Von Anton Schmittke
Befindlichkeiten . 20:21 Uhr
Senke ich mein Kinn vor dem Spiegel auf die Brust, wirft sich mein Hals nicht in dieselbe, sondern in die Dreifaltigkeit des übergewichtigen Halbhundertjährigen. Drei Rollen Fettzellen, weich und multimorph verpackt in Bindegewebe, stützen dann meine schwere Kalotte, die von Morbus Bahlsen und dem H0-Syndrom befallen ist. Macht aber nix, denn ich bin zäh wie Bohnenstroh. Und klüger als fünf Meter Feldweg, weswegen ich weiß, daß das Dreisein auf diesem Planeten etwas Besonderes ist, die Menschheit mag die Zahl Drei. Glaube, Liebe, Hoffnung, Tick, Trick und Track, die drei kleinen Schweinchen, Die Drei Muskeltiere äh Les Musquetiers, also die mit einer schwere Muskete schießenden und auch reitenden Sonderspezialeinsatzkommandos eines französische Königs und noch weitere besondere Dreiheiten aus den verschiedensten Bereichen menschlichen Lebens, auch denen des wissenschaftlich komplett und gänzlich durchdachten Lebens.
Aber das ist mir zu hoch, denn ich habe eher eine flache Stirn, die dafür windschnittig ist und ich zwar nicht tief, aber dafür windig denken kann. So saust mir durchs Gehirn der Gedanke, wie denn für mich höchstselbst die heilige Dreiheit wichtig sein könnte und schwupp, fällts mir wie Schuppen von der Haut: ich will drei Kinder (zwei hab ich schon), jedes kriegt drei Namen, bei der dritten Frau mit Kindern will ich hängen bleiben (die erste hatte ein Kind, mit der zweiten hab ich zwei, die dritte hat schon drei und ich schenk ihr noch eins…), ich will ab 50 Jahren jeden Tag mindestens drei Klimmzüge machen, selbst bei 95 Kilo Gewicht, weil früher schaffte ich 17, wog aber auch nur, also NUR 70 Kilo, nicht wahr?! und ich muss immer dreimal nachfragen, bevor ich in der Kneipe verstanden habe, was die junge Dame, die ich da grade vollquassele, versucht zu antworten. Ausserdem brauch ich nach dem Kneipenbesuch drei Versuche, das Schlüsselloch meiner Haustür zu finden, ich fall´ dreimal auf die Nase, bevor ich ins Bett komm´ und nachts muss ich dreimal. Von wegen, weniger müssen müssen von Craetagutt!
Okee leute, das hier ist semantisch nicht ganz rund, jeder PR-Schreiber oder Literatur-Dozent würde wahrscheinlich die Hände überm Kopf zusammenschlagen, ist mir aber egal. Ich schreib euch was über meine Befindlichkeiten und über den Quatsch, der mir da so im Kopf herumschwirrt. Wie war das mit den Narren, die wir brauchen, weil die Vernünftigen uns in die Scheiße geritten haben? Und außerdem soll euch mein Geschreibe als Spiegel dienen, als Benchmark, um euch selbst zu beurteilen und selbst zu entscheiden: son Quatsch gehört weder an die Öffentlichkeit noch in irgendein Gehirn und falls doch, ists krank oder: warum nicht? Die Meinungsfreiheit und auch die künstlerische soll wahrhaft grenzenlos sein und deshalb soll auch Anton Schmittke seine Ergüsse in Netz stellen.
In diesem Sinne, wenn euch danach ist, gebt mir Rückmeldung, ansonst fühle ich assimiliert als Schwabe: nicht gemeckert ist gelobt.
Trau, Tschau, wem…