Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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12 06.09

Die Stimmen der Lautlosen

Von von unten
Leben . 23:23 Uhr

Zukünftige Generationen werden das Wort erdrutschartig nur noch mit Kommunalwahlen und CDU verbinden können. Aber das Internet vergisst nichts, so dass hier für die Historiker der Zukunft einige Äquivalente dokumentiert sind: lawinenartig, wasserfallartig, steinschlagartig, abwindartig, baumfallartig, herbstlaubartig.
Seit es Demokratie gibt, ist die Partei der Nichtwähler immer und überall mit absoluter Mehrheit an der Macht. Dennoch nehmen die Parteien, die die meisten Stimmen bekommen haben, gerne für sich in Anspruch repräsentative Vertreter der Bevölkerung zu sein.
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung, z.B. von Stuttgart, ergeben sich aber folgende Zahlen:
Die Nichtwähler haben eine Zweidrittelmehrheit; Nichtwähler und Wahlausgeschlossene haben zusammen 66,9% erreicht. Von den 592.235 Einwohnern, die im Mai 2009 in Stuttgart gemeldet waren, wurde 188.801 Menschen verboten zu wählen, das sind 31,9%. Darunter sind Menschen in Gefängnissen; Menschen, die sich selbst niemals als behindert bezeichnen würden; Menschen, die Wahlen manipuliert haben oder es tun wollten; Menschen, die aufgrund irgendwelcher erfundener Paragraphen in psychiatrische Krankenhäuser gesperrt wurden; Menschen, die gerade erst geboren wurden; Menschen, die gerade anfangen nachzudenken und Menschen, die mehr Zukunft vor sich haben als ihre Eltern.
Von den 403.434 Wahlberechtigten haben sich 207.114 Menschen dafür entschieden nichtwählen zu gehen, das sind 35,0%.
Nur 196.320 Stuttgarter haben sich für eine Partei entschieden, das sind 33,2% der Gesamtbevölkerung. Deren Stimmen haben sich auf alle Splitter-Parteien verteilt: Grüne 8,4%, CDU 8,1%, SPD 5,6%, FDP 3,6%, FW 3,4%, SÖS 1,5%, Linke 1,5%, Rep 0,8%.
Von den 60 Sitzen im Stuttgarter Rathaus sind also 40 Sitze leer und 20 Sitze für demokratisch gewählte Parlamentarier reserviert. Die 40 leeren Sitze werden die Parlamentarier daran erinnern, dass sie immer auch für die Menschen entscheiden müssen, die nicht wählen durften, die nicht wählen konnten und wollten. Für diejenigen, die kein Bock auf wählen haben, weil sie enttäuscht und frustriert sind, weil sie aus ihrer Sicht keine Wahl haben. Für diejenigen, die ungültig gewählt haben, um zu zeigen, dass sie politisch interessiert sind, aber sich keiner Gruppierung anschließen wollen, sondern in Einzelfragen mitbestimmen wollen. Und die 40 leeren Sitze werden die Parlamentarier in jeder Sitzung daran erinnern, dass sie eine größere Verantwortung haben als nur für die Menschen, die anwesend sind. Dass sie nur von ein paar Prozent der Bevölkerung eine Generalvollmacht bekommen haben, weil diese auf ihren freien Willen verzichten. Dass aber die Mehrheit sich ihrer Stimme enthalten hat bzw. gezwungen wurde, nicht zu wählen.
Das Schweigen auf den leeren Sitzen ist die Stimme der Lautlosen.
Die ganze Legislaturperiode werden die leeren Stühle die Gemeinderäte still anschreien, ein unerträgliches Geräusch, das erst bei der nächsten Wahl zu ändern ist, wenn sie den Lautlosen zuhören und es echte Abstimmungen gibt, bei denen die Menschen sich beteiligen können.
Letzte Woche hatte sich eine Taube in einen Bio-Supermarkt verirrt. Sie knallte zweimal gegen die Fensterscheibe. Zwei Kunden und ein Angestellter hielten den Atem an, alle Aufmerksamkeit richtete sich auf den Vogel, bis er durch die automatische Schiebetür wieder hinausflog.

