Von von unten
Leben . 17:34 Uhr
“Oh, schön, die Straßen sind ja weiß!”, dachte der Stadtmensch, bevor er merkte, dass sie nicht weiß vom Schnee waren, sondern von den Salzrückständen des Streusalzes. Des vielen Streusalzes. Der hunderten Tonnen.
Der Neckar fror zu, die Eisschollen wurden zugeschneit. Träge wie Gelee kullerte der Fluss talwärts, die verschneiten Eisschollen waren wie Haut auf gekochtem Pudding.
Auf dem Feuersee spazierten die Paare, spielten die Kinder Pinguin und die Erwachsenen Hockey. Mit wackeligen Knien lief ein Mann einer Frau hinterher, aber nur weil sie besser Schlittschuh laufen konnte. Eine Mutter schippte die Eislaufbahn schneefrei bis sie schwitzte. Eine Mischung aus Kehrwochesucht und sportlichem Ehrgeiz zwang sie wohl dazu.
Jetzt ist das Eis getaut, der Neckar fließt, der Feuersee ist wieder flüssig und die Salzrückstände sind weggewaschen.
In der S-Bahn klärt einer einen Termin am Mobiltelefon. Menschen lesen, tippen auf Internetfonen, wärmen ihre Hände an Kaffeebechern. Schöne Frauen mit Schals steigen ein. Alles wie immer.
Manchmal - wenn ich eine stark und auffällig geschminkte Frau sehe - denke ich mir: Schade, dass sie sich selbst so hässlich findet, dass sie denkt das tun zu müssen.
Oder habe ich da was falsch verstanden?
#1 MC Buhl . 18.02.12 . 12:20 Uhr
Ja, die Salzrückstände… Ich finde das immer schade, wenn die Nachbarschaft bei Ansicht einer einzelnen Schneeflocke gleich zum Salzeimer greifen muss: verschneite Gehwege sind doch auch mal schön und so lange die Kristalle noch nicht zusammengebacken und durchgefroren sind, rutscht da auch keiner.
Schlimm ist dagegen, dass die von den Gemeinden nach letztem Jahr in das glatte Gegenteil nomschlagen müssen: was zu wenig gemacht wurde, wurde jetzt zu viel gemacht. Mittelmaß kann so was schönes sein!