Von Der Flaneur
Vermischtes . 21:13 Uhr

Die Alarmkette der Parkschützer meldet das Anrücken der Abrissbagger.
#1 zmeu . 31.07.10 . 10:58 Uhr
Später Freitagabend, einige tausend Menschen ziehen durch die Straßen, besetzen mehrere große Kreuzungen, später werden die Polizeiknüppel gezückt und eingesetzt, Menschen werden verhaftet, Wasserwerfer rücken an. Wo sind wir?
a) Berlin
b) Hamburg
c) Stuttgart
Richtig ist c). Nach einer schwarzen Woche für Stuttgart 21, in der massive Mängel an der Planung bekannt wurden und die Kosten für die Neubaustrecke nach Ulm um “überschaubare” 865 Millionen Euro stiegen, will man die angebliche Unumkehrbarkeit demonstrieren: Freitag abends um halb neun fahren Abrissbagger und Arbeiter vor dem Hbf vor, um den Abriss des Nordflügels vorzubereiten.
Innerhalb von zwei Stunden sammeln sich einige tausend Bürger und schlagen Alarm. Denn:
* S21 hat schon jetzt für großes, nicht behebbares Chaos im S-Bahn-Verkehr gesorgt (”Fehleinschätzung” der Planer),
* hinkt schon jetzt dem Zeitplan hinterher, weil eine wichtige Ausschreibung geplatzt ist,
* muss plötzlich planerisch verbessert werden (”falls das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt”), weil eine brisante, geheimgehaltene Schwachstellen-Studie aufgetaucht ist,
* es läuft noch eine Urheberrechtsklage gegen die DB AG bzgl. des Hauptbahnhofes,
* zehntausende Bürger Stuttgarts entfernen sich vom Vertrauen in ihre Volksvertreter, die weder Stimmungen in der Bevölkerung wahrnehmen können, noch auf Änderungen der Gegebenheiten in den letzten 15 Jahren hören,
und trotzdem will man, in der Stille der Sommerferien, den Nordflügel abreißen.
#2 Plasier . 31.07.10 . 13:56 Uhr
…mehrere tausend Menschen… Polizeiknüppel…Wasserwerfer…????
Das stimmt so aber nicht…
#3 Rote Socke . 31.07.10 . 14:03 Uhr
@ Plasier
Mehrere tausend Menschen und Polizeiknüppel stimmt schon, selbst gesehen. Wenn mans selbst gesehen hat kann man über den Polizeibericht nur noch schmunzeln (aufregen tu zumindest ich mich schon lang nichtmehr drüber). Aber vielleicht haben die bei der Anzahl der Demonstranten auch einfach ne Null vergessen, käme der Wahrheit jedenfalls näher. Wasserwerfer hab ich keine gesehen, kann mir aber gut vorstellen das sie in irgendeiner Seitenstraße zumindest in Bereitschaft standen bzw. nen Wasserwerfer praktisch direkt vom Gelöbniss zum Bahnhof fahren lassen haben, würd ja polizeilich Sinn machen.
#4 Plasier . 31.07.10 . 15:32 Uhr
Das mag ja sein, jedoch stelle ich mir die Frage, was mit der Form des Protestes gestern Nacht erreicht werden will.
Soll doch jeder demonstrieren…das ist gut und auch sehr wichtig. Jedoch unzählige Kreuzungen zu blockieren und dadurch die anderen Verkehrsteilnehmer zu nötigen, ist vermutlich nicht das richtige Mittel um auf sich und seine Anliegen aufmerksam zu machen.
Ich habe gestern einige Autofahrer gesehen, die die Demonstraten nicht nur verbal angegriffen hatten. So kann man von seiner Sache niemand überzeugen, vielmehr werden diese Leute durch diese Form des Protests abgeschreckt.
Demonstrationen ja, aber nicht um jeden Preis!
#5 zmeu . 31.07.10 . 17:36 Uhr
jedoch stelle ich mir die Frage, was mit der Form des Protestes gestern Nacht erreicht werden will.
Gestern war ganz sicher nicht das Ziel, irgendjemanden zu überzeugen. Gestern haben sich, so sehe ich das, Emotionen entladen - zu Recht. Viele Menschen, die sich mit S21 auseinandersetzen, sehen in den Parlamenten Abnicker, die keine Antworten auf Fragen geben können, weil diese keine Ahnung haben, was da eigentlich im Detail beschlossen wurde (oder, weil ihnen entsprechende Informationen nicht vorlagen). Und, was es am schlimmsten macht, die Haltung, bloß nicht einzusehen, dass sich seit den ersten Beschlüssen von 1995 einige Fakten und Gegebenheiten sowas von geändert haben.
#6 Paul-geht-baden . 31.07.10 . 18:36 Uhr
__Plasier. Hab gestern Abend im Keller demonstriert. War sonst keiner da, hab also auch keinen gestört & niemanden gegen die Sache aufgebracht. Ganz großer Erfolg.
#7 Plasier . 31.07.10 . 23:09 Uhr
@Paul-Geht-Baden
Was wollen sie mit ihrer Aussage erreichen? Seien Sie offensiv. Reden Sie mit!