Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
25 01.07

Abriss Wirtschaftsministerium

Von circulus
Kultur, Politik . 14:24 Uhr

Am 11.12.2006 brachte die Stuttgarter Zeitung einen detaillierten Bericht über umfangreiche Immobilien-Schachereien, die darauf rauslaufen, dass ein Regierungsviertel auf der Brache des S21-Geländes gebaut werden kann - was ich nebenbei bemerkt völlig unsinnig und überflüssig finde.

Darin war dann auch zu lesen, dass das Gebäude des Wirtschaftsministeriums in der Theodor-Heuss-Straße 4 zugunsten eines 5-Sterne-Hotels abgerissen werden soll. Der aktuelle Zustand des Gebäudes ist zugegebenermaßen nicht sonderlich hübsch. Die tollen Schaukästen im Gehwehbereich harren seit Monaten einer Renovierung. Die Fassade ist allerdings noch prima in Ordnung und ich halte sie für wohltuend gut proportioniert und für eine angenehme Abwechslung im heutigen Stahl-Glas-Einerlei.

Was mich jedoch am meisten stört an der Geschichte: Wie kann ein als Kulturdenkmal ins Denkmalbuch eingetragenes Gebäude einfach verscheuert und abgerissen werden?! Bevor ihr lange sucht, hier der Auszug des Eintrags:

Theodor-Heuss-Straße 4, Flst.Nr. 490/7, Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg 1954-57, Bauabteilung der Oberfinanzdirektion, Glasmosaiken von der Immenhütte, Ausstellungsvitrinen im Erdgeschoß, wichtiges Zeugnis der Architektur der Landesverwaltung in den ersten Nachkriegsjahrzehnten.

Bei meiner Recherche soeben noch gefunden: Eine nette Fototour (Stadtsafari) der Stuttgarter Nachrichten mit knappen Infos zu allen Ministerien - durchaus sehenswert.

Mein Anliegen: Kein Abriss von (Kultur- und Bau-) Denkmälern zugunstem schnöden Kommerz! Brauchen wir denn überhaupt Luxushotels in der Innenstadt oder weitere Einkaufstempel? Und warum kann man den Investoren nicht wenigstens aufs Auge drücken, dass sie die Fassade erhalten müssen?

Kommentieren . Trackback-URL

36 Kommentare zu Abriss Wirtschaftsministerium

#1 Tim aus Hamburg . 25.01.07 . 23:27 Uhr

Wir hatten unser Haus auch neben einer denkmalgeschützten alten Kate (norddeutsche Reetdach-Scheune) gebaut. Das gefiehl dem Eigentümer aber irgendwann nicht mehr so gut, dass man auf dem Grundstück kein neues Haus bauen konnte und so wurde ein wenig mit den Ämtern gemauschelt und dann die Kate ganz plötzlich innerhalb weniger Stunden abgerissen. - Bauen durfte er dort aber trotzdem nicht ;-)

#2 Frau Doktor . 25.01.07 . 23:48 Uhr

Danke für den großartigen Link auf das Denkmal-Buch! Gibt’s in dieser Stadt eigentlich sowas wie eine seriöse Stadtplanung und -entwicklung oder ist das komplett an Immobilienhaie ausgelagert worden? Die Tatsache, dass unser geliebter OB auch diese Trumptower-Nummer federführend begleitet hat, lässt mich ja das Beste hoffen.

#3 circulus . 26.01.07 . 00:20 Uhr

Aktuelle Ergänzung: scheinbar wird die Favorisierung der Brache des S21 Geländes aufgegeben! Was ja prinzipiell ein vernünftiger Ansatz ist. Ob alles andere vernünftig ist und in welche Richtung es nun wirklich geht, scheint aber immer noch nicht so richtig raus zu sein. Die StN und die StZ beleuchten das in Artikeln vom 24.1. von verschiedenen Seiten.

