Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
22 02.08

Bündner Fleisch und Breuninger, das Kaufhaus für Ungehobelte im Anzug.

Von Plan B
Vermischtes . 20:45 Uhr

Kann mir hier irgendjemand weiterhelfen:
Wo in Stuttgart kann ich ein original Bündner Fleisch erwerben, bitte ordentlich lange luftgetrocknet und am allerbesten ohne Nitrit (muss aber nicht)?
Bisher wurde mir nur in der Gourmetabteilung im unteren Kaufhof eins angeboten, dass war zwar ok aber nicht so wie es sein sollte (wohl nicht lange genug getrocknet).
Nachdem ich heute die Markthalle danach abgesucht habe, bin ich etwas ratlos.

Nun zu Breuninger: Nachdem ich in der Markthalle war, bin ich zum Breuninger, und habe mich gefragt ob es da noch die Feinkostabteilung gibt. Da hab ich einfach den Schrank im Anzug am Eingang gefragt, der mir ein unfreundliches, arrogantes “Nee” entgegenschleuderte.
Dieser junge Mann war sich einfach zu fein mir eine höfliche Antwort zu geben, weil er in seinem schwarzen Anzügle einfach was Besseres ist. Hat er an seinem Arbeitsplatz doch schon A, B und C Promis erblicken dürfen, und somit den Hauch der großen, weiten Welt eingeatmet.
Da lob ich mir so tolle Läden wie das Harrod’s in London. Wenn Du dort ein Paar reduzierte Socken für 3 Pfund kaufst, sind die Angestellten extrem freundlich, Du könntest ja das nächste Mal die passende Jeans für 200 mitnehmen. Tja, die haben’s kapiert.

Wieder einmal, wie so oft in den letzten 15 Jahren hab ich den moralischen Niedergang des Klassikers Breuninger betrauert. Ich bin im Breuninger groß geworden. In den 70ern war es das Haus der guten Qualität. Mitte der 80er gab es dann die ersten Shop in Shops-Inseln, und in den 90ern wurde die Qualitätsware zugunsten der Luxusware aus dem Sortiment genommen.
Mir ist auch klar, dass sich im Einzelhandel seit 20 Jahren alles auf Masse oder Luxus konzentriert, aber ein klein wenig ärgern sollte schon erlaubt sein.

Kommentieren . Trackback-URL

12 Kommentare zu Bündner Fleisch und Breuninger, das Kaufhaus für Ungehobelte im Anzug.

#1 Paula Schramm . 22.02.08 . 21:40 Uhr

Scheiß Werbung macht der Breuninger auch ;)

Schon im Böhm hinterm Schloßplatz probiert?

#2 Jan Theofel . 23.02.08 . 01:37 Uhr

Kannst du etwas genauer beschreiben, was dir an dem Bünder Fleisch aus dem Kaufhof nicht zusagt? Dann kann ich da mal für dich nachfassen. Zumindest ist man dort meiner Erfahrung nach für Verbesserungsvorschläge offen.

#3 Herr S . 23.02.08 . 09:09 Uhr

Ihre sog. Feinkostabteilung war eine Filiale von Feinkost Böhm, die es inzwischen nicht mehr gibt. Also ein Shop im Shop, den Sie ein paar Zeilen später als Meilenstein auf dem Weg in den von Ihnen betrauerten moralischen Niedergang festmachen. (Dass ein Kaufhaus eine Moral besitzt, finde ich übrigens eine zwar interessante, leider aber auch ziemlich blöde Idee.) Feinkost Böhm gibt es natürlich immer noch, als sog. Standalone-Lösung halt. Was dem Bündnerfleisch aber wurst sein kann.

#4 kesselblick . 23.02.08 . 17:38 Uhr

Beim Wurstshop des Schlemmermeyer in der Schulstraße oder Königstraße könnte man es auch mal probieren. Sind da ziemlich gut sortiert.

#5 Plan B . 23.02.08 . 17:57 Uhr

@ Paula, Danke für den Hinweis, da wollte ich dann eh demnächst mal hin.

@ Jan, Ich weiss nicht vielleicht hab ich irgendwie was in falscher Erinnerung, aber meiner Meinung nach sollte Bündner Fleisch von der Textur eher porös sein, und auf der Zunge zergehen. Das Kaufhof Fleisch fand ich zu zäh (zäh ist jetzt übertrieben, nicht wie im Sinne eines zähen Schnitzels, sondern eher wie ein Rauchfleisch aus dem Schwarzwald, das ordentlich gekaut werden muss).

