Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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20 12.06

Das langsame Sterben der Musik in Stuttgart

Von Ives P
Vermischtes . 12:08 Uhr

Kennen Sie schon den Neuesten? Beteiligen sich fast alle Geschäfte am verkaufsoffenen Samstag bis Mitternacht. Shoppen bis Mitternacht! wird großspurig in Anzeigen geworben. Als ich mich just an diesem Mitternachts-Samstag in der City aufhalte, ist es aber noch gar nicht Mitternacht, auch nicht annähernd, sondern 17.30 Uhr. Alle Gitarristen kennen das Problem der kleinen e-Saite, die statistisch eine hohe Chance hat irgendwann zu reißen - vorausgesetzt, man spielt das Instrument und hat es nicht bloß als Zierfisch in der Bude. Alles kein Problem - also den Wagen ins Parkhaus gestellt und im strömenden Regen auf zu meinem ersten Ziel, den großen Musikladen in der Kronprinzstraße. Ach, Sie wussten auch schon, dass hier das ganze Gebäude samt Musikstore einfach abgerissen wurde? Es stimmt, die letzen drei Jahre hatte ich hier auch nicht vorbeigeschaut. Nun - macht nichts. In Stuttgart gibt es ja noch mehr Musikshops. Wir sind doch eine Weltstadt! Spätestens seit der WM und dem ersten Tabellenplatz des VFB sind wir wieder wer!
Zum Beispiel im Königsbau gibt es gleich zwei Geschäfte: eines für klassische Instrumente, und eines für E-Gitarre und Drums. Bei einem kleinen Umrundungsgang gegen 18.00 Uhr stelle ich sodann fest, dass zwar der Neubau mit Saturn & Co geöffnet ist, aber der eine Musikshop schon zu (der für klassische Instrumente) und der andere für moderne Musik…nicht mehr existiert! Ich glaube, man verkauft jetzt Bücher und Postkarten dort oder auch feine Handtaschen. Macht ja alles nichts. Wir sind doch Weltstadt! Es gibt ja noch ein weiteres Musikgeschäft in der City, und zwar das von Hans R. Schweizer in der Olgastraße, der mir schon zu einem äußerst fairen Preis einen e-Verzerrer verkauft hat; dieser wiederum war mir vor zwei Jahren auf einer unserer legendären Partys bei einem Kumpel-Konzert der Hamburger Band Tubes versus Semi-Conductor dreist gestohlen worden, aber das ist eine andere Geschichte, und ich will mich heute kurz halten. Wie ich dann vor dem Musikgeschäft des Herrn Schweizer stehe, das ist so um 18.15 Uhr, sieht der Laden ziemlich dunkel aus. Einsam. Verlassen. Nur das Licht der Schaufenster ist noch an. Ein kleines, feines Sortiment an E-Gitarren, Verzerrer und Verstärker, Keyboards und Drums lächelt mir entgegen. Macht nicht, denke ich amüsiert, aber schon mit einem ersten Misstrauen, wir sind doch Weltstadt! Also nichts wie auf zu “Ray’s Gitarrenshop” in der Sophienstraße. Die Jungs hatten mir an meiner alten Halbacoustic-Gitarre den ganzen Steg überholt, und das noch nicht einmal überteuert, zu einem fairen Preis. Der aufmerksame Leser wird es sich denken können: Natürlich ist auch Rays Gitarrenshop ge… ge…ge…er existiert nicht mehr. Verschwunden! Die nächste Geschäftsaufgabe! Jetzt ist dort ein Laden für christliche Bücher. Zugegeben: Die letzen zwei Jahre war auch ich nicht mehr bei Ray gewesen, aber wenn das so weiterging… Es ist jetzt 18.30 Uhr, und irgendwie verliere ich jetzt die Lust, wegen einer einzelnen Gitarrensaite ganz Stuttgart abzulaufen. Als ich zum Parkhaus zurückkomme, habe ich lediglich eine Stunde und 8 Minuten Parkzeit verbraucht. Zeitlich nicht sehr viel, doch genug um festzustellen, dass in Stuttgart keinerlei Musikshops mehr residieren, die in der City zu Fuß erreichbar sind und … für Kundenverkehr geöffnet. Die Parkgebühr ist nur 2 Euro. Aber ich weiß schon mein neues Thema: “Das langsame Sterben der tradiotionellen Musikgeschäfte in Stuttgart.” Oder: “Stuttgart - musikalisch tiefste Provinz.” Wahrscheinlich hätte man noch in ganz Nürtingen oder Herrenberg 10 X mehr Musikgeschäfte gefunden. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Lust mehr, mit dem Auto zu “Lupo’s Gitarrenshop” im Stuttgarter Westen zu fahren. Ich glaube, ich spiele am folgenden Sonntag einfach ohne die kleine e-Saite. Nicht, dass ich sie mir nicht doch noch leisten würde: Unter der Woche werde ich in der Gablenberger Hauptstraße bei einem Musik-”Discount”-Supermarkt namens “Mojo” endlich fündig. Dort bekomme ich nicht nur meine e-Saite zum Symbolpreis von 1 Euro, sondern auch einen Einblick in angeblich billigere Musikinstrumente, z.B. Bass für 100 Euro, Halbacoustic-Gitarre für 100 Euro, aber auch sehr viel gebrauchten Plunder, und mancher Mini-Verzerrer ist bei H.R. Schweizer billiger zu haben.

