man manchmal eine Stunde. So lang dauert im Ruhrgebiet die längste Fahrt von einer Stadt zur nächsten. Mit’m Bus.
#4 Herr S . 06.12.05 . 23:50 Uhr
Habe ich verlangt, Berlin gleich scheiße zu finden? Nein. Dass es ein Megahype ist, wird aber niemand ernsthaft bestreiten. Und bei Megahypes empfehle ich eine großzügige Portion Skepsis, die - was viele nicht wissen - die kleine Schwester der Lockerheit ist. Bei der könnten wir uns treffen.
#5 ester michelon . 24.03.06 . 11:06 Uhr
ich will was über stuttgart erfahren
#6 Tina . 28.06.06 . 15:38 Uhr
Wenig zu zeigen in Stuttgart? Das stimmt wohl. Da hat man es ja sogar nötig den Hauptahnhof als architektonische Meisterleistung zu verkaufen… so steht es zumindest in meinem Reiseführer. Was soll man denn seinem Besuch zeigen? Und was kann man sich selber ansehen? Ich war für ein halbes Jahr beruflich da und muss sagen, noch nie war mir eine Stadt so unsympatisch! Tagsüber nichts los, aber dafür coole Bars? So jedenfalls sagten mir Bekannte. Wenn es cool ist wie in der 90er Calvin Klein Werbung in einem weiß gestrichenen Raum herum zu stehen und sich selbst zu bewundern, dann ja. Aber Purismus ist halt nicht immer Trumpf, sondern in Stuttgart leider zu oft stilllos. Die Königsstraße, OK, für eine Landeshauptstadt alles andere als repräsentativ aber vermutlich sogar noch das beste in 0711. Kommt man in nicht so zentrale Stadtteile fühlt man sich wie bei einem Ausflug in die neuen Bundesländer - nur 15 Jahre zurüchversetzt. Alles ist kaputt, dreckig und heruntergekommen. München, Hamburg und sogar Bremen sind da einfach ganz andere Kaliber. Sympatische Städte mit Stil. Berlin ist cosmopolitisch und eine aufregende Weltstadt. Für mich persönlich kein Ort zum leben, aber sie reiht sich ein in die Hauptstädte dieser Welt ein. Stuttgart ist leider eine Stadt ohne Charakter. Für mich ist klar: Stuttgart sucks!
#7 Herr S . 28.06.06 . 20:24 Uhr
Liebe Tina, man kann eine Stadt sicher auf vielerlei Arten interpretieren, aber Ihr Restlos-alles-scheiße-Fazit ist in seiner Eindimensionalität eher ein Indiz, dass Sie vermutlich erst mal sehen lernen müssen, bevor Sie ans Zeigen denken.
#8 Wegschaffel . 28.06.06 . 21:58 Uhr
Tja, Tina, dem Fingerzeig meines Vorschreibers muss man eigentlich nichts hinzufügen. Aber weil wir gerade alle so gut drauf sind hier in der FIFA-Partnerstadt mach ichs trotzdem: Wenn Sie das nächste Mal zu Gast bei Stuttgarter Freunden sind oder zum frohen Schaffen herkommen müssen, sagen Sie Bescheid. Wir zeigen Ihnen dann gerne, wo es in Stuttgart was zu sehen gibt.
#9 j. . 07.10.06 . 18:07 Uhr
Auch wenn dieser Beitrag schon recht alt ist möchte ich doch einen Komment dazu geben.
Ich kann dem Beitrag von Tina nämlich aus ganzem Herzen zustimmen.
Je mehr ich von der Deutschland und der Welt sehe, desto mehr steigt mein Wunsch diese Stadt schnell wieder verlassen zu können.
Ohne lokalpatriotischen Hintergrund, hochdeutsch sprechend und nicht alles können wollend ist „diese Stadt“ kein Ort an dem ich mich auch nur ansatzweise Wohlfühlen kann.
Ich habe ständig den Eindruck Stuttgart will etwas sein, was es nicht ist.
Neidisch auf München und eifersüchtig auf Berlin.
Am meisten habe ich mich noch über einen Kommentar zu dieser neuen innerstädtischen Shoppingmall geärgert, die Stuttgart angeblich „etwas Weltstädtisches“ gibt.
Dann werden Hamburg, mit der bald öffnenden Europapassage, Essen mit dem Limbecker Platz, Dortmund mit dem 3do oder Oberhausen mit dem CentrO, ja New York, London und unbestritten ein bisschen auch Berlin, langsam an Weltstadtflair überholen.
Dieses Selbstverständnis finde ich einfach nur schrecklich.
Der große unterschied zwischen Essen, Braunschweig oder Magdeburg ist, dass sich die Bewohner bewusst sind, dass sie nicht den Nabel der Welt darstellen, nicht „die beschten subber tollen sind, ey weisch“ (um mal einen Grossteil der Königsstrassen „Flanierer“ zu zitieren)
Auf Mercedes, Porsche oder Weinbau kann man hier stolz sein, keine Frage.
