Von Reiskeks
Leben, Freizeit . 09:28 Uhr
hallo stuttgart,
ich stelle mich einmal kurz vor: ich bin 20 jahre, zivildienstleistender mit abgeschlossener berufsausbildung, schwul, in therapeutischer behandlung, HIV positiv und seit heute hier registriert, um der Stadt, in der ich lebe, zu zeigen, dass ich existiere.
Was hab ich zu sagen?
Vielleicht, dass ich manchmal Angst habe auf die Straße zu gehen, weil ich nicht ständig seltsam angeschaut werden möchte oder die Anfeindungen vieler Gleichaltriger oftmals nicht ertragen kann.
Vielleicht will ich darauf aufmerksam machen, wie oft Gewalt zum Alltag wird?
Vielleicht, dass mir diese Stadt den besten Menschen geboren und mir gezeigt hat was Liebe ist und wann Liebe endet?
Dass es mitunter schwer ist Anschluss zu finden und man sich manchmal kaum retten kann vor lauter Händen, die sich einem reichen?
Vielleicht möchte ich sagen, dass mich die Stuttgarter oft ziemlich verwirren, mich, der in Niedersachsen geboren wurde, das Bundesland aber seit Jahren nicht gesehen hat und trotzdem nicht recht heimisch werden kann?
Vielleicht will ich einfach wissen, warum man sich als schwuler Mann in dieser Stadt oft so ungewollt vorkommt - vielleicht will ich das Gegenteil hören?
Vielleicht möchte ich einfach dazugehören.
#1 Jokerine . 03.01.08 . 10:01 Uhr
na dann viel Spaß auf dieser Seite.
#2 Plasier . 03.01.08 . 14:43 Uhr
…willkommen daheim…
#3 Sue . 03.01.08 . 16:42 Uhr
Hallo reiskeks,
herzlich willkommen in Stuttgart, eine Stadt die einen manchmal verzweifeln lässt und doch ihre schönen Seiten hat.
Die UreinwohnerInnen werden durch stete Freundlichkeit mit der Zeit immer netter ;-)
Es kann sehr lange dauern bis Du hier echte Freunde findest, aber dann hast Du sie in der Regel (wohl) bis zum Lebensende.
Ich freu mich schon auf Deine Beiträge.
Sue
#4 Wegschaffel . 03.01.08 . 17:11 Uhr
Reiskeks. Was die Leute sich für Namen aussuchen. Aber egal, wir Stuttgarter sind da nicht so. Das werden Sie schon noch merken. Solange Sie sich an die Spielregeln halten, bei Verlassen des Raumes das Licht ausmachen und ihre Beiträge weiterhin mit reichlich Absätzen mundgerecht tranchieren, finden Sie bei uns reichlich Anschluss, Ansprache und Zuspruch. Und hin und wieder macht hier sogar mal einer einen Witz. Also: willkommen!
#5 Tyler Durden . 03.01.08 . 23:55 Uhr
Ich glaube das wichtigste Wort bei Herr Wegschaffel ist das Wort “Absatz”…
Der beste Ausdruck allerdings “mundgerecht tranchieren”, gelungen.
#6 Claudia . 05.01.08 . 14:32 Uhr
Hallo Reisekeks, willkommen in Stuttgart und im Stuttgart-Blog von einer, die hier nach längerer Abwesenheit mal wieder vorbeischaut.
Als Südniedersächsin, die seit knapp 3 Jahren in Stuttgart lebt, kann ich dein Unwohlsein verstehen — ich habs auch manchmal. Gar nicht so selten. Seltsam angeschaut wird man in der hiesigen Öffentlichkeit oft beim kleinsten Anlass, bei der kleinsten Abweichung vom Klein- oder Spießbürgerlichen oder “Normalen”. Ohne den Stuttgartern (inkl. Umland) zu nahe treten zu wollen — das ist einfach so.
[Absatz:] Auch hier gibts Gleichgesinnte, du musst nur etwas länger suchen als anderswo. Lass dich nicht entmutigen!
Auf jeden Falls wünsche ich dir, dass du dich hier wohlfühlst, dass es gut läuft und dass die Zahl X eine möglichst große werde!
#7 Donna Lüttchen . 08.01.08 . 22:34 Uhr
Ach bitte, nicht so pessimistisch! Auch hier ist es doch nur so: wie man in den Wald hinein… Manchmal darf man gewisse Dinge nicht so ernst nehmen. Und Blicke schon gar nicht. Also lasse glotzen und freu`Dich des Lebens. Und nur wer schon etwas verloren hat, weiß Gewonnenes zu schätzen.
#8 Ex-Saarländer . 10.01.08 . 18:53 Uhr
Hallo Reiskeks, ich kann Sue, Claudia und Donna Lüttchen nur bestätigen. Eigentlich hat man als Reingeschmecker die Aufgabe, die positiven Seiten der Schwaben zu entdecken und sich zu vergewissern, dass “zu Hause” auch nicht alles bestens war.
Ersteres fällt zugegebenermaßen nicht leicht und braucht wahrscheinlich länger als in anderen Bundesländern. Aber wenn du Freundschaften geschlossen hast, dauern sie länger als z.B. bei den “oberflächlichen” Rheinländern. Aus der Distanz zur alten Heimat fallen einem dann irgendwann die positiven Dinge auf, die man “zu Hause” lange vermisste: wie wohl ist mir heute z.B. die schwäbische Ehrlichkeit und Unverstelltheit.
Ich wünsche dir also viel Erfolg für deine ganz persönlichen positiven Erfahrungen und Erkenntnisse im Laufe der noch vielen Jahren hier in Stuttgart - Welcome home!
#9 kavaliersschmerz . 14.01.08 . 16:35 Uhr
hallo reiskeks,
glotzen tun die leute überall blöd - dass die leute hier besonders blöd glotzen, naja vielleicht… wenn sie aber merken, dass es dich nicht juckt, dass sie glotzen, hast du schon gewonnen. also: nicht anglotzen “lassen”.
habe das “angeglotzt werden wollen” übrigens mal als sport betrieben, allerdings in berlin - da musste dir schon was einfallen lassen. :)
ja und nur dass es keine missverständnisse gibt: niedersachsen ist ja jetzt auch nicht new york…
und nun noch ein ganz unerhörtes statement: dieses “forum” hier wird dein stuttgart-bild wohl verfestigen, ich finde es sehr “schwaben-/stuttgartmäßig.” ohne begründung.
ich wünsche dir die nötige gelassenheit, dies für stuttgart, das leben, die welt und alles was ich vergessen habe, braucht! ;)