Fazit: Die Stuttgarter sind im Laufe der Jahre immer unmusikalischer geworden. Mit dem Traditionsgeschäft “Radio Barth” starb der erste große Händler, mit den Geschäften in der Kronprinzstraße und Sophienstraße und dem Königsbau folgten andere. Mit Musikzubehör und Fachberatung ist in Stuttgart kein Geld mehr zu holen. Wäre es das, hätte es mehr Konkurrenz in der City. Vielleicht sind wir selber schuld: Die meisten Leute wollen bei einem verkaufsoffenen Samstag “Hemden”, “Turnschuhe” und “Jacken.” Wenn ich mir aber ausrechne, wie viel Musiker tagtäglich über die Königsstraße laufen, und wie vielen Gitarristen die e-Saite gerissen sein könnte, wie viele sich eine neue Gitarre kaufen würden, wenn sie diese nur in der Auslage sähen, dann muss man sagen: Es stimmt, musikalisch ist Stuttgart tiefste Provinz. Und wehe dem kleinen Musiker im Irish Pub, dem an einem Samstag in Stuttgart vor einem Konzert die Saite reißt. Er muss einfach ohne die Saite auskommen. Den ganzen Abend. Denn in Stuttgart - gibt’s ab 14 Uhr keine Saiten mehr. Nur noch Saitenwürstle.

Folgende Musikgeschäfte hat Stuttgart direkt im Zentrum (noch):

Königsbau - Berthold & Schwerdtner (Klassische Instrumente)
Olgastraße - Hans R. Schweizer (Keyboard, E-Gitarre, Drums)
Tübinger Straße - Josef Distler (Holzblasinstrumente)
Wilhelmstr.9 - Drum Points Roland Zaiß (Schlagzeug)

PS. Um Neueröffnung muskalischer Geschäfte wird dringend gebeten!

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28 Kommentare zu Das langsame Sterben der Musik in Stuttgart

#1 Alex . 20.12.06 . 13:41 Uhr

Hm, willst du jetzt tatsächlich mehr Musikgeschäfte, oder willst du deine e-Saite nicht lieber rund um die Uhr an der Tankstelle kaufen können? Öh, oder im Internet?

Bevor du mich falsch verstehst, ich war als Neuer in Stuttgart auch eher entsetzt über das Angebot. Damals noch eher qualitativ. Früher hab ich mal in Trier gewohnt, da war so ein kleiner Laden, der Kröger. Da war ich mindestens einmal die Woche, hab neue Saxophone, Mundstücke oder Blätter ausprobiert oder mich einfach nur nett mit der Verkäuferin unterhalten. Sowas wollte ich in Stuttgart natürlich auch wieder und war erstmal freudig überrascht, dass es in der Tübinger Straße einen Sax-Spezialisten gab gibt. Nun hat der mein Weltbild vom zweiten-Zuhause-Sax-Laden leider ziemlich jäh zerstört, als er 20€ von mir haben wollte, als ich ein Instrument ausprobieren wollte !? Und wie nett und zuvorkommend er dabei war!

