Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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05 08.06

Der strahlende Westen

Von Herr S
Vermischtes, Leben . 22:12 Uhr

Lage Mobilfunkmast: Bismarckstraße 57, Stuttgart

Immobilienbesitzer unter Ihnen sollten sorgfältig den obigen Kartenausschnitt studieren, um festzustellen, ob Ihr Besitz zufällig innerhalb des schwach oder gar des kräftig roten Kreises liegt. Falls ja: verkaufen Sie möglichst umgehend — wenn nämlich alles so läuft, wie das Baurechtsamt es sich vorstellt, werden die Immobilienpreise im markierten Gebiet in nächster Zukunft wohl den freien Fall nach unten antreten. Noch schlechtere Karten haben Sie, wenn Sie in diesem Gebiet wohnen. Dann könnte es sein, dass Sie bald ständig erschöpft und gereizt sein werden oder nachts nicht mehr gescheit schlafen können. Möglich sind auch Depressionen, Schwindelgefühle, Herzrhythmusstörungen, libidinöse Unlust und vieles mehr, was geeignet ist, einem den Tag zu versauen.

Die Ursache allen Übels hat ausnahmsweise mal Namen und Adresse: Mobilfunkmast, Bismarckstraße 57, Stuttgart-West. Vodafone und O2 möchten ab Mitte August an diesem Standort mit je sechs UMTS- und GMS-Sendeanlagen für die ultimative Steigerung mobilen Telefonierspaßes sorgen und das Baurechtsamt hat den Plan abgenickt. Warum nicht, dachte man sich wohl, einen Nachweis über Gesundheitsgefährdungen unterhalb der geltenden Grenzwerte für Strahlenbelastungen gibt es nicht — wie auch, mobil telefoniert wird seit gerade mal 15 Jahren, etwas kurz für zuverlässige Langzeitergebnisse.

Einiges deutet darauf hin, dass der Daueraufenthalt in unmittelbarer Nähe solcher Mobilfunkmasten nicht so harmlos ist, wie uns die Mobilfunkbetreiber treuherzig versichern (dass die anderes verkünden, hat auch niemand wirklich erwartet, nicht?). Untersuchungen von Anwohnern zeigen jedenfalls ein gegenteiliges Bild, wenig beruhigend sind auch die „Nailaer Ärztestudie“, die zum Schluss gelangte, dass sich innerhalb des 400-Meter-Radius um einen Mast Krebsfälle vedoppelten bis verdreifachten, oder eine Straße in unmittelbarer Nähe eines Mastes in Eningen, in der gleich drei Kinder an Leukämie erkrankten.

Zusammenhang oder nicht? Beides wird wohl keiner so schnell beweisen können. Sicher ist nur eins: Menschen, die im Umfeld von Mobilfunkmasten leben, sind Versuchskaninchen. Nichts genaues weiß man nicht, also schauen wir halt mal, und in 20 oder 30 Jahren besichtigen wir dann die Folgen. So betrachtet ist es vielleicht sogar konsequent, den Masten mitten in eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Deutschlands zu bauen, in nächster Nähe zu einer ganzen Reihe von Kindergärten und Schulen — immerhin kommt man damit zu aussagekräftigeren Zahlen als an der menschenleeren Peripherie.

Nur: wer mag da Versuchskaninchen sein? Im Westen formiert sich im Moment jedenfalls breiter Widerstand gegen die Inbetriebnahme, selbst die Evangelische Gesamtkirchenpflege, der das Trägergebäude gehört, hat inzwischen (angeblich) ein Einsehen und will aus dem Mietvertrag wieder raus. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die den OB via Offenem Brief unmissverständlich auffordert, alle Genehmigungen zum Bau und zur Inbetriebnahme mit einer Eilanordnung zurück zu nehmen.

Wie es ausgeht, wird man sehen, auf die Schnelle gibt es hier schon mal zwei Termine:

08.08.06, 19:30 Uhr
Bürgerzentrum West, Bebelstraße 22
Vortrag von Dipl-Ing. Dietrich Ruoff „Mobilfunk und Strahlung“ mit anschießender Diskussion

10.08.06, 19:30 Uhr
Gaststätte „Lilie“, Bismarckplatz
Treff der Bürgerinitiative

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26 Kommentare zu Der strahlende Westen

#1 Uwe Keim . 06.08.06 . 00:34 Uhr

Bisschen arg viel Polemik. Wirkt schon deshalb unglaubwürdig auf mich.

