Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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09 05.06

Alles ausser Hochdeutsch.

Von Mann²
Kultur, Politik, Fundsachen . 14:34 Uhr

Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf den VDS (Verein Deutsche Sprache):

Günther Oettinger, Baden-Württembergs Ministerpräsident (CDU), geht als Favorit für den Preis „Sprachpanscher des Jahres 2006“ ins Rennen. „Englisch wird die Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit; die Sprache, in der man Privates liest“ – mit diesem Satz zur Rolle der Muttersprache habe sich Oettinger die Nominierung verdient, teilte der Verein Deutsche Sprache (VDS) mit. Der Preisträger wird am 31. August bekannt gegeben. dpa

link: www.tagesspiegel.de

Und ich dachte immer, deutsch könnten die Schwaben auch nicht. Zumindest kein Hochdeutsch (siehe: Wir-können-alles-Kampagne). Und das obwohl der Herr Ministerpräsident auf seiner Homepage bekannt gibt:

Ich spiele gerne Tennis und Fußball, wandere gerne in den Bergen und gehe gerne ins Kino, liebe gutes Essen und einen gemütlichen Abend mit interessanten und abwechslungsreichen Gesprächen.

Es bleibt die Frage in welcher Sprache er diese abwechslungsreichen Gespräche führt. Oder besteht die Abwechslung nicht im Thema sondern in der Sprache?

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9 Kommentare zu Alles ausser Hochdeutsch.

#1 Wegschaffel . 09.05.06 . 18:26 Uhr

Oder besteht die Abwechslung nicht im Thema sondern in der Sprache?

Damit könnten Sie - ungewollt - recht haben.

Ich hege keine überproportionalen Sympathien für den Herrn und kenne den Zusammenhang dieses Zitat-Schnipsels nicht, aber dass englisch in vielen Berufen zumindest zur Zweitsprache wird, ist einfach Fakt. Like it or not.

#2 isnochys . 10.05.06 . 10:30 Uhr

Hmm.was wird dann aus den ganzen Deutschlehrern? müssen die im Unterricht ab sofort auch Englisch reden?
;)

#3 kesselblick . 10.05.06 . 12:14 Uhr

Ich habe den Interview-Schnipsel gesehen - war eine ganz nette TV-Sendung über die denglische Sprachverhunzung. Mit klasse Beispielen z.B. aus dem Hause BOSCH, wo sie gerade das gesamte Unternehmen auf englische Abteilungsnamen umstellen. Da soll dann der Gesamtbetriebsrat (GBR) zum Workers Council (WC) werden - die wehren sich! Klar, die Unternehmen müssen sich auch sprachlich “gloablisieren”, aber dass in der Arbeiswelt nur noch Englisch gesprochen werden soll - das ist doch absurd. Bzw. bliebe da noch viel zu tun - mehr als dieses Pidgin-EURO-Englisch können doch die meisten gar nicht - auch in Führungspositionen (Beispiel: Merkel ;-))
Kurzum: Wenn man Oettinger und die Südwest-CDU ernst nimmt, gibts nach deren Wunsch nur noch zwei Sprachen: Englisch und Schwäbisch (wollen sie ja auch fördern) - Hochdeutsch brauchma nedde!

#4 Claudia . 11.05.06 . 11:49 Uhr

Ein immer wieder beliebtes Thema. Auch ich verstehe nicht, wie jemand als Ministerpräsident eines deutschen Bundeslands so etwas sagen kann. In anderen Ländern (Staaten, meine ich) wäre sowas wohl undenkbar. Ich will keineswegs für Nationalismus plädieren, aber was spricht dagegen, als Deutsche(e) deutsch zu sprechen? Den Ausländern bzw. Einwanderern wollen wir es vorschreiben, während wir selbst nur noch Englisch reden? (Abgesehen davon, dass keiner es wirklich beherrscht, wie Kesselblick schon angemerkt hat).

Die Fa. Bosch ist laut Eigenaussage in 140 Ländern aktiv und darf so international sein, wie sie will, aber schon bei der Bezeichnung der Geschäftsbereiche können sie sich nicht entscheiden. Im Unternehmensbereich Automobiltechnik gibt es zum Beispiel die Geschäftsbereiche Benzinsysteme, Dieselsysteme usw., aber auch Chassis Systems Brakes, Chassis Systems Control und Car Multimedia. Und dass ihre Mitarbeiter plötzlich untereinander nur noch Englisch reden, werden sie sicher auch weder wollen noch durchsetzen können.