Aber nicht auf verhunzte Beton Stadtparks, x-beliebige Shopping Center, einseitig geklonte „Vielfalt“ auf der Theodor-Heuss-Strasse um nur einen kleinen Teil aufzuzählen.
#10 Stuttgart Blog » Diese Stadt Reloaded . 07.10.06 . 20:04 Uhr
[…] Ein eben veröffentlichter Kommentar zu meinem Beitrag Diese Stadt ließ in mir den Wunsch reifen, mein selbstverordnetes Tacet an diesem Tage abzubrechen, um ein paar offensichtlich aufgetretene Misverständnisse zu eliminieren. […]
#11 Frau Brezel . 07.10.06 . 21:41 Uhr
Stuttgart könnte ein noch viel liebens- und lebenswerterer Flecka sein, wenn doch einfach mal die endlich wegzögen, die zwar jahrzehntelang hier (gut) leben und (gutbezahlt) arbeiten, aber trotzdem ebenso lang ständig nur (laut) meckernd und (leise) hadernd durch den Kessel spazieren. Ich kann´s nicht mehr hören!
Dieses ständige Lamentieren mutet an, als sei die Suche nach einem entsprechenden Lebensumfeld bereits Lebenszweck an sich…
Die meisten Menschen auf dieser Erde werden einfach nur irgendwo hingeboren und verlassen diesen Ort ihr ganzes Leben lang nicht. Und nicht, weil sie langweilig sind oder weil sie zu dumm sind, ihr Umfeld in den wahren Augenschein zu nehmen. Und auch nicht unbedingt, weil sich in Ihnen der Geist des Ortes ach so provinziell personifiziert.
Nein, sie bleiben, wo sie sind, weil sie einfach dort zu leben verstehen, wo sie sind.
Wollt Ihr Berlin? Na, dann nehmt doch Berlin! Nichts hindert Euch! Wollt Ihr Punta Arenas, New York, Prag oder Pinneberg?
Geht doch wohin Ihr wollt! Und kommt bitte endlich dort an, wo Ihr aufhören könnt, Euch zu beklagen!
(Und nie vergessen: Als Inhaber eines deutschen Passes genießt man - unverständlicherweise - das alles andere als selbstverständliche Privileg, sich seinen Aufenthaltsort relativ frei aussuchen zu können. Fast überall auf der Welt. Da muß man sich auf der selbstverwirklichenden Suche nach DEM Genius Loci gar nicht einschränken…)
#12 PiLiberty . 08.10.06 . 23:53 Uhr
Ohje, ich bin es auch leid! Ich wohne seit mehr als 8 Jahren in Stuttgart und finde es toll. Immer wieder entdecke ich Neues und ich habe noch keine Stadt gesehen, die so nett hügelig ist und von allen Seiten anders aussieht. Wem’s nicht gefällt: WEGZIEHEN - BASTA!
#13 kesselblick . 09.10.06 . 09:49 Uhr
Alex hat total recht und alle die hier so frech auftrumpfen mit “Dann geh doch!” sind Teil des Problems.
#14 PiLiberty . 10.10.06 . 16:41 Uhr
@Kessleblick: Nicht Ihrer Meinung. Es haben viele versucht geduldig die Stadt zu erklären und Vorzüge wie Nachteile zu betrachten - aber dennoch ein komplettes Verneinen und geradezu “abkotzen” über diese Stadt - was soll man da noch anderes sagen?
#15 Glen . 05.11.06 . 14:00 Uhr
Tja. Ich wohne seit 5 Jahren in Berlin (stamme vom Bodensee, urspr.) und überlege im Moment, nach Stuttgart zu ziehen. Warum? In Berlin verdient man so wenig Geld, selbst mit hoher Qualifikation, dass es kaum zum Leben reicht. Das Schulsystem ist unter aller ***. Natürlich lässt es sich hier toll leben in Berlin, sogar mit Hartz IV kommt man bestens über die Runden, es ist vieles sehr billig, Wohnung, Lebensmittel, täglicher Bedarf und dazu kann man noch günstig weggehen. Also wer gerne locker in den Tag hineingammeln möchte, da gibt es wohl in Deutschland keinen besseren Ort als Berlin!
Was mich etwas nervös macht an Stuttgart … nach Berlin fürchte ich, könnte es mir doch sehr provinziell und langweilig vorkommen. Ich weiß nicht was ich tun soll … Stuttgart kenne ich ein bischen aus meiner Jugend und vom Durchfahren. Ich finde es ist eine sehr schöne, saubere und angenehme Stadt, zudem sehr grün, viele Blumen und landschaftlich schön gelegen. Diese Punkte lernt man zu schätzen, wenn man mal lange in Berlin war!!
