Oder doch besser “Werbung”?
Sicherlich bin ich nicht der Einzige, dem die kleinen Plakate mit den Bibelsprüchen in den hiesigen S-Bahnen schon aufgefallen sind. Für die Masse sprechen kann ich nicht, aber ich bekomme jedes Mal, wenn ich eins dieser Plakate sehe, ein flaues Gefühl im Magen. Und das nicht weil mir plötzlich die Mutter Gottes erscheint.#
Tagtäglich wird in ganz Deutschland und Europa über die bösen Muslime und ihren Hang zum religiösen Fanatismus geschimpft. In Deutschland sei man ja viel offener. Grundsätzlich ist man das ja auch. Jedoch habe ich noch in keiner anderen Großstadt Bibelsprüche in öffentlichen Verkehrsmitteln entdecken können. Nur in Stuttgart. Was soll der Unfug?
#1 kavaliersschmerz . 01.06.07 . 15:56 Uhr
Jedoch habe ich noch in keiner anderen Großstadt Bibelsprüche in öffentlichen Verkehrsmitteln entdecken können.
So so. Und in welchen anderen Großstädten warst du schon?
Böse Muslime - Fanatismus - Bibelsprüche in öffentlichen Verkehrmitteln (Fanatismus?).
Klingt für mich wie ein BILDzeitungs-Gedankengang.
#2 Der MfG . 01.06.07 . 16:06 Uhr
Warum das flaue Gefühl im Magen - ich gehöre zu den Menschen die das gut finden.
#3 Julian . 01.06.07 . 16:38 Uhr
@#1 - Reichen dir München, Berlin, Bochum, Karlsruhe, Dortmund, Ingolstadt,und Gelsenkirchen? Sicher, das hat alles mit Fanatismus nichts zu tun, zeigt mir jedoch die Mentalität der Menschen in dieser Region.
@#2 - Und weshalb? Ich finde es äußerst unpassend. Glaube und Religion sind, meiner Meinung nach, private und zum Teil auch recht intime Angelegenheiten. Ich kann und will es nicht begrüßen in der Öffentlichkeit mit Religion zugeballert zu werden. Ob es der Bibelspruch in der S-Bahn ist, oder der geläuterte Volltrottel in der Fußgängerzone der Passanten anschreit, wie geil Jesus doch sei.
#4 muzz . 01.06.07 . 16:45 Uhr
Das ist das Problem in einer freien Gesellschaft: Man sieht auch Dinge, die man nicht mag.
#5 kavaliersschmerz . 01.06.07 . 16:56 Uhr
@#3:
Durch München und Berlin hättest Du entweder aufmerksamer oder zu einer anderen Zeit nochmal fahren sollen. In diesen Städten hab ich lange genug gelebt, um die “Propagandazitate” auswendig zu lernen…
#6 12 . 01.06.07 . 18:20 Uhr
Julian, was machen Sie denn nur wenn Sie eine Kirche sehen?
Versuchen Sie einfach nicht so dünnhäutig zu sein, die deutsche Kultur beinhaltet nunmal einen gehörigen Teil an Religion. Religion und die Kirche sind möglicherweise auch wichtiger als Sie dies bislang erkannt haben. Menschen in Armut, Menschen die Zuspruch und Sinn suchen, stark gestresste Manager die Businesssünden bewältigen wollen oder nur Ausgleich suchen.. Eine endlose Liste. Aber darum geht es nicht.
Nehmen Sie die Plakate zur Kenntnis, ob Sie mitmachen oder in stiller Treue an Gott glauben oder nicht: Es bleibt Ihre Entscheidung!
Ich gratuliere.
#7 Alex . 01.06.07 . 20:29 Uhr
Wie #12 schon sagt (ist die 12 eigentlich irgendeine Anspielung auf ihren Glauben?) bleibt es einem ja überlassen, diese Schilder zu ignorieren, ist ja nicht so, als ob sie einem direkt vor die Nase gehalten würden. Jedenfalls lassen die sich einfacher ignorieren, als das Glockgebimmel am Sonntag Morgen und das Tanz- und Musikverbot am Karfreitag, was meiner Meinung nach echte Belästigungen für uns arme Ungläubige sind.
