Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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23 02.12

Abstellgleis

Von Paul geht baden
Vermischtes . 14:02 Uhr

Für alle, die beim Thema Stuttgart 21 noch ein offenes Ohr haben - in diesem Fall am besten zwei offene Ohren -, haben wir einen Radiotipp. Heute Abend, von 22:03 bis 23:00 Uhr gibt es auf SWR 2 das Radiofeature “Abstellgleis für alle” von Wilm Hüffer. Die Hörprobe hier klingt interessant. Da dies hier auch weiterhin kein Platz für Veranstaltungstipps und sonstige Ankündigungen sein soll, ergänzen wir diesen Hinweis in den nächsten Tagen mit ein paar Zeilen, in denen wir mitteilen, wie’s war und wie wir’s gefunden haben, das Feature. Wer heute Abend verhindert ist, kann die Sendung mit dem dradio-Recorder auch aufnehmen, Informationen dazu hier. Und ab dem 26.2. gibt es “Abstellgleis für alle” auch als Podcast. Wegen des Themas, das im Blog ja eine Art Kernschmelze ausgelöst hat, noch ein Hinweis: Kommentare, die nicht geeignet sind, den Frieden in der Welt und die Bildung und Wohlfahrt der Völker zu fördern, werden umgehend gelöscht. Also vor dem Kommentieren eventuell Beruhigungsmittel einnehmen, Freunde.

24.2.2012. Und hier also, wie angekündigt, unser kurzer Bericht, der Ihnen vielleicht Lust macht, sich die Sendung selber noch anzuhören:
Erzählerstimme und Interviewschnipsel (von Stuttgart 21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich und seinem Vorgänger Wolfgang Drexler, von Bahnexperte Michael Holzhey und anderen), dazwischen jeweils kurz Musik und/oder Bahngeräusche. Dazwischen auch, in kleinen Häppchen, eine Art Minihörspiel mit zwei Jungs, die sich beim Eisenbahnspielen streiten. In welcher Weise diese Hörbilder aus der kleinen Welt des Kinderzimmers die Auseinandersetzung in der großen Welt der Politik spiegeln sollten, hat sich mir zunächst nicht erschlossen. Aber dazu später noch etwas.
Die Hauptthese, von der das Feature ausgeht: Wenn man die Bedeutung für das nationale und europaweite Schienennetz zugrunde legt, gibt es viel dringlichere Projekte als Stuttgart 21, insbesondere die Rheinschiene. Woraus die Frage abgeleitet wird, warum trotzdem S 21 mit solcher Entschlossenheit vorangetrieben wurde. Diese Frage ist das eigentliche Thema des Radiofeatures. Anfangs war es nicht die Bahn, heißt es, die sich für S 21 ins Zeug gelegt hat, sondern das Land Baden-Württemberg, insbesondere der damalige Ministerpräsident Oettinger. Und warum? Aufwertung der Landeshauptstadt, die als nicht – mein Wort – glamourös genug empfunden wurde, durch ein Prestigeprojekt, letztlich Minderwertigkeitsgefühle. Jedenfalls lokale, regionale Gründe. Und noch etwas Anderes war offenbar enorm wichtig: Die Chance, an Bundesmittel zu kommen. Man muss selbst hören, mit welcher Verve der Projektsprecher (ich weiß nicht mehr, ob es Drexler oder Dietrich war) sagt: „Jetzt sind wir mal dran!“ und im selben Atemzug davon spricht, was Baden-Württemberg ständig in den Länderfinanzausgleich zahle.
Mich hat das an einen Kommentar erinnert, den „Matze“ vor ein paar Jahren (am 2.5.2007) zu unserem Beitrag „Lug und Trug“ geschrieben hat: „doch ist es nicht das lügen selber, welches den Schwaben ausmacht… Es ist eher die Tatsache das man niemand anderem etwas gönnt! Stellt euch das einfach mal vor: Eine Bank bietet euch Folgendes an: Sie bekommen 70.000 € und ihr Nachbar 30.000 € oder Sie bekommen 90.000 € und ihr Nachbar 150.000 €. Für welche Option entscheidet ihr euch? Der Schwabe hat die Antwort sofort parat!“
Um auf die Jungs zurückzukommen, die sich beim Eisenbahn-Spielen streiten. Vielleicht ist das doch ein treffendes Bild für die Triebkräfte, die uns Stuttgart 21 beschert haben. Wie könnte man sie nennen? Rechthaberische Kleinkariertheit?

2 Kommentare zu Abstellgleis

#1 Frau Doktor . 24.02.12 . 19:37 Uhr

Das wurmt mich persönlich am Stärksten: Während uns das mit ähnlichen Selbstwahrnehmungsproblemen geschlagene Wülffchen vergleichsweise schlanke 200.000 Euro pro Jahr bis zu seinem Lebensende kosten wird, kosten uns Herrn Öttingers Persönlichkeitsdefekte knapp 1 Milliarde Euro, konservativ gerechnet. Und vermutlich eine starken Verlust an Lebensqualität sowie an ÖPNV-Infrastruktur.

#2 MC Buhl . 24.02.12 . 22:53 Uhr

Tja, die Bundesmittel sind scheint’s echt die Triebfeder. Hat ja auch dieFrau Gönner immer wieder betont.
In dem Dorf auf den Fildern, in dem ich neuerdings wieder lebe, in dem die ersten “1,5 Milliarden…” Plakate hingen und das im Wahlkreis des Herrn Drexler liegt, wurde mit erstaunlich hoher Wahlbeteiligung von 66% sehr deutlich mit Nein abgestimmt: 63,2%
Hintergrund: wenn der Flughafenfernbahnhof kommt, hat die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen einen Kosten-Nutzen-Faktor von knapp über 1. Nur dann bezuschusst der Bund die S-Bahn-Verlängerung. Nur wenn der Bund etwas dazu tut, wollen Region, Kreis und Kommune bauen — und das obwohl! der politische Wille zum Ringschluss der S-Bahn ins Neckartal quer durch alle Parteien gegeben ist. Motto: wir wollen das, aber wir zahlen’s nur, wenn der Bund einen Anteil zahlt.