Von Frau Brezel
Leben . 20:56 Uhr
gestern hab ich einen mann kennengelernt. einen mann. einen von den alten. ich hätte es mir ja schon denken können, daß irgendwo eine lade aufgeht aus meiner vergangenheit und einen ausspuckt. ganz klar war es mir anfangs nicht. wie auch.
und es hätte natürlich auch ein anderer sein können. zum beispiel einer aus der vegetarischen liga, so mit makrobiotikquatsch im küchenschrank, reis, erbsen, linsen und japanischen harakirimessern zum rübenschneiden. oder einer von den rechten erfolgreichen. jaguar vor der tür und aldimeola und sade in der anlage und alles ganz leger und aufgeklärt und chic. und nach dem ersten treffen schon dreißig gelbe rosen in einer kiste mit zellophanfenster per fleurop hinterhergeschickt. aubacke. und alle scheiße im bett.
also, nee, es war dann einer von den studierten. damals haben sie das diplompapier mit einem reißnagel über der matratze an die wand gepinnt und munter herumphilosophiert, endlos mit dem studiausweis rabatte eingesackt, einen alten vauwebus oder zweihunderterdiesel vor der tür und irgendwann dann nordafrika durchgejodelt, immer mit der selbstgedrehten im mundwinkel, bis sie dann im kiffgebirge hopsgenommen wurden. drei tage schisse geschoben vor den bösen jungs, doch dann heim und gleich noch was wirklich irres zu erzählen gehabt. ja, und gleichzeitig politologie und landwirtschaft studiert.
also, so einer war´s. na, natürlich schon ein bißchen anders, doch insgeheim war´s mir schon so vertraut, das war wie heimkommen in der eigenen erinnerung.
ich saß da nun gestern in der kneipe, es hätte das schlesinger sein können. da hab ich nun wahrlich genügend nächte abgehangen. und die alte autonomentour ist heut wohl auch nur noch so ein marketingding. dabei hab ich den einen vom alten casino heute im park gesehen beim joggen. und der hatte nun glatt die gleichen turnschuhe an wie die thurman in killbillzwei. unglaublich. woher weiß der nur immer, was now ist? und auf welcher seite man stehen muß?
der gestern nun wie kann ich es sagen? es fühlte sich also an wie heimkommen. flutsch zwei jahrzehnte weg. saß ich also da rum, hat er mich angesprochen. ganz nett eigentlich. eben so natürlich. nicht zu nobel. nicht zu prollig. so dazwischen. ach, also, daß er jetzt doch mal noch was für den kopf tun muß und ob ich den spiegel noch lesen will, der vor mir auf dem tisch liegt. sag ich nee, das intellektuellenklatschblatt geb ich mir heut nicht. er gelacht, schon richtig stolz, daß er eine antwort bekommt. aber eigentlich hat er ganz nett ausgeschaut, schon ein bißchen grau und die falten in den augenwinkeln auch nicht mehr ganz neu. und irgendwie hätt´s auch sogar aus einem ganz früheren leben sein können, so vertraut war dann das gesülze hinein ins gespräch. natürlich durfte ich mir dann von seinem tabak eine drehen. ich wieder das geschwafel von beste dreherin der südpfalz und so und er natürlich gelacht und gesagt, das prüf ich aber nach. und er hat das feuerzeug auf den tisch gelegt. daß ich bloß nicht denke, er nimmt mich nicht ernst.
und dann habe wir uns eben doch lange unterhalten. so am anfang ein bißchen förmlich, unverbindlich. und dann ein bißchen persönlicher.
und was mir am besten gefallen hat: je länger wir da saßen, desto dunkler wurd´s ja. draußen kam der abend über die terrasse. und drinnen haben die lampen über der bar so kleine lichtinseln hingeworfen. und auf einer der inseln saßen wir. und je länger wir uns unterhielten, umso mehr nahm diese insel gestalt an. so wir zwei halt inmitten der welt. und um uns herum der ganze tand. und ganz außenrum wird alles düster und nacht und sackt dann weg. und im inneren des lichts strahlt dieser mensch auf. und sein leben. halt auch so ein versuch, wie man´s eben machen könnte. so ein bemühen, nicht zu scheitern. mit dem, was man sich wünscht für sich selbst und so. und jemand mit dabei, der zuhört und auch was erzählt. zwei, die versuchen, miteinander zu reden. ein abgleich. ein kleiner bericht. irgendwie den schleier runterreißen zwischen sich und der welt. irgendwie durchdringen. irgendwie gehört, gesehen werden.
später sind wir dann heimgegangen. nein, nicht zu ihm oder zu mir. jeder zu sich heim. es war richtig schön so. vielleicht hat er´s ja auch gar nicht so gesehen. weiß ich´s? ist wohl auch egal. habe mich dann aber nochmal rumgedreht und ihm hinterhergeschaut. er lief aber bloß weiter.
#1 Simon . 24.04.06 . 21:46 Uhr
*seufz* - und gespannt warteten sie auf die Fortsetzung …
#2 Martin Hiegl . 24.04.06 . 22:38 Uhr
Nette Story. Doch leider sehr schwer zu lesen … die Groß- und Kleinschreibung ist nicht nur so zum Spaß da. Würd mich freuen, wenn die Fortsetzung mehr Großbuchstaben hätte ;-)
#3 Wegschaffel . 25.04.06 . 07:18 Uhr
Frau Brezel, Frau Brezel. Wenn Sie so weiter machen, krieg ich bald ein Problem mit meinem Cholesterinspiegel.
#4 circulus . 01.05.06 . 12:49 Uhr
ich finde frau brezel sollte in buchform veröffentlichen (z.b. im lautsprecherverlag) … oder tut sie das schon? … ich würds kaufen …
#5 Frau Brezel . 04.05.06 . 19:51 Uhr
Danke für die Blumen! Doch ich glaube, das mit dem Buch tät ich selbst lieber gar nie machen. Da stell ich mir doch lieber gleich ein Päckchen Doppelrahmbutter ins Bücherregal… Lieber Herr Wegschaffel, übrigens: Cholesterin ist nicht das Schlimmste - Wenn Sie so viele Brezeln essen, bekommen Sie irgendwann noch einen üblen Diabetes Typ 2.
#6 JF . 06.08.07 . 17:27 Uhr
Lautsprecherverlag geht leider nicht mehr… aber schon was feinbes so ein stuttgart blog wenn man weiter weg ist…