Und, Frau Doktor, wenns Dich interessiert, das war nur der Link zur Denkmalliste von Stuttgart-Mitte - die komplette Liste ist über diese Seite zu erreichen (2,4 MB und 366 Seiten!). Und ein gewisser Herr Stegmann aus Münster hat sich die Mühe gemacht, alle Denkmallisten von Deutschland auf seiner Website aufzulisten.

#4 kesselblick . 26.01.07 . 09:49 Uhr

Diese Diskussion ist wichtig, danke Circulus. In dieser Stadt wird einfach zu viel und zu unüberlegt abgerissen…

Ich bin mir allerdings über eine Sache völlig im Unklaren:
Welche Art von Architektur ist eigentlich erhaltenswert? Ich komme drauf, weil es da ja wohl auch so Moden gibt. Die Bauhausler haben z.B. den ganzen neo-klassizistischen Kram gehasst, während wir ja alle in einer großen gründerzeitlichen Altbauwohnung leben wollen. Dafür hassen wir jetzt das Bauhaus, weil deren Epigonen uns diese ganzen lebensfeindlichen Betonwüsten beschert haben. Ich weiß, das ist stark vereinfacht, aber endet in der Frage: Was ist gute Architektur? Mir schwant, es geht da irgendwie um das “Menschliche Maß” …

Das andere ist die klägliche Situation am Karlsplatz. Irgendwie eine tote Ecke in der City. Wenn ich mir vorstelle, anstatt des langweiligen Finanzministeriums wäre da ein Luxushotel mit Straßencafe, rotem Teppich, Reisenden aus aller Welt - könnte vielleicht entscheidend zur Belebung beitragen. Hier nochn geklautes Foto …

karlsplatz

#5 circulus . 26.01.07 . 12:33 Uhr

Klar ist diese Diskussion wichtig. Weil es in jeder Epoche Entscheider gab, die den Wert gewisser Bauten nicht geschätzt haben und sie platt machten. Wie haben die Wessis darüber geschimpft, dass die Ossis in Berlin soviel platt gemacht haben. Und was machen die Wessis nun mit dem Palast der Republik?

Hier in Stuttgart haben wir eine ganz besondere ‘Kultur des Abrisses’, nach dem 2ten Weltkrieg wurde unfassbar viel an historischer Bausubstanz vernichtet, was erhaltbar gewesen wäre. Die markantesten Beispiele sind das Alte Rathaus und der Kronprinzbau. Aber auch der Großteil der Altstadt, von der außer dem Rotlichtviertel praktisch nichts mehr vorhanden ist.

Man gewöhnt sich schnell an ein neues Stadtbild, vergißt, was vorher war. Man könnte die Schultern zucken nach dem Motto ‘ist doch egal, so ists auch nicht schlecht’.

Es bestand immer wieder Hoffnung, dass die Entscheider aus dieser Vergangenheit lernen und sensibler mit historischer Bausubstanz umgehen. Pustekuchen. Hintergrund ist meistens die Geldgier. Investoren finden sich nur, wenn man Ihnen umfangreiche Zugeständnisse macht und sie ein Maximum an Geschossfläche aufstellen können. Was dazu führt, dass Freiräume zugebaut werden, Sichtachsen verstellt oder gar Luftschneisen abgeschnitten werden.

So geschehen auf der Königsstraße (Kommentar 11 von Frau Doktor), womöglich bald in der Theo-Heuss (dieser Beitrag) und irgendwann um den Karlsplatz herum.

Der Verweis auf die Eintragungen im Denkmalbuch war nicht umsonst - um zum Thema ‘Welche Architektur ist erhaltenswert’ zu kommen. Immerhin gibt es ja ein paar kompetente Zeitgenossen, die einschätzen, was erhaltenswert ist. Vielleicht fehlt noch die Öffentlichkeitsarbeit, den Bürgern auch zu erklären, wie es dazu kommt. Das würde sicher zum Verständnis beitragen. Unverständlich ist hingegen, wie immer wieder der Denkmalschutz außer Kraft gesetzt wird. Die Gesetzemacher müssen sich offenbar selbst nicht an Gesetze halten. Doch das ist ja eigentlich auch nicht neu.