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1 Kommentar zu Die Stimmen der Lautlosen

#1 Der MfG . 13.06.09 . 06:34 Uhr

Also ich seh das eher so … die Nichtwähler* haben gewählt … die Nichtwähler haben den restlichen Wählern gesgat:”Dafür wo bei euch die Mehrheit ist, sind wir auch”. Zudem haben sich die Nichtwähler dafür entschieden in Kauf zu nehmen, dass extreme Parteien (ob jetzt libnks oder rechts) u.U. Sitze / Anteile irgendwo bekommen, denn bei einer geringen Wahlbeteiliguing haben Extreme Parteien in der Regel einen größeren Anteil vom Kuchen, denn die Wähler der extremen Parteien wählen aus überzeugung immer. Somit kann man diese nur aus zukünftigen politischen Entscheidungen verbannen, wenn die Wahlbeteiligung hoch ist.
Ich muß gestehen, dass mir die Wahl wahrlich schwer gefallen ist - wirklich. Aber ich habe mich nicht darum gedrückt mein Recht, nein sogar meine Pflicht in Anspruch zu nehmen und meine Stimme zu erheben um zu wählen. ich finde dass jeder Nichtwähler auch bis zur nächsten Wahl schön seinen Mund halten sollte von wegen Regierungen zu kritisieren und so. Wer seine Stimme nicht zur Wahl abgibt hat aus MEINER SICHT auch das Recht herumzukritisieren damit verwirkt. Ich wünsche es jedem Nichtwähler, dass er mal einem Menschen begegnet, der in seinem Land in einer Diktatur / einem Totalitären Staat lebt in dem er nicht wirklich wählen darf / kein Wahl hat und dem dann mal erklären warum man am Sonntag in seinem bequemen Sessel geblieben ist / lieber gegrillt hat oder sonstwas. Es ist Traurig, es ist eine Schande diese geringe Wahlbetiligung.
Und wenn man eben nur die Wahl hat zwischen Pest und Cholera, dann wird man von den Folgen der Entscheidung nicht verschont, nur weil man sich nicht entschieden hat.
Das ist genauso mit den Menschen die ihre Stimme verschenken, in dem sie den Stimmzettel mit Absicht ungültig machen. Natürlich taucht in der Statistik auf, dass soundsoviele ungültige Stimmzettel dabei waren, aber am Schluß sieht niemand mehr ob das jetzt Protest war oder einfach nur ‘zu Dumm zum Stimmzettel ausfüllen’, denn die Proteste landen genau dort auf dem Stapel der Leute die nicht lesen können und zwei statt einem Kreuz oder 61 statt 60 Stimmen vergeben. Das sieht auch kein Politiker oder jemand wichtiges - nur wir Wahlhelfer sitzen dann vor dieser vergeudeten Stimme und schütteln den Kopf, lachn vielelicht noch über einen fiesen Kommentar auf dem Stimmzettel und legen den Stimmzettel auf den Stapel ‘Zu_Dumm_zu_Wählen’. Dieser Stapel verschwindet dann in einem Koffer, wird vielelicht noch einmal kontrolliert, auch diese Person legt dann den Stimmzettel wieder uaf den Stapel ‘zu dumm zum Wählen’ und dann verschwindet diese ungehörte unbeachtete Stimme in einem Archiev und ward nie mehr gesehen, bis die Stimmzettel verbrannt werden. Nein,ganz sicher bekommt kein Politiker jemals die Kritik vorgelegt die auf diesen Stimmzetteln steht. Vielelicht ist der einzige Effekt aus diesen massenhaft ungültigen Stimmen, dass das Thema ‘Wählen’ in der Zukunft in den Schulen noch intensiver behandelt wird, damit die neuen Wähler in Zukunft wissen wie man einen Stimmzettel korrekt ausfüllt.

* Mit den Nichtwählern in meiner Kritik meine ich natürlich nur die, die die Wahl gehabt haben, aber dennoch nciht gewählt haben, nicht die die ncoh oder nicht mehr eine Wahl haben.

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