Von Wegschaffel
Leben, Fundsachen, Befindlichkeiten . 17:36 Uhr

Hej Datenschützer, wenn Ihr Euch an Google Streetview abgearbeitet habt schaut Euch doch mal hier um. Die Gesichter unserer Mitbürger sind zwar überschminkt und die Autokennzeichen übermalt, aber den einen oder anderen kann man sicher an seinen Klamotten (Guck, dr Gerry mit seim Nodelstroifa-Tishert) oder schlicht am Werbeaufdruck auf dem Kombi erkennen. Ob das alles schlimm ist, weiss ich noch nicht so genau.
#1 Paul-geht-baden . 13.08.10 . 12:47 Uhr
Ob das alles schlimm ist, weiss ich noch nicht so genau.
So geht es mir auch. Als ich gerade vor einem Lottoladen die heutige BILD-Schlagzeile mit begleitendem Foto gesehen habe (etwa: So ist Ihr Haus bei Google zu sehen), war mein spontaner erster Gedanke: Ja, und? Man sieht doch nur, was ich auch sehe, wenn ich mich auf die - öffentliche - Straße vor dem Haus stelle. Allerdings: Wenn man mal in einer ruhigen Seitenstraße ein paar Minuten vor einem Haus stehen bleibt und womöglich noch Fotos macht, wird man ja auch sofort misstrauisch beäugt. Und verdenken kann ich das auch keinem. Also, wie Sie sagen: Ich weiß noch nicht, ob ich das schlimm finde. Was ich allerdings schon weiß: Ich finde den Dienst, zumindest auf dem gegenwärtigen Stand der Technik, ziemlich nutzlos. Oder vermitteln jemandem die Panoramabilder vom Schlossplatz unter dem Link einen auch nur annäherenden Eindruck davon, wie’s ist, wenn man dort steht oder geht?
#2 nick . 13.08.10 . 15:10 Uhr
Ich weiß auch noch nicht, ob es schlimm ist, wenn mein Haus zu sehen ist. Angst wird mit allerdings bei der Absicht eines Riesenkonzerns, langsam aber sicher die ganze Welt zu beherrschen.
#3 Paul-geht-baden . 14.08.10 . 23:22 Uhr
Absicht eines Riesenkonzerns, langsam aber sicher die ganze Welt zu beherrschen
Vielleicht haben Sie Recht und das, was Google macht, ist irgendwie gefährlich, vielleicht ist diese Ansicht, wie Ihre Formulierung nahelegt, aber auch ein ganz klein wenig — sagen wir: wahnhaft und Ausdruck von Schlaubergerei einer bestimmten Sorte. Besser als das, was ich hier selbst zum Thema gesagt habe, ist auf jeden Fall das, was Gustav Seibt heute in der SZ veröffentlicht hat.
#4 nick . 15.08.10 . 00:22 Uhr
Schlaubergerei einer bestimmten Sorte? Versteh ich nicht. Was soll das? Die Freude mancher Menschen an Provokation bedienen?
Ich bin sehr interessiert an einem Meinungsaustausch, aber bitte konstruktiv.
Ich habe diese Formulierung sehr bewusst gewählt, weil ich weiß, dass Google, wenn es denn will, eine Webseite für 95 Prozent der Internetnutzer weltweit (die nutzen Google) unsichtbar machen kann. Oder dass seit jeher ein Persönlichkeitsprofil von mir in den Google-Datenbänken gepflegt wird. Oder dass der Inhalt meiner E-Mails, wenn ich sie über den Browser lese, gespeichert wird, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Oder dass mein gesamtes Verhalten im Internet analysiert wird, wenn ich den hauseigenen Browser dieses Konzerns benutze…
Und nein, keine Verschwörungstheorien, sondern von Google selbst bestätigte Tatsachen.
#5 Paul-geht-baden . 15.08.10 . 02:05 Uhr
Im Unterschied zu Ihnen bin ich nicht eigentlich an einem Meinungsaustausch interessiert, sondern an Beiträgen, aus denen ich etwas Neues erfahre, sei es faktisch oder was die Auffassung/Sichtweise/Interpretation der Fakten betrifft (getragen von Kenntnissen, über die ich selbst nicht verfüge, oder Einsichten, die mir nicht zuteil geworden sind). Konstruktivität - wie ja wohl das (monströse) Substantiv zu Ihrem ‘konstruktiv’ lauten muss - halte ich dabei für eine Sekundärtugend. Wenn ich mich nicht täusche, ergeht die Aufforderung, doch bitte konstruktiv zu sein, immer dann, wenn es dem Sprecher in erster Linie darauf ankommt, dass eine gewisse Ordnung eingehalten wird. In meinen Augen verrät sie, solche Aufforderung, nichts als Biedersinn, der meint, die Rahmenbedingungen bestimmen zu dürfen. Daraus wird nichts, mein Bester, ich halte unbeirrt an meiner ehrlich empfundenen Freude an Provokation und anderen unkorrekten Kommunikationsformen fest (mit so einem Kommentar rede ich ja nicht nur zu Ihnen, sondern auch zu anderen Lesern, die damit möglicherweise mehr anfangen können als Sie).
Zum Inhaltlichen: Ich habe ja schon gesagt, dass das, was Google macht, möglicherweise irgendwie gefährlich werden könnte (die Datenmassen und ihre Durchsuchbarkeit…). Nur ob es das je tatsächlich wird, wissen wir nicht. Was also tun? Ich hoffe aufs Beste (und darauf, dass Datenschützer das Nötige tun) und nutze Google weiter, und Sie tun das offenbar auch, obwohl Sie damit… siehe oben. Zusätzlich aber fühlen Sie sich dazu genötigt, apokalyptische Sprüche in die Welt zu blasen: “Absicht eines Riesenkonzerns, langsam aber sicher die ganze Welt zu beherrschen.” Aus jedem Wort spricht Ihre Genugtuung, ein möglichst jede Fantasie übertreffendes Schreckgespenst an die Wand zu malen, die Freude am Wahn. (Zur Eindämmung der “Macht” von Google trägt es natürlich überhaupt nichts bei.) Und das wollen Sie sich genau überlegt haben? Hört sich eher an, wie von einer bestimmten Ideologie automatisch generiert, wie, mit Verlaub, Gelaber. Das - nicht Sie (bitte nicht verwechseln!) - finde ich blöd.