Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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01 07.10

Bilder lügen nicht. 4: Der Nesenbach

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 21:58 Uhr

Der NesenbachDer Nesenbach, als er noch wild durch die Stadt schäumen durfte. 1974 hat OB Arnulf Klett kurz vor seinem Tod (er starb am 14. August 1974) die allgemeine Euphorisierung durch die Fußball-WM im eigenen Land und die daraus resultierende Unfähigkeit zu Kritik und Widerspruch entschlossen genutzt und Fakten geschaffen. Als wir Weltmeister waren, war der Fluss aus dem Stadtbild verschwunden. Nur von unten kann man ihn jetzt noch gurgeln hören – wenn man die richtige Stelle kennt. Wie man sieht, war damals auch die Reliefenergie in der Stadt noch eine ganz andere.

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10 Kommentare zu Bilder lügen nicht. 4: Der Nesenbach

#1 südpol . 04.07.10 . 15:48 Uhr

Ich meine mal gehört zu haben, dass er noch unterirdisch zu hören noch in der “Nesenbachstraße” (jawohl) ist? Sehr schade, ich hätte gern ein rauschenden Bach durch Stuttgart… Vielleicht bekommen wir den ja nach einem evtl. WM Sieg wieder???
Ich wäre mehr als dafür!!! Wasser braucht die Stadt!

#2 Paul-geht-baden . 05.07.10 . 22:08 Uhr

Sehr schade, ich hätte gern ein rauschenden Bach durch Stuttgart… Vielleicht bekommen wir den ja nach einem evtl. WM Sieg wieder???

Sie verstehen einen Text sehr schön gegen den Strich zu lesen, mein LIeber.

#3 Frau Doktor . 06.07.10 . 19:08 Uhr

Viel mehr als das Verschwinden des Nesenbachs bekümmert mich ja der Abriss des architektonischen Kleinodes, auf dessen Kuppeln man in ihrem Bild noch einen Blick erhaschen kann? Ist dies das sagenumwobene Lusthaus, dessen deplorablen Reste wir im mittleren Schloßpark beweinen müssen? Neugierige Leser wüssten gerne mehr!

#4 Paul-geht-baden . 07.07.10 . 01:31 Uhr

In Eile jetzt nur so viel: Nein, es ist nicht das sagenumwobene Lusthaus, sondern das im Volksmund so genannte “Lügenhaus”. Unbegreiflich eigentlich, dass der Dehio es nicht führt. Wir hoffen, dass wir Ihre Frage später detaillierter beantworten können (unsere Konfidentin im Stadtarchiv, eine Expertin für das verschwundene Stuttgart, macht gerade Urlaub).

#5 Wegschaffel . 08.07.10 . 17:15 Uhr

Eine schöne Geschichte haben Sie da ausgegraben, aber sie ist nicht ganz vollständig, wenn ich das anmerken darf. Der Klett (30 Jahre OB in Stuttgart!) hat den nahen Tod spürend nicht nur den Nesenbach tiefergelegt, sondern Teile seines geliebten Städtles überdeckelt und damit konserviert. Inklusive dem hier in Ansätzen sichtbaren Relief. So quirlt tief drunten neben dem Bach auch das 70er-Jahre-Leben weiter. Die Maultaschen geschmälzt kosten dort noch 3 Mark 20, das Hofbräu 2,10 und die Schlaghosen flattern dazu lustig im Abwind des rauschenden Bächles. Gar nicht so selten kommen ein paar Untote aus der Klett-Welt nach oben und mischen sich unter das Publikum in der Theo (man erkennt sie nur mit geschultem Auge - oder aber am Patchouli-Geruch ). Und Ihr, die ihr diese Deckelgeschichte mal wieder nicht glaubt, schaut Euch doch einfach mal um. Dass Arnulf Klett eine besondere Beziehung zur Unterwelt hat kann man heute noch in der Klett-Passage die unterirdisch den Hauptbahnhof mit der Stadt verbindet sehen. Die Deckelung der B14 ist zwar aktuell nicht mehr aktuell aber sobald die Kohle wieder fließt kommt auch dieser Deckel wieder aufs Tapet. Und, ja , den jüngsten Stuttgart-Deckel kennen wir nun alle zur Genüge. Geschichte wiederholt sich eben doch. Und Bilder lügen in der Tat nicht. Zumindest nicht die von Paul.

#6 Paul-geht-baden . 23.07.10 . 12:34 Uhr


#7 Frau Doktor . 23.07.10 . 12:55 Uhr

Wunderbar - und ganz herzlichen Dank, auch an Ihre Informantin. Die Wandilluminationen erinnern mich stark an Mantua. Chronologisch passt da natürlich gar nichts. Aber vielleicht in einer besseren Welt war Ihr Lügenhaus vielleicht der Sehnsuchtsort von Barbara Gonzaga, die von einer emotionslosen Familienpolitik in die württembergische Wüstenei verheiratet wurde.

#8 Paul-geht-baden . 23.07.10 . 14:27 Uhr

Die Wandilluminationen erinnern mich stark an Mantua.

Ja, aber morderner, viel moderner. Oder täusche ich mich? Und was die Gonzaga angeht: Sie hat sich offenbar nicht nur in Träumen und Sehnsüchten verloren, sondern das Exil zu einem Stück Heimat umgestaltet. Das südliche Flair unser Stadt, die Heiterkeit seiner Bewohner: das verdanken wir, zum Teil mindestens, wohl ihr. Ja, Herr Wegschaffel hat, wie fast immer, recht: Die Vergangenheit lebt (und die Zukunft ist nur ein Versprechen, von dem man nicht weiß, ob es gehalten wird).

#9 Wegschaffel . 23.07.10 . 22:18 Uhr

Mensch PgB, wo Sie das

südliche Flair

der Stadt ansprechen: Wollten wir nicht mal wieder? Heiter? Sehnsuchtsvoll? Durstend? Und überhaupt?

#10 Paul-geht-baden . 24.07.10 . 18:11 Uhr

Narrenumschwirrt? Bitte verfügen Sie über uns.

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