#2 Herr S . 06.08.06 . 02:13 Uhr

Ich weiß ja nicht, was Sie so unter „Polemik“ verstehen, aber zumindest hier kann ich keine erkennen. Und was genau ist unglaubwürdig? Habe ich irgendwas zum Glauben empfohlen?

#3 der ists . 06.08.06 . 14:59 Uhr

Hallo,

danke für diesen Hinweis, und super das sich hier engagiert wird! viel erfolg!!!!!!!!

gruss

der wars

#4 Uwe Keim . 06.08.06 . 20:58 Uhr

Arrgh! Na was ist da wohl Polemik? Der ganze Artikel natürlich, Kerl! Pardon, “Sie Kerl”.

#5 Isotopp . 07.08.06 . 15:29 Uhr

Ja, es sind eher die Artikel, die Leute krank machen.

Ich hatte Gelegenheit, dies aus erster Hand zu beobachten: Während eines Projektes bei einem Mobilfunkbetreiber habe ich die dort fest angestellten Kollegen beobachten können, wie sie sich mit vier Fällen von “Beeinträchtigung der Lebensqualität durch gefährliche Handystrahlen” herumschlagen mußten. Die Anwohner um diese Masten herum beklagten sich über Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und andere Krankheiten. Der Clou an der Sache: Die Basestation war noch gar nicht geliefert, die Antennen standen ein halbes Jahr stromlos in der Gegend rum.

Die Symptome, die diese Leute erlitten haben, sind sicherlich real und medizinisch nachweisbar. Sie stammen nur nicht von den Masten. Sie sind stattdessen in erster Linie eine Folge von Panikmache.

#6 Herr S . 07.08.06 . 15:43 Uhr

@ Isotopp
Gratuliere, da wissen Sie ja bedeutend mehr als die Wissenschaft — bestimmt gereichen Sie jedem Stammtisch zur Zierde.

#7 kesselblick . 07.08.06 . 15:54 Uhr

@Isotopp
Grandiose Story!

#8 flawed . 07.08.06 . 15:57 Uhr

Herr S., Sie behaupten doch selbst, dass die Wissenschaft nichts wisse.

#9 Franz . 07.08.06 . 16:01 Uhr

Was für eine Diskussion. Erinnert sich noch jemand an Asbest, Holzschutzmittel etc.? Die Paralellen sind erschreckend, die Ausmaße werden leider größer sein. Keine Polemik. Fast 70% aller nicht-industriegeförderten Studien zu Mobilfunk finden Effekte auf den Körper. Bei den Industrie-geförderten sind es nur 29%. In Deutschland sind 80% aller Studien von der Mobilfunk-Industrie (mit-)gefördert. Fast alle Studien untersuchen nur Kurzzeiteffekte. Alles klar?
Und was “Einbildung” etc. betrifft: Ich bin umgezogen, davon ausgehend, es seien keine Sendeanlagen da. Seit dem Umzug habe ich massivste Gesundheitsbeschwerden, die vorher nie da waren und sich wo anders wieder geben. Wünsche ich niemandem! Von den Sendeanlagen erfuhr ich erst später. Und: Nein, ich bin nicht elektrosensibel, gegen irgendwas allergisch oder Hypochonder.

#10 Herr S . 07.08.06 . 16:08 Uhr

@Flawed
Das behaupte ich nicht, das ist so. Wissen im wissenschaftlichen Sinn sieht nun mal anders aus. Es gibt starke Indizien eines Zusammenhangs zwischen Strahlung und Erkrankungen, die bislang weder zweifelsfrei bewiesen noch widerlegt wurden. Was Isotopp erzählt, entspricht ungefähr dem Argument vom Onkel Erwin, der geraucht hat wie ein Schlot und trotzdem 105 Jahre alt wurde — komplett ohne Lungenkrebs! Schön für den Onkel, aber eben keine fundierte Aussage über den Einfuss des Rauchens auf den Organismus.

#11 Franz . 07.08.06 . 16:26 Uhr

Natürlich - nur kann man Wissen im wissenschaftlichen Sinn wunderbar beeinflussen bzw. verzögern. Je nachdem, was für Studien man finanziert und veröffentlicht und was für welche lieber nicht ….Wie gesagt, rund 80% der Studien in Deutschland sind Industrie-(mit)finanziert und damit Interessen-gebunden. In anderen Ländern sieht das anders aus, da gelten zum Teil deshalb auch sehr viel niedrigere Vorsorgewerte.