#8 Case . 01.06.07 . 21:08 Uhr
@Julian: Ich halte davon auch nichts, aber sowas wird immer toleriert solange es eine “gute Religion” ist. Wie schnell die Sprüche abgemacht wären wenn sie den Islam beträfen kann man sich ja denken.
#9 Mann² . 01.06.07 . 21:25 Uhr
Wenn jeder seine Werbeplakate überall hinkleben darf, warum dann nicht auch die Christen? Im Zweifelsfall sind mir Zitate aus der Bibel lieber als “Geiz ist Geil” Werbung. Da wirbt endlich mal einer um ein “Produkt” über das ordentlich nachgedacht wurde — Ich muss ja nicht immer damit übereinstimmen.
#10 Henning . 01.06.07 . 22:45 Uhr
Der Kommentar von Mann² bringt mich auf eine Frage: Sind das Werbeflächen der Kirchen oder bringt der VVS von selbst solche Sprüche?
Gegen Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln habe ich erstmal wenig. Schließlich müsste ich sonst vermutlich mehr zahlen (sehe ich übrigens auf Websites sehr ähnlich).
#11 circulus . 02.06.07 . 00:35 Uhr
Ohje Henning, da sagst du ja was. Das erinnert mich an einen Spot aus den Anfangszeiten des Privatfernsehens, in dem überzeichnet dargestellt wurde, welch gutes Programm nicht finanzierbar wäre, wenn es keine Werbung gäbe. Und wo sind wir mittlerweile angekommen? Werbung wohin das Auge reicht - aber: KEIN gutes Programm! Allerorten geht die Qualität (der Inhalte oder der Produkte) den Bach hinunter und die Werbung versucht, alles schönzureden. Man muss mal beobachten, wie verzahnt das System schon in sich selbst ist: Die Fernsehsender machen Plakatwerbung um auf Serien- oder Spielfilm-Highlights hinzuweisen! Warum? Damit möglichst viele Zuschauer die Serie bzw. den Spielfilm UND die dazwischen geschalteten Werbespots sehen! Ich möchte gerne mal wissen, wieviele Millionen für so ein hirnrissiges Werbekarussell ausgegeben werden - statt für die Investition in gute Sendungen und Beiträge. Der Betrag pro gewonnenem Zuschauer dürfte die Leihgebühr des Film in einer Videothek um ein vielfaches übersteigen!
Gottogott - ich bin ja total abgeschweift. Oder paßt die Frage womöglich auch hier: Steht das Werbebudget für kirchliche Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln in einem positiven Verhältnis zu dadurch gewonnenen Gläubigen? Hm. Ich würde sagen ‘ja’. Denn so günstig und so direkt könnte man kaum eine so breite Zielgruppe erreichen. Das dürfte nun auch der Grund sein, warum die Banner (oder Aufkleber) in den Bahnen und Bussen kleben. Das hat sich entweder ein cleverer, wirtschaftlich denkender Marketingstratege ausgedacht - oder die Werbeflächenverkäufer der VVS konnten bei Budgetverwaltern der Kirche punkten - oder es gibt tatsächlich einen ‘Deal’ zwischen beiden Seiten. Nach dem Motto: Unsere Banner sorgen für etwas mehr Ruhe und Ordnung in den Nahverkehrsmitteln, dafür müssen wir nicht die übliche Miete zahlen.
War das genug Anregung für einen weiteren Diskussionsstrang?
#12 BK . 24.06.07 . 18:04 Uhr
Hm, der Beitrag hätte auch von mir sein können. Einerseits ist es natürlich Werbung, die sich die Deutsche Bahn AG bezahlen läßt. Andererseits nimmt das Staatsunternehmen die Trennung von Saat und Kirche anscheinend nicht ernst. Ich könnte mein Azubigehalt darauf verwetten, daß Werbung von Atheisten, Muslimen oder Juden dort nicht akzeptiert werden würde. Obwohl ich mich über “Allah ist groß” oder “Gott ist tot” als Ausgleich sehr freuen würde. Sprüche wie “Wirf dein Anliegen auf den HERRN; der wird dich versorgen” finde ich abartig…