Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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10 11.09

Bilder lügen nicht. 3: Schirm und Schutz

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 17:18 Uhr

Ausgewilderter Schirm
Es ist eine schöne Stuttgarter Tradition, an Tagen, wenn sich der Himmel verdunkelt, überall in der Stadt Schirme auszulegen, aufgespannt und bevorzugt in leuchtenden Farben: sie sollen ja weithin sichtbar sein. Damit bezeugen die Bewohner der Stadt nicht nur ihren bekannten Gemeinsinn, sondern auch Sympathie für eine hier weit verbreitete Geistes- und Lebenshaltung, die man vielleicht als fröhliche (oder meinetwegen auch: naive) Sorglosigkeit bezeichnen kann, oder besser noch als: Nicht-Vorsorge (eine Art Ablehnung der Zukunft [die am Ende dann aber doch kommt]). Aufgenommen ist unser Lichtbild heute morgen an der Haldenrainstraße in Rot, gar nicht weit entfernt vom Wetteramt, wo das Stuttgarter Wetter den letzten Schliff erhält. Glücklicherweise gehen unsere Aktiv-Meteorologen dabei nicht so plump vor wie neulich die Kollegen in Peking; sonst würden die ausgewilderten Schirme auch nicht viel helfen.

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4 Kommentare zu Bilder lügen nicht. 3: Schirm und Schutz

#1 Wegschaffel . 11.11.09 . 10:28 Uhr

Schön, dass Sie mit Ihrem farbenfrohen Beitrag dazu beitragen, die altwürttembergische Tradition der Schirmauswilderung zu beleben. Ich habe dies zum Anlass genommen, meinem guten alten “Knubo” (ja so heisst er halt) die Freiheit wieder zu geben. Knubo ist etwa 13 Jahre alt, war mal hellgrün und trollte sich kurz nachdem ich ihn in der Bebelstrasse frei liess Richtung Herdweg. Er klemmt beim öffnen gerne den Zeigefinger, hat aber ansonsten ein sonniges Wesen. Ciao Knubo.

#2 Paul-geht-baden . 12.11.09 . 02:04 Uhr

Bebelstraße, Richtung Herdweg? Dürfen wir das mit einigem Recht merkwürdig finden? Oder ist der Herdweg, von der Bebelstraße aus gesehen über ein ganzes halbes Stadtviertel hinweg, durch persönliche Erinnerung eine Art Flucht- oder Orientierungspunkt auf Ihrem Gefühlsstadtplan? Gibt es für Sie einen Herdweg-Pol, an dem Sie sich orientieren, wo immer in der Stadt Sie sich gerade befinden? Oder ist Ihre Formulierung nur Ausdruck einer der launenhaften Blüten, die die innere Topographie ständig hervorbringt? (Gerade träume ich mich in einen Spaziergang mit Ihnen quer durch die Stadt hinein, und Sie erzählen, was Sie einmal bei dieser Hausecke gedacht, bei jenem Kantstein empfunden und über die Baumgruppe dort drüben bei einer bestimmten Gelegenheit gesagt haben, Dinge, die niemand sonst hören will, niemand sich anhört, niemand außer mir, Ihr teilnehmender und bedürfnisloser Begleiter, der so schön versteht, die Klappe zu halten. Sprich, Erinnerung, sprich, und die ganze Stadt verwandelt sich in eine Art biographisches Märchen… He! Aufgepasst! Jetzt wären Sie beinahe vor die Straßenbahn gelaufen, mein Bester!)

#3 Wegschaffel . 12.11.09 . 16:12 Uhr

Eiverbibsch, da hat mir die Rührung ob Knubos Abschied wohl ein wenig zu viel Tränenflüssigkeit in mein topologisches System gepumpt. Klar, dass Sie alter Stadtausloter mich hier gleich am Kanthaken haben. Bebelstraße Richtung Herdweg, höhö, so ein Quatsch, es war natürlich andersrum.

#4 Paul-geht-baden . 13.11.09 . 01:00 Uhr

Ah, ja dann. Fällt Ihnen also schwer, sich vom Konzept des besitzbasierten ambulanten Regenschutzes zu lösen (wenn Sie den Dingern sogar Kosenamen geben, und Tränen verdrücken). Womit schon mal feststeht, dass Sie kein ca. zwanzig Jahre junger Türkschwabe sind - vorausgesetzt, ich kombiniere richtig. Schade eigentlich.

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