Gut, Ok, ich kann mir ja schon vorstellen, dass tatsächlich Leute in den Laden laufen, rumprobieren und sich das Gerät dann im Internet bestellen - aber dafür einfach von allen mal pauschal 20€ einsammeln - nä. Fündig geworden bin ich dann in Waiblingen, ein Sax-Laden der schon eher meinen Bild gerecht wird - aber andauernd nach Waiblingen fahren… So schön ist es da auch nicht… Aber wer Hilfe rund ums Sax braucht und das nötige Kleingeld hat weiß was gute Beratung wert ist, der ist bei Obes Saxes & more gut aufgehoben ;-)

So, und jetzt stell dir mal vor du willst was ausgefalleneres wie eine e-Saite. Sagen wir mal ein Mundstück für dein Bari-Sax - kannste in Stuttgart und Umgebung komplett vergessen, von daher schließe ich mich deiner Forderung an - gebe dir aber auch noch den überflüssigen Ratschlag, dir einen kleinen Vorrat an Saiten anzulegen ;-)

#2 Alex . 20.12.06 . 13:59 Uhr

Es gibt übrigens was Neues, sozusagen gegen “Das langsame Sterben der Musik in Stuttgart” http://www.bix-stuttgart.de und wenn ich denn mal da war, schreib ich auch was drüber.

#3 Wegschaffel . 20.12.06 . 15:36 Uhr

Jetzt habe ich diesen Riemen bis zum Ende gelesen und muss daher auch unbedingt kommentieren. Mit Musik kenn ich mich nicht so gut aus, aber ich hab mal ein paar Semester VWL studiert. Also: Letztlich beschreibt ihr hier ein Phänomen, das man auch von vielen anderen Branchen kennt. Man nennt es “Markt“. e-Saiten, Mundstücke, Socken, Milch, Joghurt, Skier und noch zwei, drei andere Gegenstände kaufen die Menschen dort, wo es ihnen (den Menschen) aus preislichen, parkplatztechnischen, liefergeschwindigkeitslastigen, verkäuferinnenmässigen oder zwei, drei anderen Gründen genehm ist. Wenn ein Laden zu wenig genehme Eigenschaften auf sich vereint (z.B. weil er auf die neuen Wünsche der Menschen nicht reagieren mag/kann oder die hübsche Verkäuferin kündigt) muss er einem christlichen Buchladen oder einem Brillengeschäft Platz machen. Wer daran “Schuld” hat, weiss ich nicht (in den Rechtsvorlesungen habe ich oft gefehlt und Theologie erst gar nicht belegt). Aber “Stuttgart” ist es ganz sicher nicht. Ich tippe ja eher auf die Gitarreros, die zwar Samstags um halbsechse schnell mal ne gefatzte Saite im Lädle um die Ecke kaufen wollen, Ihre Klampfen aber lieber bei gitarre.de bestellen. Und wenn Sie, lieber Ives P, sich künftig ein bissle kürzer fassen, tu ich das auch. Welcome!

#4 Der geneigte Leser . 20.12.06 . 16:15 Uhr

Wieso kürzer fassen. Ist doch keine Fastfoodbude hier, oder?

#5 Wegschaffel . 20.12.06 . 16:39 Uhr

Sehen Sie, es geht doch!

#6 flawed . 20.12.06 . 18:37 Uhr

Trier, Waiblingen, Stuttgart… bei etwas “ausgefalleneren” Instrumenten als Gitarren oder etwas höheren Ansprüchen ist das wohl einfach Glückssache, ob man einen Spezialisten in der Stadt hat oder nicht - die erste Adresse für Oboen hier in der Gegend ist beispielsweise Jörg Huttenlocher in Pfrondorf.

