Von BanAnne
Politik . 21:54 Uhr
Hintergrundinformationen um die Einführung eines Elektrorad-Leasingsysthems in Stuttgart.
Quellen des Textes sind Gespräche mit zuständigen Behörden oder öffentlich verfügbare Berichte.
Im ersten Halbjahr 2005 traf sich ein Runder Tisch zur Förderung des Fahrradverkehrs, denn Stuttgart ist über den „Nationalen Radverkehrsplan 2002-2012“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen als Pilotstadt unter anderem dazu verpflichtet den Anteil an Radfahrenden in der „Autostadt“ auf 20 % zu steigern.
Zur Orientierung, der Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen stieg in den letzten 20 Jahren um 4%. Er lag 1985 bei 3 % und beträgt derzeit ca. 7 %.
Seit 1992 arbeitet ExtraEnergy an der Schnittstelle zwischen Hersteller und Verkauf/Kunde. Durch Tests, Schulung und Promotion sollen Räder, die durch Zusatzantriebe eine verbesserte Alltagstauglichkeit bieten, schneller in den Markt eingeführt werden. Zwar ist der ExtraEnergy Hauptsitz in Tanna (Thüringen) und deren Aktivitäten sind international ausgerichtet, doch blicken derzeit alle Augen auf Stuttgart.
1993 gründete Hannes Neupert zusammen mit sechs Weiteren die stuttgarter Dependenz ExtraEnergy e.V. [bis 06.07.2008: Brennerstr. 21, 70182 Stuttgart]. Innerhalb kurzer Zeit wuchs dieser Verein an Mitgliedern und Freunden auf 50 Personen an. Eine Steigerungsrate, von der die Stadt Stuttgart derzeit in ihren Bemühungen noch träumt.
Es ist diesem Verein zu verdanken, wenn die Stadt im Kessel demnächst Vorreiterin in der Revolution der Fortbewegungsmittel wird.
Am 24.04.2002 reihte sich der “Nationale Radverkehrsplan der Bundesregierung (BMVBS) zur Förderung des Fahrradverkehrs auf nationaler Ebene in die Geschehenisse ein.
Am 02.06.2008 wurde es nun auch auf der Internetseite der Stadt verkündet. Durch eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit seitens ExtraEnergy e.V. hat die Stadt ein Angebot seitens einer Firma aus Großbritannien, das seines Gleichen noch sucht. Künftig könnten BürgerInnen von Stuttgart per Leasingvertrag ein Pedelec erwerben und an städtischen Aufladestationen auch unterwegs nachtanken.
Dies scheint der Schlüssel zum Ende der Misere der mangelnden Varianz der Fortbewegungsarten in Stuttgart zu sein. Umfragen unter SchülerInnen zur Radnutzung für den Schulweg - mit einem Preis gewürdigt - folgten doch eher der Devise “Was Hans nicht lernen will, das überlässt er einfach Hänschen”.
Die Investition der Stadt zusammen mit dem VVS in einen Online-Streckenplaner erreicht überwiegend Ortsunkundige, die sich ohnehin eher selten in Stuttgart bewegen. Ebenso die Übereinkunft zur Anschaffung von 600 DB-“Rufrädern” für 65 zentral gelegenen Entleihstationen mit einer vorläufigen Vertragslaufzeit bis Ende 2009.
Im Vergleich zu anderen radfahrvorbildlichen Städten zeigt sich die tiefer liegende Ursache, nämlich die ortstypische Topografie.
Trotz aufsehenerregender Präsentation des anvisierten Konzeptes beim Weltkongress “Cities for Mobility” vom 01.06. bis 4.06.2008 in Stuttgart und der Aufnahme in das Online-Portfolio der beteiligten Firma behielt sich die Stadt in letzter Sekunde eine Bedenkzeit vor.
Spannend bleibt, ob es nun doch gleich den “großen Wurf” geben wird. Eine echte Verankerung einer Radfahrkultur trotz der Hänge um Stuttgart durch die Förderung der privaten Anschaffung von Pedelecs.
