Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
25 10.09

Cross-mediale kognitive Dissonanz

Von Frau Doktor
Leben, Politik, Fundsachen . 16:14 Uhr

Samstag, mittag, ich sitze beim verlängerten Frühstück und lese gerade in der Stuttgarter Zeitung das Wort zum Sonntag von Rainer Ruf. Aus der Innenschau unseres Ministerpräsidenten wird hier die Woche Revue passiert. Ruf in Oettingers Hirn ärgert sich über Herrn Mappus Äußerungen, er -Oettinger - wäre auf jeden Fall für Höheres qualifiziert, zum Beispiel für den Botschafterposten in La Paz, einige Tausend Meter über Meereshöhe. Im Radio laufen die Nachrichten, dem Volk werden die neuen Minister und Ministerinnen mitgeteilt - und dass Günter Oettinger deutscher EU-Kommissar werden soll. Ich muss laut lachen und lese weiter. Die Nachrichten sind zu ende, die Kolummne ist zu ende, meine Teetasse leer. Dann wird mir klar, was ich eben gehört habe: Günter Oettinger wird EU-Kommissar. Kein Witz. Und Respekt vor Herrn Ruf. Aber Brüssel liegt nur 70 Meter über dem Meeresspiegel.

Kommentieren . Trackback-URL

4 Kommentare zu Cross-mediale kognitive Dissonanz

#1 Ralph . 26.10.09 . 22:55 Uhr

Schön formuliert. Nun bitte eine Einschätzung für Politikverdrossene wie mich: Ist das nun gut oder schlecht für die EU und Deutschland, dass Oettinger Kommissar wird, und ändert sich etwas durch Herrn Mappus?

#2 planb- . 27.10.09 . 12:26 Uhr

Das ist doch lustig, jahrelang ging uns Oetti aufs Gemüt und nun ist er einfach weggelobt.
Mappus hat sich ja leider durch Fischen am rechten Rand disqualifiziert. Nun hat er aber schon Kreide gefressen, naja mal wieder ‘ne Fahne im Wind.

#3 Frau Doktor . 28.10.09 . 17:31 Uhr

@Ralph: Da bin ich mir auch nicht so sicher. Bei den wichtigen EU-Menschen war man ja nicht erfreut, aber Deutschland ist qua Größe ein EU-Schwergewicht, da kann auch Oettinger eigentlich nix verhauen. Zumal sich die Chefin selbst um die wirklich wichtigen Dinge kümmern wird. Und wenn er tatsächlich zum Problem wird, kann man ihn sehr viel unauffälliger aus der Schußlinie nehmen als in seiner Position als MP. Da musste man ja extra einen EU-Kommissarsposten abwarten.

Mappus schwimmt in der Landes-CDU auf einer Welle der Zustimmung. Die sind anscheinend so froh, dass jetzt Schluss mit den Hängepartien und dem Fettnapftrampeln ist, dass sie ihre internen Kriegsbeile erstmal begraben haben. Mal sehen, wie lange das hält. Schließlich hat Mappus keine Erfahrung mit verschärfter Medienbeobachtung - und kann öffentliche Kritik nicht gut vertragen. Positives erhoffe ich mir von seinem Regierungsstil. Als Fraktionschef hält er hoffentlich mehr von Diskussionen im Parlament als Oettinger, der ja bevorzugt in außerparlamentarischen Lobby-Gruppen-Runden Dinge ausgemendelt hat. Gleichzeitig fürchte ich, dass er á la Koch versucht, in rassistischen Tümpeln zu fischen, um die CDU-Mitglieder und Wähler zu mobilisieren. Mit dem sich weltoffen und gemäßigt fortschrittlich gebenden Oettinger hat die CDU ja keinen Stich gemacht. Da probiert er vielleicht das Gegenteil. Nur sind ja eher die nicht-vorhandenen städtischen Wählerinnen das Problem der CDU, nicht rechte Deppen. Das müsste ihm eigentlich klar sein. Man darf also gespannt sein. Immerhin ist er mit einer gestandenen Parteistrategin verheiratet.
Stuttgart hat mit Oettinger aber wohl einen Lobbyisten verloren - zum Glück.

#4 Henning (grün) . 28.10.09 . 22:48 Uhr

Schon kurios, wenn sich Fiktion und Realität so vermischen.

Kommentar hinterlassen


Made by 6B