Vielleicht sollte die Regierung auch mal in besseren Deutschunterricht für Inländer investieren …

#5 isnochys . 11.05.06 . 11:53 Uhr

Und einen Allgemeinunterricht wieder einführen..
Meine Mitbewohnerin hat es nicht geschafft, den Staatsbürgertest richtig zu beantworten.

#6 Henning . 11.05.06 . 12:15 Uhr

@Isnochys:
Welchen, den hessischen oder den baden-württembergischen? Den aus Hessen bestehe ich auch nicht. Ich glaube, ein sehr hoher Anteil der gebürtigen Deutschen würde den nicht bestehen. Der ist einfach nur dämlich. Wenn man sowas schon macht, sollte es um Dinge gehen, die im Alltag wichtig sind, um sich zu integrieren und nicht irgendwelche Fragen nach deutschen Forschern, was die erfunden haben und sowas.

Und der aus BaWü ist gefährlich, denn da mischt sich der Staat in Dinge ein, die ihn nichts angehen. Ich ja absolut für Gleichberechtigung von Homosexuellen, aber man kann niemandem eine im Kopf vorhandene negative Einstellung ihnen gegenüber verbieten. Der Staat schnüffelt da in der Gesinnung der Bürger rum und die geht ihn nichts an. Es geht dabei ja nicht um irgendwelche Taten oder Tatgedanken, sondern nur um die Einstellung. Aus meiner Sicht ist das verfassungswidrig. Mal ganz abgesehen davon, dass neben dem Papst wohl die halbe CDU ausgebürgert werden müsste.

#7 isnochys . 11.05.06 . 12:44 Uhr

Na, der Papst is doch schon ausgebürgert..und wenn man die halbe CDU rauswerfen würde, wärs auch nich schlimm:)

Aber ich meinte den hessischen. Vieles darin finde ich selbst überzogen. Aber einiges schockiert mich immer wieder, dass z.B. die wenigsten etwas mit dem 18.3.1848 anfangen können.

#8 gianni1971 . 31.05.06 . 13:09 Uhr

Dass in vielen Bereichen der Arbeit Englisch als ZWEITsprache genutzt wird mag richtig sein. Berufsleben bedeutet jedoch auch Bäcker, Metzger, Architekt, Schreiner, Arzt usw. Ich glaube dass es eine ganze Menge Berufe gibt in denen Englisch beim besten Willen keine Rolle spielt.

Trotz meines Nicks bin ich übrigens Schwabe. Ich bin zudem auch einer der in einer Firma arbeitete die - auf Grund ihrer Branchenzugehörigkeit - glaubte, dass man alles auf Englisch schreiben müsste. Aus Vertrieb wurde Sales, man wurde Sales Representative und Manager… komisch nur, dass die Kunden das gar nicht so pricklend fanden… denn IT-Branche sprich Informationstechnologie bedeutet ja noch lange nicht, dass alle Kunden auf Englisch parlieren.

Das Ende vom Lied: Nach zwei Jahren wurden alle internen und mit nationalen Kunden in Kontakt stehenden Abteilungen und Gremien wieder mit deutschen Begriffen versehen.

Ob sich in der Alltagssprache das auch so machen lässt hängt an jedem einzelnen. Ich für meinen Teil bemühe mich die deutschen Begriffe zu benutzen. Und am Besten noch so, dass auch jeder Mitmensch einigermaßen folgen kann, was gesagt wird.

#9 Henning . 31.05.06 . 13:17 Uhr

Ich für meinen Teil bemühe mich die deutschen Begriffe zu benutzen. Und am Besten noch so, dass auch jeder Mitmensch einigermaßen folgen kann, was gesagt wird.

Das ist der Punkt! Wenn ich jetzt nicht mehr Internet, E-Mail, Login, Blog, Web, Computer und Browser sagen würde, würde die Verständlichkeit eher darunter leiden. Aber man sollte halt nicht anfangen alles nur noch auf englisch zu machen, versteht doch kein Mensch. Warum muss ein Ortsgespräch City Call heißen? Oder haben die das eh wieder geändert? Die Verständlichkeit sollte im Vordergrund stehen, mal ist das ein englischer Begriff und meist eben deutsche. Ich hatte mal einen Informatik-Lehrer, der uns gezwungen hat, alles auf deutsch zu schreiben. Gerade in dem Kontext extrem schwierig bis unmöglich und jedenfalls schwer verständlich und eher was für die Humor-Abteilung.

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