Ich kann nur auffordern: selbst mehr informieren und auch mal vor Ort bewußt anschauen, wie sich das Stadtbild darstellt. Ringsherum und auch mal nach unten und nach oben. Kein Tunnelblick, sondern lieber den Kesselblick ;-) … So gesehen ein Luxushotel am Karlsplatz? Meinetwegen, WENN die Rechnung aufgeht. Denn daran hab ich ja noch grundsätzlich meine Zweifel, ob diese ganze Aktion, Ministerien zusammenzufassen, überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist und die nicht wieder unsinnig Steuergelder verschleudern.

#6 M.Stankewitz . 26.01.07 . 15:35 Uhr

Von einer Abrisskultur im Zusammenhamg mit dem im Krieg zerstörten Rathaus schreiben erscheint ist doch etwas seltsam. In der Stuttgarter Innenstadt ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben und die Baugeschichte des Stuttgarter Rathauses ist auch ziemlich gut dokumentiert.
Im übrigen muss man in Stuttgart nicht tatenlos zusehen,sondern es gibt mehr als aussreichend Gelegenheit sich aktiv einzumischen, man muss es halt nur machen.
Aus meiner Sicht besteht auch kein Anlass zu pauschalen Verurteilungen der Stuttgarter Stadtplanung, im Gegenteil.

#7 kesselblick . 26.01.07 . 15:54 Uhr

Herr Stankewitz, Ihre Arbeit in allen Ehren, aber was Proteste gegen überflüssigen Abriss bewirken können, hat man bei der Aktion der Allianz gesehen, die im Westen drei denkmalgeschützte Häuser abreißen ließ: nämlich rein gar nichts. Da wird man schon an den politischen Mehrheitsverhältnissen was ändern müssen. Und da sind wir ja gerade dabei ;-)

#8 Tagblatturm . 26.01.07 . 19:12 Uhr

Darf ich zu dem Abrisswahn in Stuttgart noch ergänzen:

Kaufhaus Schocken wurde 1960 trotz internationaler Proteste zum Abriss freigegeben; immerhin hatte der Mendelsohn-Bau neben der Weißenhofsiedlung das “tausendjährige Reich” überstanden. 1970 sollte die Stuttgarter Markthalle geopfert werden, auf die inzwischen jeder Stadtführer stolz ist; bezeichnenderweise steht hierzu nichts auf den entsprechenden Seiten der Landeshauptstadt. Demnächst könnte es ja auch noch dem Bonatz-Bau Hauptbahnhof an den Kragen gehen…

Quo vadis Stuttgart?

#9 Tagblatturm . 26.01.07 . 19:20 Uhr

Nachtrag:

http://www.ifa.de/a/a1/architek/da1...

#10 Tagblatturm . 26.01.07 . 19:32 Uhr

Das Landesdenkmalamt, jetziges Landesamt für Denkmalpflege, war nachgeordnete Behörde verschiedener Ministerien: Innenministerium…

Doch aktuell ist hier das Wirtschaftsministerium zuständig!

#11 Frau Brezel . 26.01.07 . 19:55 Uhr

Für alle Abreiß-Fanatiker: Haltet Euch doch hieran schadlos!

#12 qx . 26.01.07 . 20:58 Uhr

@Tagblatturm
Erst abreisen und dann später wieder zitieren, weil einem aufgefallen ist, dass es doch ganz nett war…
Hier zwei Bilder von wolfsauge und E-Al, die die Treppe des Boschareals zeigen, welche architektonisch ans alte Kaufhaus Schocken angelehnt wurde.

#13 circulus . 26.01.07 . 21:03 Uhr

@Frau Brezel: Liegt vor mir - geniale Idee - dieser Kalender - aber abgerissen hab ich noch nix, weil ich die Fotos so gut finde. Ist Stuttgart eigentlich auch dabei? Ich glaub, hier war Frau Turit nicht. Wir können sie ja einladen, dann kann sie nen eigenen Abriss-Kalender von Stuttgart machen.

