Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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28 02.07

Ab ins Museum, Herr Kippenberger!

Von Frau Doktor
Vermischtes . 22:42 Uhr

Angeberei sei eines seiner größten Talente, soll er gesagt haben. Er platzierte in jeder seiner Ausstellungen mindestens zwei schlechte Kunstwerke, damit sich “dialektische Spannung” ergebe. Was meistens hieß, dass sich Kritiker und Publikum maßlos über ihn aufregten. Von Museen hielt er nichts, wohl auch, weil die deutschen Museen und Big Names ihn konsequent boykottierten. “Bevor ich die anderen Anerkennungen bekomme, wie “Im-Museum-Hängen”, sehe ich eher die Museumsdirektoren hängen….. Kurz: Museum ist Altertumsquatsch. Obwohl jeder jetzt schon weiß, das ich derjenige bin, der die achtziger Jahre erfasst hat.”

Berühmt-berüchtigt wurde er trotzdem, auch weil er die Selbstinszenierung und -Positionierung im System Kunst selbst zum Kunstwerk machte, zum Kunstwerk “Martin Kippenberger”. Dass er furchtbar soff, üble Chauvi-Sprüche riss und mit 44 Jahren an Leberkrebs starb, war er sich quasi selbst schuldig.

Nun, zehn Jahre nach seinem Tod ist er endgültig im Museum angekommen: Die Tate Modern organisiert ihm eine Retrospektive, er bekommt sein eigenes dokumentarisches BioPic – und ausgerechnet damit kommt er in die Stuttgarter Staatsgalerie. Aber nur heute und auch nur in den Kunstklub. Der zeigt um 19 Uhr den Dokumentarfilm “Kippenberger. Der Film” von Jörg Kobel, dann erklärt uns Roland Schappert Kippenbergers Kunst des Scheiterns – und seine eigene.

Anschließend kommt der eigentliche Kippenberger-Teil: Wolfgang Brauneis (a-musik Köln) legt Musik von Kippenberger, aus seinem Umfeld und überhaupt auf. Für kleines Geld, nämlich nur 1,50€ pro Flasche Bier, kann das geneigte Publikum am parallel stattfindenden Martin-Kippenberger-Gedächtnis-Trinken teilnehmen.
Ach ja: Durch Stuttgart hat er sich übrigens auch gesoffen. Schließlich war der legendäre Max Hetzler einer seiner frühesten Galeristen. Und die Grässlins aus Sankt Georgen seine treuesten Sammler.

Wer mehr über Kippenberger wissen will, sollte das liebevolle Erinnerungsbuch seiner Schwester lesen: Susanne Kippenberger, “Der Künstler und seine Familie”, Berlin Verlag
Und ganz unbedingt das Interview, das Jutta Koether im Sommer 1991 mit ihm für Spex und die Texte zur Kunst geführt hat. Aus gegebenem Anlass wieder veröffentlicht in der aktuellen SPEX.

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1 Kommentar zu Ab ins Museum, Herr Kippenberger!

#1 kesselblick . 01.03.07 . 09:22 Uhr

Kippenberger ist/war nur gut. Rules!

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