Von Westbalkon
Kultur, Leben, Befindlichkeiten . 18:47 Uhr
Die Welle. Sozialkritisch, göttlicher Hauptdarsteller, etwas zu aufdringlich pädagogisierend, aber unterm Strich kein schlechter Streifen. Da Ferien sind, reagiert das Gloria-Kino und legt den Film in den größten Saal. Freund O. und ich warten auf Karten, auf die nichtabgeholten reservierten. Man sagt uns, wir sollen neben dem Kartenhäuschen warten. Freund O. raucht eine Zigarette. Wie bei der Materie nicht anders zu erwarten, stehen Pädagogen und Lehrer in der Schlange. Ich bin auch Nichtraucher. Aber die Gloria-Passage ist kein Gebäude. Punkt. Moralisierendes, ostentatives Getuschel, garniert mit garstigen Blicken, Beifall von Umstehenden heischend gab mir einen guten Vorgeschmack auf den Film. Ja, es funktioniert noch in Deutschland. An diesem Abend verschwörten sich die Massen vor den Kinokassen gegen Freund O. So also fühlt sich Ausgrenzung an. Hoffentlich sind diese Ferien bald vorbei. Dann müssen die Lehrer wieder früh ins Bett, um am nächsten Tag anderer Leute Kinder zu erziehen, statt ausgewachsene Staatsbürger am Abend.
#1 Kajaker . 21.03.08 . 10:42 Uhr
Ja - es ist wahr:
Diese Gesellschaft ist anscheinend seit Jahrtausenden auf Profilierung durch Ausgrenzung angewiesen.
Im Moment sind die Raucher die Zielgruppe.
Da sind die Lehrer sehr froh darum - weil sie sonst traditionell die Zielscheibe von Spott und jeglicher Schuldzuweisung sind.
Wie schön ist das, wenn der, auf dem jahrelang herumgetrampelt worden ist nun wiederum einen findet, auf dem er herumtrampeln kann!
#2 Joko . 21.03.08 . 11:03 Uhr
Die Aschenbecher vorm Gloria stehen ebenfalls nur als Zierde rum, was sollte dort sonst stehen? Und überhaupt, schliesslich will man doch dazu gehören, auch beim Schlange stehen. Empfehle beiläufig ‘No Country for Old Men’.