[Laut einer Veröffentlichung ist ein Plan aufgestellt worden, der im nächsten Schritt vom Gemeinderat geprüft und akzeptiert werden muss.] Leider stellen die Räder noch eine solche Rarität dar, dass der Kaufpreis für einen normalen Familienhaushalt unerschwinglich ist. Um Subventionsgegnern Ängste zu nehmen - diese Förderung kann auf die Zeit begrenzt werden, die es braucht um durch Absatzsteigerung einen realistischen Kaufpreis von maximal 700 € zu erreichen.
Auch in der Entwicklung sind für Stuttgart Sonderanforderungen geboten. Zum einen müssen die Akkus für den Antrieb auf durchschnittlich 300 Höhenmeter zur Überwindung ausgelegt sein. Zum anderen gehört es zu einem modernen ökonomischen Standart die verbrauchte Muskelenergie zur Bewältigung von Höhenunterschied über Bremswirkung mit einem Leichtbau-Rekuperator in den Akku zurückzuführen.
Ob das die vom aufkommenden Absatzboom überrumpelte Radindustrie so schnell nachbessern kann…? Freunde der CO² Ausstoß-Kontoführung dürften von diesem Modell jedenfalls begeistert sein.
#1 J. Ellenberg . 07.07.08 . 22:32 Uhr
Würde genre auch mehr mit dem Fahrrad durch unsere schöne Stadt fahren,.. nur leider ist meines dreister Weise aus dem Hinterhof geklaut worden.
Mein Fazit: Fahrradfahren gerne. Nur unbeaufsichtigt stehen lassen, nein danke.
#2 Mythen in Tüten . 08.07.08 . 11:27 Uhr
Ich nutze bereits regelmäßig das Angebot der Bahn und bin damit recht zufrieden. Nachteil sind natürlich die Steigungen und das Wetter. Ab Oktober sind die Leute (mich eingeschlossen) nur schwer auf das Rad zu bekommen. Generell wäre es natürlich eine prima Sache, da der Stuttgarter Autoverkehr regelmäßig kollabiert.
#3 Exilostfriese . 08.07.08 . 13:22 Uhr
Eigentlich kann man hier im Sommer schlechter fahren, weil man so schwitzt. Einmal weil es oft sehr warm ist und kein Lüftchen weht und dann natürlich wegen der Hügel hier.
Im Winter ist das weniger das Problem.
Im Moment ärgert mich vor allem, dass so viele Glasscherben herumliegen.
Was war eigentlich los am Wochenende?
Was ist eigentlich so toll am Flaschen kaputt werfen?
Wer meint, dass das Glück bringt, soll das bitte in seiner Wohnung machen, und selber in die Scherben treten.
Gewisse Autofahrer dürfen dann ruhig auch mal ein wenig mehr Abstand halten. Vor allem wenn kein Gegenverkehr vorhanden ist. Da ist es unnötig wie ein Kropf auch noch Radfahrer zu gefährden. Der hat nämlich auch gerne etwas Platz um Schlaglöchern, Scherben oder anderem Unrat auszuweichen. Aber klar der Autofahrer muß natürlich den Radfahrer ein wenig ärgern oder einschüchtern, sonst fährt der demnächst auch weiterhin auf der Strasse und nicht über irgendwelche Feld- oder Waldwege.
Wer mal in Italien oder Spanien Rad gefahren ist, der weiß wie ein vernünftiger Umgang aussehen kann. Wenn da einer in bedrängender weise rumhupt ist das zu 90% ein deutscher Urlauber.
Noch eine Ergänzung:
Wenn bis 2012 der Radverkehr in Stuttgart nahezu verdreifacht werden soll, muß ja jetzt einiges passieren. Bin da mal echt gespannt.
#4 Ralph . 08.07.08 . 18:33 Uhr
Es ist ja löblich, dass sich unser OB durch Fahrräder - und seien es Elektroräder - europaweit Meriten erwerben will. Man könnte natürlich viel unspektakulärer beginnen, und einfach mal die Straßenbaumeister beim Neubau von Kreuzungen anweisen, an Fahrradüberwege zu denken. Die Kreuzung Pischekstr./Gänsheidestr. im Osten ist so ein Beispiel. Mit dem Ausbau der U15 niegelnagelneu konzipiert - und nun für Radler, die durch den Wald von Degerloch über diese eigentlich tolle Strecke zum Charlottenplatz wollen, nicht mehr ohne abzusteigen und über 4 Fußgängerampeln zu schieben passierbar. Auch ein E-Bike würde da nix helfen.