#12 Tobias . 07.08.06 . 18:52 Uhr

In einem so dicht besiedelten Gebiet wie dem Stuttgarter Westen gibt es bereits viele Mobilfunkmasten, auch von Vodafone und 02.
Weitere Masten sind da nur zu begruessen.

Warum? Ganz einfach, da mit einer groesseren Dichte von Masten die mittlere Sendeleistung jedes Mastes nachlaesst!

Jede Basisstation versorgt eine Wabe und versucht jedem Mobilfunkgeraet darin eine minimale Empfangsleistung zu garantieren. Eine weitere Basisstation im Westen heisst demnach das die Waben flaechenmaessig kleiner werden. Wer in Physik aufgepasst hat, weiss sicher noch das die Leistung mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Eine hohe Dichte von Masten ist daher wuenschenswert (sofern man nicht vollig gegen den Mobilfunk ist).

Und alle, die Angst vor der Strahlung haben, sollten sich den Mast aufs eigene Heim installieren lassen. Denn direkt unter einer Stabatenne ist am wenigsten Strahlung.

#13 Bismarckinitiative . 08.08.06 . 09:34 Uhr

Es ist gut, daß das Für und Wider diskutiert wird. Bei den Diskussionen fällt auf, daß bei vielen die Argumente der Mobilfunkbetreiber wie Muster im Kopf sitzen: Grenzwerte werden eingehalten (obwohl die nichts über biologisch-körperliche Gefährdungen aussagen), Leuchtturm Effekt (auf dem Kindergarten und Altenheim ist es am Gesündesten), sie benutzen doch auch ein Handy, usw.. Und wenn das Betreiber-Märchen vom Leuchtturmeffekt stimmen würde, was ist dann mit denen, die nicht unterm Turm wohnen ? Aber: die Schädigungen des Menschen durch Hochfrequenzsender sind seit Jahrzehnten Stand des Wissens, die deutsche Wissenschaft berichtete über das Mirowellensyndrom als “Funkfrequenzkrankheit” bereits 1932 (Scheiner “Mobilfunk”, S.90 ff). Nur, in den Jahren bis 1995 gab es nicht an jeder Ecke einen Masten, jetzt sind nicht nur Rundfunktechniker und Militärs diesen Strahlungen ausgesetzt, sondern die gesamte Bevölkerung. Und da gibt es inzwischen hunderte neue wissenschaftliche Studien. Die Wissenschaftsdirektion STOA des europäischen Parlaments schreibt 2001: “Träfe ein neues Medikament oder ein Lebensmittel auf einen derartigen Mangel an Konsens und gleich starken Bedenken, es würde niemals zugelassen” und sie schreibt in der Studie vom Februar 2001: “Funkwellen und ihre destruktiven Begleiter, die freien Radikale, bringen den Kalziumspiegel des Körpers durcheinander, und zwar vor allem im Zentralnervensystem, im Gehirn und im Herzen….Die Exposition erfolgt unfreiwillig…Die wissenschaftlichen Informationen zu den gesundheitlichen Risiken sind unzureichend…Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Technologie eine gefürchtete Krankheit wie Krebs verursachen kann.” (s.unter : www.maes.de, stoa) Natürlich kommt da Angst auf, und die macht schon schlaflos. Mein Schlafzimmer ist 25 m weg vom Mast, da kommt keine Freude auf. Und die Angst ist berechtigt. Surft mal auf www.hese-project.org, wo die Studien gesammelt sind ! Oder bei www.maes.de. Sind die vielen Ärzte Appelle Panikmache ? Und eines ist auch klar: die Betreiber haben 60.000 Millionen Euro UMTS - Lizenzen bezahlt, und dafür hat Schröder ihnen persönlich zugesichert, dass sie machen können, was sie wollen. Palmer und Döring haben am 26.3.2003 sogar jede baurechtliche Genehmigung abgeschafft. Das ist ein einmaliger Vorgang ! Was ist sonst alles geregelt ! Und dann bekommst du die Krise, wie die Gerichte diesen Freibrief absichern. Sie wollen von den Ergebnissen der wissenschaftlichen Studien gar nichts wissen, denn: “Der Schutzauftrag des Art.20a GG bezieht sich auf die natürlichen Lebensgrundlagen…Er umfasst nur dann zugleich den Schutz der menschlichen Gesundheit, wenn diese gerade infolge von Schädigungen der natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet ist.
..Soweit erkennbar, wirken elektromagnetische Felder jedoch nicht über Beeinträchtigungen der natürlichen Lebensgrundlagen-, etwa über eine Verseuchung von Luft und Boden-, sondern unmittelbar auf den Menschen ein.”(Verw.Ger.Hof Bawü, 2.3.2004, 8 S 243/04, Urteil zu einem Mast in Weinstadt ). Zweimal lesen, was für eine Logik ! Deshalb muß das Gericht gar nicht die Auswirkungen auf den Menschen überprüfen. Der zweite Freibrief für die Betreiber. Da kann man schon polemisch werden, oder man muß kämpfen, und erreichen, daß dieser Mast in der Bismarckstraße politisch nicht haltbar ist.