@Herr Stankewitz: Das alte Rathaus stand nach dem Krieg noch Stein auf Stein, wie einige andere Gebäude. Ich hab eine recht nette Sammlung von Fotobänden, in denen der Nachkriegszustand Stuttgarts zu sehen ist. Meines Wissens gab es damals auch ein großes Gezanke, ob Erhalt oder Neubau, die Entscheidung wurde auf seltsamen Wegen gefunden - ähnlich wie heute. Ich unterstelle Profitsucht, Profilneurose oder einfach Ignoranz, solang nicht das Gegenteil bewiesen ist. Wobei ich nicht mal bereue, dass das alte Rathaus nicht mehr steht, denn das neue find ich persönlich sehr wohlproportioniert (hörthört - wie subjektiv).

@Tagblatturm: Stimmt, sehr bedauerlich, dass es das Kaufhaus Schocken nicht mehr gibt. Sie wissen recht viel darüber? Bitte mehr solche Infos! :-) … Und wissen Sie auch, wie es passieren kann, dass das Denkmalamt für den Abriss eines großen Teils des Hauptbahnhofs eine Genehmigung erteilen würde? Oder muss das gar nicht genehmigt werden? Wie läuft denn sowas? Wie mahlen die Mühlen? Zur Zeit schicke ich einige Fragen dazu per Email ins Rathaus. Die Erkenntnisse daraus werd ich gern kundtun.

#14 Tagblatturm . 27.01.07 . 12:27 Uhr

Kommende Woche noch einige Informationen zu Schocken und Horten.

#15 M.Stankewitz . 27.01.07 . 16:05 Uhr

@circulus
das Rathaus war komplett ausgebrannt. 2 der ursprünglichen Flügel des Rathauses sind erhalten geblieben. Das haben Sie vergessen zu erwähnen. Der Nachweis einer besonderen Abrisskultur in Stuttgart lässt sich aus dem Beispiel Rathaus wohl kaum ableiten.

#16 Tagblatturm . 28.01.07 . 09:11 Uhr

Nun, so zerstört war es dann nun auch nicht; der Fruchkasten sah schlimmer aus. Der Wiederaufbau des Neuen Schlosses stand auch auf der Kippe - nebenbei. Und so ganz nebenbei: Der Schulstraße wurde ein Bonatz-Preis verliehen.

Dann darf jeder für sich selbst entscheiden, was er am Marktplatz bevorzugt hätte:

oder

#17 M.Stankewitz . 28.01.07 . 10:14 Uhr

@tagblattturm
Dass der Rathausplatz heute nicht mehr so schön ist wie vor dem Krieg ,ist sicher unbestritten und dass der Rathausbau seinen Anteil daran hat auch, aber so tun als ob das alles nur der Profitgier und ähnlich niedrigen Bewegründen zuzuschreiben sei, entbehrt doch jeder Grundlage.

#18 Tagblatturm . 28.01.07 . 14:15 Uhr

Dass der Rathausplatz heute nicht mehr so schön ist wie vor dem Krieg ,ist sicher unbestritten und dass der Rathausbau seinen Anteil daran hat auch, aber so tun als ob das alles nur der Profitgier und ähnlich niedrigen Bewegründen zuzuschreiben sei, entbehrt doch jeder Grundlage.

Ich hatte nichts von Profitgier und niedrigen Beweggründen geschrieben!

#19 Tagblatturm . 28.01.07 . 14:37 Uhr

http://www.stadtlandschaft-stuttgar...
Nach den Zuschreibungen von Plätzen, s.o.: Der Rathausplatz heißt Marktplatz.

Und immerhin beherbergt das Rathaus noch einen alten Paternoster im Flügel an der Hirschstraße.

#20 Tagblatturm . 28.01.07 . 14:58 Uhr

Basteln eines Sheraton an der Theodor-Heuss-Straße?