Nicht dass in den letzten Jahren nix passiert wäre. Aber es ist schon ganz deutlich: Wenn’s drauf ankommt, haben in Stuttgart die Autos die Vorfahrt. “Callbikes” und “Pedelecs” sind publicityträchtige Projekte, gut für die PR, aber bevor sie sich wirklich auswirken können, müsste dem Radverkehr bei der Stadtplanung eine ganz andere Priorität eingeräumt werden.
#5 Wegschaffel . 08.07.08 . 22:34 Uhr
Solange Epo nicht bei Aldi im Regal steht, wird Stuttgart keine Radelstadt. Wir hocken nunmal im Kessel und wer sich hier regelmässig per Radel bewegen will, braucht Ambitionen und Wadeln XXL. Wer hat die hier schon? Da kann die Stadt nix für. Und da nützen auch diese lächerlichen Hybridbikes und das PR-Gestrampel unseres OB nichts. Oder was meinen Sie, Paul, als Eddy Merckx der Stadtvermarktung?
#6 Paul-geht-baden . 10.07.08 . 01:39 Uhr
Gruß, lieber Wegschaffel, kann gerade nicht (und muss noch über Eddy Merckx - kursiv - nachdenken; wenn ich wieder denken kann). Außerdem darf ich sowieso nichts darüber sagen, wofür diese Elektrorad-Geschichte die Tarnung ist. Aber wenn Sie den nächsten Paul_geht_baden-Beitrag mit dem 747-Code entschlüsseln (jeden 7. Buchstaben durch den 4. ersetzen und…; ach, als alter Enigmatiker wissen Sie sicher wie das geht)… [In einem Beitrag habe ich mal durch locker über den Text verteilte gefettete einzelne Buchstaben eine {nichtige, zugegeben} Botschaft versteckt, aber die Fettung ist so geringfügig, das man das mit unbewaffnetem Auge kaum entdecken kann. Und es hat natürlich auch niemand was bemerkt.] Mehr kann ich wirklich nicht sagen. Hoffe es geht Ihnen gut und Sie sind noch so in Form wie letztes Jahr. Sie haben diesmal gar nicht vom Stuttgarter Zeitungslauf berichtet. Bedeutet das was?
#7 Wegschaffel . 10.07.08 . 09:13 Uhr
Mal schauen, Paul, ob ich mit Ihrem Gedächtnisspeicher mithalten kann … Bei den fetten Buchstaben gings ums Geld, irgendwie?! Mir gehts gut, vielen Dank. Und der Nichtbericht zum StZ-Lauf bedeutet schlicht, dass ich dieses Mal nicht mitgerollt bin. Die Dynamik meiner Altherren-Gruppe reichte nicht zu einer Anmeldung. Über die wahren Gründe kann ich hier leider nicht sprechen. Freue mich, wieder von Ihnen zu hören.
#8 Paul-geht-baden . 10.07.08 . 10:56 Uhr
Mein lieber Schwan! Asche auf mein Haupt.
#9 Frau Doktor . 10.07.08 . 18:04 Uhr
Zurück zum Thema: Mir war ja theoretisch schon klar, dass Stuttgart für Fahrradfahrer eine Zumutung ist - und das nicht primär wegen der an San Francisco gemahnenden Geographie, sondern wegen der nicht-vorhandenen Fahrradwege. Jetzt, bei meinem Comeback im Sattel meines edlen Drahtrosses, merke ich auch ganz praktisch, wie absolut unbefriedigend hier die Situation ist - sogar auf den als Radweg ausgeschilderten Strecken, am Neckar zum Beispiel. Da hat’s die Esslingerin aber besser. Motor City Stuttgart, alles, was beim sich bewegen keinen Dreck macht, kann ja nix Gescheites sein.
#10 Wegschaffel . 11.07.08 . 08:38 Uhr
Ich hab gestern mal wieder versucht vom Ostendplatz in meinen Seniorensportclub in der Christophstrasse zu radeln. Die Radwegeführung ist extrem umständlich und teilweise echt gefährlich. Spass macht das nicht. Mal ganz abgesehen von der Hitze gestern.