Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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11 11.05

Der Schatz unter der Schule

Von Jörg Trüdinger
Vermischtes . 21:55 Uhr

Mit der Einführung der Reformation in Württemberg durch Herzog Ulrich und die weitere konsequente Fortführung durch seinen Sohn Herzog Christoph ergaben sich für das zwischenzeitlich allgemein angesehene Herzogtum Württemberg viele neue Probleme. Im Zusammenhang mit der Gegenreformation hatten die Habsburger Württemberg erobert und in ihr Reich eingegliedert. Als Herzog Christoph 1550 die Regierung übernahm, trat er ein schweres Erbe an und stand als protestantischer Landesherr unter starkem katholischem Einfluß. Unter Aufbietung all seiner Künste und Kräfte gelang es ihm, während seiner Regierungszeit diesen Einfluß der Habsburger auch mit Hilfe einer Entschädigungszahlung von 300000.- Gulden stark zu vermindern. Diese 300000.- Gulden wurden in Stuttgart von einem schwer bewaffneten Troß der Habsburger in Empfang genommen und nach Österreich verbracht. Fast hätte der Herzog des stark verschuldeten Landes das Geld nicht aufbringen können, zumal mehr als 50000.- Gulden in Gold, ein wahres Vermögen, auf mysteriöse Weise verschwanden.

Im Jahre 1912 war man der Lösung des Rätsels um den verschwundenen Goldschatz vielleicht so nahe wie seit Jahrhunderten nicht mehr gekommen. In diesem Jahr hob man im Stuttgarter Süden eine Baugrube für das Fundament der Bürgerschule II, der heutigen Fangelsbachschule, aus. Die Grabungsarbeiten gingen recht zügig voran, bis man auf ein altes Fundament stieß. Die Arbeiter zogen den Bauleiter zur Begutachtung hinzu. Rasch erkannte er, daß es sich um eine alte Steindecke handelte. Man hielt sie für römischen Ursprungs. Mit Altertumsdenkmälern konnte man damals oftmals nicht allzuviel anfangen und so zertrümmerte man die Decke einfach mit schwerem Gerät. Darunter war ein Hohlraum, der in sich zusammenbrach. Da man dadurch die nötige Tiefe für das Fundament erreicht hatte, schenkte man dem ehemaligen Keller oder was es gewesen war, keine weitere Beachtung und fing alsbald an, darauf die Schule zu bauen. Einer der Bauarbeiter entdeckte auch einen sauber gemauerten Zugang zu dem Raum, den man aber genauso einfach einebnete. So wußte man zumindest, daß es sich um eine Art künstliche Höhle gehandelt haben mußte.

Jahre später kam einer der ehemals am Bau beschäftigten Arbeiter zu einem bekannten Stuttgarter Antiquitätenhändler und bot diesem einen goldenen Meßbecher an. Der Händler dachte sofort, der Meßbecher sei gestohlen worden und überhäufte den Einlieferer mit Fragen. Der Mann aber verneinte vehement einen Diebstahl und beharrte darauf, den Meßbecher gefunden zu haben. Auf noch genaueres Nachfragen erzählte er die Geschichte der künstlichen Höhle und sagte, er habe damals etwas unter den Steinen blitzen sehen, wußte aber im ersten Augenblick nicht was. In der Mittagspause sei er unter dem Vorwand, er habe seine Pfeife verloren, in die Baugrube gestiegen und habe dort den Meßbecher gefunden. Klar habe er das niemandem seiner Kollegen gesagt. Der Händler beschloß, den Meßbecher zu kaufen und zeigte ihn alsbald einem bekannten Kirchenforscher. Der konnte die Inschrift des Bechers problemlos entziffern und ihn einem bestimmten Kloster zuordnen. Jetzt interessierte es ihn natürlich brennend, wie der Becher genau an diesen Platz gekommen war wo man ihn gefunden hatte. Seine Nachforschungen ergaben recht bald ein klares Bild. Der Meßbecher war Bestandteil des Goldschatzes von Herzog Christoph, der im Jahre 1552 verschwunden war. Vermutlich hatten Räuber diesen alten römischen Gang entdeckt, den Goldtransport überfallen und den Schatz hier sicher versteckt. Ob es allerdings wirklich genau so war und ob der Schatz bis heute dort liegt, ist leider nicht sicher, aber möglich ist es schon.

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1 Kommentar zu Der Schatz unter der Schule

#1 Herr S . 12.11.05 . 00:26 Uhr

Ein Wunder, dass nicht schon längst irgendwelche Grabungsteams am Wühlen sind. Auf jeden Fall eine sehr aufregende Vorstellung.

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