#21 Frau Doktor . 29.01.07 . 11:53 Uhr

Zur Geschichte des Schockenbaus einschließlich seines Untergangs im Urbanismus der 60er Jahre gab es im Silberburg Verlag ein sehr infomatives Buch mit vielen Bildern, das anscheinend nur noch antiquarisch zu haben ist:

Renate Palmer, Der Stuttgarter Schocken-Bau von Erich Mendelsohn. Die Geschichte eines Kaufhauses und seiner Architektur, Stuttgart: Silberbrug Verlag 2002 (?).

Ist ein wenig her, dass ich es gelesen habe, aber bedingungslose Unterwerfung unter die Imperative des Kapitalismus und des Konsumismus haben beim Abriss des Gebäudes eine gewichtige Rolle gespielt – auch auf Seiten der Stadt. Da wollte man ganz ganz unbedingt modern sein, hatte aber einen eher eindimensionalen Begriff von dem, was das denn sei, modern.
Unterschwellig scheint das aber auch eine ganz seltsame Form von Vergangenheitsbewältigung gewesen zu sein, bösartig ausgedrückt: Schließlich war das Gebäude auch eine Art Monument für die vertriebenen und ermordeten Stuttgarter, die man vorher als Juden aus der “Volksgemeinschaft” ausgeschlossen hatte. Eine ähnlich psychohistorische Gemengelage vermute ich auch beim seltsamen Umgang mit der Weissenhof-Siedlung, zu der die Stadt Stuttgart ja erst in jüngerer Zeit ein positives Verhätnis gefunden hat.
Und vielleicht war die Neubau um jeden Preis-Stadtplanungs-philosophie der 50er, 60er und 70er in Deutschland auch ein Versuch, das 1000jährige Reich einfach “wegzubauen”. Wie man jetzt mit diesen umstrittenen Rekonstruktionsaktionen in Berlin (Stadtschloss) oder Frankfurt (Römer-Umgebung) auch versucht, sich als einzig legitimer Nachfolger des Kaiserreichs hinzustellen – und damit die Geschichte auch ein bisschen begradigt.

#22 M.Stankewitz . 29.01.07 . 13:56 Uhr

Neues Zuhause für Affen
Die Entscheidung für den Neubau der Anlage für Afrikanische Menschenaffen in der Wilhelma ist gefallen. Die Wahl fiel auf das Architekturbüro Hascher und Jehle, das in Stuttgart unter anderem bereits das Kunstmuseum gebaut hat.

Die Webseite der Stadt Stuttgart mit Archiv ist eine wahre Fundgrube ! Da kann man sich doch über die derzeitige Baukultur nun wirklich nicht beklagen.

#23 kesselblick . 29.01.07 . 14:57 Uhr

Herr Stankewitz, ist nicht eigentlich eher so, dass sich hier niemand über entstehende bzw. existierende Bauten beschwert, sondern nur über die Tatsache, dass der Umgang mit der historischen Bausubstanz in dieser Stadt, nunja, sagen wir, lax ist? Und das war ja wohl von Anfang so (Anfang=45). Dafür ist Stuttgart doch bundesweit bekannt - als der fehlgeschlagene Versuch z.B. eine “autogerechte Stadt” zu schaffen. Eines allerdings muss man hier bewundern: Es herrscht Leben im Beton! Da können andere verhunzte deutsche Städte nicht mithalten!

#24 M.Stankewitz . 29.01.07 . 16:21 Uhr

Ich fürchte man wird in vielen deutschen, durch Krieg beschädigten, Städten ähnliches finden und ähnliches behaupten können.
Ihre am Anfang gestellte Frage finde ich interessant, welche Architektur ist denn erhaltenswert ? Das Kaufhaus Schocken war für die damalige Zeit bahnbrechend, aber wie lange muss oder soll man an solchen Sachen kauen ? Oder nehmen Sie den alten Bahnhof. Der sieht urig aus, aber muss der nun bis in alle Zeit angebetet werden ?
Das Bauen für die Ewigkeit ist doch eigentlich überholt, so sieht es zumindest ein Teil der Architektenavantgarde. Das Wirtschaftsministerium löst bei mir bestenfalls Depressionen aus, auch die Situation entlang der Theodor-Heuss-Strasse kann man doch eigentlich nur als “Unort” bezeichnen. Jeder schaut,daß er so schnell wie möglich da weg kommt. Da wird sicher noch etwas geschehen. Und dem Anblick des Wirtschaftsministeriums würde ich keine Träne nachweinen.