@ Herr S, Das mit dem Böhm bei Breuninger ist mir durchaus bewusst, zuletzt war das glaube ich Feinkost Fritz, und es hätte ja durchaus sein können, dass es da nun auch gerade was Aktuelles gibt. Shop in shop ich weiss, aber der Zug ist ja leider wie bemängelt schon abgefahren. Frage: Hatte Breuninger vor Böhm nicht eine eigene Lebensmittelabteilung?
Ja ich finde schon, dass Kaufhäuser eine Moral haben können.
Heute machen sie halt aus Scheisse Gold. ;-))

#6 Marco . 23.02.08 . 18:29 Uhr

nun, vielleicht hättest du das nächste mal einfach einen “richtigen” Angestellten, sprich: Verkäufer, im Breuninger fragen sollen. Die Herren in den schwarzen Anzügen an den Eingängen sind eigentlich ja nur dazu da, den Kunden die Türe aufzuhalten. Die sind es nicht gewohnt das sie außer einem “danke” noch was anderes von den Kunden zu hören bekommen.
Da die Verkäufer im Breuninger im allgemeinen sehr freundlich sind (ich kann das aus eigener, jahrelanger Erfahrung bestätigen), hättest du von denen sicherlich ein freundliches “nein, leider gibt es diese Abteilung nicht mehr” zu hören bekommen.

Und zu dem angeblichen Moralverfall: Wäre Breuninger immernoch der selbe wie in den 70er Jahren, würde es ihn vermutlich heute nicht mehr geben.
Breuninger muss sich irgendwie von den ganzen Karstadts und Kaufhofs abheben, die seit Jahren die Innenstädte überfallen. Und meiner Meinung nach ist das ziemlich gut gelungen.

Das ist einfach typisch schwäbisch. Sobald irgendetwas alteingesessenes verändert werden soll, ist sofort das große gemotze da. Es wird nicht darüber nachgedacht, ob diese Veränderung vielleicht auch etwas gutes mit sich bringt. Das fängt bei Stuttgart 21 an und hört beim Flughafenausbau auf. Alles wird blockiert, so wie es is es ja gut… An später denkt niemand, ich würde in 10 Jahren ungern stundenlang über dem Flughafen kreisen und warten wollen, bis das Flugzeug landen darf weil vor uns noch 20 andere landen wollen, aber leider die eine Landebahn nich so viel verkraften kann!

So, das war jetzt vielleicht alles ein wenig zu weit ausgeholt, aber Kritik an Breuninger kann ich einfach nicht auf mir sitzen lassen :-)

#7 Plan B . 25.02.08 . 16:12 Uhr

Marco, Du hast natürlich recht, der Großteil der VerkäuferInnen bei Breuninger sind sicher sehr zuvorkommend. Die Türöffner sind mir allerdings schon öfters eher negativ aufgefallen. Woran das liegen mag, keine Ahnung, nicht geschult, falsche Leute eingestellt, zu schlecht bezahlt? Nur das Problem ist: Die Herren an der Tür sind die ersten vom Personal, auf die ich treffe. Sie sind die Visitenkarte des Unternehmens. Da sollte nicht nur der Anzug sitzen, sondern auch die Umgangsformen. Und sie sollten sich im Haus auskennen und Fragen beantworten können.
Dass Breuninger im wirtschaflichen Sinn, in den letzten 30 Jahren alles richtig gemacht hat ist mir auch klar, aber ich persönlich finde es furchtbar. Nun ja Geschmäcker sind eben verschieden.
Prinizipiell habe ich auch nicht das Gefühl, dass die StuttgarterInnen besonders gegen den (vor allem technischen) Fortschritt sind, aber sie stellen Dinge in Frage und das finde ich gut.

#8 Zuckerbäckerin . 25.02.08 . 18:58 Uhr

Marco: Warst Du etwa jener Schrank im Anzug? ;-)

#9 Marco . 26.02.08 . 18:29 Uhr

nein, nicht wirklich :-) ich wollte damit nur zum ausdruck bringen das ich verständnis für die armen schränke hab mit denen niemand spricht… Und ich wurde und werde auch nicht von Breuninger für meine Äußerungen bezahlt, sollte es den anschein gemacht haben… ich bin lediglich ein äußerst zufriedener Kunde :-)

#10 Plan B . 27.02.08 . 15:54 Uhr

Kesselblick, Hurra Dein Schlemmermeyer Tipp hat’s gebracht.
Heute konnte ich dort Bündner Fleisch gehobelt einkaufen, und es kommt nahe an das, welches ich in der Schweiz schon gegessen habe.
Zum Böhm: Der hat das selbe wie Kaufhof.

#11 romulus68 . 27.02.08 . 22:00 Uhr

Zu Böhm/Kaufhof: Die haben höchstens das Gleiche; niemals das Selbe :-).

#12 Monet . 27.07.08 . 07:56 Uhr

Ja, Deutschland ist leider nach wie vor eine Servicewüste..
Aber die Preise beim Harrods sind nicht ohne, da zahlen wir die professionelle Dienstleistung mit.

Kommentar hinterlassen


Made by 6B