Aber ich will auch mal eine Lanze für Herrn Distler brechen, der hat mir einmal wenige Stunden vor einem Konzert meine Oboe wieder spielbar gemacht, dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Zu Herrn Wegschaffels Kommentar möchte ich ausserdem hinzufügen, dass es neben “gitarre.de” auch noch einen sehr großen Rock-Instrumentenladen in Waiblingen gibt, der an diesem “Markt”-Problem sicher auch gut beteiligt ist.
Ich befriedige meinen Bedarf fürs laut Musik machen aber lieber beim Schweitzer, da fühle ich mich nämlich auch gut beraten.

Zum Abschluß noch der Hinweis auf Lausch&Zweigle für die Noten (Königstraße/Neue Brücke).

#7 kesselblick . 20.12.06 . 19:14 Uhr

Die Logik (Weltstadt = 1 Ort, an dem ich an jeder Ecke Samstags um 18 Uhr Ersatzteile für Musikinstrumente kriege) leuchtet mich auch nicht recht ein…
Aber bestimmt hat die bööööse Stadtverwaltung alle derartigen Läden zwangsgeschlossen - für christliche Buchhallen *hihi*

#8 Liamara . 20.12.06 . 19:20 Uhr

… und dass irgendjemand Stuttgart noch für eine Weltstadt hält, leuchtet ehrlich gesagt MIR nicht ein, aber vielleicht ist das so bei den jungen Leuten von heute. Alles so schön bunt hier? ;)

#9 Alex . 20.12.06 . 20:53 Uhr

MIR? Das war dochmal ne Weltraumstation oder sowas?

Bei 600.000 Einwohner kann man ja vielleicht davon ausgehen, dass der Bedarf für Musikgeschäfte jedweder Art in Stuttgart gegeben ist und man vielleicht auch sowas wie Vielfalt vorfindet.

Vielleicht kann man ja auch mal zur Diskussion stellen, dass Musizieren grade irgendwie “Out” ist und deshalb kein Bedarf herrscht?

Und zu diesem Herrn Distler - ich fand ihn unmöglich…

#10 Liamara . 20.12.06 . 20:57 Uhr

Ich weiß gar nicht was es zu beschweren gibt. Diesem Artikel zufolge gibt es wesentlich mehr Musikalienhandlungen in Stuttgart als Babygeschäfte.

#11 Alex . 20.12.06 . 21:06 Uhr

Was? In Stuttgart kann man Babys kaufen? Ich bin entsetzt!

Aber mal im Ernst, ich hab mal eine Krabbeldecke für meine Nichte kaufen wollen und musste dafür irgendwo nach Leonberg, wobei ich mich dreimal verfahren habe… 3 Gehminuten vom Löwenmarkt gibt es allerdings auch ein Babygeschäft und C&A sowie H&M platzen doch in den Kinderabteilungen aus allen Nähten - und das weiß ja sogar ich, der jenige in Stuttgart der wohl am weitesten vom Kinderkriegen weg ist ;-)

#12 Liamara . 20.12.06 . 21:18 Uhr

Ja, und Blockflöten gibts sicher auch beim Kaufhof… Klar gibts noch irgendwo Babykleidung. Aber man braucht ja nicht nur Kleidung. Und reine Babygeschäfte gibt es eben nur sehr wenig mit sehr wenig Auswahl. Dabei gibts doch mehr Babys als Musiker, möcht ich mal meinen… :)

#13 flawed . 20.12.06 . 21:28 Uhr

Aber Musiker frönen ihrer Leidenschaft jahrelang, Babys wachsen so schnell aus den Babysachen raus. :)

#14 Alex . 20.12.06 . 22:23 Uhr

Wow, ich glaub wenn´s mehr Babys als Musiker gäbe, dann könnte ich mir das Geld für die private Alterversorgung sparen - äh, für Musikinstrumente ausgeben ;-)

#15 Maddin . 21.12.06 . 08:33 Uhr

Was war jetzt nochmal genau das Problem? Dass man am Samstag abend keine Saiten bekommt? Dass man drei Jahre nicht mehr in nem Laden war und sich wundert, dass er geschlossen hat? Das man in einer Stunde nicht genügend Läden abgerannt bekommt? Das die Musikläden nicht alle im Zentrum liegen?
Die Logik mit Weltstadt und Einkaufsmöglichkeiten geht mir eh ab. Braucht die Stuttgarter Innenstadt wirklich mehr Geschäfte?