#25 kesselblick . 29.01.07 . 17:12 Uhr

@theo-heuss-straße
Tja, da kann mal sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist - grade der Theo-Party-Boulevard ist doch das beste Beispiel, wie die Stuttgarter den Beton erobern. Dort ist eine für Deutschland mE einmalige Situation erstanden - komischerweise gerade weil es ein Unort ist, konnten sich mittlerweile an die 20 BarsClubsDissen etablieren, sodass es den Anwohnern schon wieder zu VIEL Leben ist… strange ways of evolution …

#26 M.Stankewitz . 29.01.07 . 18:04 Uhr

Ja, das ist wirklich sehr witzig aber eigentlich auch kein Widerspruch,denn die Disko- und Clubbesucher sind ja meist nur nachts unterwegs und sehen nix :).

Übrigens am 2. und 9. Februar finden im Literaturhaus ab 15.30 interessante Vorträge zur Stadt der Zukunft statt.

Freitag, 2. Februar

15.30 Uhr
Kolloquium Zukunft der Stadt – Leitbild versus Projekt
„Entgrenzung des Raums“
Begrüßung Prof. Wolfgang Schwinge, Uni Stuttgart
Einführung Prof. Dr. Martina Löw, TU Darmstadt, Dietmar Steiner, Architekturzentrum Wien
17.00 Uhr Offene Diskussion
19.00 Uhr Ausklang
Stadtmitte, Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4
Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen
Info: www.uni-stuttgart.de/igma

#27 Tagblatturm . 29.01.07 . 21:17 Uhr

Ich fürchte man wird in vielen deutschen, durch Krieg beschädigten, Städten ähnliches finden und ähnliches behaupten können.
Ihre am Anfang gestellte Frage finde ich interessant, welche Architektur ist denn erhaltenswert ? Das Kaufhaus Schocken war für die damalige Zeit bahnbrechend, aber wie lange muss oder soll man an solchen Sachen kauen ? Oder nehmen Sie den alten Bahnhof. Der sieht urig aus, aber muss der nun bis in alle Zeit angebetet werden ?
Das Bauen für die Ewigkeit ist doch eigentlich überholt, so sieht es zumindest ein Teil der Architektenavantgarde. Das Wirtschaftsministerium löst bei mir bestenfalls Depressionen aus, auch die Situation entlang der Theodor-Heuss-Strasse kann man doch eigentlich nur als “Unort” bezeichnen. Jeder schaut,daß er so schnell wie möglich da weg kommt. Da wird sicher noch etwas geschehen. Und dem Anblick des Wirtschaftsministeriums würde ich keine Träne nachweinen.

Absätze

1) Nürnberg, Dresden…
2) Nürnberg hat noch ein Schocken; der Stuttgarter Hauptbahnhof steht immerhin unter Denkmalschutz und ist ein Bonatz-Bau.
3) Bauten mit einer Halbwertszeit von maximal 100 Jahren! Sieht das die Architektenavantgarde so? Und welche Baustoffe sind dann gefordert, am besten Beton - der mager angereicherte-, um die Halbwertszeit nochmals aufzunehmen. Der dürfte in einem angemessenen Zeitraum ja wieder zu Feinstaub zerfallen.

Was ist das überhaupt für ein Geschichtsbewußtsein? Oder geht es um die Zukunft von Architekten; die hätten dann noch die Brache hinter dem Hauptbahnhof als Sandkasten zum Austoben. Aber vermutlich passen der sogenannten Architektenavantgarde nicht einmal die bereits vorgegebenen Straßennamen!

