Von Frau Doktor
Vermischtes, Politik . 16:58 Uhr
Noch vier Tage bis zur Neuwahl in Baden-Württemberg – und von überall starren einen die Kandidaten an. Und am schlimmsten auf den Plakaten der CDU. Welcher Kreativ-Idiot, Wahlkampfberater oder Hilfsstratege hat deren Konzept eigentlich verbrochen?
Während der Präsentation hat sich das bestimmt ganz toll angehört: Zuerst machen wir die Menschen neugierig, in dem wir überall nur die Namen unserer Kandidaten plakatieren, in der zweiten Runde lösen wir das dann durch Fotos auf. Nur: Wer wählt denn Michael Föll wegen seines Michael Föll-Seins? Oder Andrea Krüger? Mehr als den völlig inhaltsleeren Claim „In der Tat besser – CDU“ bekommt die Leserin über die Position der Bewerber nämlich nicht mitgeteilt. So allein gelassen, fängt die natürlich, an aus dem Erscheinungsbild der Präsentierten ihre Schlüsse zu ziehen – und das nicht nur bei den CDU-Kandidaten: SPD und FDP machen’s auch nicht viel anders. Nur hat da der Photoshop nicht so mächtig zugeschlagen.
Während Krüger die nähere Betrachtung ganz gut übersteht, offensichtlich hat sie sich den schlimmsten Retusche-Attacken erfolgreich widersetzt, ist Herr Föll wohl direkt im Computer entworfen worden. Exakter kann man zumindest meinem Klischee einer Partei-Kreatur gar nicht entsprechen: ein altersloses Milchgesicht. Dito der Herr Palmer. Teflon beschichtet gegen Realitätsanhaftungen. Dabei sieht man dem in Wirklichkeit schon an, dass seit der Ohrfeige sein Leben Spuren hinterlässt. Nur auf den Plakaten sind die alle weg. Was bleibt, ist ein wenig Selbstmitleid im Blick. Und alles auf karottenkakagelb.
Die Krönung findet das Ganze in unserem Ministerpräsidenten-Darsteller. Nicht nur mir haben die Großplakate einen echten Schrecken eingejagt: Fahlgelbe Wangen, blutigroter Mund und stechender Blick – wenn dieser Mann kein Wiedergänger aus Transsylvanien ist, bin ich Buffy. Mit ihrem nett aussehenden, geliehenen Hund bringt den die Ute nicht zur Strecke. Da helfen nur silberne Kugeln, Holzpfähle und Knoblauch.
#1 Herr S . 22.03.06 . 20:54 Uhr
Mit den Visagen haben Sie ganz recht. Ich schätze, der Retusche gehen eingehende Analysen aller etwaigen Wählervorlieben bzw. -aversionen voraus, die so ermittelten Werte werden geradinig interpoliert und umgekehrt reziprok proportioniert — fertig sind die Arschgesichter. Dabei sind die Kandidaten in der Realität sicher vollkommen normale Leute, soweit man als politische Führungskraft noch normal sein kann. Nur beim Oettinger Günther scheint Hopfen und Malz verloren, zumindest wenn er anfängt zu quasseln.
#2 Djoser . 22.03.06 . 21:34 Uhr
Am bemitleidenswertesten finde ich das Plakat von Frau Inge Utzt. So scheisse wie auf dem Plakat kann die bemitleidenswerte Frau im rächten Läben überhaupt nicht ausssehen. Hier hat der Photoshoppraktikant deutlich gemacht, dass er doch eher für den Beruf des Fleischereifachverkäufers geboren wurde. Der Teint der Dame sieht aus wie das Sonderangebotsfoto aus dem HL-Flyer fürs Kilo Schweinschnitzel. Egal was Inge in ihrem Leben schon verutzt hat - das hat sie nicht verdient!
#3 Djoser . 22.03.06 . 21:40 Uhr
… und hat schon mal jemand tief in die plakatierten Augen von Frau Vogt geguckt? Da legt sich der Rückwärtsgang an der roten Ampel ganz von sälber ein …
#4 Henning . 22.03.06 . 23:27 Uhr
Also, die Oettinger-Plakate erinnern eindeutig an einen Mafiosi. Manchmal kommt einem die Politik hier im Land ja auch so vor… Vor allem, wenn Herr Mappus meint, der SWR würde gerade nicht “richtig” berichten.