#14 Franz . 08.08.06 . 10:58 Uhr

Kann ich nur unterstützen und Glück wünschen! Übrigens ist das mit der engen Wabenstruktur und der dadurch geringeren Sendeleistung ein Märchen. Ich wohne in der Nähe von Sendeanlagen, die sehr dicht an den nächsten Anlagen des selben Betreibers dran sind. Die Folge: Sie sind stark nach unten genau auf die Häuser gedreht, um die anderen Anlagen nicht zu stören. Und die Sendeleistung ist sehr stark, um Funk-Störungen durch andere nahe gelegene Sende-Anlagen zu kompensieren. So hat es ein Techniker erklärt. Die Antennen in Stuttgart wuchern ziemlich wahllos.

#15 circulus . 28.08.06 . 02:24 Uhr

DAHER rührt das also: weil 60 Milliarden bezahlt wurden, dürfen die tatsächlichen machen was sie wollen?? (Was mich dabei nebenbei schon immer interessiert hat: Hat jemand mal geprüft, wie und wann die 60 Milliarden geflossen sind?)

Unfassbar, diese Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Die Politik beruft sich darauf, dass sie ja vom Volk gewählt wurde, die Wirtschaft hängt sich dahinter und schiebt die Wissenschaft voraus.

Unser Wahlrecht sollte geändert werden: Statt sich einer Stimme zu enthalten und als undemokratischer Nichtwähler dazustehen, sollte man das Kästchen ‘Auf keinen Fall’ neben einer Person/Partei zum Ankreuzen einführen. Ich schätze die Wahlbeteiligung würde Richtung 100 Prozent tendieren und die ‘etablierten’ Parteien wären Geschichte …

#16 Felix . 02.09.06 . 01:54 Uhr

Ich wohne in der Rötestraße und bin nun wirklich sehr besorgt. Ich als Physikstudent bin eigentlich von der neuen Technik im Allgemeinen begeistert - wenn man jedoch die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema “Mobilfunk und Gesundheitsgefahren” aufmerksam durcharbeitet, dann kommt man relativ schnell zu dem Schluss: aus gesundheitlicher Sicht düfte die größflächige Verwendung von Mikrowellenstrahlung als Übertragungsmedium für Telekommunikationssignale eigentlich nicht verwendet werden! Negative Effekte auf die Gesundheit sind definitiv vielfach belegt.
Da bleibt für mich nur eins: wegziehen. Leider.
Andererseits sollte natürlich alles versucht werden, um den Masten wieder vom Netz nehmen zu lassen.

#17 Franz . 08.09.06 . 12:32 Uhr

Das Bemerkenswerteste ist das Verhalten von Mitarbeitern von Mobilfunk-Firmen. Im Westen sollen Vodafone-Techniker interessierten Anwohnern gesagt haben: “Da wird ein Blitzableiter montiert”. Auf dem Burgholzhof, wo es ebenfalls Ärger wegen Sendeanlagen gibt, die den Anwohnern verschwiegen wurden, erschien neulich ein Vodafone-Messfahrzeug. Und zwar kurz nachdem technische Änderungen an den Anlagen und dadurch eine Verdoppelung der Strahlungsbelastung für die Anwohner öffentlich bekannt geworden waren. Auf die Frage, was sie da machen, sagten die Mitarbeiter, sie würden die Immissionen anderer Betreiber messen. Auf ihre eigenen direkt benachbarten Anlagen angesprochen, sagten sie : “Da ist überhaupt kein Mobilfunk!” Dann sprangen sie in ihr Auto (der Motor lief die ganze Zeit) und fuhren eilig davon. Wie in einem schlechten Film.