Nachdenklich über die Abrissbirnen…

#28 Tagblatturm . 29.01.07 . 21:36 Uhr

@M.Stankewitz

Sie sind doch in Maulbronn ansässig.
Soll das Weltkulturerbe hier eingeebnet werden? Kein Problem: kurze Anfrage bei der UNESCO mit der Bitte, das Kloster zu streichen; ein, zwei Anträge an die zuständigen Behörden, eventuell noch Klärung mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe… Dann sollte das doch umsetzbar sein.

Beton, es kommt nur darauf an, was man daraus macht. (So die Werbung auf Betonmischern)

#29 M.Stankewitz . 30.01.07 . 08:29 Uhr

@Tagblattturm
Mit diesen Fragen von Bewertung muss man sich schon auseinander setzen.Der Unterschied zwischen UNESCO-Denkmälern und dem Stuttgarter Bahnhof muss wohl nicht erklärt werden.Ihre Betonparolen sind sowieso schon längst passe,das ist (k)alter Kaffee.
Wenn man Ihre Vorstellung zu Ende denkt und die Germanen sich immer denkmalfreudig verhalten hätten, säßen wir heute noch in Höhlen oder bestenfalls in altrömischen Bauten (die hatten teilweise wenigsten schon Wasserspülung).

#30 circulus . 30.01.07 . 11:31 Uhr

@Stankewitz: Ich habs! Sie sitzen auch in einem der Gremien, die über die Stuttgarter Stadtentwicklung entscheiden!? Zwar sind Sie nicht bei der Fraktion Geldgier, dafür auf der Seite der Schulterzucker. Höchst bezeichnend (und damit gefährlich) finde ich Ihren Satz

Und dem Anblick des Wirtschaftsministeriums würde ich keine Träne nachweinen.

Womöglich haben Sie es noch gar nicht gesehen, weil Sie wie die Discobesucher nur nachts unterwegs sind? Laufen Sie doch mal tagsüber dort entlang, schauen auch mal nach schräg oben und betrachten Sie die Häuser, die Fassaden. Gerade jetzt im Winter, denn im Sommer sind fast alle Fassaden von den Baumreihen verdeckt (was durchaus gut so ist). Das ein oder andere Gebäude ist ganz nett, die meisten sind gepflegt. Aber das einzige Gebäude, welches ins Denkmalbuch eingetragen ist (s.o.), ist das Wirtschaftsministerium!
Nun: welchem Gebäude an der Theodor-Heuss-Straße würden Sie denn eine Träne nachweinen? Keinem? Ja dann kann doch eines der anderen abgerissen werden, um das Hotel zu bauen! Wieso das nicht zur Diskussion steht? Weil es nicht die Stadt wäre, die damit Geld verdient! Also: Profitgier.
Und - bitte erklären Sie uns den Unterschied zwischen dem Bahnhof und einem UNESCO Denkmal?! Haben nicht in beiden Fällen ein paar kluge Köpfe darüber beraten, wie hoch der kulturelle Wert eines Gebäudes / einer Anlage ist? Sitzen Ihrer Meinung nach bei der UNESCO klügere Köpfe als in unserem Denkmalamt? Oder hat es den Hintergrund, dass man mit dem Stempel der UNESCO Geld verdienen kann, weil ein touristischer Anziehungspunkt entsteht? Zu den Einträgen ins UNESCO Weltkulturerbe gehören übrigens auch Höhlen und römische Bauten (mit und ohne Wasserspülung). ;-)

#31 Alex . 30.01.07 . 13:23 Uhr

Beton, es kommt nur darauf an, was man daraus macht.