#16 Sebideluxe . 21.12.06 . 09:41 Uhr

Schliesse mich da dem Maddin an.
Imo muß man ziemlich blauäugig sein um ernsthaft zu erwarten dass ein Musikgeschäft nach 1800 Uhr noch offen hat.
Der Handel übers Internet tut sein übriges, und den Radio Barth vermisse ich auch, aber mit Berthold & Schwertner und dem feinen Geschäft von Herrn Schweizer hat man ja immer noch mindestens zwei exzellente Geschäfte !

#17 chris . 03.01.07 . 14:11 Uhr

bei dem heutigen internetgeschäft lohnt es sich für normale musikläden doch kaum noch lange aufzuhaben. manche kämpfen ja so schon ums überleben.

vielleicht sollte man mal versuchen eine diskothek mit einem ladengeschäft auszustatten. sprich, der dj lägt richtig geile musik auf und in dem moment gibt es die single für ein paar euros. ich denke, so etwas hätte noch zukunft, aber einen gut sortierten musikhandel gibt es hier gar nicht mehr :(

#18 Alex . 03.01.07 . 21:01 Uhr

Also, dass Stuttgart schlechte Plattenläden hat kann man ja nun echt nicht behaupten!? Ich hab nen furchtbar ausgefallenen Musikgeschmack und hab vor allem beim Second Hand Records schon Sachen gefunden, von denen ich garnicht wusste, dass es sie gibt ;-)

#19 jörg . 11.01.07 . 09:07 Uhr

Als Produzent diverser Übungs-Playalong-CDs (man holt sich die Begleitband zum Üben per CD nach Hause..) kenne ich das Problem und kann sagen, daß es mit Sicherheit nicht nur Stuttgart betrifft! Wir sind in einem Wandel, wo sich vieles aufs Internet verlagert… das hängt natürlich mit dem Einkaufsverhalten der Leute / Musiker selbst zusammen. Bei meinen unzähligen Telefonaten mit kleineren Händlern, gerade in Baden Würtemberg, beschwerten sich sehr viele darüber, daß der Strom an Musikern, die etwas ausprobieren möchten mehr oder weniger ungebrochen anhält, diejenigen die ein Instrument dann aber auch im Laden (in dem sie etwas getestet haben) kaufen immer weniger werden..

Ergo: Unterstützt auch die Händler, die Euch einen guten Service vor Ort anbieten !

#20 Alex . 11.01.07 . 11:46 Uhr

Interessant! Ich bin selbst Konsument von Playalong-CDs. Und grade hier wären durch´s Internet Wege und Möglichkeiten gegeben, mir als Kunden, genau das zu liefern, was ich haben möchte. Ich will mir keine Play-Along-CD wegen einem einzigen Titel kaufen müssen… Und ich will die Musik nicht nur in einem Tempo haben, oder in einer Tonart, oder mit der vollen Besetzung. Und da ist halt das Problem, Händler sowie Zulieferer halten an ihren etablierten Geschäftsmodellen fest, verteufeln das Internet und auf der Strecke bleiben alle, inkl. dem Verbraucher.

Schön ist es, dass es eine Lösung für all meine Probleme gibt, Band in a Box, da investiert man einmal 250$ und ist für die nächsten Jahre mit Play-A-Longs versorgt, in allen Tempi, Tonarten und Besetzungen, die man sich wünscht.

#21 BeSt . 01.03.07 . 12:58 Uhr

Ich sehe das ähnlich wie der Thread-Eröffner…

Aber es geht dabei nicht nur um Musikläden (obwohl das bei mir auch eine ganz besondere Ader trifft). Die kleinen Geschäfte machen zu…zu Gunsten von - ja von was eigentlich.

Ich möchte euch allen hier eine Hausaufgabe geben: Lauft doch mal die Königstraße vom Rotebühlplatz runter bis zum Hauptbahnhof und zählt die Schuhgeschäfte!

An jedem Baum werden offensichtlich demnächst in Stuttgart Schuhe feil geboten!