Vielleicht kann mir hier ja jemand noch etwas dazu schreiben, konkret meine ich, was typisch für Stuttgart ist … damit ich mir ein besseres Bild machen kann für meine Entscheidung. Immerhin geht es auch um meinen 8jährigen Sohn, da kann man nicht nach Lust und Laune einfach mal so umziehen!
lg an alle
Glen
#16 Alex . 05.11.06 . 14:33 Uhr
Schau dir doch zu dem Thema mal die Beiträge und vor allem die Kommentare von Jo an. Als Einstieg in die “Stuttgarter-Problematik” glaub ich nicht schlecht.
#17 Lomovogt . 05.11.06 . 16:04 Uhr
@Glen: Ich glaube, ab einer bestimmten Größe ist es ziemlich egal, in welcher Stadt du wohnst. Dein Umfeld - sprich dein Stadtteil, deine Nachbarschaft - ist immer mehr oder weniger gleich groß. Und dieses Umfeld ist es, welches - meiner Erfahrung nach - dein tägliches Leben und Befinden bestimmt.
Ganz besonders mit Kindern bist du - durch Schule, Vereine etc. - ziemlich stark in deinem Stadtteil verankert. Deshalb stellt sich nicht die Frage, ob du nach Stuttgart ziehen sollst - sondern wohin nach Stuttgart.
Ich bin mehrfach in Stuttgart umgezogen und wohne jetzt im Westen. Hier schätze ich die Urbanität, die gute soziale Mischung und die Möglichkeit, mein Maß an Nachbarschaft und großstädtischer Anonymität gut selbst bestimmen zu können.
Und was das Thema “Provinzialität” betrifft, da bin ich der Meinung, dass Stuttgart mehr an großer, kleiner und Kneipen-Kultur bietet, als ein durchschnittlicher Stadtbewohner “mitnehmen” kann. Klar können wir, was die Masse betrifft, nicht gegen Berlin oder Hamburg anstinken. Aber die Qualität des Angebots ist sicher nicht schlechter.
Und manchmal zufällig ein bekanntes Gesicht wieder zu treffen - das ist ein durchaus angenehmer Nebeneffekt der “Provinzialität” (sagen zumindest unsere Besucher aus Berlin und Hamburg, die sich hier sehr wohl fühlen).
#18 Frau Brezel . 05.11.06 . 19:13 Uhr
Glen,
eine Bekannte, Akademikerin mit 2 Kindern, ist kürzlich auch aus Berlin hierher gezogen. Der Grund: Endlich die Fernbeziehung beenden, nachdem ihr Mann seit Jahren hier arbeitet, da er in Berlin keine entsprechend dotierte Stelle finden konnte. Ihr Kommentar: Stuttgart hat “jobmäßig” mehr Drive, die Bezahlung ist endlich adäquat (ähnlich zu Deiner Einschätzung). Die Suche nach einer mit Berliner Flair nur annähernd vergleichbaren Bleibe gestaltete sich eher kompliziert ohne genauere Ortskenntnisse. Ein Altbau in entsprechender Größe und annehmbarer Lage: Sehr viel teurer, da sich Stuttgart eben nicht so ausgebreitet von Stadtteil zu Stadtteil erstreckt (und damit auch das breite Spektrum von Halbverfallen bis zu High-End nicht bieten kann), sondern eben die zentralen Gegenden im Innern des Kessels und die Halbhöhenlagen extrem begehrt sind, die Randlagen am Kesselrand oder darüber hinaus aber kaum Flair haben.
Trotzdem hat sie sich gut eingelebt, sich aber auch nicht mit allzuviel Hippster-(Vor-)Urteilen befasst und auch Nachtleben und Kneipenszene noch nicht sondiert (Vermutlich hält das Familienleben sie davon ab…). Ihr gefällt nicht, daß die Straßen nicht so breit, begrünt und großstädtisch sind, schätzt aber, daß man hier auch durch die Stadt kommt, ohne Stunden zu brauchen. Daß die Stadt, zumindest in der City, sehr vom Schloßgarten und den Unteren Anlagen profitiert, findet sie gut. Insgesamt findet sie Stuttgart nicht so gemütlich und nett-schmuddelig, dafür eben sauber, sicher, straight.
#19 mehtap . 25.01.07 . 13:59 Uhr
Hi Leute! ich komme aus Bonn, und würde zu gern wissen wie lange es dauern würde mit dem zug bis nach stuttgart? ich war da noch nie,und möchte gern mal dort hin únd mir die stadt gern näher anschauen!!! es wäre nett wenn ihr mir schreiben würdet oder weitere informationen weiter gibt über die stadt stuttgart ……;- meine e-mail adresse ist oben angezeigt ! Vielen Dank
#20 Frank . 25.02.07 . 13:50 Uhr
“ich komme aus Bonn, und würde zu gern wissen wie lange es dauern würde mit dem zug bis nach stuttgart?”