Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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21 12.05

Der Niedergang

Von Herr S
Vermischtes . 14:58 Uhr

Wer kurz vor Jahresschluss noch einmal kräftig frohlocken wollte, sollte lieber schon mal umdisponieren. Bis unlängst wähnten wir uns sicher, dass uns zwar der gemeine Spott uneingeweihter Neider noch auf Generationen hinaus begleiten würde, wir diesen Dumpfbacken aber wenigstens das prall befüllte Portemonnaie unter die Nase reiben könnten, dann wären sie so klein mit Hut, nichts mehr zu melden hätten sie dann, aber schon gleich gar nichts mehr. Verdientermaßen übrigens: wenn es darum geht, wer sich am krummsten und buckligsten schuftet, macht uns schließlich kein anderer Stamm etwas vor, wie die Brunnenputzer schaffen wir.

Jetzt jedoch beweist der kühle Blick auf nackte Zahlen, dass Sie falscher kaum liegen könnten — ach was: vergessen können Sie das Ganze:

Kaufkraft nach Bundesländern
Quelle: GfK-Kaufkraftatlas 2006 via Capital

Der erste Schock stellt sich bereits beim Studium der regionalen Vergleichswerte ein: zum schmählichen Platz 4 reicht es mit Ach und Krach, hinter den verschlagenen Hamburgern, den ganz und gar unerträglichen Hessen und — man ahnt schon Schlimmstes — den finsteren Weißwurstverzehrern, die satte 62 € mehr auf den Kopf hauen können wenn das Jahr lang ist, obschon sie den ganzen Tag nur im Biergarten herumlungern. Ein Musterländle sieht anders aus, soviel steht fest.

Noch grausamer fällt das Städte-Ranking aus:

Kaufkraft nach Städten
Quelle: GfK-Kaufkraftatlas 2006 via Capital

Platz 27! 27! Eines lausigen siebenundzwanzigsten Platzes wegen quälen wir uns jeden Tag bis aufs Blut? Müssen uns die lange Nase zeigen lassen von den Starnberger Pinkeln, die es sich auf dem zweiten Platz bequem gemacht haben, wie es ihre Art ist? Und selbst der wahrlich nicht unverdächtige Böblinger hockt immerhin noch feixend auf Platz 11?

Angesichts dieser niederschmetternden Ergebnisse kann ich Ihnen nur raten, jegliche Leistung unverzüglich einzustellen, nichts scheint weniger lohnend. Ich selbst werde mich jetzt jedenfalls zurückziehen in tiefe Depression. Keine Schaufel werde ich mehr in die Hand nehmen und nie wieder werde ich mich zu nachtschlafener Zeit aus dem Bett bemühen. Nicht für Platz 27, ganz gewiss nicht.

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4 Kommentare zu Der Niedergang

#1 Steff . 21.12.05 . 17:50 Uhr

Herr S., was regt er sich so auf über diese offensichtliche Kaufkraftklitterung? Wir Schwaben sprechen nicht über unser Sach und über unser Geld schon gar nicht. Drum kann diese höchst lächerliche Statistik maximal geschätzt sein. Und zwar saumäßig schlecht geschätzt. Aber was will man von einer Druckschrift namens “KCAPITAL” schon erwarten, hä?

#2 Steff . 21.12.05 . 17:59 Uhr

Und gleich noch was: Nicht nur dass die Capitalisten mit dem führnehmen “C” vorne dran nicht rechnen können, auch am rechten Schreiben gebricht es ihnen wie die Sau. Oder hat schon mal jemand von einem Ort namens “Südwestp-Falz” gehört?

#3 Herr S . 21.12.05 . 18:16 Uhr

Nach meinem Cenntnisstand sollte das Cäseblatt ursprünglich »Das Kapital« heißen, leider hat der alte Marx den Titel nicht nur zeitig belegt sondern dazu noch Titelschutz reclamiert. Dass man eines Tages darauf commen würde, sämtliche K’s durch C’s zu ersetzen, darauf wäre selbst dieser alte Fuchs nie gecommen.

Ihrem Argument mit dem Sach und dem Geld cann ich mich tatsächlich nur schwer entziehen, der Vorteil wäre, dass ich mich dann nicht mehr cünstlich echauffieren müsste. Weh tut es aber immer noch.

#4 circulus . 22.12.05 . 20:11 Uhr

Aber Herr S. - Sie konnten doch immerhin 1.513 Euro mehr auf den Kopf hauen als der Durchschnitts-Württemberger und damit immerhin noch (minus 62 gleich) 1.451 Euro mehr als ein ‘finsterer Weisswurstesser’ aus dem Durchschnitts-Bayern! Die Platzierung ist doch gar nicht soo schlecht. Also bitte nicht in Depression verfallen, sondern ‘was anpacken’! Denn: ‘Du bist Deutschland‘!!! ;-)

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