Es gibt doch in Stuttgart auch schön Beispiele für ansprechende Beton-Bauten. Wie wär´s z.B. mit dem Gemeindezetrum in Sonnenberg. Ich mach Samstags immer einen Umweg auf dem Weg zum Bäcker, um es mir anzuschauen…

#32 M.Stankewitz . 30.01.07 . 18:32 Uhr

@circulus
der blödsinnige Vergleich UNESCO-Bahnhof stammt nicht von mir und ist wohl nur als weitere Verbalkäule hier eingeführt worden. Ich habe Ihren ungehörigen Anschuldigungen wiedersprochen und damit ist die Sache für mich erledigt.
Übrigens habe ich vom alten BAhnhof gesprochen, dem urigen roten Bau an der Bolzstrasse,der ist ja auch nicht mehr in Betrieb. Aber das wurde im Eifer des Gefechtes wohl übersehen.

#33 circulus . 31.01.07 . 03:01 Uhr

@Stankewitz: stimmt, der ‘blödsinnige’ Vergleich UNESCO vs. Hauptbahnhof stammt von mir. Aber Sie sagten doch:

Der Unterschied zwischen UNESCO-Denkmälern und dem Stuttgarter Bahnhof muss wohl nicht erklärt werden.

Darauf wollte ich hinaus: doch, ich finde schon, dass der Unterschied einer Erklärung bedarf, vielleicht von Ihnen?

@Alex, @Tagblatturm zum Thema Beton: Es gibt viele schlimme Beispiele und wenige gute zu dem, was aus Beton gemacht wurde. EIn ganz anderes Thema (und das betrifft nicht nur Stuttgart) ist ja die Haltbarkeit von Beton. Schon im letzten Jahr las ich Meldungen darüber, dass unzählige (Verkehrs-)Bauwerke aus den Sechzigern nicht mehr sicher seien, weil der Beton marode ist. Da sind doch die Bauten aus massivem Stein reichlich im Vorteil - die halten gern mal hunderte Jahre. Sowas wird heute ja überhaupt nicht mehr gebaut. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass irgendeines der heute erstellten Bauwerke in 100 Jahren noch steht. Bis dahin wird sich unser Stadtbild also noch ein paarmal verändert haben … ;-)

#34 Alex . 31.01.07 . 08:21 Uhr

Jaja, ich wollte ja nur auch mal zeigen, dass ich total coole Architektur in Stuttgart kenne, obwohl ich ja erst 2 Monate hier wohne ;-) Ich hab schon Leute getroffen, die fanden Stuttgart viel schöner als z.B. München, weil sich die Stadt ständig verändert…

#35 Tagblatturm . 03.02.07 . 10:51 Uhr

Das Wirtschaftsministerium ist die oberste Denkmalschutzbehörde.

[Zitat]

Zuständig für die Erteilung von denkmalrechtlichen Genehmigungen oder Zustimmungen und für die Erteilung von Steuerbescheinigungen nach den §§ 7 i, 10 f und 11 b Einkommensteuergesetz sind die unteren Denkmalschutzbehörden bei den unteren Baurechtsbehörden. Die unteren Denkmalschutzbehörden entscheiden nach Anhörung der fachlichen Denkmalpflege in den Regierungspräsidien. Die Regierungspräsidien sind als höhere Denkmalschutzbehörden auch die Widerspruchsbehörden. Das Wirtschaftsministerium ist oberste Denkmalschutzbehörde, entscheidet über grundsätzliche Fragen, regelt das denkmalrechtliche Verfahren, erlässt Vorschriften und ist am Gesetzgebungsverfahren beteiligt.

Weitere Informationen finden Sie in der Verwaltungsvorschrift des Innenministeriums für das Verfahren zum Vollzug des Denkmalschutzgesetzes vom 11. März 2005.
(GABl. S. 504)

[Zitat Ende]

http://www.wm.baden-wuerttemberg.de...

[GABl = Gemeinsames Amtsbatt]

#36 BD-Architekten Regensburg . 03.06.07 . 15:07 Uhr

In vielen Städten in Ostdeutschland wird ähnlich gewütet. Denkmalgeschützte Gebäude abgerissen und öde Grünflächen zu lieblosen Brachflächen und Hundeklos hinterlassen. Oder es werden eben teure Hotels und die ewig gleichen Einkaufstempel hochgezogen. Die Städte werden immer gleicher. Leider.

Made by 6B