#18 Alex . 11.09.06 . 08:33 Uhr

Manchmal denke ich die Leute in Stuttgart müssen sich zu tode Langweilen um Initiativen wie “der Masten muss weg” etc. ins Leben zu Rufen und viel Zeit für das Ausleben Ihrer eigenen Unzufriedenheit mit sich und ihrem Leben zu investieren.

Schaltet erst mal eure Fernseher, Schnurlostelefone, Mikrowellen, MOBILTELEFONE, WLAN-Router, Computer, Laptops, Hifi-Anlagen ab, verkauft eure Autos, Mopeds und Motorräder dann lest Ihr mal Studien und erst dann geilt euch mal an einem Funnkmasten auf…

Viele Grüße,
Einer aus der Rötestraße

#19 Herr S . 11.09.06 . 09:16 Uhr

@ Alex

Bei aller prinzipiellen Sympathie für krachlederne Ferndiagnosen: Viel Erhellendes tragen Ihre Ausführungen leider nicht bei. Dass Sie zur Untermauerung Ihrer Schlussthese, mit der Sie das Bedürfnis nach sexueller Kompensation andeuten, ausgerechnet die Lektüre von Studien anregen, wundert mich allerdings etwas. Ich kenne zwar Ihre Präferenzen nicht, aber dass die Studien, von denen ich im Gegensatz zu Ihnen ja ein paar zur Lektüre anbiete, zu auffälliger Geilheit führen, konnte ich zumindest an mir nicht beobachten.

#20 Alex nochmal . 11.09.06 . 21:21 Uhr

Herr S.,

dass die Beiträge hier nicht gerade erhellend sind kann ich durchaus bestätigen. Ich zu meinem Teil habe in meinem einen Denkanstoß gegeben. In Ihrer Antwort sehe ich a) dass Sie meinen Beitrag weder verstanden haben und b) durch eine vermeindliche Verbesserung/Verhohnung meiner zugegebener Maßen (angebracht) pragmatischer Ausdrucksweise die Schiene meines Denkanstoßes geschickt zu verlassen versuchen.

Aber mal Hand auf’s Herz Herr S., besitzen Sie ein Auto? Warscheinlich einen Diesel oder einen großen SUV, mit dem Sie anständig Kohlenmonoxid und Co. in stuttgarts Luft blasen, sie schauen täglich fern was wie eine intensive Strahlentherapie wirkt, telefonieren natürlich oft mit einem Handy unterwegs und zuhause mit Ihrem Dect Schnurlostelefon. Gleichzeitig fordern Sie eine flächendeckende DSL - Abdeckung die mittelfrequent (bis 11 MHz) durch Ihre Kupferleitung rast, warscheinlich sitzen Sie auch gerade auf der Couch mit dem Laptop auf dem Schoß der die Temparuter einiger Ihrer liebsten Köperteile gescheit erhöht und WLAN mit 2,4 GhZ was Ihr Wohnzimmer zu einer Mikrowelle macht. Apropos, womit machen Sie Ihren Leberkäs von heute morgen wierder warm?

Und nun zerstört ein Funkmast Ihr Leben?

#21 Herr S . 11.09.06 . 22:01 Uhr

@ Alex
Ein Verständnisproblem haben eher Sie, wie es aussieht. Mal davon abgesehen, dass ich weder ein Auto besitze noch Leberkäs esse noch großartig fernsehe oder mit dem Handy telefoniere: Ich habe mit keinem Wort behauptet, ein Funkmast zerstöre mein Leben, also kommen Sie mal wieder runter. Es geht hier um nicht mehr oder weniger als die immer wieder interessante Frage, wie eine Gesellschaft die Folgen ihres Tuns einschätzt und welche Konsequenzen sie daraus zieht (oder eben nicht). Halbwegs Zurechnungsfähige legen ihren Überlegungen naturwissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde, der Rest proletet einfach irgendwelche Klappentexte vor sich hin – so wie Sie. Vom Argumentationsmuster her entsprechen Ihre Darlegungen ungefähr der Forderung nach einem Freibrief für alle Gammelfleisch-Händler, schließlich wollen die Leute ja billigen Döner und so ein bisschen verfaultes Fleisch wird uns schon nicht umbringen, nicht? Tut mir leid, aber meine Vorstellungen einer zivilisierten Gesellschaft weichen offenbar stark von Ihren ab.