Aber ich denke nicht, dass das ein Problem von Sutttgart ist - es ist wohl überall so. Und schuld sind wir alle, die lieber im Internet 50 €uro bei ner Egitarre sparen, anstatt die dem guten Herrn Schweizer zu geben und von Ihm dafür richtig beraten zu werden und auch nen Service zu haben.

Das wars.

#22 Steffen . 10.03.07 . 00:01 Uhr

Die Praxis in einem Laden ein Instrument anzuspielen und es dann im Internet zu kaufen, schadet natürlich vor allem den kleinen Musikläden, aber manche versuchen dies auch einfach durch erhöhte Preise zu kompensieren, was gerade bei Kleinkram wie Gitarrensaiten, Saxophonblättern, Sticks usw., die man kurzfristig benötigt extrem nervig ist und in der Relation viel mehr ins Gewicht fällt, als bei den “großen”, teureren Artikeln.
Allen Schlagzeugern sei in dieser Hinsicht der Drum Point Stuttgart von Ronald Zeis in der Wilhelmstraße 9 ans Herz gelegt. Mir ist bewusst, dass dieser schon genannt wurde, aber da er dort (und sogar in den Gelben Seiten) falsch benannt wurde hier eben nochmal. Ich wurde dort äußert zuvorkommend empfangen und beraten und das bei absolut mit den Internetshops konkurrenzfähigen Preisen. (Stichprobenartig habe ich bei Artikeln im Bereich von 200-300 € eine Differenz von 10 € festgestellt und die sollten einem die Möglichkeit zu testen und beraten zu werden nun wirklich wert sein.)
Als ein Mensch der gerne viel testet und vergleicht, bevor er zuschlägt, rege ich mich viel eher über die großen Musikhäuser in der Region auf, die z.T. wirklich horrende Preise verlangen. Ich kenne zwar deren Geschäftsbücher nicht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass diese ohne in Existenzprobleme zu geraten, die Preise erheblich senken könnten. (Warum auch nicht, wenn selbt kleinere Läden bessere Preise bieten?) Diese brauchen sich dann wirklich nicht zu wundern, wenn die Musiker nur zum Testen kommen.

#23 Ursula Schenkel . 29.04.07 . 18:04 Uhr

Ich bin 1941 in Stgt geboren , dann aber 1964 wegen Beruf, Familie u.a. in den Schwarzwald gezogen (worden). Damals gab’s z.B. die Buchhandlung Niedlich, mit deren Inhaber man politisch diskutieren konnte, - und, ja, den Lausch & Zweigle, beides nicht weit voneinander entfernt - ein Paradies! Jetzt: Stahl, Glas, Beton - und dieselben Kettenläden wie hier in Villingen-Schwenningen auch. Bloß hier gibt’s tatsächlich 3 (drei) Musikgeschäfte, wo man alles kriegt - und zu modernen Ladenöffnungszeiten. Nach Stuttgart zurück? Nie wieder!!!

#24 Ursula Schenkel . 29.04.07 . 18:06 Uhr

Danke, thread-Eröffner, das war nötig!

#25 Willi . 04.08.07 . 16:05 Uhr

Hallo,
als 1960 geborener Stuttgarter, Inhaber eines kleines PC Geschäftes und auf der suche nach einer Gitarre für meinen Sohnemann bin ich hier gelandet . Ich kann es gar nicht glauben, daß es in Stuttgart eigentlich nur noch einen Händler geben soll (Olgastr) ?? Und es passiert mir immer wieder : wo kann man Schrauben kaufen ? Dort wo mal wieder alles 20% billiger ist außer Tiernahrung ??? Hallo Hallo, Schrauben im 5er Pack für günstige 3,90€ ? Aber zum Trost gibt es ja den Bohrhammer für 190.€ anstatt 249€ . Ja, so macht einkaufen richtig Spaß , ist richtig Geld gespart. Ach so, ich brauche ja nur Schrauben .
Un an alledem sind wir selber Schulb und haben und alle selber verarscht , weil es ja so billig ist. Von wegen bin doch nicht blöd . Oder doch ?

Hilfe, jetzt weiß ich nur noch, daß ich lieber mal den Herrn Schweizer suche und hoffe, daß er was gutes für mich (meinen Sohn ) hat. Und wenn nicht, dann Internet ? Eine Gitarre nach welchem Kriterium suchen ? Nach dem Preis ? Eigentlich will ich ja einen sauberen Ton und nicht durch Geiz ist geil Reich werden.

