Von Martin Hiegl
Vermischtes . 09:31 Uhr
Vor gut einer Woche schrieb ich eine E-Mail an die Stuttgarter Zeitung. Darin forderte ich sie auf ihre Onlinearchive zu öffnen und allen zu Verfügung zu stellen. Anstatt für einzelne Artikel 50 Cent zu verlangen, könnten sie durch Werbung Geld damit verdienen. Da sie die Inhalte sowieso bereitstellen, sich also auf der Kostenseite höchstens dadurch, dass sie an ihren Zahldienstleister Click&Buy nichts mehr zahlen müssten, etwas verändern würde, könnten sie meiner Meinung nach damit mehr Geld verdienen und würden zudem “etwas Gutes” tun. Leider hab ich keine Antwort bekommen. Was haltet ihr von den geschlossenen Onlinearchiven der Stuttgarter Zeitung?
#1 Frau Doktor . 09.05.07 . 13:36 Uhr
Nach einigen Versuchen, per Email mit der Stuttgarter Zeitung Kontakt aufzunehmen, bin ich mir sicher, dass die Email-Buttons auf deren Website nur Schau sind. Da habe ich bis jetzt noch nie eine Antwort bekommen. Was aber zum Gesamtauftritt im Netz passt: Man schmeisst den Leserinnen und Lesern ein paar schlecht gemanagete Foren zum Diskutieren hin, Fotos darf man auch noch hochladen, aber auf die Kommunikation zwischen Publikum und Redaktion legt man jetzt nicht so gesteigerten Wert. Kann man machen, fragt sich nur wie lang.
#2 Name gelöscht . 09.05.07 . 14:03 Uhr
Kommentar auf Wunsch des Verfassers gelöscht.
#3 Mann² . 09.05.07 . 14:37 Uhr
Die Inhalte gehören nun mal ganz klar der SZ. Die kann damit machen was sie will. Offensichtlich ist das Interesse an den Archiven auch da. Warum also nicht damit Geld verdienen. Auch Zeitungen müssen von irgendwas leben. Die Gratis-Mentalität, die ich im Web angetroffen habe funktioniert halt auch nur dort. Da hängen reale und keine virtuellen Mitarbeiter dran, die am Monatsende gern Gehalt hätten. Punkt.
#4 Martin Hiegl . 09.05.07 . 16:14 Uhr
Quadratmann, hast du meinen Beitrag auch gelesen? Ich schlage der SZ ein meiner Meinung nach rentableres Geschäftsmodell vor - nämlich durch Werbung Geld zu verdienen. Etliche Webseiten machen es vor, dass sich damit mehr gewinnen lässt.
Bei heise online und anderen Nachrichtenseiten hängen auch echte Mitarbeiter dahinter, welche nicht unbedingt durch eine Printausgabe zusätzlich Geld rein bekommen.
#5 Name gelöscht . 09.05.07 . 23:16 Uhr
Kommentar auf Wunsch des Verfassers gelöscht.
#6 Henning . 10.05.07 . 11:07 Uhr
Das behauptet ja auch niemand, aber der Vorschlag ist doch gut. Ich kann mir gut vorstellen, dass die StZ durch Werbung dann mehr einnehmen würde als jetzt durch ein paar Premium-Zahler. Man kann ja auch ein Kombi-Modell machen: Wer keine Werbung haben will, zahlt.
Die StZ hätte noch dazu einen Image-Gewinn. Ich glaube schon, dass das lohnenswert wäre.
P.S.: SZ = Süddeutsche Zeitung; StZ = Stuttgarter Zeitung
#7 Franklin . 10.05.07 . 11:12 Uhr
Ob eine Tageszeitung einen Imagegewinn erreicht, wenn überall vielmehr Werbung als bisher aufpoppt? Das glaube ich nicht. Und ohne es zu wissen würde ich schon unterstellen, dass durch ein freies Erreichen des Archivs die Werbeeinnahmen die bisherigen Einnahmen nicht erreicht. Man muss nämlich auch einkalkulieren, dass es sicher einige Printabos weniger geben würde, könnte man alle Artikel frei einsehen.
Trotzdem: Toll wäre es natürlich schon :-)
#8 Martin Hiegl . 10.05.07 . 11:20 Uhr
Man muss sie ja nicht gleich freigeben, sondern kann das auch ein oder zwei Tage später machen. Im Moment ist es ja sogar so, dass einige Artikel ein paar Tage am an Anfang frei verfügbar sind und anschließend kosten.
#9 Ralph . 11.05.07 . 13:30 Uhr
Das ist nicht ohne. Wenn die Zeitung ihre Inhalte im Web gratis rausgibt, kannibalisiert sie ihr Print-Produkt, das vom kostenpflichtigen Abo lebt. Das Geld aus Werbung, das sie einnehmen könnte, macht diesen Verlust nicht wett. Weder SPIEGEL noch STERN noch sonst ein renommiertes Print-Medium gibt sein Print-Inhalte kostenlos her. Qualitätsjournalismus ist durch Werbung alleine nicht bezahlbar.
#10 Martin Hiegl . 11.05.07 . 13:37 Uhr
Das unterscheidet wohl eine Zeitung von einer Zeitschrift. Bei einer Zeitung sind die Nachrichten von gestern oder vorgestern für die Abonnementen nicht mehr interessant -d.h. sie werden weiter ihr ABO halten, damit sie die Neuigkeiten dann lesen können, wenn sie neu sind. Bei einer Zeitschrift kann ein Artikel auch noch wesentlich später interessant bleiben. Ich behaupte dass keine Tageszeitung mit Aboeinbußen rechnen müsste, wenn sie die Inhalte 2,3 Tage später im Web frei machen würde.
#11 Name gelöscht . 11.05.07 . 13:40 Uhr
Kommentar auf Wunsch des Verfassers gelöscht.
#12 liamara . 11.05.07 . 13:59 Uhr
Ich versuche da mal keinen kausalen Zusammenhang zu sehen. Ich lese nur: renommiertes Printmedium. DAS kann man doch so stehen lassen.
#13 Ingolf . 12.05.07 . 22:01 Uhr
Inkonsequent finde ich nur, dass die Sperre aufgehoben wird, sobald der Crawler von Google kommt. So tauchen dann die ganzen Inhalte bei Google auf, die Nichtzahler gar nicht lesen können. Ich rufe die Meldung dann eben aus dem Google-Cache auf und schon habe ich sie auf dem Schirm.
#14 Franklin . 13.05.07 . 13:16 Uhr
@Ingolf: Danke für den Tipp
#15 Ralph . 15.05.07 . 12:28 Uhr
@Martin Hiegl: Die New York Times macht es genau umgekehrt: Nach ein paar Tagen sind die Inhalte nicht mehr frei verfügbar. Die werden auch ihre Gründe haben.
Dass man in Google auf die kostenpflichtigen Artikel stößt, die man dann gar nicht lesen kann, finde ich auch nicht gut. Andererseits: Wenn dazu eine Mircopayment-Lösung angeboten wird und ein angemessener Preis (und bei einem Preis von 1,20 fürs gesamte Blatt sind 50 Ct für einen Artikel natürlich ein bisschen viel), finde ich die Sache in Ordnung.
Kurz: Ich glaube wirklich nicht, dass sich die journalistische Qualität durch Werbefinanzierung halten lässt.
#16 chrib . 16.05.07 . 18:14 Uhr
Leider lässt die STZ ihre Freien Schreiberlinge nicht am Online-Geschäft partizipieren. Es gibt Zeilengeld für den Printbeitrag - von Online-Verwertung ist gar nicht die Rede. Etwas einseitig, die Regelung.