#22 Alex nochmal . 11.09.06 . 22:59 Uhr

Herr S.,

dass der Funkmast Ihr Leben zerstört war natürlich eine überspitzte Formulierung um den - aus meiner Sicht - in Frage zu stellenden Sinn der Forderungen des Abbaus des Mastens zu fordern zu unterstreichen - nur nochmal zur Erläuterung.
Dafür dass Sie kein Auto fahren und sich anscheinend auch sonst verhalten mit den “Devotionalien” der “modernen Gesellschaft” hingeben halte ich Ihnen in diesem Kontext zu Gute. Und das meine ich ernst.

Natürlich klingt meine Argumentation wie ein Freifahrtschein für Gammelfleischhändler. Aber das Resultat Gammelfleisch im Kühlfach zu haben ist beispielsweise einen Preis den wir zahlen dafür dass wir immer alles billiger möchten - wir tuns einfach. Wir nehmen auch hin dass Kinder in Bangladesh unter widrigsten Bedingungen die Wolle für unsere Pullover herstellen. Wir könnten dies endlos fortsetzen.
Ich möchte damit sagen dass gerade in unserer heutigen Gesellschaft wir viele unangenehme Dinge in Kauf nehmen, wir aber bereit sind dies hinzunehmen - in allen Bereichen. Und dabei ist ein Funkmast nur ein winzig kleines, verschwindent geringes Element im Vergleich zu dem was wir täglich hinnehmen.

Wann ist nun eine Gersellschaft zivilisiert?

Wenn Sie sich dieser Gesellschaft und dem was sie fordert zu großen Teilen entziehen - dann stehen Sie mit Ihren Forderungen absolut im Recht obwohl die Schädlichkeit eines Funkmasten bisher weder widerlegt noch bestätigt worden ist ;)

#23 ds . 12.09.06 . 00:02 Uhr

@alex:
amüsant wie sie sich in einem einzigen thread gleich mehrmals widersprechen. erst fragen sie sich wie gelangweilt man sein muss um auf solch einen zustand hinzuweisen dann beschreiben sie die traurige tatsache das wir heutzutage solche zustände all zu oft hinnehmen aber genau da ist doch der punkt! irgendwo sollte doch eine gesunde gesellschaft anfangen unnötige dinge zu diskutieren
für mich zeigt sich, das Herr S, sich mit dem post nicht nur für sich sondern auch für seine gesellschaft/mitmenschen interessiert und sorgt und solch ein verhalten, wofür man auch das afrikanische wort “ubuntu” verwenden könnte, halte ich persönlich für höchst lobenswert und zivilisiert. wenn sie aber nun meinten es gäbe wichtigere dinge als sich um einen Mobilfunkmasten zu sorgen wieso berichten sie dann nicht über solche

den konflikt der gesellschaft mit neuen techniken in angemessenem maße umzugehen, den sie ansprechen sehe ich ebenfalls. aber gilt da nicht auch die prämisse stets das richtige maß zu finden?? und, imho, dient
der beitrag genau dazu!
darum ein großes Danke an den autor!

#24 homezone . 16.09.06 . 18:45 Uhr

Hallo!
Das einzigste was mich stören würde ist das meine Homezone wohl schrumpen wird, da Stuttgart dann besser bei den Mobielfunkanbietern erfasst ist. Schade keine Homezone in der (fast) ganzen Innenstadt +Killesberg….

euer
Homezonemän

#25 Stuttgart Blog . 10.10.06 . 00:40 Uhr

Der noch strahlendere Westen…

Den Stadtplanausschnitt kennen Sie schon? Prima, dann haben Sie vermutlich dies hier schon mal gelesen und ich muss nicht wieder ganz von vorn anfangen, sondern beschränke mich auf das, was seither geschah. Der Mast des Anstoßes ist — wie nich…

#26 max . 09.05.08 . 14:32 Uhr

und leute, wie hat sich euer leben im roten kreis entwickelt! seid ihr verstrahlt, ausgezogen oder musstet ihr eure wohnung für einen bruchteil verkaufen? ich glaub, es ist immer noch alles beim alten, oder?

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