Willi

#26 Scherrieb, Ute . 27.09.07 . 15:07 Uhr

Hallo nach Stuttgart!

Habe soeben mit großem Interesse den Bericht über das “langsame Sterben… ” in Stuttgart gelesen.
Leider betrifft es auch das alte Traditionsgeschäft BARTH.
Ich bin noch im Besitz eines uralten Grammophon`s dieses ehemaligen Musikgeschäftes und biete es bei seit heute bei Ebay zum Verkauf an.
Metallschild von BARTH ist natürlich drin!
Nur als kleinen Hinweis an die traditionsbewußten Stuttgarter Schwaben - nicht das ihnen eventuell etwas entgeht.
Damit es auch in die richtigen Hände kommt!!!
Herzlichen Gruß aus Münster

#27 Patrick . 13.11.07 . 11:54 Uhr

Ich bin neu in Stuttgart, kenn also keine “Traditions”-Geschäfte. Bin aber schon seit Längerem auf der Suche nach Musikgeschäfte - so bin ich auch auf dieser Seite gelandet. Hab es auch ganz durchgelesen, hat sich gelohnt.
Grade dem Willi will ich mich anschliessen. Stimmt vollkommen, dass wir selber daran schuld sind. Gut, dass wir das bemerkt haben, jetzt sind wir ein Schritt weiter. Bloß, was nun? Es ist nun mal so, dass mir, als (armer) Student, 20% beim Preis (ausser Tiernahrung - da ich mir eh kein Tier leiste), schon was ausmachen. Aber wenn ich mein Hobby, in dem ich Jahre meiner Kindheit, und Geld meiner Eltern investiert habe, wegschmeissen muss, bloß weil ich nirgends ‘ne Keyboard-Beratung kriege, find ich auch doof.
Was ich damit meine: jeder muss für sich selber entscheiden, aber bitte, BITTE, denkt dran: Lohnt sich die Ersparniss wirklich, mit dem Risiko - ach was, Sicherheit - dass es in ein paar Jahren gar keine Musikgeschäfte in Stuttgart mehr gibt? EINER kann die Welt nicht ändern, aber EINER hat die Welt in der anderen Richtung geändert, als er sagte: “Ach was, bloß weil ICH im Internet einkaufe, werden die Musikläden doch nicht verschwinden”.
Ich hab mein Keyboard im Internet gekauft (eBay, da es das Modell eh nicht mehr gibt, und ich bin ja arm. Außerdem kannte ich es von früher, und hab keine Beratung gebraucht). Aber ich habe mein Gewissen dann noch beruhigt, als ich entschieden habe, den Ständer zum doppelten Preis als im Internet, im Musikladen zu kaufen. Und das bereue ich bis jetzt nicht.

#28 xaos . 17.02.08 . 00:11 Uhr

Also ich muss auch ganz ehrlich zugeben, dass ich mir mein Bass im Internet gekauft habe (allerdings war das auch noch zur Bundeswehrzeit und als GWDL hat man auch nicht unbedingt so das Geld in der Tasche, wollt’s ja auch erstmal nur lernen), aber meine Saiten kaufe ich in einem kleinen Laden, wo ich auch noch freundlich behandelt werde.
Jetzt muss ich zu meinem Leidwesen feststellen (war noch nie in Stuttgart, studier aber ab März in Esslingen), dass es in Stuttgart wohl keine (oder kaum mehr) Musikläden mehr gibt. Was bleibt mir denn dann anderes übrig als mir meine Teile im Internet zu kaufen?

Ich persönlich halte gute Beratung gerade beim Kauf seiner Instrumente für sehr wichtig. Das ist mir aufgefallen als ich mein Bass ausgepackt, angeschlossen und die erste Saite gespielt habe, die dann unendlich lang noch nachgeschwungen hat.
Von daher bin ich auch für mehr Musikgeschäfte. Und ich denke nicht das selber Musik machen im Moment out ist, das ist nämlich grad wieder ganz groß im kommen ;)

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