Von Rote Socke
Vermischtes . 14:13 Uhr
Am Freitag, den 30. Juli fand in der Stuttgarter Innenstadt ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr statt. Ein breites Bündnis aus linken und revolutionären Gruppen, der Friedensbewegung und Gewerkschaften rief zu Protesten auf.
Bereits im Vorfeld fanden einige Aktivitäten statt, um deutlich zu machen, dass das militaristische Spektakel nicht erwünscht ist. U.a. gab es eine Kundgebungen mit Infotisch, eine Besetzung der Kirche, in der im Rahmen des Gelöbnisses der Gottesdienst abgehalten wurde, sowie einen Flashmob mit Agit-Prop Aktion. Selbst in den bürgerlichen Medien überwogen die Berichte über die Proteste im Vorfeld und nicht das Gelöbnis. Bei einer Online-Umfrage der Stuttgarter Zeitung sprachen sich gar fast 60 Prozent gegen ein öffentliches Gelöbnis in Stuttgart aus.
Das Ordnungsamt tat im Vorfeld das seinige um die Proteste zu erschweren. Mehreren AktivistInnen wurde die Anmeldung von Kundgebungen verboten und durchweg schikanöse Auflagen erlassen, etwa eine Höchstlänge für Transparente von 3 Metern.
Am Freitag war dann ab dem frühen Morgen ein enormer logistischer Aufwand angesagt, um das Gelöbnis möglichst reibungslos stattfinden zu lassen und die angekündigten Blockaden zu verhindern. Die Innenstadt glich noch vor Beginn der Kundgebungen um 8 Uhr einer Stadt im Belagerungszustand. Hunderte Polizisten standen in Bereitschaft, hunderte weitere kamen bis zum Mittag noch dazu. Mehrere Kilometer Absperrgitter waren bereits aufgestellt oder standen bereit. Die Rekruten, sowie Feldjäger und geladene Besucher wurden frühzeitig in die Stadt eskortiert. Die vor 11 Uhr leider noch recht mager besuchten Kundgebungsorte in der Innenstadt wurden praktisch abgeschirmt.
Mittags gelang es dann einer größeren Zahl KriegsgegnerInnen in Form einer Spontandemo zum Schlossplatz zu gelangen und sich vor der Kirche, in der später der Gelöbnis-Gottesdienst stattfinden sollte, zu versammeln. Im weiteren Verlauf gab es zunächst den Versuch in die Kirche zu kommen und anschließend, nachdem die Gruppe auf bis zu 300 Menschen angewachsen war, eine Sitzblockade direkt davor. Es kam zu Rangeleien mit BFE-Einheiten, mehreren Verletzten und der Festnahmen von etwa 60 Menschen die sich an der Sitzblockade beteiligten. Der andere Teil der Ansammlung wurde abgedrängt und die Königstraße zeitweise komplett gesperrt.
Ab dem Mittag wuchs die Zahl der Protestierenden Menschen rings um den Schlossplatz zeitweise dennoch auf bis zu 1000 Menschen an. Die Proteste mit Parolen und Pfeiffkonzerten waren unüberhörbar. Aufgrund der großen Polizeipräsenz und der rigorosen Absperrung des Schlossplatzes gelang es jedoch nicht, das Gelöbnis noch mehr einzuschränken.
Am Nachmittag, als die Proteste langsam abbröckelten führten etwa 80 AktivistInnen noch eine Demonstration mit Bengalos und Parolen in der Innenstadt durch und gaben den Aktivitäten damit einen offensiven Abschluss.
Berichten und Polizeimeldungen zufolge kam es im Verlauf des Tages außerdem zu mehreren militanten Aktionen, so wurden auf Anfahrtswegen der Bundeswehr Barrikaden errichtet, Bundeswehrtransporter attackiert und ein CDU-Büro mit Farbe angegriffen.
Im Lauf des Tages wurden 77 Menschen festgenommen, darunter eine Sambaband. Am Abend wurden sie nach und nach entlassen.
#1 nick . 01.08.10 . 09:22 Uhr
Um ca. 16 Uhr hätte man meinen können, es gebe mehr Polizisten als Zivilisten in der Stadt. Nicht nur auf dem Schlossplatz, sondern überall. Das nenne ich Gelöbnis, wenn man eine ganze Stadt verbarrikadieren muss, weil es einfach zu viel Widerstand gibt.
#2 Philgrooves . 01.08.10 . 16:16 Uhr
Ich sehe schon wie beim nächsten Hochwasser alle plötzlich ganz froh sind, dass es die Bundeswehr gibt.
#3 Rote Socke . 02.08.10 . 01:33 Uhr
@ Philgrooves
Ich sehe schon wie beim nächsten Hochwasser alle plötzlich ganz froh sind, dass es die Bundeswehr gibt.
Nicht wenn man das Geld anstatt in die Bundeswehr ins THW stecken würde… Oder noch besser: in den Dammbau.
#4 Peter . 02.08.10 . 12:58 Uhr
Na herzlichen Glückwunsch…
Die Kosten für Polizei und die Absperrgitter lassen wir ausser acht.
Hättet IHR still in eueren Kellern demonstriert, wären keine Kosten aufgelaufen und vorallem….wäre kein Medieninteresse vorhanden gewesen und kaum einer hätte etwas vom Gelöbnis mitbekommen.
Dank EUCH war es jetzt jedoch auch im Fernsehn…gratuliere!
#5 Rote Socke . 04.08.10 . 19:17 Uhr
@ Peter
Genau, es ist Sinn und Zweck von Demonstrationen dass niemand etwas davon mitbekommt. Danke für die Aufklärung!
Hätte das Militär das Gelöbnis in einer Kaserne abgehalten müsste man garnicht über die Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen diskutieren.
#6 nick . 05.08.10 . 13:51 Uhr
Ich finde übrigens auch, dass diese ganzen Demonstrationen nur viel zu viel kosten. Wenn diese S21-Gegner schon die hohen Kosten bemängeln, sollen sie wenigstens zuhause bleiben und darauf verzichten, ihre Meinung auf der Straße zu vertreten. Das kostet dann nämlich umso mehr. Überhaupt kostet die Demokratie mit diesen ganzen Meinungsplattformen viel zu viel. Wahlen? Nur Kosten und Umweltverschmutzung. Einfach abschaffen!
#7 MCBuhl . 11.08.10 . 15:03 Uhr
Die Bundeswehr hat in der Innenstadt nix verloren. Oder ist der Verteidigungsfall ausgerufen, der Bundestag tagt nicht mehr und das Kriegskabinett regiert allein?
Da das nicht der Fall ist, ist die Anwesenheit der Bundeswehr in der Innenstadt eine Verletzung der Verfassung! Insbesondere, dass Feldjäger einen öffentlichen Platz abschranken und bewachen ist illegal. Diese Illegalität wurde von der Polizei sogar noch beschützt und verteidigt.
Ich finde schon, dass Medien über einen Verfassungsbruch berichten sollten.